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Reviews: Gravity, The World’s End (Review)

Standard, 5. 10. 2013, Batzman (Oliver Lysiak), 24 Kommentare

Gravity – USA 2013
[rating:3]

Gravity ist wohl der Film, der optisch am nähesten an den IMAX-NASA-Dokus ist, die tatsächlich im All gedreht wurden. Selten wurde Zero-G so überzeugend tricktechnisch simuliert und dem Zuschauer das Gefühl vermittelt selbst schwerelos umherzugleiten. Auch wenn ich bei der Eingangskatastrophe im Trailer immer den Drang verspürte eine „Wheeeee!!!“ zu dubben, jedesmal wenn Sandra Bullock an der Kamera vorbeisauste.

Alfonso Cuaron schwelgt in grandiosen Plansequenzen, egal ob es um das einsame herumtreiben im Raum geht, das Herumhangeln an Raumstationen oder das klaustrophische Klettern in beengten Rettungskapseln. Optisch sind wir hautnah dabei und erleben tatsächlich beeindruckende Bilder, die in der Konsequenz und Länge noch nicht zu sehen waren.

SPOILER AHEAD

Wie so oft bei technisch innovativen Filmen wurde leider nicht dieselbe Sorgfalt und Raffinesse in das Drehbuch gesteckt, dass der Regisseur ebenfalls mitverfasste. Denn während die Grundprämisse des „Lost in Space“ und der mühsamen Rettung von A nach D grundsätzlich tragfähig ist, sind die Figuren des Films eine einzige Enttäuschung.

George Clooney, der im Grunde eher ein Extended Cameo hat ist so Zen und Dude-Cool drauf, dass er ihn nichtmal akute Lebensgefahr wirklich aus der Ruhe bringt oder irgendwie emotional tangiert. Sandra Bullocks Figur ist die wahre Hauptrolle und eine der ärgerlichsten verschwendeten Frauenfiguren seit Bella. Selbst wenn man – was in einem so wissenschaftlich-realistisch daherkommenden Film wie diesem schwerfällt – ignoriert, dass die NASA jemand derartig labilen wohl kaum für eine Multimilliarden Dollar-Expedition auswählen würde, sie nervt.

Was nicht an Sandra Bulluck liegt, die genau wie Clooney das Beste aus ihren Rollen machen. Aber beide sind furchtbar eindimensional geschrieben und im Grunde nur Dekoration für die Arbeit der Spezialeffekt-Crew. Bullocks Ryan ist unselbständig, mit einer vollkommen überflüssig-dramatischen Backstory geschlagen und dazu verdammt das verhuschte Weibchen zu spielen, die aber mal so gar nichts alleine auf die Kette bekommt, wenn ihr nicht der erfahrene, selbstsichere Mann sagt wo es lang geht. Er muß sie retten, er muß ihr sagen was sie zu machen hat, er muß sich opfern damit sie überleben kann. Hätte sie keinen Helm auf, würde er sie schütteln und ohrfeigen damit sie sich endlich mal zusammenreißt.

Sie hat anscheinend ihr komplettes Training verpennt und vergisst dauernd wichtige Gegenstände in der Schwerelosigkeit zu sichern, ist schon vor Eintritt der Katastrophe dem Zusammenbruch nahe und muss sich in der Stunde der höchsten Not Clooney als Rettungsengel herbeiphantasieren, weil sie ohne tatsächlich mal alles probiert zu haben komplett aufgibt und bereit für den Selbstmord ist.

Gravity macht optisch und in seinen Actionsequenzen soviel richtig und fasziniert alleine auf der Ebene eines Vergnügungspark-Fun-Rides, als Erlebnis – aber sobald er versucht emotional zu packen bleibt nur Vakuum. Da treiben in der schlimmsten Szene des Films Tränen schwerelos in die Kamera und Ryan beweint, dass ihr nie jemand beigebracht habe zu beten. Und man möchte ihr nur in den Hintern treten und dem Komponisten der Choralen Schwulstmusik gleich – wenn die ganze spannende Geschichte letztlich nur existiert um einer depressiven, lebensmüden Frau zu zeigen wie wertvoll doch das Leben ist. Und wenn sie diesen lebenswillen nur wieder findet, indem sie letztlich zu Zen-Meister-Clooney wird und dessen Verhalten emuliert.

