Wolverine – Weg des Kriegers (Review)

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Wolverine – Weg des Kriegers (The Wolverine) – USA 2013
★★½☆☆

Wolverine ist in der Lebenskrise als ihn die Einladung eines alten Freundes nach Japan verschlägt. Hilarity ensues.

Nach dem total vergeigten X-Men-Origins konnte es ja nicht viel schlimmer werden. Aber vielleicht hatte der extrem gelungene X-Men: First Class auch zu unrealistische Erwartungen an einen weiteren Wolverine-Film geweckt. Immerhin hatte er dort in einem Kurzauftritt den besten Satz des Films. Auf jeden Fall ist Wolverine – Weg des Kriegers eine derbe Enttäuschung. Denn was wir hier bekommen ist ein Null-Film der lediglich als narrativer Stillstand die Zeit bis zu X-Men: Days of Future Past überbrückt. Und das nichtmal besonders unterhaltsam.

Wer glaubte Wolverine würde endlich der Badass werden, den die Fans aus den Comics erwarten wird wieder mal böse enttäuscht – aber das war ja schon durch die Entscheidung doch wieder einen PG-13-Film abzuliefern vorgegeben. Und wenn James Mangold und seine Drehbuchautoren glauben, dass endlose, redundante Jammerdialoge automatisch eine “erwachsenere” Comic-Verfilmung ausmachen, ist er ziemlich auf dem Holzweg. Denn nur weil Leute mit wichtiger Miene in austauschbaren Räumlichkeiten in einer Halbtotalen miteinander reden, heißt es nicht, dass auch etwas gesagt wird. Oder der Charakter dadurch mehr Tiefe bekommt.

Und ob der Massenmord von Nagasaki wirklich ideal ist um auf die Traumatisierung der Helden reduziert zu werden, ist zumindest diskutabel. Klar die X-Men spielen immer locker mit der Weltgeschichte, aber Magnetos-KZ-Erfahrungen sind zumindest substanzieller Teil seiner Story und erklären sein gesamtes späteres Handeln. In Wolverine ist der Atombombenabwurf und der atomare Holocaust nur ein billiges Gimmick mit zweifelhafter Aussage.

Was aber schwerer wirkt ist die belanglosigkeit der Geschichte, die sich subtextlos auf Wolverine Sommerfrische in Japan beschränkt und dabei gekonnt Spannung, große Bilder oder memorable Actionszenen vermissen lässt. Ja im Grunde ist Wolverine ein Koitus Interruptus Film, denn immer wieder werden Action-Szenen angekündigt, die elaborierte grandios choreographierte Martial-Arts und Asia-Action versprechen und dann vorbei sind ehe sie wirklich losgehen können. Ob sich Ninjas als Schattenkrieger in das Haus eines Schurken einschleichen oder Wolverine einer Übermacht gegenübersteht: Es wirkt als hätte Mangold nicht das geringste Interesse seinen Helden tatsächlich mal Kämpfen zu lassen oder andere Actionmomente zu inszenieren.

Was vermutlich daran liegt, dass er nicht sehr gut darin ist. Eine passable Jagd durch die City und Prügelszene auf einem rasenden Bullet-Train gehen in Ordnung – doch alles andere wirkt lustlos und auf TV-Niveau weginszeniert. Die Kamera ist immer zu nah dran, es gibt keine eindrucksvollen Set-Pieces, die Choreographien sind für einen Film der in Japan und mit Yakuza- und Ninja-Anleihen spielt nachgerade erbärmlich und vor allem sind sie narrativ uneingebunden und wirken wie die lästigen Pflichtübungen, die Mangold möglichst schnell abhaken wollte. Lieber lässt er Wolverine vor sich hinbluten und seine neu erworbene Verletzlichkeit auskosten. Wieder und wieder und wieder. Und irgendwann kommt er Verdacht auf, dass Wolverine egal ob mit oder ohne seine Unverwundbarkeit der am leichtesten auszuschaltende Held des Marvel Universums ist. Seine überempfindlichen Sinne die in anderen Filmen schon oft schlimmeres verhinderten und doppeltes Spiel erkannten, schlafen diesmal tief und fest. Weder merkt er wenn ihm Lady Schlangenschiss Parasiten einpflanzt, noch vermag er sich zu wehren wenn ihm 40 Pfeile im RÜcken stecken.

Jedesmal kommt der Gedanke auf: Wow das ist ein Setup für eine geile Szene und jedesmal endet sie im Meh. Dass der Oberbösewicht und dessen “überraschende Enthüllung” auch von Viertklässlern mit ADS mühelos vorrausgesagt werden können, der Film das Ganze aber trotzdem als großen Twist inszeniert, macht das ganze nicht besser.

