Reviews: The Return of the first Avenger, Her, Grand Budapest Hotel (Review)

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Return of the first Avenger
  • Batzman
3.5

The Return of the First Avenger – USA 2014
★★★½☆

Der erste Captain America Film war für mich eine positive Überraschung. Nach mehreren eher mauen Marvel-Filmen wie Hulk, Iron Man 2 und und Thor 1 waren meine Erwartungen an den patriotischsten aller Superhelden nicht gerade überwältigend. Doch der Wechsel ins historische Setting, die Seitenhiebe gegen US-Kriegspropaganda, Größenwahn und Rassismus sowie der Kampf mit Red Skull und Hydra boten eine angenehme Abwechslung zu den bisherigen Filmen und Origin-Stories.

Nach dem amüsanten Cameo in Thor 2 war ich gespannt in welche Richtung sich der zweite Auftritt des Cap bewegen würde und wurde abermals positiv überrascht. Marvel hat es mittlerweile wirklich ganz gut drauf Trailer zu schneiden die zwar viel Spektakel zeigen, aber fast nichts über den Film verraten. Durchaus keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen die meisten Trailer für Idioten produziert werden und meist den kompletten Film inklusive aller Wendungen und Finale vorwegnehmen.

Der Captain hat seit dem Battle of New York kaum Zeit gehabt sich in der Gegenwart einzugewöhnen und zum Glück lässt ihm auch Teil 2 kaum Atempausen und so bleiben uns peinliche Fish-out-of-Water-Sitcom-Szenen wie im ersten Thor gnädig erspart. Überhaupt kommt The Return of the First Avenger erstaunlich ernsthaft daher, ohne dabei aber je in unangenehme Nolan-Düsternis zu verfallen. Marvels Helden haben immer noch Humor und der Film bleibt bei aller Ernsthaftigkeit immer extrem unterhaltsam und charmant. Dennoch ist die fluffige Unbeschwertheit der Avengers und Thor 2 einer bodenständigeren und realistischeren Stimmung gewichen, die den Film frisch und anders erscheinen lassen. Stimmungsmäßig orientiert er sich eher an der “Agents of S.H.I.E.L.D.”-TV-Serie, kann aber dank Kino-Budget auf einer breiteren Klaviatur spielen.

Dennoch sind es nicht unbedingt die Action-Szenen die den Film ausmachen. Die Verschwörung innerhalb von S.H.I.E.L.D. ist der Dreh und Angelpunkt der Geschichte und orientiert sich deutlich mehr an Verschwörungs-Thrillern der 70er als an heutigem Effekt-Kino. Steve Rogers ist eine stimmige Figur und dankenswerter Weise erhalten hier auch erstmals Black Widow und Nick Fury genug Screentime um sie von Stereotypen zu vollwertigen Figuren zu machen. Das ausgerechnet Robert Redford (der in Three Days of the Condor eine ähnliche Story von der anderen Seite erlebte) hier den Big Bad gibt, ist ein sympathischer Verweis, der belegt wie bewusst sich die Macher ihrer Vorbilder sind. Dazu gehören neben einer Thriller-Struktur auch viele nicht sehr subtile Referenzen auf Überwachungsstaat, NSA und den angeblichen Zweck der die Mittel heiligt.

Und so bleiben auch eher die Dialoge, die kleinen Thriller-Momente und handfesten Actionszenen im Kopf, als die unvermeidlichen CGI-Orgien die das Ende bestimmen. Dort verpufft ein Teil des Charmes dann doch ab und zu zwischen digitalen Luftschiffen und handelsüblichem Gigantismus. Und irgendwie wirkt die Storyline des (zumindest im Original) titelgebende Winter Soldier alias Bucky erstaunlich belanglos verglichen mit dem Game Changer, den die S.H.I.E.L.D./H.Y.D.R.A. -Story umfasst, die mal eben die komplette Marvel-Filmwelt nachhaltig verändern dürfte und tiefgreifende Auswirkungen auf “Agents of…” haben muß. Rogers Rumgebolze mit seinem Ex-Best Buddy bleibt da emotional leider eher unbeindruckend – vielleicht auch deshalb, weil die Figur im ersten Teil zu blass wirkte, als das man sich als Zuschauer groß scheren würde was mit ihr passiert.

Davon abgesehen bleibt The Return of the First Avenger aber ein unerwarteter, durchweg unterhaltsamer und mit seinen plakativen, aber nicht unsympathischen politischen Seitenhieben gelungener Eintrag ins große Buch des Superheldenfilms, der die Messlatte für die Projekte der anderen Studios (allen vorran dem uninspirierten Spider-Man Aufguß oder Snyders nächste Superman-Travestie) deutlich höher legt und um so mehr Vorfreude auf Guardians of the Galaxy und Avengers 2 macht.