Das ist ärgerlich, denn ein Film mit dieser optischen wucht mit dieser grundsätzlich sympathischen Besetzung hätte mehr verdient als eine derart ausgelutschte Message und ein derart unselbständiges Frauchen, dass ohne Mann keine Sekunde überlebt hätte. Wo Ripley vor Jahrzehnten facettenreich Kompetenz, Verletzlichkeit, Angst, Stärke und Menschlichkeit präsentieren durfte bleibt Ryan leider nur verschenktes Potential.

Was niemand davon abhalten sollte sich den Film anzusehen, denn technisch ist er beeindruckend, das Set-Design der Raumstationen ist grandios und auch wenn insgesamt zuviel Plunder in den Stationen herumfliegt ist er hinreichend realistisch, um einen Eindruck von der Enge und Einsamkeit einer Raummission zu geben. Und es ist ja auch fein, dass er sich die völlig esoterischen Wichsereien eines 2001 spart und mehr Drive und Ideen hat, was die grundsätzliche Handlung angeht.

Es wäre nur schön, wenn er mehr wäre als ein faszinierendes Proof-of-Concept und gleichzeitig auch noch gute Charaktere hätte und nicht eine der wenigen weiblichen Hauptfiguren in einer Wiedergeburts-Story verschenkt, die mal so gar nichts interessantes zu sagen hat.

The World’s End – UK 2013
{rating:4]

Nach This is the End dachte ich ja tatsächlich eine Sekunde, dass sich Edgar Wright wirklich anstrengen müsste, wenn er bessere Unterhaltung abliefern will, als der abgedrehte Weltuntergangsfilm von Seth Rogen und Co.

Was natürlich ein dummer Gedanke war. Denn so gut This is the end auch ist, er bleibt immer Farce, immer Real-Life South Park und hat einen Heidenspaß damit. The World’s End ist aber tatsächlich eine andere Liga, denn er transzendiert den reinen Genremix noch mehr, als es die Vorgänger „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ taten.

SOME SPOILERS AHEAD

Im Grunde erleben wir ja dreimal die gleiche Geschichte: Der Einbruch einer schleichenden Bedrohung in den Alltag, seien es Zombies, gestörte Kleinbürger oder diesmal: Aliens. Das ganze mit extrem interessanten Figuren, witzig ohne debil zu sein, splatterig ohne derb zu sein und selbst im Zitat immer originell und verdammt unterhaltsam.

Was The World’s End unterscheidet sind jedoch noch einmal stärkere Charaktere, die die SciFi-Elemente fast in den Hintergrund drücken. Ja unsere fünf Midlife-Crisis-Freunde auf Pupcrawl entdecken eine außerirdische Invasion – doch die ist letztlich nur der Katalysator der persönlichen Geschichten – was nicht heißt das es nicht genug Action und Gags gibt.

Eine gewisse Melancholie kennzeichnete Wrights Filme durchaus, doch Shauns ambitionsloser Trott und Nicholas Angels analer Zwangscharakter wogen nie so schwer, wie die vier Normalos plus Gary King die sich auf machen die Golden Mile, den finalen Pup-Crawl zu absolvieren. Simon Pegg sah nie so fertig aus und war nie ein derartig gescheiterter Charakter – dem selbst am Ende keine wirkliche Chance zugestanden wird.

The World’s End ist ein Film über das Erwachsenwerden und die Frage ob es schlimmer ist sich zu arrangieren und zu tun was erwartet wird oder wie Gary verzweifelt der glorreichen Jugend nach zu hängen. Er ist leicht als Loser zu identifieren und wenn er am Ende verzweifelt sein Festhalten am Pup-Crawl rechtfertigt mit „It’s all I got!“ ist das tatsächlich tränentreibend anrührend. Keine schlechte Leistung für eine Figur die man die erste halbe Stunde nur schlagen will, weil sie so unerträglich erscheint und die wir als Zuschauer nur deswegen ertragen, weil seine „normalen“ Freunde ihn auch nicht wirklich zu mögen scheinen.

