Reviews: G.I. Joe 2, Sightseers, Spring Breakers, Die Croods (Review)

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G.I. Joe 2 – Die Abrechnung (G.I. Joe 2 – Retaliation) – USA 2012/13
★★☆☆☆

Zartan hat sich als US-Präsident verkleidet und intrigiert gegen die Joes. Die versuchen ihn zu enttarnen ehe er die Weltherrschaft übernimmt.. oder so…

Auweiha. Das ist ja mal ein schöner Schuss in den Ofen. Schade eigentlich, denn der erste Teil war überkandidelter, spassiger Trash – der seiner Vorlage durchaus angemessen war. Und irgendwo in diesem verkorksten, überkomplizierten Drehbuch von Gi.I. Joe 2 liegt sogar ein klassischer Bond-Film versteckt den ich gerne sehen würde.

Doch leider versackt das Ganze in einem Skript mit viel zu vielen scheissegalen Figuren ohne Charakter und zu vielen Szenen in denen Leute herumstehen und langweiliges Zeug reden. Bruce Willis hat offenbar mal wieder so gar keinen Bock gehabt und kommt deswegen auch nur für 10min überhaupt vor, hat eine halbe Actionszene und wollte sich ansonsten wohl wenig bewegen – weswegen die meisten Szenen mit ihm in einem Vorstadtreihenhaus spielen – so eine Art My Crib in langweilig. Hui noch eine Waffe im Kühlschrank, wie lustig – lass mich diese Szene noch 10x sehen, die wird ja immer lustiger je länger sie läuft. Not.

Channing Tatum wollte wohl auch wichtigeres erledigen und trotz Nachdreh mit ihm ist er ca. 6min zu sehen. Was uns mit Dwanye Johnson und seiner Bande von Langweilern zurücklässt die einer austauschbarer sind als der andere. Die dann mit viel zusammenhanglosen Actionszenen, die wirken als wären sie von jemand gedreht worden der keine Ahnung hat worum es im Film überhaupt geht, einen im Grunde ganz charmanten und vor allem simplen Plot verhunzen. Und sich dabei viel zu ernst nehmen. Like really fucking to seriuos. G.I. Joes sollten kein Drama spielen und keine grimmigen Söldnersätze ausspucken denn sie sind lebende Comicfiguren denen nolansche grittyness genauso schlecht bekommt wie Inzestsex einer Disney-Prinzessin.

Der einzige Lichtblick und auch der einzige der verstanden hat in welcher Art Film er mitspielt ist der grandios overactende Jonathan Pryce der einen Over-the-Top-Bösewicht hinlegt auf den Blofeld stolz gewesen wäre. Seine Szenen machen echt Spaß und lassen erkennen, wie gut der Film hätte sein können, wenn man sich auf 1-2 Helden konzentriert und die Geschichte schnörkelloser auf den Punkt inszeniert hätte. Und vor allem mit guten Actionszenen. Stattdessen gibt es ein total fragmentiertes Finale in dem Dwayne Johnson quasi im luftleeren Raum seine eigenen Abenteuer erlebt, die wenig mit der Hauptstory zu tun haben und seine ganze Rolle noch mehr wirken lässt, als wäre sie, wie Bruce Willis-Figur auch, komplett nach dem Hauptdreh entstanden und irgendwie in den Film geschoben worden.

It’s a train wreck – und das ist echt schade, denn G.I. Joe könnte eigentlich wirklich gutes, albernes Popcornkino sein.


Die Croods (The Croods) – USA 2012
★★½☆☆

Steinzeitfamilie flieht vor der Kontinentaldrift…

BBunt, quietschig und mit gewöhnungsbedürftigem Charakterdesign sind die Croods nach dem optisch beeindruckenden und angenehm weirden “Rise of the Guardians” leider ein ziemlicher Rückschritt für Dreamworks. Diese Familie Feuerstein auf Steroiden wirkt über weite Teile wie eine Mischung aus überlangem LetsPlay des Games zum Film und einem halbgaren Road Runner Cartoon.

Die erste Hälfte des Films mit Fokus auf Eeb ist pure Hysterie, Rennen, Hüpfen, kreischen, rennen, schreien, streiten und das nervt nicht unerheblich. Was etwas schade ist, denn abgesehen von den merkwürdig schluffig animierten Hauptfiguren hat der Film ja eine durchaus schöne Welt anzubieten, in der besonders die phantasievollen Fabelwesen von tödlichen Flamingos bis zu Walen mit Beinen verdammt cool aussehen.

