I love Roger

10 Comments

UPDATE: Aus dem gegebenem wie traurigen Anlass seines Todes hier nochmal ein Text von 2008 in dem ich damals erklärt habe, warum ich Roger Ebert verdammt gerne hatte. Sein Kampf gegen den Krebs, sein Mut und seine ungebrochene Liebe zum Film waren bewundernswert. Das er diesen Kampf jetzt im Alter von 70 Jahren doch verloren hat und damit wie sein Freund Gene Siskel viel zu früh starb, um so trauriger. Ich werd dich vermissen Roger. Deine Texte, deine Tweets und dein Glauben daran das Kino mehr ist als nur flackernde Vergänglichkeit.

Ich bin niemand der Idole hat. Denn Idole bedeuten immer eine unkritische Vergötterung und das liegt mir einfach nicht. Das bedeutet jedoch nicht, daß es nicht Menschen gibt vor denen ich immensen Respekt habe und eine große Zuneigung zu ihnen und ihrer Arbeit verspüre.

Rogert Ebert ist einer dieser Menschen. Er ist vielleicht der berühmteste Filmkritiker der Welt und eine der wenigen Legenden, die sich diesen Status hart erarbeitet haben. Ihm und seinem verstorbenen Kollegen Gene Siskel mit dem er 20 Jahre lang Siskel & Ebert moderierte gebührt der Verdienst ernsthafte, geistreiche, unterhaltsame, leidenschaftliche und spannende Filmkritik im Fernsehen populär gemacht zu haben.

Wenn sich Siskel und Ebert stritten flogen die Fetzen, es ging hart zur Sache und es wurde ernstlich gestritten. Die beiden zeigten dem Publikum, daß man sich mit Filmen auseinandersetzen kann, das man unterschiedlicher Meinung sein kann und sich dennoch respektieren.

Rogert Ebert liebt Filme. Er hat seine Vorlieben und Abneigungen, doch der bisweilen bei der deutschen Kritik vorherrschende Snobismus gegenüber Genre- und Unterhaltungskino ist ihm völlig fremd. Er kann sich für einen guten Horror und Slasherfilm genauso begeistern, wie für Arthaus-Dramen, Komödien, Romanzen, SciFi und Blockbuster. Er hat trotz seiner 66 Jahre keine Berührungsängste, weder mit Trivialkultur noch mit intellektuellen Werken. Er war als Kind ScienceFiction-Fan, hat zusammen mit Russ Meyer gearbeitet, ein Filmfestival gegründet, Filme vor der Versenkung bewahrt, Bücher geschrieben mit Titeln wie “Your movie sucks” and “The 100 best movies of all Time”, DVD-Kommentare eingesprochen, einen Publitzerpreis gewonnen, sich den Satz “Two Thumbs Up” patentieren lassen und als einer der ersten bekannten Kritiker das Internet für sich entdeckt und nutzen gelernt achja und er bloggt auch.
Er ist offen und formuliert gut, er argumentiert persönlich, aber nicht unsachlich. Er ist pointiert, analytisch aber nie kalt. Er hat Humor und Selbstbewusstsein und es macht einfach Spaß seine Reviews zu lesen oder anzuschauen, egal ob man mit ihnen übereinstimmt oder nicht.

Denn das ist das großartige an guten Kritiken: Sie bringen einem andere Sichtweisen und erklären andere Standpunkte ohne daß man zwangsläufig ihrer Meinung sein muß. Siskel und Ebert funktionierte auch deswegen, weil es den Leuten zeigte wie man argumentiert und das es mehr gibt als nur “boah toll” oder “doof”.

Eine schwere Krebserkrankung und lange Krankenhausaufenthalte haben Ebert eine ganze Weile ausser Gefecht gesetzt. Er ist mittlerweile nicht mehr fit genug und durch Operationen im Gesicht in Mitleidenschaft gezogen, kann derzeit nur mittels eines Sprachcomputers sprechen, so daß er sich entschlossen hat seine TV-Show nicht weiter zu führen und seinem Kollegen und Siskel-Nachfolger Roeper zu überlassen. “I ain’t a pretty boy anymore“, meinte er selbstironisch und natürlich war das ein Filmzitat (aus Raging Bull). Dennoch schreibt er weiter und denkt nicht ans Aufhören, denn Ebert liebt und lebt für Filme.

Dieses lange aber ausgesprochen spannende und interessante Interview das vor seinem letzten Krankenhausaufenthalt 2005 geführt wurde gibt Einblick in Eberts Leben, seine intensive und turbulente Beziehung zu Gene Siskel, seiner Art Filme zu bewerten und seiner generellen Sichtweise zu Filmen. Er erklärt wie er bewertet, warum Sternewertungen für ihn immer genrespezifisch und nicht objektiv vergleichbar sind. Wie er zum Fernsehen kam, wie sein Verhältnis zu Regisseuren ist und warum er auch Filme mit Schwächen sehenswert findet.

Hier gehts zum dreiteiligen Interview

Nicht abschreckenlassen von einem sehr lahmen Intro mit ganz viel Stühlen und leichter Tonasynchronität. Es kommt drauf an was der Mann erzählt und das ist cool.

[Videolinks via Daywalker Thanx!]

In : Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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10 Comments

  1. julian

    sehr schöner text zu einem auch von mir sehr respektierten kritiker.