Her – USA 2013
★★★☆☆

Ich mag Spike Jonze. Where the wild things are war einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre und ich gebe gerne zu, dass der Grund warum mich Her nicht so beindruckt hat, wie er es vielleicht sollte der ist, dass meine Erwartungshaltung auf Grund der Prämisse eine so grundlegend andere war, dass ich mich schwer gänzlich auf das einlassen konnte, was der Film ist.

Denn im Endeffekt ist er eine sehr konventionelle Beziehungsgeschichte und Meditation über Abhängigkeit, Einsamkeit und die Erwartungen an Partnerschaften. Joaquin Phoenix, der normalerweise für mich ein Grund ist Filme eher auszulassen, spielt hier trotz Pornoschnauz sympathisch und nervt nicht und Scarlett Johannson erschafft nur mit ihrer Stimme eine vielschichtige und glaubwürdige Figur. Dazu kommen nette Ideen, wie ein sehr umständlich zu steuerndes Computerspiel mit unhöflichen Charateren sowie Amy Adams in einer knuffigen Nebenrolle. Es gibt also durchaus viel zu mögen an “Her”, nicht zuletzt im ersten Akt eine bizarre Telefonsex-Szene die den üblichen Spike-Jonze-Humor erkennen lässt.

Was dem Film abgeht und letztlich meine Begeisterung dämpfte ist, dass seine Prämisse reines Gimmick ist. Wie er in Interviews mehrfach betont hat, interessiert sich Jonze nicht für künstliche Intelligenzen, die Auseinandersetzung damit wo “Leben” und eine “reale Person” anfangen und aufhören. Natürlich ist es überraschend, dass er nicht den üblichen Weg des “Computer wird böse” geht, dass er keine Neuauflage von HAL, Collossus oder Westworld serviert (auch wenn er sich scheinbar ein wenig vom Virtual-Actress-Streifen “S1m0ne” beeinflussen ließ). Das er sich aber überhaupt nicht damit beschäftigen mag, dass sich ein Mensch in eine generierte, künstliche Lebensform verliebt nimmt dem Film der ja eben genau diese Prämisse etabliert schon viel von seinem Reiz.

Samantha ist wenige Sekunden nach ihrer Instalation eine vollwertige Persönlichkeit, die sich in nichts wirklich von einem Menschen unterscheidet. Und so wird aus einer interessanten, philosophischen Sci-Fi-Prämisse ein Film über Fernbeziehungen – denn im Grunde könnte Samantha auch eine Telefonbeziehung sein, die am anderen Ende der Welt lebt. Das kann natürlich auch Grundlage eines Films sein – wirkte auf mich aber dennoch als wäre hier eine originelle Idee zugunsten einer weitaus gewöhnlicheren Beziehungsstory verschenkt worden. Da rettet auch das Ende nichts mehr, das auch nur eine Variante von “du ich hab da jemand anderen kennengelernt” ist.

Wer sich damit zufrieden gibt mit dem was ihm der Film liefert, der hat vermutlich mehr Spaß den beiden Liebenden dabei zu zusehen, wie sie eben durch die typischen Momente einer Beziehung gehen und wer je selbst eine Fernbeziehung geführt hat, wird sicherlich gewisse Momente wiedererkennen und nachfühlen können. Ich fand im Vergleich die thematisch ähnlich gelagerte Black Mirror-Episode “Be Right Back” interessanter, weil sie zumindest versucht hat sich mit ihrem Thema auseinanderzusetzen.

Grand Budapest Hotel – Deutschland/UK 2014
★★★★☆

Das Grand Budapest Hotel ist nach Rushmore tatsächlich mein zweiter Lieblingsfilm von Wes Anderson. Auch wenn ich Moonrise Kingdom sehr mochte, legt er mit dieser skurrilen, phantasievollen und überraschend berührenden Story nochmal eine Schippe drauf. Es macht einfach verdammt viel Laune dieses Film nur anzusehen, denn auch wenn Anderson seinen Frontalfetisch hier einmal mehr ins Extrem steigert, stört die stilisierte Inszenierung an keiner Stelle die Geschichte – ja sie unterstützt sie sogar. Wo in Darjeeling Limited der halbgare Mix aus Stil, Pathos und Glückskeksphilosophie nervte und die Charaktere uninteressanter machte, ist Anderson mit dem fiktiven Staat Zubrowka eine ganz und gar stimmige Kreation gelungen.

Das die All-Star-Cast allen vorran Ralph Fiennes ihre hart am Rande der Karikatur ballancierenden Figuren immer mit jenem Quentchen Menschlichkeit auszustatten, die verhindert dass wir sie als reine Cartoon-Charaktere abtun ist dabei ebenso beachtlich, wie die Leichtigkeit mit der Anderson zwischen Zeitebenen (inkl. Aspect-Ratios) und Filmgenres herumspringt. Leichtfüssig mischt er Düsternis, Pathos mit Klamauk, ein Loblied auf zivilisiertes, menschliches Benehmen mit blutig-brutalem Gefängnisfilm und Buster Keaton-Action.