Doch wirklich happy wirken sie alle nicht. Workoholics die nicht abschalten können, im Familieneinerlei Gefangene die nie das Mobbing aus Schulzeiten überwunden haben oder wie Nick Frost vor den Scherben einer Beziehung stehen. Erwachsenwerden scheint eine freudlose Angelegenheit, egal ob man erfolgreich scheitert oder zum Außenseiter wird wie Gary.

Das die Besetzung großartig ist auch über Frost und Pegg hinaus hilft der Sache immens. Natürlich sind Wright-Spezis wie Bill Nighy oder Julia Daekin dabei, aber die Kerntruppe ist es die den Film trägt. Eddie Marsan als verhuschter, mausgesichter Peter ist so gut, dass es oftmals reicht nur sein Gesicht zu sehen um sein komplettes Innenleben lesen zu können. Paddy Considine hat noch den schwersten Part, als normalster der ganzen Truppe – aber auch er überzeugt, genau wie Martin Freeman als dauergrinsender Makler der schon leicht creepy wirkt, ehe er zu einem Pod-People wird.

Peg und Frost sind beide wundervoll. Frost ist schauspielerisch deutlich gewachsen seit Spaced-Tagen. Er spielte vielschichtiger und ist nicht mehr drauf angewiesen nur die liebenswert-debilen Typen zu spielen. Genau genommen haben sich seit Shaun die Rollen verkehrt, denn diesmal ist Pegg als Gary King der Loser der sein Leben nicht auf die Reihe kriegt. Und diese Figur ist so weit entfernt von Shaun, Angel oder Tim aus Spaced, dass man ihn fast nicht wiedererkennt. Sein Gary ist niemand den man wirklich kennenlernen möchte, er ist prollig, laut, anstrengend und ein Poser – dem doch irgendwie die Angst und Verzweiflung aus jeder Pore strahlt und dessen beschränktes emotionales Instrumentarium ihn dazu zwingt in immer der gleichen Weise zu agieren.

Wenn Wright diese fünf auf ein scheinbar durchgentrifiziertes Dorf loslässt, dass eigenen Charme durch formatierte Bravheit ersetzt hat, dann wäre das auch ohne Aliens schon unterhaltsam genug – und der Film funktioniert exzellent auch ehe enthüllt wird, dass die merkwürdigen Menschen nicht die ganz normalen Spießer sind sondern tatsächlich Roboter-Pod-People. Doch dann dreht The Worlds End nochmal eins weiter auf und liefert splatterige Effektaction die letztlich den Weg in die Apokalypse ebnet, denn egal wie nett die Invasoren sind – sie bleiben Invasoren.

Wenn diese sich am Ende wegdiskutieren lassen und die Erde mit einem „Fuck it“ verlassen, ist das bitter witzig. Sie hinterlassen Zerstörung aber sie haben auch aufgegeben. Als Referenz an Star Trek, wo Kirk eine Menge Computer totdiskutierte wirkt dies auch gleichzeitig ernüchternd, wenn sich die Erde als unbekehrbar aus der Planetengemeinde verabschiedet.

Wie Gary verharrt die Erde in ewiger Jugend, rau, wild, ungezähmt und ohne sich weiter zu entwickeln. Und das ist bei allem Spaß, auch ziemlich ernüchternd.

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24 Kommentare

  • Reply Dr.Strangelove 5. 10. 2013 at 11:40

    Schade das es Alfonso Cuaron anscheinden verkackt hat. (Lese leider nur schlechte Kritiken zu dem Film.) Schon bei „Children of men“ (den alle Lieben) ging mir die Farbgestaltung auf die Nerven. Und das Ende des Films ist einfach nur eine Achterbahnfahrt. Planseqzuenz durchs Kriegsgebiet hin zu einer Geburt. Magisch? Nö.
    So Bilder habe ich zwar vorher auch noch nie gesehen aber es war eben mehr Showeffekt als Film. Ab da war es mir klar das der Regisseur vorallem geile Aufnahmen drehen will, statt eine Geschichte zu erzählen. Dabei kann er beides. Bei Gravity scheint es ihm wohl noch mehr um die Show zu gehen.

