Review

The Amazing Spider-Man: Rise of Electro (Review)

Standard, 18. 4. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 11 Kommentare

The Amazing Spider-Man 2

Sorry Leute aber ich werden mit dem rebooteten Spider-Man nicht warm, wobei ich nicht ausschließen will, dass das Konzept eines Superhelden der im wesentlichen rumposed oder rumjammert generell nicht meine Tasse Tee ist. Denn auch von Raimis Trilogie fand ich ohne Abstriche nur Teil 1 gelungen, der die richtige Balance zwischen Loser-Teenie und Superheld fand.

SPOILER AHEAD

Der rebootete Spider-Man gibt den Loser zugunsten des unsympathischen Posers auf und hat bei mir damit schon gleich zu Beginn keine Sympathien. Nach zwei lauten und überflüssigen Actionszenen hüpft Peter, der mit seinen 30 Jahren auch endlich die High School geschafft hat, lässig auf die Bühne, highfived einen Lehrer, knutscht seine Biaaatch Gwen ab und lässt sich von der Menge feiern. Ja genau, so sehen Underdogs aus. Gegen Peter ist Tony Stark ein schüchterner, introvertierter Nerd.

Schon die Eröffnung zeigt woran der Film krankt: Generische Actionszenen die jeglicher Plausibilität, visueller Einfälle und Gravitas enthoben sind und bei denen nie das Gefühl von Gefahr besteht – als habe man die Kinder-Animationsserie möglichst verlustfrei für die Leinwand aufjazzen wollen – plus weinerliches Teeniedrama ohne Tiefgang.

Während Marvel mit Captain America 2 gerade vorgemacht hat, wie gut ein Superhelden-Film sein, kann wenn man die richtigen Regisseure daran setzt, die ein Gespür für Charaktere, Dialoge, Humor und Pacing haben, zeigt sich Marc Webb erneut überfordert mit der Aufgabe im Spider-Man Universum irgendwas von Relevanz zu erzählen.

Gwen Stacy bleibt Love Interest ohne eigene Geschichte, die ausschließlich als Folie für Peters Jammerarien existiert. Gefühlt führen beide 10x denselben Beziehungsblabla-Dialog, während dem der eh viel zu lange Filme zum absoluten Stillstand kommt. Emma Stone ist ja okay und es mag ja sein, dass sie mit Garfield privat ein tolles Paar abgibt, aber auf der Leinwand ergibt sich nie das zwingende Gefühl es wäre jetzt ein großer Verlust wenn beide nicht mehr zusammen wären.

Garfield ist ein guter Schauspieler, wie er in anderen Rollen gezeigt hat und auch hier in ein paar Momenten (meist mit Sally Fields Tante May) beweisen kann. Doch seine ganze Teenager-Pose wirkt einstudiert, sein Woody-Allen-Gedächnis stottern nervt genauso wie die „smarten“ One-Liner wenn er sein Kostüm trägt. Peter lädt nicht zur Identifikation ein, weil er nur um sich selbst kreist. Er ist kondensiert das Schlimmste was Teenager ausmacht, ohne die liebenswerten Seiten. Wenn er Menschen rettet, macht er es scheinbar nicht weil sie ihm wichtig sind, sondern weil er sich selbst so endgeil findet. Er strotzt vor Selbstgefälligkeit, Selbstmitleid und nervt hart. Sogar wenn er einen kleinen Jungen vor Schlägern beschützt wirkt es irgendwie unehrlich und aufgesetzt. Dazu kommt der furchtbare Humor, der ebenfalls wie 1:1 aus Ultimate Spider-Man übernommen wirkt. Lachen für Leute die subtil für ein Waschmittel halten und denen die Gags in Avengers zu intellektuell waren.

Denn hier ist alles auf 11 gedreht, alles wird übertrieben und karikiert dargestellt. Schaffte es Thor 2 trotz des albernen Grundtons und fantastischen Settings noch die Beziehung zwischen Loki und Thor glaubwürdig und durchaus mit emotionaler Wucht darzustellen, begnügt sich Amazing Spider-Man 2 konsequent mit jener Form von Overkill-Acting das die Joel Schumacher-Batmans so unerträglich macht. Ob ein deutscher Mad-Scientist in New Yorks Antwort aufs Arkham Asylum oder die „wir sind böse weil wir eben böse sind“-Schurken bei Oscorp.

