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Cannes 2014: The Rover Review

Standard, 17. 5. 2014, Rocky Balbea, 10 Kommentare

Rover 2014

 

Rover, Doofer, Over.

Oder wie aus einem Film, der cool klingt und cool aussieht dann am Ende doch nur so ein eher laues Fürzchen herauskommt. Aber beginnen wir am Anfang. Ich sah den Trailer.

Und dann wollte ich den Film sehen. Habe ich auch. Der Anfang war toll. Eine Schrifttafel, die sagt: „Ten years after the collapse“. Was für ein Kollaps? Keine Ahnung. Aber wir sind irgendwo im australischen Outback und die Leute dort sehen irgendwie noch ungewaschener und noch angenervter aus, als man es sich in seinen klischeehaften Outbackträumen vorstellt. Klar ist, es gibt irgendwie kaum Arbeit und kaum Ressourcen. Essen, Wasser, Benzin — alles knapp und die australische Währung ist ebenfalls nichts mehr wert. Ein Auto hält an einer Spelunke. Aus ihm steigt Guys Pearce, der Typ aus Memento, und Träger des Titels „beste Wangenknochen nach Mads Mikkelsen“. Verloddert und dreckig, der Blick ein wenig irre. Er geht in die Kneipe und säuft. Dann in einer wunderbaren Szene sieht, wie sich ein Auto direkt vor dem Fenster überschlägt vor dem er sitzt und säuft. Im Auto drei Gangster, einer blutend, alle brüllend, schwitzend und aggressiv. Ihr Auto scheint Schrott zu sein, also krallen sie sich das von Guy. Und eins sollten wir ja alle seit Knight Rider wissen: man macht sich nicht an das Auto eines Mannes ran. Guy schnaubt, hasst, rollt die Augen und verfolgt die anderen in deren Schrottkarre in einer der schönsten, weil tatsächlich zur Abwechslung mal intelligentesten Verfolgungsfahrten. Dann, ein Showdown wie im Western, doch unser schlecht riechender Held stellt sich nicht allzu clever an, kriegt eine über den Nischel und das war’s.

Bis hierhin ein ganz passabler Film, der irgendwo zwischen postapokalyptischem Mad Max, Western und Film Noir pendelt und einen erstmal schön im Dunkeln tappen lässt. es gibt zwar schon erste Ungereimtheiten und so kleine Hä? Momente, aber geschenkt. Doch dann kommt Robert Pattinson.

Ich bin jetzt kein Robert Pattinson Disser, weil der mal einen glitzernden, untoten Stalker gespielt hat. Ich habe einfach was gegen Schauspieler, deren Charisma gegen ein Stück Pappe verlieren würde und die in ihren Filmen steif durch die Kadrierung latschen und nur zwei Gesichtsausdrücke haben. Und bei Pattinson muss man da noch einen abziehen. Aber gut, Guy Pearce ist gut, die Idee des Films bisher auch. Leider, leider und kann ich noch mal leider sagen, wird Pattinson hier eine wirklich tragende Rolle gegeben, die auch noch etwas kompliziert ist. Denn er darf da nicht nur stehen und gucken, er muss tatsächlich schauspielern. Zuerst einen angeschossenen Mann, der sich gerade noch so von der Szene eines Verbrechens geschleppt kriegt, an der er von seinem Bruder zurückgelassen wurde, der, wie sich schnell herausstellt einer der Gangster ist, die Guy Pearce das Auto geklaut haben. Und eins sollten wir ja alle seit Knight Rider wissen: man macht sich nicht an das Auto eines Mannes ran. Never. Natürlich treffen Guy und Robert aufeinander und Guy denkt sich „Super, den tausche ich gegen meine Karre ein.“ Und dann der Super-Gau. Pattinson ist nicht nur irgendein Typ, er soll einen jungen Mann spielen, der nicht alle Tassen im Service hat oder so etwas wie einen mehr oder wenig leicht geistig behinderten Mann. Gott erbarme dich meiner. Und von da an schaut man mit der Faszination des Grauens dem zu, was Pattinson da macht. Und das sieht ein wenig aus, als hätte er Gilbert Grape — Irgendwo in Iowa gesehen und sich gedacht: „Kann ich!“ So ein bisschen mit dem Gesicht zucken, ab und zu spastisch mit den Händen wedeln, lachen, wenns nichts zu lachen gibt, treudoof gucken und beim Reden immer Stocken und nicht so richtig alles kapieren. Und das ist ein wenig wie beim Zauberer von Oz. Man glaubt an die Magie des Kinos und dem man glaubt dem Film und dann steht da einer und reißt den Vorhang auf und zeigt die Strippen. Denn man merkt die ganze Zeit was Pattinson da tut, so exaltiert ist seine Charakterdarstellung. Und plötzlich ist da ganz viel Distanz zwischen Zuschauer und Film und man hört das Räuspern und Rascheln und ist raus. Das kann dann auch Guys Pearce nicht wirklich retten. Trotzdem, ich habe mich redlich bemüht den Rest zu gucken ja, es gab Momente, die waren fantastisch. Die Trostlosigkeit der Wüstenlandschaft und seiner Einwohner, die plötzlich hereinbrechenden Gewaltorgien, die manchmal aus dem Nichts kommen und sofort wieder ins Nichts gehen. Man bekommt schon ein Gefühl für den seelischen Lochfraß der Einwohner und kann erahnen, wieso das Leben von Menschen nichts mehr wert zu sein scheint. Aber es bleiben so viele Ungereimtheiten in der Geschichte, die einen aber nach einer Weile egal sind. Und das ist kein gutes Zeichen. Guy und Robert arbeiten sich immer weiter gen Süden vor und hin zu ihrem Ziel: das Auto finden! Ha, denkt man, der große Showdown! Bald kommt er. Na ja, bald dauert dann doch noch sehr lang und wenn sie am Ende ankommen, ist es einem eigentlich fast egal was dann passiert, denn die Figuren sind einem nie ans Herz gewachsen auf dem Weg. Was einen aber weiter antreibt, ist die Frage „Was hat der Typ eigentlich mit seinem Auto? Warum hunderte Meilen fahren und ein Dutzend Leute abknallen für ein Aut0?“

Und dann versetzt der Film einem den Todesstoß. Ganz am Ende klärt er es auf und das war der Augenblick wo ich dachte „Fuck you.“

2.5 Punkte gibt’s von mir trotzdem, 1.5 für Guy Pearce, den Rest für die wenigen überraschend guten Augenblicke und die ästhetisch anschauliche Szenerie.