    • Reply Oliver Lysiak 6. 10. 2013 at 0:05

      Verkackt würde ich echt nicht sagen. Es gibt vieles was ihn ansehenswert macht und allgemein kriegt er ja eher hymnische Kritiken. Er könnte sehr viel besser sein, aber das macht ihn nicht schlecht…

  • Reply Alex 5. 10. 2013 at 13:36

    Lohnt sich Gravity eigentlich in 3D zu gucken? Seit der unverschämt hohen Preise, gucke ich kaum mehr 3D Vorstellungen. Aber ich habe gehört das es einer der wenigen FIlme sein soll, bei dem das 3D wirklich gut gelungen sein soll. Kann das jemand bestätigen?

    • Reply kato74 6. 10. 2013 at 0:43

      Er lohnt sich NUR in 3D. Als 2D bleibt eine grottenschlechte Schmonzette übrig über die Batz schon alles sagte.

      Da für mich bei einem Film immer noch der Inhalt zählt gebe ich dem Film allenfalls 5/10. Wie der bei IMDB auf (aktuell) 8,7 kommen kann, ist allenfalls mit Lohnschreibern der Produktionsfirma zu erklären. So belanglose, austauschbare Figuren habe ich selten gesehen bei einem Cast der Güteklasse Bullock/Clooney.

      Auch technisch werde ich mit dem ganzen 3D Geraffel noch nicht so ganz warm. Das wirkt mir immer noch zu künstlich. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob ich eine Film oder ein gut gemachtes Computerspiel anschaue. Die 3D Effekte können jedoch durchaus gefallen. Und wäre der Rest vom Film nur halb so gut wie die Effekte bliebe nicht nur eine Specialeffektorgie übrig, wo das Skript nur Mittel zum Zweck „Effects! More effects! Most effects ever!“ ist.

      Wie gesagt, es entsteht nie eine Bindung zu den Hauptfiguren.

      — Spoiler —
      Da schwebt Clooney in die Unendlichkeit und man denkt sich nur, du Sack bleibst hier und erträgst den Rest des Films genauso wie ich. Emotionen? Fehlanzeige.
      Da landet Bullock wohlbehalten auf der Erde und man hofft, dass der Leviathan sie unter Wassser angreift oder wenigstens ein Krokodil am Strand, damit es wenigstens einen Lacher gibt. Emotionen? Fehlanzeige.

  • Reply jim bob 5. 10. 2013 at 15:37

    Gravity – ein halber Dorn in Batzes Auge(du läßt es mich ohne Zweifel spüren :) ).Der Gravity Trailer verschießt schon viel von seinem Pulver und Sandra gibt uns dort ebenfalls schon deutlich zu verstehen,daß ihr nicht wohl ist in ihrer Haut…und wenn man die Rezension liest,wo Batz nachfragt ob denn immer eine holzschnittartige Charakterzeichnung herhalten muß – im Blockbuster – und Gravity soll offensichtlich die Massen ins Kino locken – ….wäre vielleicht die Antwort : des Regisseurs Konzession an den Mainstream. Es ist immer wieder zu bezweifeln.ob die Regie das einfach mal verpennt ,das bei einem Sujet wie bei Gravity die Figurenprofile eigentlich leiser und ambivalent daherkommen sollten um dann, ganz im Gegenteil, Klischees zu bedienen.Damit viele ,viele ins Gravityboot einsteigen und sich auf „spannende“ Reise begeben…Aus anderer Perpektive ist Gravity vielleicht am extra für ihn geschnitzten Meilenstein vorbeigesegelt – aber kaum einer hätte es mitbekommen.Dennoch muß ich hier an dieser Stelle auf die Bremse treten da ich den Film noch nicht gesehen habe.Unvermeidlich wird bei vielen bei Sichtung von Gravity „2001“ hochpoppen.Und was bei Kubricks Arbeiten für mich immer absolutestens signifikant bleibt,ist das der sich in seinen eigenen Werken immer aufgelöst hat wie ne‘ Brausetablette.Alles andere war ihm egal :)

    • Reply GroteskeAder 5. 10. 2013 at 23:39

      Schwurbel – schwurbel – schwurbel – ach, ich hab‘ den Film noch gar nicht gesehen – schwurbel – schwurbel – Kubrick-Anleihe – Zwinker – Ende

      • Reply jim bob 6. 10. 2013 at 1:28

        …schwurbel,schwurbel,Kubrickanleihe….?
        mal deutlicher,für mich,bitte…recht herzlichen Dank….

