Review: Star Trek Into Darkness

23 Comments

“I have no idea what I’m supposed to do! I only know what I CAN do!”

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Originaltitel: Star Trek Into Darkness
Herstellungsland: USA 2013
Regie: J.J. Abrams
Buch: Orchi, Porchi & D’oh!
Darsteller: Chris Pine, Sylar, Judge Dredd, Zoe Saldana, Simon Pegg, That Asiandude, Anton Yelchin, Sherlock, Thatwoman FromthatTVshow, Robocop

★★★☆☆

Kirk ist kaum aus der Garage raus mit der Enterprise da verstossen er und Spock auch schon gegen die Prime Directive und werden degradiert. Doch dann wird Starfleet vom Terroristen John Harris angegriffen und Kirk und Co. gehen auf Rachemission um ihn im klingonischen Sperrgebiet zu stellen…

Machen wir es kurz: Für alle die Star Trek immer schon doof fanden, ist auch der zweite Teil wunderbare Hirn-Aus-Unterhaltung mit hohem Schauwertfaktor, einigen sehr schicken Action-Set Pieces, guter- zum Teil sogar brillanter Besetzung – und deutlich weniger Lensflares als im Vorgänger. Wer nicht mehr vom Kinobesuch erwartet als kernige Männer, karikierte Charaktere und schöne Bilder findet hier den wahrscheinlich unterhaltsamsten, wenn auch nicht den schönsten Sci-Fi-Film des bisherigen Jahres (den Schönheitspreis gewinnt bisher Oblivion). Und als Trek-Fan kann ich auf der pragmatischen-rationalen Ebene auch anerkennen, dass die Filme als Tentpole-Release nur funktionieren können, wenn sie so breit wie möglich schießen und den Nerd/Geek/Fan-Faktor getrost ignorieren. Nicht umsonst betonen Abrams und sein Produzent Bryan Burke bei jeder Gelegenheit, dass sie die Serien nie mochten und ihr einziges Ziel war Filme zu machen die ohne jegliches Vorwissen anguckbar sind. Sie behaupten nie etwas anderes machen zu wollen, spielen mit offenen Karten, was ja durchaus sympathisch ist und sie davor bewahrt am eigenen Anspruch zu scheitern. Denn als das was er sein will funktioniert Star Trek Into Darkness absolut.

Es ist schon immer Paramounts Traum gewesen aus dem Geek-Franchise, für das sich Leute wie Stephen Hawking, Whoopie Goldberg und Matt Groening begeisterten, etwas zu machen, dass tatsächlich auch bei der Masse zündet, die unruhig wird wenn Dialoge länger als 30 Sekunden gehen und die ihre Helden eindeutig und nicht ambivalent bevorzugt. Seit NBC Roddenberrys ersten Pilotfilm zu Trek als “zu intellektuell, zu verkopft” ablehnte, gab es das Anliegen die Serie stromlinienförmiger und wegguckbarer zu machen. Schon mit Enterprise und seinem hemdsärmeligen Cowboy-Ansatz wurde ja versucht auch das breitere Publikum aus den Flyover-States anzusprechen, doch trotz Country-Musik Intro war das noch zu halbherzig, genauso wie der Versuch in ST Nemesis die TNG-Crew in ein Action-Vehikel zu propfen. Das konnte nicht gut gehen, denn niemand will Albert Einstein als Terminator sehen – und so war es folgerichtig fürs Kino die Original-Serie zu rebooten, die zwar die intellektuelle Saat von Star Trek in sich trug, aber zeitbedingt eben auch viel raubauziger und binärer daherkam. Gut, böse, Männer, Frauen – Ugh! ^^

SPOILER AHEAD BEWARE!

Das ist verständlich und vielleicht kann die Marke Trek auch nur so überleben. Und solange JJ Trek Erfolg hat, bleibt die Hoffnung, dass es irgendwann mal eine neue TV-Serie geben wird. Und spätestens dann muß aus Budgetgründen auch wieder angefangen werden Geschichten zu erzählen, Themen aufzugreifen.