Auch Jamie Fox ist furchtbar als Electro, denn schon als Max fand ich ihn in keiner Szene weniger als hassenswert. Ein Nerdklischee, ein ekliger Psycho-Fanboy der Rubert Pubkin aus Scorceses „King of Comedy“ noch liebenswert erscheinen läßt. Zwar hat Max angeblich das tolle Power-Grid von New York mit entworfen, aber natürlich hasst ihn trotzdem jeder, weil er eben ein debiler Nerd ist der beständig mit sich selbst redet und von Spidey fantasiert. Und wenn er dann durch einen Unfall zu Mr. Freeze pardon Electro wird, ist er genauso unausstehlich. Fox ist sicherlich nicht der größte Schauspieler, aber selbst er kann normalerweise mehr, als das Drehbuch der beiden Serientäter Orci/Kurtzman ihm zugesteht.

Electro erinnert zudem unangenehm an Sandman aus Teil 3, der auch keine wirkliche Bedrohung darstellte und auch relativ einfach zu besiegen war. Nichtmal Spidey nimmt Electro ernst, aber warum sollte er auch, denn der Film selbst hat ja wenig Ambitionen irgendeine Gefahr oder Bedrohung real erscheinen zu lassen. Electro ist egal und darf eh immer Pause machen, wenn Spidey seine Beziehung diskutieren muß, Rhino alias Paul Giamatti ist eh nur Fußnote für den Trailer und Harry Osborne… wird schändlich vernachlässigt.

Dane DeHaan gibt sich alle Mühe seine Figur nuancenreich, verletzlich und mit einer gewissen Tiefe zu spielen und dafür gebührt ihm Respekt, denn seine Szenen gehören zu den Lichtblicken des Films. Doch auch sein Harry leidet darunter, dass ihn Webb und die Autoren dramaturgisch im Regen stehen lassen. Viel wird angedeutet, aber nichts wirklich erklärt. Irgendwie hat man sich ja entschlossen, dass Oscorp das Zentrum von Spider-Mans Universum ist, denn wirklich ALLES was in den Filmen passiert hängt mit Oscorp zusammen. Spideys Eltern, Gwen, der Lizard, Spideys- Fähigkeiten, Electro, Rhino, Harry natürlich… der Film könnte komplett in dem eher mittelüberzeugend gerenderten Bürogebäude spielen und müsste auf fast keine Figur verzichten. Vielleicht sollte Spidey das Gebäude einfach sprengen, dann wäre Ruhe im Puff.

Orci und Kurtzman stopfen unnützes Zeug und unnütze Szenen in den Film, lassen sich aber nie Zeit wirklich mal etwas auszuloten und zu erforschen. Szenen wirken als wären sie ohne jegliche Verbindung zu anderen Szenen geschrieben und dafür gedacht Stand-Alone zu funktionieren. Harry wird innerhalb einer Szene zum Erben von Oscorp, verliert seinen Vater, erfährt das er irgendeine Mumbojumbo-Krankheit hat und darf seine Daddy-Issues erwähnen. Das war es dann mit seinem emotionalen Bogen. Genauso geht es seiner Freundschaft zu Peter, die aus dem Nichts kommt innerhalb einer Szene aufgebaut und abgefrühstückt wird und damit dann aber auch durch ist.

Sowohl Electro als auch Harry werden zu banalen Bösewichten denen eine hanebüchen-doofe „Wir hassen Peter jetzt mal einfach so“-Agenda aufgezwungen wird, was den gesamten Film nachhaltig beschädigt. Denn letztlich löst Spider-Man dadurch nur noch Probleme die New York ohne ihn nicht hätte.

Weil sich der Film keine Zeit nimmt wirklich Charaktere aufzubauen oder auch nur irgendeine durchgehende, sich steigernde Bedrohung bleibt alles bei Einzelszenen die austauschbar und egal wirken. Liebt die Öffentlichkeit Spider-Man oder muss er gegen Misstrauen kämpfen? Meh, mal so mal so, aber egal. Haben Spidey und seine Tanze existentielle Probleme, haben sie echte Geldsorgen? Meh, mal so mal so, aber auch eher egal. Ist die Freundschaft zwischen Harry und Peter wichtig? Nööö, denn sie kommt wie Kai aus der Kiste durch ungelenke Exposition und das war’s.