Einziger Wermutstropfen bleibt vielleicht, dass einige der wunderbaren Stars verschwendet sind. Wie schon in Moonrise Kingdom, weiß Anderson auch diesmal mit Bill Murray nichts anzufangen und auch von Jeff Goldblums Anwalt hätte ich gerne noch mehr gesehen. Doch das sind Luxusbeschwerden in einem Film, der so warmherzig, so verschroben und gleichzeitig so zugänglich und schamlos unterhaltsam ist – und dabei einfach phantastisch aussieht. Andersons Faible für Miniaturen, Gemälde und Retro-Optik hat hier endlich den passenden Rahmen gefunden in dem er komplett der Geschichte dient und mit Gustave H hat er eine wahrlich unvergessliche Figur erschaffen, die im jungen Zero einen würdigen Gegenpart findet.

Anschauen.

PS: Das der Film komplett in Deutschland gedreht und finanziert wurde, gibt einem dann doch ein wenig den Glauben an die deutsche Filmförderung wieder.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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10 Comments

  1. Nika

    @GBH War wunderbar verschroben. Und ja, Goldblum hätte gern länger dabei blieben dürfen, ebenso Keitel, den ich irgendwie sehr putzig als Ludwig fand.

    Noch was ganz anderes – frönt ihr irgendwann einmal wieder dem Alkohol und den schlechten Filmen?

  2. Alex

    Captain America – The Winter Sodier war mal ein überraschend guter Film. Letzte Woche im IMAX gesehen, schade dass man sich den FiIlm nicht in 2D ansehen konnte. Gerade bei den Kampfszenen hat der 3D Effekt bei der Orientierung ziemlich gestört, diese waren nämlich ungewöhnlich gut choreografiert. Insgesamt war der Film gut strukturiert was Handlung, Charakterentwicklung, Emotion und Thrilleranteil betraf. Lediglich das Ende war wieder ein CGI Overkill wie man das leider von Marvel gewohnt ist. Schade, die könnten mal eben 20 Mio sparen, wenn die das Finale einmal simpel halten würden. Bei Iron Man 3 war es ähnlich, wo sie in den letzten zehn Minuten 20 Iron Mann Anzüge aus demHut zaubern, dabei wäre es viel spannender & cooler gewesen wenn Downey Jr mit dem kaputten Anzug die Welt retten müsste.

    — SPOILER: Der Winter Soldier war leider auch eine verschenkte Idee, da die Beziehung der beiden Figuren zueinander höchstens angekratzt wurde im ersten Film. Anstatt die 08/15 Idee mit der Gehirnwäsche auszupacken, hätten die Drehbuchautoren den Winter Soldier eine Motivation verpassen können. Wenn er aus Überzeugung gekämpft hätte, hätte es zumindest ein bisschen mehr Dramatik im Endkampf gegeben, so musste der Captain sich mit einem Roboter rumprügeln, zum Mitfiebern muss im nächsten Teil mehr drin sein.
    SPOILER ENDE ——

    Aber im Grunde genommen sind das nur kleine Schwächen, der FIlm hat Spass gemacht, hatte eine vernünftige Handlung und die Figuren durften sich mal etwas entfalten. Das hat gut getan, nach Jahren mal wieder einen kompetenten Blockbuster zu sehen, der immerhin die Basics richtig macht. Kann ich nur empfehlen, natürlich nur in OV.

  3. pauliborn

    ich stimme in allen punkten zu :)

    und zur Kritik: der film brauchte nur einen fish out of water moment, den gabs gleich zu Anfang und ich fand ihn grandios :) Toller Film, Punkt.

  4. Alex

    Hehe ja und wie:

    “Rocky (Rocky 2?)”

  5. pauliborn

    ja :) ich will den schönen moment nur nicht weiter spoilern, simple Idee, herzhaft gelacht :)

  6. Peilomastik

    Fish-out-of-Water-Sitcom-Szenen! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, um dann herzhaft abzukotzen!

  7. jim doe

    kann ich jetzt eigentlich die 5 filmfreunde aus meinem rss reader nehmen? hier scheint ja in zukunft nicht mehr viel zu passieren- oder?

  8. René Walter

    Wir arbeiten grade an einem Relaunch, da kommt was ;)

  9. Thomas

    Sorry, aber sowas kommuniziert man doch oder is das ein Scherz? Wie lange soll man warten bis da “was” kommt? Oder ist eigentlich nur die IDEE da, dass irgendwann mal was kommen soll?

    OKAY- Ich habe keinerlei Anspruch auf irgendwelche Inhalte, weil das ja eigentlich euer Ding ist. ABER: Wenn aus eurer Sicht hier auch nichts mehr passiert, dann gibt mir das als Leser auch ein Signal über euren Anspruch und dem Respekt gegenüber euren Lesern.

    just my 12 cent

  10. mal_sehen

    hi thomas,
    sorry, aber: du hast vollkommen recht,

    in den nächsten stunden wird (wenn alles nach plan läuft) es einen neustart geben. dazu habe ich auch etwas geschrieben, was man dann sehen kann.

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