Denn daran hapert es auch in diesem Film, so gut Quinto, Pine und Co (und ja auch Cumberbatch) auch insgesamt sind. Die Hauptfiguren bleiben Karikaturen statt lebendige Wesen und die Gags werden mit der groben Kelle serviert. Es bleibt eben ein Film von den Autoren von Transformers und Prometheus – und die Story quietscht vom Anfang bis zum Ende. Ob zu Beginn for dramaturgical purposes das Beamen nicht geht und Spock a la Ethan Hunt in einen Vulkan abgeseilt wird (so funny: ein Vulkanier im Vulkan! – der dann noch ein Zitat aus Wrath of Khan vergeudet!) oder am Ende eine absolut sinnlose Verfolgungsjagd mit Khan einzubauen, um dessen Blut zu ergattern obwohl durch dessen Crew soviel Super-Blut verfügbar wäre, dass sie Kirk darin baden könnten. Oder das Khan überhaupt zu so einem Popanz aufgebaut wurde, der dann letztlich eine eher kleine Rolle spielt und dessen Handlungen kaum die schwerwiegenden Implikationen, noch die emotionale Wucht in sich tragen, wie es die Ricardo Montalban-Version vermochte. Das hier mal mal wieder ein POC durch eine Weiße Figur ersetzt wurde, sei nur am Rande erwähnt und mag der momentanen Cumberbatch-Manie eher geschuldet sein, als bewusstem Whitewashing.

Es ist ein Popcornfilm und natürlich spielt die Doofheit der Geschichte hier nicht so eine elementare Rolle und wäre es statt Trek Resident Evil oder etwas vergleichbares, wäre ich vermutlich absolut zufrieden damit mir die (zugegeben oft sehr schicken) Bilder anzusehen und mich daran zu erfreuen, wie die Enterprise aus dem Wasser startet, anstatt zu überlegen wie blöd es ist sie überhaupt und ohne Not dort zu parken. Oder mich daran zu stören, dass Kirk wohl der dämlichste Captain der Filmgeschichte ist der den kompletten Film hindurch eine idiotische, inkompetente Entscheidung nach der anderen fällt und sich gegenüber seiner kompletten Crew beratungsresistent zeigt. Shatners Kirk war auch impulsiver und pragmatischer, ja sogar skrupelloser, aber er wirkte nie so inkompetent und schlicht dumm wie Pines Version (was dem Buch nicht Pine geschuldet ist).

Und ja: Die Chemie zwischen Spock und Kirk funktioniert tatsächlich viel besser als im Vorgänger, vor allem weil Spock sich deutlich spockiger benimmt und nicht von einem emotionalen Anfall in den nächsten fällt und tatsächlich versucht die Stimme der Vernunft zu sein. Doch im nächsten Moment nerven mich dann wieder die dummen Bettkätzchen von Kirk, die peinliche Playboy-Cover-Posen in die sich Alice Eve grundlos schmeissen muss und das Uhura als dummes Weibchen denunziert wird, der im Angesicht einer tödlichen Mission nichts besseres einfällt als Beziehungsprobleme zu diskutieren. Und es nervt, dass Spock mal eben sein älteres Ich im Zeitexil anruft und Leonard Nimoy als Lazy Basil Exposition missbraucht.

Und es nervt, dass sie die Schlüsselszene aus Wrath of Khan nachspielen – nur in doof und ohne jedes emotionale Gewicht. Und es nervt das die Technik der Enterprise im Zweifel durch Gegentreten zu reparieren ist… und es nervt, dass das Ende dieses Films genau dasselbe ist wie vom letzten und sie wieder den Beginn der Fünfjahresmission anteasen um die sie sich schon diesmal herumgemogelt haben. Und es nervt, wenn die Klingonen auftauchen und völlig unwichtig sind und aussehen wie eine Mischung aus Ferengis und Jerry aus Enemy Mine. Und es ist so verdammt schade, wenn in Zeiten in denen Terror allgegenwärtig ist und die Paranoia-Politik das Leben verändert ein Trek-Film um einen Terroristen mal so gar keine Anstalten macht irgendetwas davon zu thematisieren – sondern sich nur aufs hohle Spektakel konzentriert – dieses Trek geht nicht mutig dorthin, wo unangenehme Antworten warten (wie es Deep Space Nine oft tat) es bleibt brav und bieder und absoluten berechenbar. Es nervt, dass die einzige Strategie des FIlms ist den Leuten einreden zu wollen, es ginge ja gar nicht um die Khan-Story – anstatt irgendwas interessantes damit zu machen. Und es… ist egal, denn dies ist eben nicht Trek sondern New Trek und was mich stört und nervt, interessiert natürlich keine Sau.