Und warum müssen wir gefühlte zehn Bettgespräche zwischen Wolverine und der digital zu Tode geglätteten Famke Jansssen alias Jean Grey ansehen, in denen wieder und wieder dasselbe abläuft. Plus Bettgespräche mit Tao Okamoto als Mariko die nur wenig spritziger sind und wirken, als wären sie aus einem drittklassigen James Ivory-Streifen entsprungen. Und bitte warum ist einer der wenigen coolen Momente und gelungenen Gags (“How did you knew there was a pool?”) ausgerechnet ein 1:1 aus einem Bondfilm geklautes Zitat? Warum wird krampfhaft versucht aus einem Badass wie Wolverine einen eher tumben Jammerbolzen zu machen, dessen Abenteuer im Grunde so gar keine Relevanz haben und komplett unwichtiges Wassertreten bis zum nächsten X-Men-Film sind?

Hugh Jackman ist ein cooler Schauspieler und Wolverine die Rolle seines Lebens – aber auch diesmal versackt er wieder in einem egalen Brei einer Story die aus besseren Werken zusammengestückelt, taktlos und letztlich enorm langweilig ist. Und das was dieser Film Showdown nennt ist in besseren Filmen nicht mal die Pre-Credit-Szene.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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20 Comments

  1. Dr.Strangelove

    Gute Review.

  2. mightymib

    joa. vielleicht ein bisschen zu hart, ich wurde eigentlich ganz gut unterhalten und vergebe einen halben Stern mehr, weil ich es gerade schön finde, das man mit einem Comichelden auch mal eine etwas “kleinere” Story abseits der grossen Weltenretterei inszenieren kann.

  3. Haina

    seh ich genauso.

  4. fefewewfwfetmef

    Mal gucken. Hab gerade das Jubel-Making-of gesehen. Das hinterlies auch eher den Eindruck dass die Durchschnitt abliefern, und sich damit selbst feiern. Hauptsache Action für das Mainstreampublikum dass sowieso das Hirn abschaltet sobald es Trog Popcorn vor der Nase hat.

    Wäre schade wenn es, mal wieder, so ein belangloser Mumpf ist.

  5. Dr. Jones

    Es wäre schön, wenn du in Zukunft – obwohl oder vielleicht grade das hier ein unpolitischer Filmblog ist – in Zukunft darauf verzichten könntest, die Shoah bzw. den Holocaust dadurch zu relativieren, dass du von “atomare(m) Holocaust” sprichst. Der Holocaust ist der industrielle Massenmord an Jüd/innen in der Zeit der NS-Herrschaft in Deutschland. Und es sollte nicht in Mode kommen, Holocaust als Beinamen für anderes zu verwende, denn das tun sonst Nazis und das nur, um die Shoah zu relativieren und als weniger schlimm im Gegensatz zu anderen Taten oder Massenmorden darzustellen. Und nein, damit möchte ich dir nicht unterstellen, dass du ein Nazi bist.

  6. Fluffy Bunny

    Meine Güte… die Empördeutschen haben die 5FF gefunden… und tarnen sich mit Pseudocoolen Usernamen… Eine Sache, ich hab das Wort Shoah nicht in der Kritik gelesen, wo hast Du das gefunden??? Mücke > Elefant, Dr. Jones???

  7. Kumi

    Ach du Scheiße, ein Berufsempörer wie er im Buch der Klischees beschrieben steht. Der Schuss ging aber mal nach hinten los, wa?
    Ich weiß nicht genau, was ich schlimmer finde, dieser arrogante Weltverbesserismus oder diese klägliche Anbiederei. Würg.

  8. Kumi

    Ach du Scheiße, ein Berufsempörer wie er im Buch der Klischees beschrieben steht. Der Schuss ging aber mal nach hinten los, wa?
    Ich weiß nicht genau, was ich schlimmer finde, dieser arrogante Weltverbesserismus oder diese klägliche Anbiederei. Würg.

  9. Kumi

    Dr. Jones ist gemeint. Irgendwie ist das hier verrutscht

  10. MacGuffin

    Was sind “Jüd/innen”? PC gone wild…

  11. conny

    Ich habe gestern eine Vorschau und Filmvorstellung im TV dazu gesehen. Die machte schon was her. Allerdings bin ich trotzdem skeptisch, ob dieser Film wirklich das hält was er verspricht. Und ich persönlich mag auch nicht unbedingt Asiatische Schauplätze in Filmen, ich mag mehr die westlichen Szenenbilder :-)

  12. Seba_Canel

    Ich hab mir jetzt nur den letzten Absatz durchgelesen, weil ich den erst sehen möchte (aber vorher noch X-Men 2 ((zur Hälfte)) und X-Men 3 erneut schau’). Ist jetzt aber auch egal, was ich sagen wollte. Das Making of habe ich mir jetzt schon gegeben, und es immer wieder faszinierend wie selbstverliebt sich producer über Ihre eigenen Projekte äussern .. Unfuckingbelieveable. Aber auh das ist egal: Wichtig ist nur: Wolverine wird wohl einer der besseren Sommer Filme sein … willalsosehen!