  2. Xander

    Hm… “At the Movies” als Begriff ist doch wohl nicht irgendwie geschützt oder!?

  3. Boris

    Feine Würdigung! Ebert ist für mich seit vielen Jahren die allererste Instanz, wenn ich mich über neue (und auch alte!) Filme informiere.

    Ich teile seine Urteile – im Nachhinein – natürlich nicht in jedem Fall, aber sie sind – im Vorhinein – immer so aussagekräftig und für mich gut einzuschätzen, dass ich mir eine konkrete Vorstellung machen kann, ob mir ein Film gefallen wird oder nicht.

    In Deutschland sehe ich im professionellen Feuilleton weit und breit nicht mal im Ansatz ein derartige Kompetenz und kritische Qualität.

  4. stefan

    Exzellenter Beitrag! Wenn ich bei IMDB einen mir unbekannten Film nachschlage, bin ich immer froh, wenn bei den external reviews „Roger Ebert, Chicago Sun Times“ auftaucht: Seine klugen, sachlichen und trotzdem nicht emotionslosen Besprechungen sind immer lesenwert, meist zutreffend (für mich), oft lehrreich und nie langweilig.
    Wären sie Pflichtlektüre, käme man wohl ohne F5-Kommentarfibel /a> aus.

  5. Rogert Ebert sagt Goodbye… - Die Fünf Filmfreunde

    […] Ebert sagt Goodbye… Warum ich den Filmkritiker Roger Ebert mag, habe ich hier ja neulich ausführlich erzählt. Nach über 30 Jahren verabschiedet sich Ebert, der von vielen Operationen und langer Krankheit […]

  6. Siskel & Ebert - Der Film | Die Fünf Filmfreunde

    […] ich die beiden sehr schätze habe ich HIER ja schonmal ausführlich geschildert. Ein paar Filmstudenten haben sich jetzt Gedanken gemacht, wie man aus der Siskel & […]

  7. Ancketill Brewer

    Das Lesenswerte an Ebert ist meinesachtens seine analytische Tiefgründigkeit fern eines intellektuellen Habitus’. Und er erdet die Charakterbeschreibungen auf sehr empathische Art. In seiner Kritik zu “Leap Year” schildert er den Verlobten, dem letztlich die Frau vom good guy ausgespannt wird, folgendermaßen: “He does nothing, absolutely nothing, wrong. For veteran filmgoers, he has one fatal flaw: He has a healthy head of hair, and every strand is perfectly in place. No modern movie hero can have his hair combed.”

  8. Tok

    In Anlehnung einer Wyler/Wilder Unterhaltung am Grab von Ernst Lubitsch:

    Kein Roger Ebert mehr. Schlimmer noch, keine Ebert-Filmbesprechungen und keine Ebert-Blogeinträge mehr.

    Ich werde Dich vermissen, Roger und Deinen grandiosen Blog. Ich war nicht immer einer Meinung mit Dir, aber ich habe Dich sehr gerne gelesen. Ruhe in Frieden.

  9. Tok

    In Anlehnung einer Wyler/Wilder Unterhaltung am Grab von Ernst Lubitsch:

    Kein Roger Ebert mehr. Schlimmer noch, keine Ebert-Filmbesprechungen und keine Ebert-Blogeinträge mehr.

    Ich werde Dich vermissen, Roger und Deinen grandiosen Blog. Ich war nicht immer einer Meinung mit Dir, aber ich habe Dich sehr gerne gelesen. Ruhe in Frieden.

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    01/25/15

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    ARE YOU FLIPPING KIDDING ME

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    Famous Horror Icons Reimagined as Babies

    In his “Baby Terrors” series of funny illustrations, Chicago-based artist Alex Solis takes some of pop culture’s most famous horror characters and reimagines them as babies.

    Holy shit! The leatherface one!!!

    01/10/15

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    book-of-the-courtier:

    DVD cover for gay and lesbian comedy movie “Pride” is ‘straight-washed’ for American market

    In case you’re wondering the critically acclaimed comedy is about a group of gay and lesbian activists who supported striking miners in the 1980’s

    The top photo is the USA DVD cover with Lesbians & Gays edited out, the bottom photo is the European version

    The wording has also changed from  ”a London-based group of gay and lesbian activists” to “a group of London-based activists”.

    01/05/15

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    boyshighlandladdie:

    tedderette:

    tokillthedragon:

    spookingghostingoperating:

    brokenponycutiemark:

    averytheelfchild:

    love-tastes-like-lemon-juice:

    youcrashquims:

    madgastronomer:

    gothiccharmschool:

    Sir Christopher Lee, more fantastic than all of us. ALL OF US.

    Performed in a metal opera as Charlemagne.

    Schooled director of original and only worthwhile Wicker Man about ancient Druidic practices.

    And blessed with the most authoritarian voice ever. And I think he’s like 1,90m tall

    The only person in Peter Jackson’s LOTR cast to have met and conversed with J.R.R Tolkien 

    Corrected Sir Peter on the sound a person makes when stabbed in the back due to actual experience with that action

    He didn’t just perform as Charlemagne; he’s directly related to the great Frankish king.

    His WWII service was in the British Special Forces.

    He was an SOE agent, right?

    That he was

    01/05/15