Insofern mache ich meinen Frieden mit dem Film und hoffe einfach das sein Erfolg irgendwann eine neue, trekkigere Serie ermöglicht. Ein Batz, zum hochbeamen bereit. Make it so.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • http://www.facebook.com/michael.wolf.1447342 Michael Wolf

    sie konnten Khans Kumpane nicht auftauen, ohne sie zu töten, das hat Pille doch gesagt. Die wussten nicht wie das geht.

  • Binding

    Auch wenn ich den Argumenten zu den Dingen, die nerven, folgen kann, fand ich, dass der Film hervorragende Unterhaltung bot, sauspannend war und schlichtweg gerockt hat. Hat voll Spaß gemacht – trotz allem.

  • Moviesteve

    Ich stimme zu – und auch wieder nicht. ;)
    Bin einfach auch immer wieder Popcornkino-Fan und mag daher auch dessen gute Vertreter nur zu gern. Und ein solcher ist das in meinen Augen wirklich, das kann der Abrams. Die bekannten Namen und das ganze Trek-Universum hätte es dafür nicht gebraucht. Aber das ist nun mal nicht zu ändern…
    Haben wir ja alles schon auf Facebook besprochen.

    Aber schön, Deine guten Argumente noch mal gesammelt nachlesen zu können.

  • http://fuenf-filmfreunde.de/ Oliver Lysiak

    Sie gehen das Risiko nicht ein einen aus einer Gruppe Schwerstkriminellen zu töten/verletzten, der eh seit umzigjahren schon gefriergetrocknet herumdümpelt und lassen Spock sein Leben riskieren während Kirk zu sterben droht… *hust* Yeah right…

  • Drongo

    Ich bin ehrlich gesagt froh, dass der Terrorismus nicht wirklich als Thema rangenommen wurde. Denn ich hatte bei den Trailern große Angst, dass die jetzt genau so einen Quatsch auffahren wie bei Enterprise, wo es ja auch eine Art 11.September gab und danach alle voll die Terrorhetzjagt aufziehen. Im echten Star Trek wären die Sternis erwachsen damit umgegangen und nicht in amerikanische Paranoia verfallen. Das hätte J.J. aber nicht gebracht, sondern aus Star Trek ein düsteres Gotham City gemacht. Da das das Letzte ist was ich bei Trek sehen will, ist mir diese belanglose Fun-Alternative wesentlich lieber – nicht sonderlich sinnfällig (wie die meisten Trek-Filme), aber auch nicht schmerzvoll. Passt schon…

  • http://www.facebook.com/sebastian.kahlcke Sebastian Kahlcke

    Sternenflotte und Moral und so… yeah – right!

  • Denis

    Sehr witzig. Normalerweise stimme ich mit Mal überein und ganz ganz selten mit Batz. Bei Star Trek kommt hinzu: ich fand den ersten (neuen) wirklich gut und ich bin absolut kein Trekkie (ich kenn 2-3 Filme und die Serien nur vom Namen her und bin mir sicher ich würde nicht mal alle Serien zusammenkriegen).
    Dieses Mal muss ich aber Batz 100% Recht geben und sage: Auch als nicht-Trekkie ist man von den Plotholes genervt.

    Mich hat genervt, dass Kirk und Spock “degradiert” werden, um 5 Minuten später eh wieder zurück zu sein. Und warum zur Hölle, wenns einen Anschlag auf die Sternenflotte gab und sich das GESAMTE Kommando trifft, hab ich keine Luftraumüberwachung? oder wenigstens irgendwas in der Nähe? Der darf da 5 Minuten lang rumballern, bis überhaupt wer da ist. Und WARUM schießt man nicht direkt auf den Antrieb?
    Achja, WARUM zur Hölle, können sich zwei Sternenflotten-Schiffe in Sichtweite der Erde bekämpfen, ohne dass es irgendwem auffällt? Warum funke ich nicht nach Hilfe?

  • CaptineProton

    aber der abspann war ganz cool!

  • http://fuenf-filmfreunde.de/ Oliver Lysiak

    Wie man zu Beginn gesehen hat, ist Moral und die Prime Directive egal, wenn es drum geht einen der Ihren zu retten. Gerade wenn er zur Brückencrew gehört. Es war eine lahme Ausrede um noch eine Actionszene und einen Boss-Battle unterzubringen, nachdem sie vorher diesen peinlichen und unnötigen Tod gebracht haben…

  • okπ

    Danke fürs Mir-aus-der-Seele-sprechen!