        • Reply genervt 10. 10. 2013 at 19:46

          deutlicher stehts doch oben drüber.

          • jim bob 10. 10. 2013 at 22:51

            Jungs – sprecht euch doch einfach mal aus.Das wäre deutlich.

  • Reply omega 6. 10. 2013 at 12:26

    Danke für das fanstastische Review zu „Gravity“. Hat mich wieder daran erinnert, warum ich diesen Blog lese.

    Stimme (bis auf den Vergleich mit 2001, wie man diese beiden komplett verschiedenen Filme miteinander vergleichen kann, verstehe ich nicht) tatsächlich mit jedem einzelnen Satz überein.

  • Reply nico 6. 10. 2013 at 13:13

    bei „gravity“ wirklich seit langer zeit mal wieder richtig, richtig enttäuscht aus dem kino gekommen. die allgemeinen onanie-reviews sind für mich völlig unverständlich. die einzige tiefe kommt wirklich nur durch die 3d brille auf der nase. grober unfug verpackt in wirklich wunderschönen bildern.

  • Reply 1 7. 10. 2013 at 10:36

    Freunde.
    Was ist denn hier schon wieder los?
    Nur schlechte Reviews? Enttäuschung?

    Ich hab das Ding gestern abend gesehen. Intensiv und absolut packend! Mag sein, dass ein paar der von Kollege Batzman aufgeführten Punkte nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Auch ich dachte zB an einer Stelle „nun steig doch endlich in die verdammte Raumstation, anstatt noch 10 Minuten ins All zu glotzen!“ Und ja – im Nachhinein war Clooney wirklich ein bißchen reichlich Zen. Aber keiner von diesen Kritikpunkten ändert etwas daran, dass ich gestern mindestens eine 8,0 auf der Richterskala gesehen habe!

    Irgendwie habe ich bei Leuten, die ALLES zerreissen müssen, immer das Gefühl, dass sie schon mit der Grundhaltung, den Film unbedingt scheiße finden zu wollen, ins Kino gehen. Dass sie nur ins Kino gehen, um nach Haaren in der Suppe zu suchen.

    Eine einfache Story – ja, stimmt. Aber wo steht denn geschrieben, dass eine Story immer unglaublich ausgefeilt und raffiniert sein muß?

    Wieso kann man sich nicht mal von einem Film packen und mitreissen lassen und eventuelle Schwachstellen einfach mal einen guten Mann sein lassen, wenn der Film als Gesamtwerk trotzdem beeindruckend ist?

    Vielleicht noch ein Wort zum 3D – ich weiß nicht, ob es an mir liegt, aber bei fast jeder 3D-Vorstellung, in der ich bisher war, ließ der Effekt im Laufe der Zeit deutlich nach. So war es auch gestern wieder. Schmälert das nervenzerreißende Erlebnis dieses Films aber ebenfalls in keiner Weise.

    • Reply TheOriginalDog 20. 10. 2013 at 21:49

      Wo war denn da der Verriss? 3von5 ist ein guter Film, bloß kein Meisterwerk. Und der einzig wirkliche Schwachpunkt den ich lesen konnte, waren die schlecht geschriebenen Charaktere und das konnte ich voll nachvollziehen.

  • Reply CarFreiTag 7. 10. 2013 at 21:58

    „Und es ist ja auch fein, dass er sich die völlig esoterischen Wichsereien eines 2001 spart“ Sorry – aber 2001 ist perfekt. „Esoterischen Wichsereien“ kann ich da so gar nicht zustimmen. Gravity kann man damit gar nicht vergleichen. Stimme zu – Sandra Bullocks Figur kommt bei weitem zu unbeholfen daher und gegen Ende hin wirds dann doch sehr unrealistisch. Trotzdem tendiere ich zu 4 von 5 Punkten. #Whatever

  • Reply malo 8. 10. 2013 at 15:03

    Also ich habe den Film gestern gesehen.

    Ja. Schon wirklich sehr mäßig. Aber die Kritik hier finde ich auch zu hart.

