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The Lego Movie (Review)

Standard, 20. 4. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 2 Kommentare

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Natürlich ist der Lego-Film ein Werbefilm für die bekannten Plastikklötze. Was überrascht ist, dass er ein wirklich guter Werbefilm ist, denn er weckt das Verlangen wieder mit Lego zu spielen, nicht weil er im Endeffekt ein Spielfilmlanges Product Placement ist, sondern weil in ihm soviel mehr Mühe, Ideen und Originalität stecken als nötig gewesen wären um ihn profitabel zu machen.

Im Gegensatz zu vielen Lizenzprodukten wirkt der Film (wie auch viele der Spiele) so als wenn die Leute die sie gemacht haben, tatsächlich Bock darauf hatten und nicht nur pflichtschuldig ein Franchise am Leben halten. Die Macher vermitteln von der ersten Sekunde Spaß an ihrer Welt, die wirklich konsequent auf Lego-Steine setzt. Wo die Spiele und viele der bisherigen Direct-to-DVD Legofilme gerne mit realeren Umgebeungen arbeiten und nur spezielle Gegenstände aus Lego bauten, wird hier wirklich alles aus den bekannten Elementen zusammengebaut. Selbst Flammen und Staubwolken sind Legos.

Dazu kommt der sympathische Brick-Film-Look, der zusammen mit den Stop-Motion Elementen die computeranimierten Figuren liebenswert altmodisch und sie immer als Teil einer großen Spielwelt wirken lässt.

Und so wie die besten Lego-Spiele zusammenführen was aus rechtlichen Gründen nicht erlaubt ist (wenn in Lego Marvel etwa Spider-Man, Wolverine und die Avengers zusammenkämpfen), so liegt auch im Film ein Teil des Spaß darin, die Lego-Helden zusammen mit Batman, Gandalf, Dumbledore, Superman, Han Solo, C3PO und Co agieren zu sehen.

Das Hauptproblem in der Wahrnehmung des Films ist wohl hierzulande leider, dass die meisten Lego automatisch mit kleinen Kindern assozieren und annehmen der Filme müßte ebenfalls auf die Zielgruppe der kleinsten zugeschnitten sein, was natürlich eine Fehleinschätztung ist denn schon der Lego Held „Clutch Powers“ kämpfte in seinem Film so anspielungsreich und originell, dass ihn wohl erst Zuschauer ab dem Teenager-Alter aufwärts wirklich ganz verstehen.

Für den Lego-Film gilt das nochmal mehr, denn der Retro-Look und die Referenzen auf Bionicle, Wonder Woman (gesprochen von Coby Smulders die tatsächlich für die Rolle im Gespräch war) sowie Batman, der ein einziger Stinkefinger an Christopger Nolans Bats ist – das alles sind Gags die an Kindern wohl eher vorbei gehen. Was nicht heißt, dass sie nicht ihren Spaß an den visuellen Gags und der schönen Animation haben werden, doch Kernzielgruppe sind nicht. Wenn Emmets Leben gleich zu Beginn als konditionierte Zumutung demontiert wird und in der fröhlichen Diktatur das eben so eingängige wie bösartig-faschistische „Everything is awesome“ in dutzenden Versionen in Endlosschleife läuft, dann werden sich vermutlich auch eher Erwachsene an ihre trostlose Existenz als Arbeitsdrohnen erinnert fühlen.

Was nicht bedeutet dass der Lego-Film nun durchgängig eine Satire auf Kapitalismus und Konsumgesellschaft wäre, denn bei allen Seitenhieben feiert er natürlich eines der erfolgreichsten Produkte eben dieser Gesellschaft. Er plädiert eher für das Mögliche, die kleinen Fluchten, die private Rettung vor dem Alltagstrott und setzt ein Zeichen gegen die Resignation innerhalb eines letztlich doch unmenschlichen Systems. Wenn der Oberschurke am Ende einsieht, dass ein bißchen Chaos und Kreativität liebenswert und notwendig ist, setzt er damit ja nicht das gesamte System außer Kraft sondern zeigt das der Kapitalismus in der humaneren Variante durchlässig sein soll für Veränderung, gute Ideen und Kreativität. Die wilden Master Builder müssen in ihrem Kampf an einem Strick ziehen und auch mal Pläne befolgen wenn es der Sache dient und Emmet muß lernen nicht immer nur Dienst nach Vorschirft zu machen. Das ist nicht radikal sondern eher versöhnlich, das ist nicht Klassenkampf sondern Kompromissgesellschaft und taugt deswegen wenig zur politischen Agitation. Ja es zeigt im Schlußgag folgerichtig, dass Freiheit auch immer die Freiheit derjenigen beinhaltet, deren Ideen man selbst nicht mag – wenn die Figuren der ungezähmten kleinen Schwester auch plötzlich mitspielen wollen.

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2 Kommentare

  • Reply dok 21. 4. 2014 at 2:04

    mir hat er auch ganz gut gefallen. und überraschenderweise taugt er (zumindest in der orginalversion) nur bedingt als kinderfilm, dazu ist er einfach zu rasant und gespickt mit verweisen an klassiker aller art und wortwitz . zumindest sehen die kleinen einen ganz anderen film als die erwachsenen , auch wenn sie vor derselben leinwand sitzen .

  • Reply MrBrown 23. 4. 2014 at 10:08

    Ich hätte es ja cool gefunden, wenn der Film zu 100% mit echtem Lego und Stop Motion produziert worden wäre.

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