  13. Wolverine

    Der Film ist eine Enttäuschung, wenn man die Comics kennt (vor allem mit Larry Hama als Autor). Die Geschichte macht außerdem wenig Sinn. Wie kann man seine Kräfte durch ein mechanisches Matrix-ähnliches Gerät verlieren, das am Herz platziert ist? Was bringt die Verlust der Kräfte? Na ja, wieder eine schlechte Comic-Verfilmung…

  14. Wolverine

    Der Film ist eine Enttäuschung, wenn man die Comics kennt (vor allem mit Larry Hama als Autor). Die Geschichte macht außerdem wenig Sinn. Wie kann man seine Kräfte durch ein mechanisches Matrix-ähnliches Gerät verlieren, das am Herz platziert ist? Was bringt die Verlust der Kräfte? Na ja, wieder eine schlechte Comic-Verfilmung…

  15. Wolverine

    Der Film ist eine Enttäuschung, wenn man die Comics kennt (vor allem mit Larry Hama als Autor). Die Geschichte macht außerdem wenig Sinn. Wie kann man seine Kräfte durch ein mechanisches Matrix-ähnliches Gerät verlieren, das am Herz platziert ist? Was bringt die Verlust der Kräfte? Na ja, wieder eine schlechte Comic-Verfilmung…

  16. Sark

    War gestern im Kino,

    Was ein Kackfilm. Gehört nicht Logan seine gedanken verloren zu haben weil er einer Adamantiumkugel im hirn bekommen hat?

    Und dann diesen hässlichen Roboter.
    Was ein Kackfilm… Scheiße!

    Tja verpasste Chance.

  17. GogoFreak

    Ganz deiner Meinung … eigendlich voll übertrieben von den anderen. Ich finde diesne Film gut und unterhaltsam, aber nicht so gut wie z.B. The Dark Knight Rises.

  18. toasted

    Also, ich finde die anderen Superheldenfilme nicht besser oder spannender oder unterhaltsamer als Wolverine, weil dort die Welt gerettet wird. Das ist sogar eher einer der Gründe, weshalb ich immer die Luft anhalte und hoffe, dass es nicht noch schlimmer kommt (Stadt -> Land -> Kontinent -> Erde -> Sonnensystem -> Galaxie). Ich finde die anderen besser, weil sie besser erzählt sind, weil sie mehr “Drive” haben, weil sie für mich einfach spannender sind.

    Für mich ist Wolverine einer der Filme, die ich im Fernsehen laufen lassen würde, während ich die Wohnung sauber mache. Viel mehr ist da leider nicht drin, weil für mich einfach zu platt mit der Figur “Wolverine” umgegangen wird. Von Liebe zu den Comics oder der Figur an sich war für mich auch in diesem Film nichts zu spüren. Es geht in meinen Augen nur darum, Geld zu verdienen. Herzblut erkenne ich dort irgendwie nicht.

    So viele vergebene Chancen :(

  19. Sam L.

    …krass einer schreit vor, alle anderen schreien nach…!!!
    Also unabhängig von all den Früheren X-Men & Wolverine Comics, da kenne ich mich nicht so aus – war nicht meine Zeit!
    Aber ich kenne alle X-Men Filme und Ableger und war schon immer ein Fan von Wolverine, am besten fand ich ihn aber erst seit Origins Wolverine. Der Film wurde natürlich auch schlecht gesprochen, ich muss sagen ich fande diesen Teil schlicht gesagt geil! (Und auch um Welten besser als die vorherigen 3 X-Men einheitsbrei Filme) Mir hat der erste Wolverine Ableger überaus gut gefallen und das ist bei diesem Teil auch nicht anders!

    Ich fand WEG DES KRIEGERS sehr unterhaltsam und spannend, hat mir sehr gut gefallen! Das er in Tokio gespielt hat, hat seinen eigenen Charm…die Story fand ich auch nicht schlecht, auf jeden Fall ist dieses EXTREM NEGATIVE Gelaber Schwachsinn, denn wer nicht die Comics kennt, wird durchaus bei Laune gehalten!

    Und das Xmen: First Class sooo viel besser bewertet wird…naja, er war schon klasse (Effektvoll halt wieder) aber da gefallen mir die Wolverine Teile einfach besser!

    Wer sich von den Gejammer nicht anstecken lässt, besser das gar nicht liest bevor man den Film gesehen hat, der wird an dem Film wie er ist gefallen finden!

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