    Ich meine die Geburtsmetaforik, ist ähnlich wie bei Children of men, jedoch latenter. Aber bildich gut umgesetzt.
    Obwohl ich nicht genau erkennen konnte, welcher Zweck damit erfüllt werden sollte, fanden ich die 90 Minuten doch recht unterhaltsam

  • Reply jim bob 9. 10. 2013 at 20:33

    Eine an mich gerichtete Empfehlung,sich den Film dochmal anzuschauen,war eine gute Empfehlung.Gestern also passiert. War natürlich auch meiner Neugier geschuldet.Und hatte mich desweiteren für die 2 D Version/deutsche Synchro entschieden.
    Gravity ist in erster Linie wuchtig-kraftvolles,visuelles Kino.Der Einsatz der Plansequenzen legt eine Regiepräzision an den Tag,die definitiv nicht oft zu finden ist,welches Cuaron’s Licht hell aufleuchten läßt.Mich erwarteten wunderschöne Bilder,die einfach in den Bann schlugen und die ich genossen habe.Auch in 2D war man ganz nah am Geschehen . Die Isolation,der man im Weltall ausgesetzt ist,war äußerst nachvollziehbar bzw. spürbar.Und hier hakt sich der Plot auf. Wenn man dort oben im All rumsegelt,wird sich in einem eine andere Gefühlswelt offenbaren.

    Hier kriegt das verdrängte Trauma von Ryan Stone seine Chance.Kowalski’s coole Schwätzerei ist Kompensation seiner eigenen Ängste – oder mindestens Mittel sich emotional zu erden.Das war für mich alles sehr nachvollziehbar.Da oben gibt es kein Netz und doppelten Boden.Emotional herrschen da andere Gesetze.
    Daher waren die Figurenprofile der beiden Protagonisten für mich schlüssig.Die Prämisse von Gravity hieß für mich eher“Lost in yourself“ denn“Lost in Space“ – welches als Zuschauer eben durch die Unmittelbarkeit der Bilder erfahrbar wurde.Die Charaktere waren nicht überzeichnet – so wie ich es in meinem ersten Kommentar vermuten ließ – sie wurden kreirt um tiefere Schichten der Psyche auszuleuchten.Einer Psyche die einer inneren Schwerelosigkeit ausgeliefert ist.Hier haben Sandra und George ebenfalls eine gute Leistung erbracht,wo ich glaube das der Dreh für Sandra eine Herausforderung war. Man kann bezweifeln,ob die Nasa wirklich so „lax“ ihre Raumcrew castet,aber das darf man getrost ausblenden.Cuaron interessiert sich stark für die Sinnhaftigkeit unserer Existenz – und kombiniert dieses mit der starken Liebe zu seinem Job als Filmemacher.
    Nachdem Kowalski sich ausgeklinkt hatte,damit Stone eine Chance bekommt zu überleben(was mich an „Mission to Mars“ erinnerte – wohingegen „2001“ generell als etwaiger Vergleich dann doch eigentlich undiskutabel ist),ist Sie einem permanentem Survival ausgeliefert,bis zur allerletzten Minute des Films.Das Sie zwischendurch mal die Hoffnung verliert,fand ich dramaturgisch durchaus schlüssig.Mir hat es auch genügt,daß sie sich in der höchsten Not einfach Kowalskis Attitüden zu eigen macht – ohne das für mich jetzt metaphysisch überhöhen zu müssen. Das was immer konstant durch ihren (geschriebenen)Charakter durchschimmerte,war ihre innere Nacktheit,die Ausgeliefertheit an ihre diffusen Gefühle,der sie sich unentwegt stellen mußte.Genötigt durch ein sie umgebendes lebensbedrohliches und doch unwirkliches,letztendlich surreales Weltall.
    Zu guter Letzt ging’s dann in den letzen 10 min. gen Showdown,der mir dann doch zu aufgebläht war(vorallem der Score – der mir ansonsten sehr gut gefiel).Zu diesem Zeitpunkt kam ein bißchen ein Blockbustergeschmäckle auf.Dieser finale Trommelwirbel wär aber garnicht notwendig gewesen,hätte man verfeinern können.
    Gravity ist ein Film über Hoffnung,Aufgabe,Hingabe,Wille.Attribute die wir als Menschen tagtäglich mehr oder minder ausleben.Die aber in einer fordernden Lebenssituation eine ganz andere Dimension bekommen und uns absolut mit unserem Kernwesen konfrontieren können.Ich denke das war u.a.Alfonso Cuarons Bestreben.Den Zuschauer authentisch mit sich selbst zu konfrontieren.Und hat nebenher noch einen bemerkenswerten Film abgeliefert. Würde hier eine 4/5 Wertung abgeben