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10 Kommentare

  • Reply Martin Sane. 17. 5. 2014 at 19:42

    Lol. Du schreibst wie ein Kerl. I love it :-)

    • Reply Andreas 18. 5. 2014 at 23:14

      Herzlichen Glückwunsch zum Sieg bei den Paralympics!

      • Reply Martin Sane 19. 5. 2014 at 4:04

        Dümmster Kommentar den ich hier je gelesen habe. Und das will was heißen. Dass Leute mit Null Sinn für Humor immer etwas zu sagen haben…

        • Reply Andreas 19. 5. 2014 at 22:51

          Ok, nochmal langsam:
          Anstatt einfach mal ein Lob auszusprechen, dass dir der Text gefallen hat, startest du direkt mit der „für ne Frau nicht schlecht“-Nummer. Entweder ist das gut oder schlecht. Was spielt es für ne Rolle, ob der Text von einer Frau ist. Freu dich doch einfach. Ich hätte mich über das „Kompliment“ jedenfalls nicht gefreut.

          • Martin Sane 20. 5. 2014 at 0:48

            Danke für die Erklärung und die Bestätigung meiner Vermutung dass Du zum Lachen in den Keller gehst. Wenn ein offensichtlich ironisch/witzig gemeinter Spruch wie dieser als sexistisch, diskriminierend oder chauvinistisch angesehen wird, dann darf man wohl gar nichts mehr sagen. Ist mir aber auch völlig banane ob und wie jemand anders das versteht. Ich denke nicht, dass eine Autorin die so einen ironischen, witzigen und teilweise rauhen Stil hat dies falsch einordnen wird.
            Aber schön dass Du hier die Emanzipationsfahne hochhältst damit Frauenhasser wie ich gleich von vornherein keine Chance bekommen.
            Also denk mal über alles in Ruhe nach und überlege Dir, ob Leute als behindert zu bezeichnen nicht die eigentliche Unverschämtheit hier ist.
            Und überhaupt: Ogott.

  • Reply Andreas 18. 5. 2014 at 23:15

    Schönes Review, habs gern gelesen.

  • Reply Haina 19. 5. 2014 at 23:28

    …und das war der Augenblick wo ich dachte “Fuck you.” Im Kofferraum liegt die Bibel in Blindenschrift.

  • Reply Sonja 25. 5. 2014 at 2:24

    Wow, diese Filmkritik hört sich wirklich super intelligent an… oder auch nicht. Deine Überschrift sagt schon alles. Gott erbarme sich unser und hoffentlich „Filmkritikern“ wie dir, kann ich dazu nur sagen. Komisch, dass dieser von dir so lächerlich gemachte Film in Cannes einer der am besten bewertesten war und beide Hauptdarsteller mit Lob nur so überschüttet wurden! Aber bei deiner adäquaten Beschreibung eines leicht zurückgebliebenen Mannes, wundert einen das dann auch nur noch wenig… Zum Glück kann man Kritiker wie dich ja ignorieren.

    • Reply martin sane 25. 5. 2014 at 4:38

      Oder solche Kommentare. Hast Du noch etwas Konkretes zu bemängeln außer dass die Kritik schlecht ist weil alle anderen den Film supertoll fanden? Guy Pearce fand sie übrigens so gut dass er einen Extrastern bekommen hat. Vielleicht ist es ja aber wirklich so, dass alles was unterhaltsamer als ein Telefonbuch geschrieben ist, bei einigen gleich zu Aneurysmen führt.

  • Reply MrB 17. 7. 2017 at 15:59

    Wenn man das Ende nicht begreift, ist das schon Mist!
    Wenn man Filme anderer Machart nicht mag vielleicht auch.

    Aber ich möchte meine Meinung über diese „Kritik“ nicht nur so stehen lassen (evtl. Spoiler):

    Zuallererst – die beiden Hauptakteure haben ihre Sache sehr gut gemacht.
    [Zitat]
    Ich habe einfach was gegen Schauspieler, deren Charisma gegen ein Stück Pappe verlieren würde und die in ihren Filmen steif durch die Kadrierung latschen und nur zwei Gesichtsausdrücke haben.
    [/Zitat] —> genau das passt hier und zu der Stimmung jedoch wie die Faust aufs Auge und ist sogar sehr realistisch…

    OK, der Film strotzt vor Logiklöchern… das mir manchmal die Haare zu Berge standen… er hat einige Längen, dass es mitunter schwer fiel „dran zu bleiben“. Aber genau das Ende hat m. M. n. alles raus gerissen! Ich fand es absolut passend, ja gar grandios! Es passiert nicht oft, dass ich mir einen Abspann ansehe… aber hier … – zumal kurz vorher Menschenleichen auf einen Haufen geworfen und … werden und dann dieses Knallerende nach der eeeewigen Hetz nach seinem Auto (und plötzlich machten auch die Längen Sinn ;-)).

    Der Film ist absolut sehenswert!

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