Das hilft aber leider nicht dagegen, dass die Dramatugie nicht existent ist und der extrem cartoonige Slapstick-Humor verhindert, dass man irgenwelche Bedrohungen der Figuren je ernst nehmen kann. Wer aushält das 10 Tonnen Steine auf ihn drauf fallen, wird auch überleben wenn er von einer Klippe stürzt oder von Lava verfolgt wird. Deswegen sitzen auch die emotionalen Momente, in der wesentlich besseren zweiten Hälfte des Films, wenn die Story von Eeb zu ihrem Vater wechselt, wie Fremdkörper in diesem Film, der über weite Strecken dann leider doch nur ein Paraphrase der Ice Age-Filme ist, der es an eigenen Ideen mangelt. Und ja es gibt hier genau wie in Ice Age 4 eine lustige Oma-Figur. Die durchaus spannende Frage wie wichtig Evolution und Weiterentwicklung ist geht, genau wie Spurenelemente von John Cleese-Humor (der die ersten Drehbuchentwürfe verfasste) in diesem eindeutig auf Kleinkinder zielenden Spektakels unter. Kids unter 12 werden sich vermutlich blendend amüsieren und sind dann auch in der richtigen Stimmung um zuhause mit den Figuren auf der XBox weiterzuhüpfen – für erwachsene Animationsfans ist das Ganze doch eher anstrenged und zu platt und brachial erzählt.

Spring Breakers – USA 2013
★★☆☆☆

Vier Mädels wollen zum Spring Break und dafür ist ihnen jedes Mittel Recht… und dann blablabla Brüste, blablabla Drogen, blablabla hättestemalaufdeinemamigehört…

Auf dem Papier mag das ja alles wie eine dolle Idee ausgesehen haben: Ex-Disney-Girlies die mal zeigen wollen, dass sie gar nicht mehr so brav sind, ein Regisseur der immer total “edgy stuff” dreht und ein Schauspieler der eh alle Rollen wie der uneheliche Sohn von Cheech&Chong spielt.

Mit Spring Breakers tun sich alle zusammen leider keinen Gefallen, denn das dem Aussehen nach großräumig improvisierte Endergebnis ist anstrengender als Korines Trashhumpers und Gummo zusammen – und wirkt obendrein weniger inspiriert. Natürlich hat er immer schon einen Hang zu recht oberflächlich-pubertärem Gepose gehabt – aber in seinen experimentelleren Filmen kann er das noch hinter einem Konzept verstecken. Der Versuch des konventionell narrativeren offenbart hier nur: Ohne Larry Clarks dirigierende Hand (der Kids und Ken Park gedreht hat) ist Korine nicht in der Lage irgendwas sinnvolles abzuliefern.

Bevölkert von unsympathischen Figuren, deren Entfernung aus dem Genpool durch eigene Doofheit nur begrüssenwert ist, schildert er uns eine Klein-Fritzchen-Fassung von “Scarface” gedreht vom Team das sonst die Pornoreihe Girls Gone Wild abdreht. Zeitlupenbrüste wechseln sich mit ad infinitum wiederholten Dialogloops ab, Teeniephilosophie im Offtext plus Francos unerträgliches Chargieren als Wurst vom Dienst, der zweimal zu heftig in die Alufolie gebissen hat und sich nicht ganz entscheiden kann, ob er gerade bei MTV-My Crib ist oder als Udo Jürgens-Verschnitt Britta Spears-Songs notzüchtigt.

Natürlich macht das alles keinen Sinn, denn alle Bilder sind geborgt, alle Dialoge hohles Geblubber und die Bilder im besten Fall Miami Vice meets Baywatch. Korine spricht in Interviews gerne davon, dass der Film wie Gemälde sei, eine Erfahrung – aber im Grunde ist er wie seine Figuren nur ein nerviges Nichts mit Sahnehaube.

Und es gibt interessantere Bildschirmschoner als Spring Breakers, bessere Pornos, bessere Arthaus-Filme und bessere Vehikel für brave Girlie-Stars die mal gaaanz ungezogen tun wollen.

Sightseers – UK 2011
★★★½☆

Leicht spiessiges Psychopärchen tourt durch die Lande mit seinem Campingbus und bringt Leute um…

Der Vergleich zu Stones NBK liegt so nahe, dass kaum ein Review ohne ihn auskommt – doch hier steht keine Medienkritik und Hyperästhetisierung von Gewalt im Zentrum. Hier wird in sehr gewöhnlichen Bildern, mit sehr viel Lakonie, Beiläufigkeit und schwarzem Humor eine Geschichte eines nicht eben sympathischen Pärchens vorgeführt.