  • disqus_lHjgUUJHOE

    Ich frage mich immernoch was das soll. Durchschnittliche Action-ScFi-Kost, die vom Drehbuch her sonst im unteren Mittelfeld abgeheftet werden würde, bekommt das Siegel Star Trek verpasst und alle finden diesen eher unterdurchschnittlichen Hollywood-Fließband-Mist toll, nur weil der Lost-Blender-JJ-Abrams dafür verantwortlich zeichnet.

  • justus_jonas

    Wenn das durchschnittlich ist, dann definiere doch bitte mal überdurchschnittlich und unterdurchschnittlich in Deinem Film-Kosmos.

  • Bruchpilot

    Hm… Popkornkino also. Das heißt nix neues im neuen Star Trek Universum. Hirn bleibt abgeschaltet. Schade, Schade.

  • ich

    Also ich finde die Kritik ein bisschen sehr hart. Waren doch die anderen Trek Filme auch nicht viel anders. Die angeblich Kritischen Themen der alten filme wirkten auch dort immer total aufgesetzt. Trek im Kino war schon immer Popcorn Kino und mit der TV version nicht zu vergleichen.

  • Hans Müller

    Ich bin nur froh, dass es doch nicht nur eine Rache-Story geworden ist, so wie ich es anfangs befürchtet hatte. Statt dessen wurden Moral Ethik sogar thematisiert und waren darüberhinaus auch noch zentrale Story-Motive. Deswegen kann ich da als fast-Trekkie doch ganz gut mit dem Film leben.

  • Alreech

    Khan Noonien Singh ist laut Star Trek Hintergrund Inder, Ricardo Montalban war Latino.
    Also ein realer Brite darf keinen fiktiven Inder spielen, weil er kein PoC ist, bei einem realen Latino ist das dagegen kein Problem, weil sowohl der fiktive Inder wie auch der reale Latino nicht weiß sind ?

    Was dem Film fehlt ist eine bessere Charakterisierung von Kahn. Am Ende stellt er sich als stinknormaler Bösewicht heraus, der ohne jeden Grund die Enterprise vernichten will obwohl er all seine Ziele erreicht hat.

    Ein bisschen Ambivalenz hätte dieser Figur gut getan.

  • Dumpfbacke

    Das sind eben die viel beschworenen Star Trek Werte!

  • Martin Schröder

    Ich fand ihn im wahrsten Sinne zum Kotzen. Viel zu schnelle viel zu heftige Bewegungen.

  • Martin Schröder

    Und warum trifft man sich im Turm mit Aussicht statt im Tiefbunker – wenn man schon weiß, daß es ein Innentäter war?

  • Martin Schröder

    Mich wundert, daß bei dem Budget kein Stativ drin war – in diversen ruhigen Szenen gab’s eine nervige Wackelcam.

  • burns

    Kann mich in allem Batz komplett anschließen.

    Außerdem kann ich Figuren, die keine echten Motivationen haben (Marcus, Khan), in besonders pseudo-dramatisch angelegten Filmen nicht ausstehen. Die größten Plotholes sind die Figuren. Und die Trekkies anstatt mit einer guten Story, die nun wirklich genügend moralisch ambivalentes Material hergegeben hätte, zu befrieden, wird man mit vielen kleinen blöden “”Kult””-Momenten abgefrühstückt. Tribbles, Klingonen, Nimoy… Alles dramaturgisch voll für den A…..

    Meine Lieblingsmomente waren die ersten vier Minuten des Abspanns – da hat es Giacchino – dessen genau wie im Score zum ersten Film alle zwei Sekunden runtergenudeltes Maine Theme mir aber sowas von auf den Zeiger ging – mit seiner geilen Orchestrierung nochmal so richtig genialst glänzen lassen, das alte Thema – da habe ich erst nochmal gemerkt, was für eine tolle Eingebung das Ding doch ist!

  • lelith

    unterschreib ich einfach mal so. wobei ich sagen würde die klingonen sind eher ne mischung aus orks und nem, mit steroiden vollgepumpten, nero. und dabei liebe ich die klingonen :/ oh und sie haben kronos geschrieben.. *bwah*

  • bolleDuck

    Inhalt 0/10, Äkschen/Obtig 8/10.

    Alternativesloses Blockbuster-Universum halt.

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