    Anmerkung für dich,Batz
    Ich hab mir dann noch überlegt wie es gewesen wäre bei einem Bäumchen,wechsel dich…Clooney an Stelle von Sandra Bullock und sie coacht ihn durch’s Weltall…hat ja durchaus seinen Reiz.Sandra hat aber diesen ureigenen Zerbrechlichkeitsbonus, der ja als metaphorischer Tupfer das Sujet färbt.Ich glaube,das war schon gut durchdacht.

  • Reply jim bob 9. 10. 2013 at 20:48

    ..irgendwie gab’s da ein technisches durcheinander – das allerletzte streichen – hat sich dort hinverirrt……

  • Reply Alex 10. 10. 2013 at 22:30

    Ok, hab ihn jetzt auch gesehen, und er hat mich gut unterhalten. Das 3D war leider nicht so genial, wichtiger ist aber das man den Film auf einer möglichst großen Leinwand sehen sollte, da der Film einen unglaublichen Scope hat (auch wenn man ihn dann auf deutsch gucken muss). Die Vergleiche zu 2001 kann ich jetzt auch nicht nachvollziehen, außer
    vlt das beide Filme zu Beginn die Routine der Astronauten veranschaulichen.

    Geschichte und Figuren waren simpel gestrickt, aber das hat mich jetzt nicht sonderlich gestört. Ich glaube, die Meißten die den Film Scheiße fanden, haben sich ja besonders an den Figuren und Skript gestört. Und da kommt es darauf an wie man an den Film rangeht. Ich konnte den Film ausschließlich durch die Atmosphäre und als Erlebnis geniessen, ich glaube näher werde ich dem Weltraum nicht kommen. Der endlose Raum wurde gut eingefangen durch die schwebende Kamera, Isolation, Dunkelheit, das alles kam stimmungsmäßig und technisch sehr gut rüber, gerade zu Beginn. SPOILER: Leider mutiert der Film im letzten Drittel zum üblichen Hollywood-Spektakel-Action-Katharsis und es wird dramaturgisch ziemlich dick aufgetragen. Es ging ja fast alles schief, was nur schief gehen konnte. Alleine bei der Landung mit Kapsel wurden der Hauptfigur soviel Steine in den Weg gelegt das es schon albern wurde:
    Steuerung auf chinesisch=> Wrackteile beschädigen Kapsel => Feuer im Cockpit => Figur droht durch Rauch zu ersticken => Wasser in Kapsel=> Figur droht zu ertrinken=> Figur entkommt aus der Kapsel=>Raumanzug zu schwer=> Figur droht zu ertrinken=> Figur verfängt sich an den Algen. Hätte mich jetzt nicht gewundert wenn da noch eine Posse weisser Haie auftauchen würden oder die Hauptfigur auf Jurassic Park gestrandet wäre. SPOILER ENDE

    Dazu kommt noch der Film schwelgt haufenweise (und minutenlang) in bedeutungsschwangeren Bildern. Und der anfangs zurückhaltende Score wird von Minute zu Minute aufdringlicher und austauschbarer, als hätte ihn Hans Zimmer nach Feierabend sabotiert.
    Der Film will gegen Ende einfach zuviel, wie so oft: weniger wäre auch hier mehr gewesen. Nichtsdestrotz hat der Film einige DInge richtig gemacht, er war spannend (simple stakes), handwerklich sehr gut gemacht und hat wahrscheinlich vielen Leuten den Weltraum ein Stückchen näher gebracht.
    Wie gesagt, auf großer Leinwand lohnt der sich, 3D nicht unbedingt.
    6/10

  • Reply Links fürs Wochenende 12. 10. 2013 at 11:42

    […] Gespräch über – den gerade fast überall gehypten – Gravity, der mich zwar mitgerissen hat, den ich aber dann doch bei weitem […]

  • Reply resur@ction 12. 10. 2013 at 13:54

    Batz, du hastr mal wieder nichts begriffen. Weder hast du 2001 je verastanden, noch hast du Gravity als das gesehen, was er ist. Großartiger Science-Fiction wirklich alter Schule. Raumfahrt ist zu 99% öde und langweilig, das andere 1% besteht aus nackter Angst.
    Hey, das hat sie mit deinen Reviews gemeinsam.