Das ist putzig anzusehen, gleitet aber mangels Handlung immer mal wieder ins Repitative, da es weder eine große inhaltliche, noch charakterliche Progression der Protagonisten zu verfolgen gibt. Sie fahren, sie morden, sie ficken – und doch erfahren wir nicht soviel über die beiden Figuren, noch über ihre Opfer oder die Auswirkungen ihres Handelns.

Was letztlich für den Film einnimmt sind die Darsteller, die diese beiden kranken Seelen, die im Grunde auch menschlich nicht so spannend sind, dennoch greifbar und interessant machen und das tiefschwarze, folgerichtige Ende.

Kein Must-See, aber gute, gemächliche Unterhaltung die trotz des überschaubaren Spannungsbogens bei der Stange hält. Und weniger anstrengend ist als Kill List.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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9 Comments

  1. Silent Rocco

    Anstrengender zu gucken als Trashhumpers? Wow :) Aber ehrlich, hat jemand bei den Trailern irgendwas anderes vermutet, ein ein bissel buntes Proletengedöhns? Sightseers macht Spaß, wenn auch bei weitem nicht so viel wie Kill List, der für mich ein Instant-Klassiker ist. Dennoch, die toll verschrobenen Charaktere und das an sich ziemlich einmalige Grundsetting tragen wunderbar.

  2. Oliver Lysiak

    Ich fand Trashhumpers noch interessanter, er hatte immerhin durch seine Machart was verstörendes. Spring Breakers ist nur pubertäres Gepupse.

  3. Markus

    Volle Zustimmung bei “Spring Breakers” – was für ein gequirlter Quark. (“Wurst vom Dienst, der zweimal zu heftig in die Alufolie gebissen hat.” – sehr schön!) Die Croods fand ich dagegen recht unterhaltsam und gelungen – für mich der beste Animationsfilm seit Rapunzel.

  4. tobi

    Für mich ist Spring Breakers der bisher beste Film in disem Jahr. Fande ihn audiovisuell überragend. Mag aber auch den Regisseur sehr gerne. Kann jedoch verstehen, wenn jemand damit nichts anfangen kann. Wahrscheinlich hat hier jedoch die Britney-Spears-Piano-Einlage für die zwei Sterne gesorgt, den Kritik liesst sich eher nach null bzw. einem halben Stern.

  5. Rudi Ratlos

    Großartig, dass die Nase, die Channing Tatum nach dem Eröffnungsintermezzo ersetzt, auch sein Zwillingsbruder sein könnte, wahrscheinlich aber nur einen Bruchteil gekostet hat. Die Mädels sahen alle wie Plastepüppchen aus und der wohl wichtigste Punkt wurde dankenswerter Weise angesprochen: Das Ding nimmt sich viel zu ernst! Schade drum. Und so langsam nerven Bruce Willis’ Miniauftritte gewaltig. Namedropping zur Altersvorsorge…

  6. tommy

    spring breakers ist ein hervorragender film. er ist das märchen unserer generation.die dargestellte inhaltslosigkeit ist die realität in der die westliche welt lebt.
    aus dem film ist einiges rauszuholen, wenn man nur hinschaut.

    besser noch mal schaun und sich ernsthaft damit auseinander setzen, anstatt so eine oberflächliche kritik hinzuklatschen.

    (ist zwar witzig zu lesen, verfehlt aber komplett den kern des ganzen films)

  7. tommy

    spring breakers ist ein hervorragender film. er ist das märchen unserer generation.die dargestellte inhaltslosigkeit ist die realität in der die westliche welt lebt.
    aus dem film ist einiges rauszuholen, wenn man nur hinschaut.

    besser noch mal schaun und sich ernsthaft damit auseinander setzen, anstatt so eine oberflächliche kritik hinzuklatschen.

    (ist zwar witzig zu lesen, verfehlt aber komplett den kern des ganzen films)

  8. resur@ction

    The Croods ist ein hervoragender Familienfilm, wobei er nicht nur für Familien geeignet ist, sondern das Faktotum Familie hierbei den Kern des Films ausmacht. Der Verlagerung des HAndlungsstranges von der Tochter auf den Vater ist konsequent und bildet jene Realität ab, in der Väter lernen müssen mit den neuen Lebensentwürfen ihrer flügge werdenden Kinder klar zu kommen und ihre eigenen Entwürfe zu überdenken.
    Es ist kein Film ala Ghibli und er will dies auch gar nicht sein. Er ist perfekte Unterhaltung für den “rainy sunday afternoon” und “Vater” kriegt auch was zum nachbeben mit nach Hause.
    Ähnlich wie bei Pixars “The Incredibles” sind hier die Eltern die eigentliche Zielgruppe, neben den lieben Kleinen.

  9. Farty McFart

    So wie dein Geschreibsel?

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