Webb und seine Drehbuchautoren erweisen sich überhaupt als Meister der Basil Exposition Momente. Weil sie keine Lust auf Charakterentwicklung haben, sagen einfach alle Personen immer genau was sie denken und fühlen.. und falls das immer noch nicht reicht singt es der Soundtrack nochmal für die ganz, ganz dummen, wie im Fall von Electro der anscheinend seinen eigenen Greek Chorus dabei hat. Der plärrt auf der Tonspur dann ständig was Mr. Stromschlumpf gerade durch die glimmende Rübe geht. Wobei es lustig ist, dass ein so kleines Licht wie Max, soviel Strom braucht.

Würde der Film nicht alles wie in einerm Kindercartoon erzählen, nicht jede Actionszene wie ein Let’s Play inszenieren und sich tatsächlich mal Zeit lassen um Drama aufzubauen und Figuren miteinander agieren, anstatt sie nur Exposition runterbeten zu lassen – dann könnte vielleicht ein guter 90min Streifen dabei heraus kommen. So bleibt ein lauter, lästiger und oftmals gnadenlos langweiliger Bombast-Film, der sich bräsig darin ergeht die immer selben Spider-Man-Tropen zu wiederholen anstatt mal irgendetwas neues auszuprobieren. Irgendwann ist diese ganze Teen-Angst, Beziehungsjammerei und Daddy-Issue nummer nämlich mal durch – und nach fünf Filmen ist es ganz dringend an der Zeit sich für die Figur mal irgendetwas einfallen zu lassen. Immerhin ist Gwen entsorgt und darf im nächsten Film dann Platz für MJ machen. Wobei fraglich ist, ob das eine Verbesserung darstellt.

Ach ja: Was ein Mid-Credit Werbeclip für X-Men im Abspann soll, der mal so gar keinen Zusammenhang zu Spider-Man hat, das weiß wohl niemand außer der Marketingabteilung. Leute, entweder ihr wollt aus kleinkarierten Rechtsgründen die Figuren für euch behalten, aber dann spart euch sowas. Oder seid endlich mal cool und handelt vernünftige Cross-Over zwischen Spidey, X-Men und den richtigen Marvel-Filmen aus. Aufgepfropfte Werbung wie diese Nummer hier ist nur peinlich und irritierend.

Auch in The Amazing Spider-Man 2 bleibt der Eindruck eines Films zurück, der eher in der Marketing-Abteilung beschlossen und konzipiert wurde, als das irgendeiner der Beteiligten tatsächlich das ehrliche und dringende Bedürfnis hatte ihn zu drehen. Während Marvel/Disney Risiken eingehen und selbst die schlechten Filme wie Iron Man 3 oder Thor 1 noch eine gewisse Integrität und Handschrift der Regisseure erkennen lassen bleibt Spider-Man uninspiriertes, seelenloses Overkill-Kino dessen einziger Zweck es ist Merchandise zu verkaufen und einen Franchise am Leben zu erhalten.

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11 Kommentare

  • Reply Baum 18. 4. 2014 at 21:45

    Die Kritik spricht mir aus der Seele, aber warum noch 2,5 Sterne, wenn ihr (wohlverdient) kein gutes Haar an dem Ding findet? Punkte für den aktuellen Film als Hoffnung, dass der neue dann gut wird?

    • Reply Oliver Lysiak 22. 4. 2014 at 1:49

      2.5 Sterne ist für mich eigentlich schon eine „Nicht gucken“-Wertung, erst ab 3 Punkten sehe ich es als Anschauempfehlung. Es gibt ein-zwei Szenen die ich okay fand und handwerklich ist er halt mittelfeld. Nicht mies, aber eben sehr unoriginelle Renderbilder nach Schema F. Deswegen die Wertung mit Tendenz zu 2 Punkten.

  • Reply PewPewPew 19. 4. 2014 at 1:57

    „Vielleicht sollte Spidey das Gebäude einfach sprengen, dann wäre Ruhe im Puff.“ :D
    Danke dafür, selten so gelacht bei einer Review.

  • Reply Marius 19. 4. 2014 at 12:57

    Ich bin wirklich selten deiner Meinung, aber du sprichst mir hier aus der Seele! Mann, war ich gesten abend enttäuscht und nahezu aggressiv nach diesem Stuss. sehr Schade.