  • Reply Rockmetalfan 12. 10. 2013 at 20:08

    Also, ich gehe ins Kino um mich unterhalten zu lassen und Gravity ist einfach atemberaubend!!! Ein super spannender Film, der einen von Anfang an ins Weltall bringt. Ob nun alles logisch oder realistisch war? Scheiss drauf, es stimmt einfach alles und man sollte einfach mal nur geniessen!!! Dieser Film hat viele Oskars verdient!!! Also, ab ins Kino 3D Brille auf und alles um sich herum vergessen, ausschalten!!! Genialer, absoluter Kultfilm!!! Punkt.

  • Reply tobi 12. 10. 2013 at 23:08

    „Und es ist ja auch fein, dass er sich die völlig esoterischen
    Wichsereien eines 2001 spart und mehr Drive und Ideen hat, was die grundsätzliche Handlung angeht.“

    Also lieber wichst einer esoterisch schön für sich selbst, als das man ständig den Lümmel des Regisseurs direkt ins Gesicht geschlagen bekommt, wie beim aufgedrehten Scott Pilgrim vs. the World.

  • Reply Sternenguckerin 24. 10. 2013 at 11:31

    Klar kann man die Konstellation Stone/Kowalski klischeehaft finden. Ist sie ja auch. Und ich hätte mir auch mehr sachliche Kommunikation (das meine ich allerdings nur in Richtung Kowalski!) und weniger Klamauk dort oben gewünscht.
    Astronauten trainieren für Notsituationen und folgen einem festgelegten Protokoll, wobei ich mir schon die Frage stelle, wie rational und funktional ein Mensch in einer solchen Situation wie der im Film tatsächlich noch sein kann.

    Für mich war Ryan Stone kein hilfloses Frauchen.
    Dass man im Film gezeigt hat, dass auch eine Spezialstin mal schlecht drauf sein kann, dass sie möglicherweise Hilfe braucht und Fehler macht – das fand ich eigentlich ganz vorstellbar. Dass das nun ausgerechnet in dieser Mann=cool / Frau=hilflos Art und Weise inszeniert wurde, kann man natürlich kritisch sehen.
    Stone hat mir als nüchtern-funktionierende Person sehr gut gefallen. Sie hat ihre Emotionen unter Verschluss gehalten. Sowas nennt man auch professionell. Hätte Kowalski sie nicht so gedrängt, von ihrem Privatleben zu erzählen, hätte sie es von alleine nicht getan. So war es einfach ein erzählerisches Vehikel um zu erklären, warum sie vielleicht nicht so einen großen Antrieb hatte, sich selbst zu retten.
    Die Vision von Kowalski in der Soyuz – geschenkt. Die war Mist.
    Da stimme ich voll zu, das war überflüssig und man hätte einen ganz anderen Aufhänger für ihren neu erwachten Überlebenswillen finden können. Einen richtigen Funkspruch vielleicht, aus Houston. Der ihr signalisiert: Wir sind da, wir hören dich und helfen dir.
    Die menschliche Story im Film wird ja öfter als flach oder inhaltsleer kritisiert.
    Vielleicht ist das aber auch genau ein Aspekt dieses Filmes, der richtig gemacht wurde (von den Schwächen mal abgesehen):
    Menschen und ihre jeweiligen persönlichen Geschichten spielen in dieser Dimension einfach überhaupt keine Rolle. Sie sind austauschbar und nicht als Individuum von Bedeutung.

  • Reply nora wj 25. 10. 2013 at 0:15

    habe gravity vorgestern gesehen…und muss folgendes sagen: das beste an dem film ist diese rezension…einfach fantastisch… unverblümt ehrlich direkt…geil…ich habe tränen gelacht…im kino selbst den film als bescheuert tituliert…und mich gefragt was ich hier überhaupt mache…wer ist dieser wundervolle schreiberling gewesen? er hat meinen abend gerettet… :-)))) nora

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