  • Reply Parkster 22. 4. 2014 at 11:31

    Ich sage es sehr ungern (weil Fanboy), aber ich stimme in so ziemlich allen Punkten zu.

  • Reply Bob 22. 4. 2014 at 16:43

    Ich kann nur 100% zustimmen. Ich kann mit den neuen „Spiderman“ Verfilmungen auch nicht wirklich was anfangen. Bis jetzt waren für mich die Raimi Filme einfach besser.

  • Reply Larissa 23. 4. 2014 at 22:32

    Ich bin definitiv nicht eurer Meinungen. Ganz ehrlich, ich finde den Teil besser als den ersten und kann ich nicht eine Kritik ernst nehmen die mit der Beleidigung „biaaatch“ beginnt. Aber anscheinend hast du deine restliche Intelligenz bei dem Film verbraucht… Die Drehbuchautoren geben ihr bestes was man meiner Meinung nach sehen kann. Sie versuchen das Herz des Comics zu treffen können sie aber nicht alles wiederholen was bereits die erste Spider-man Trilogie aufgegriffen hat. Beispielsweise bin ich froh, dass Gwen mal erwähnt wird denn im Comic war sie Peter Parkers erste Liebe bevor M.J sein Herz für sich gewinnen konnte. Auch Gwens Tod ist fast eins zu eins aus dem Comic aufgegriffen worden. Die Geschichte hat alles für mich was eine gute Story ausmacht. Und ich finde sie von Anfang bis Ende vollends befriedigend. Was Andrew und Emma als Schauspieler betrifft, so finde ich es keineswegs dass ihre Leistungen gezwungen oder übertrieben wirken. Auch finde ich Jamie Foxx‘ schauspielerische Leistung als Electro mehr als überzeugend. Vielleicht wurde er zu schnell besiegt oder zu leicht, na und? Der Film ist reich an Super-Bösewichte und da kann man sich nicht eine Stunde mit ein und dem selben aufhalten während da noch andere warten die das New Yorker Leben erschweren. Am liebsten würde ich noch unendlich viele Seiten schreiben und aufzählen warum dieser Film für mich unter anderem zum Highlight dieses Jahres zählt, aber das ist gleich, ihr würdet es dennoch nicht verstehen. Über Geschmack lässt sich ja angeblich nicht streiten, oder? Jedenfalls würde ich dem Film 4-5 Sterne geben denn Spider-man 2 gehört für mich auf jedenfall zu einer der besten Spider-man Verfilmungen überhaupt und ich warte gespannt auf die Fortsetzung.

  • Reply Dennis Tenne 29. 4. 2014 at 9:38

    Was nen Schwachsinn, endlich nen Spider-Man der genauso ist wie die
    Comicvorlage und ihr heult der verweichlichten Version mit Tobey Maguire
    hinterher oder was?

    Dann lasst das Bewerten von Filmen lieber sein, vorallem bei Filmen wo man anscheinend keinen Plan von der Vorlage hat.

    Absolute Anschauempfehlung für alle die den Comic-Spiderman mochten.

  • Reply Steve 30. 4. 2014 at 16:15

    Ihr scheint absolut keine Ahnung zu haben. Genauso wie spiderman im Film dargestellt wird, ist er auch in den Original Comics. Wer vom Genre nix versteht und einen Film bewertet ohne zu wissen wovon er redet, sollte es bleiben lassen.

  • Reply med 11. 5. 2014 at 17:08

    Ja und noch was: Wie konnte Spidy nochmal den Electro ausknocken (war es eine Metallstange?), wo der doch doch á la Mr. Manhattan sich wohl mit reiner Geisteskraft zusammensetzen kann, in Stromleitungen einspeisen kann und überhaupt sich recht nah an der Allmacht bewegt?

  • Reply Tremor 19. 5. 2014 at 5:46

    @ Batzman:
    Mal wieder eine gute Kritik, die ich (wie üblich) durchaus mitunterschreiben würde.
    Doch langsam wünschte ich wirklich, du hättest einen Lektor:
    Schon im ersten Satz ein Schreibfehler („ich werden“) und im sechsten Absatz schreibst du „scheinbar“, wo doch wohl eher „anscheinend“ gemeint ist… also nee… ;-)

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