Cannes 2014: The Salvation Review

1 Comment
The Salvation
  • The Salvation

Summary

Hau den Lukas, Mads. Dieser Western macht Spaß, sieht gut aus und trieft nicht zu 100% Testosteron aus den Poren. Und das macht ihn noch besser. Yiiiieeehaaaaahh!

4

The Salvation

 

​​

Einsatz der emotionsgeladene Musik mit vielen Streichern und Trompeten und einer Westerngitarre an der sich jemand abarbeitet, als gäbe es kein Morgen mehr. Der Wind heult durch die Wüstenlandschaft und wirbelt gelben Sand auf, Figuren stapfen durchs Bild. Die Kamera fährt durch den Eingang einer provisorischen Bahnstation irgendwo im amerikanischen Nichts. Und da steht er. Diese Wangenknochen, diese schmollende Oberlippe, diese stechenden Augen. Er, der Mann, den man so gerne schwitzen, bluten und leiden sieht, er wartet auf seine Frau und sein Kind. Ach Mads Mikkelsen, du geile Sau. Schwitz für mich!

Und schon ist man mitten drin in diesem ​Smørrebrød-Western von Kristian Levring, der damals, vor inzwischen gefühlten tausend Jahren einer der Mitbegründer der Dogma-Bewegung war. Mit Dogma hat The Salvation aber gar nichts zu tun, au contraire ma chère, wir haben hier einen im Grundsatz klassischen Western, der nebenbei noch als Filmnerd-Rätsel fungiert. Laut Levring sind 70 verschiedene Anleihen auf klassische Western von Ford bis Leone versteckt. Viel Spaß beim Suchen. Aber zurück zu Mads Mikkelsen, dem schönsten Transpirierer Dänemarks. Er holt also seine Frau und seinen Sohn ab, deren Namen wir uns nicht mal merken müssen, weil sie quasi fünf Minuten später tot sind. Denn leider sind sie in die falsche Kutsche eingestiegen, in der auch zwei finstere Typen (merke, je schlechter die Zähne, desto definitiver eine böse Figur) sitzen, die gerade aus dem Knast gekommen sind. Und da kommt so eine schöne blonde Frau leider gerade recht. Unser Held kann sie nicht retten, sie schmeißen ihn aus dem Wagen und als er sie wieder einholt, ist es zu spät. Aber die widerporstigen Purschen sind noch da und was bleibt dem Mads da anderes übrig, als Kleinholz aus ihnen zu machen. Yay, denkt man sich. Er hat sich gerächt. Aber so ein Rachewestern kann ja nicht nach 20 Minuten enden, es ist also klar: da kommt noch was.

Und ob da noch was kommt. Der Bruder des jetzt toten Zahnreinigungsbedürftigen, Delarue, der zufällig auch der Obergauner dieses Landstriches ist, ist nicht so ganz begeistert über diesen Mord. Mehr begeistert ist er davon, dass er jetzt die Frau des Bruders, “Princess” haben kann. Und Hallelujah, Princess ist der diamantene Kern dieses Filmes und wird gespielt von meiner zweitliebsten Eva nach Eva Mendes: Eva Green. Die hatte Glück, für diese Rolle musst sie null Dialoge lernen. Princess wurde nämlich die Zunge von Indianern rausgeschnitten, weil sie als Kind so laut schrie, als ihre Eltern vor ihr ermordet wurden. Und weil sie damit einfach noch bezaubernder aussieht, haben sie ihr gleich noch eine Narbe über der Lippe verpasst. Aber bevor Delarue sich um die Prinzessin kümmern kann, knallt er erstmal ein paar Bewohner der einzigen Stadt vor Ort ab und drängt ihnen fast unbezahlbare Steuern auf, die sie so lange zahlen müssen, bis sie den Mörder an ihn ausliefern. Und jetzt raten wir mal alle was dann passiert. Noch bevor der Mads Mikkelsen drei Mal Smørrebrød sagen kann, ist er schon halb aufgeknüpft. Doch halb aufgeknüpft ist eben nicht tot und dank ein wenig Hilfe geht es dann erst richtig mit dem Gemetzel los.

Doch neben  Mads, dem männlichen Helden des Westerns, gibt es diesmal endlich Zuwachs, denn Princess ist auch nicht auf den Kopf gefallen und spielt hier eben nicht das ewig kreischende (öhm….na gut, geht ja auch nicht), in Ohnmacht fallende Weibsbild, dass gerettet werden muss. No sir, Frau Princess ist eine umtriebige, gerissene Figur, die das beste aus ihrer Situation macht. Und da darf man natürlich nicht nach den Regeln spielen. Diese wunderbare subtile Gleichberechtigung, die hier dann doch den Klassizismus bricht, ist genial. Denn zwei gute Figuren, die ihr Ding machen, sind besser als eine und es macht mächtig viel Spaß da zuzugucken — vor allem ob der sehr unterschiedlichen Herangehensweisen.

Ein Fazit: Man langweilt sich nie, die Geschichte ist zwar eher ruhig, treibt aber ständig voran. Nur ein wenig dunkler im Ton, als man eingangs erwarten würde, ist The Salvation. Da merkt man schon das dänische Gemüt und deren Vorliebe für die dunkle Seiten der Seele (jetzt hätte ich fast Macht geschrieben) — feinste Lakonie also, gepaart mit eiskalter und wortkarger Abrechnung. Gefällt mir gut. Vor allem weil es hervorragend gefilmt ist. Die Bilder sind entweder goldstichig und lassen einen fast mitdursten, so staubig ist der Staub und so unerbittlich die Sonne. Und dann wieder tiefe blaue Einstellung, Kälte, Verzweiflung und drohende Gewalt — ich kam nicht umhin immer an Sin City denken zu müssen.

In : Review

About the author

Im Grunde kann sich Rocky Balbea an so gut wie jedem Film erfreuen — solange sie das Gefühl hat, dass jemand wirklich sein Bestes gegeben hat. Gute Filme sind super, Filme die völlig scheitern und dabei schon wieder gut sind, weil sie so schlecht sind, sind ihre besondere Leidenschaft. Über Mittelmäßigkeit regt sie sich allerdings gern und ausführlich auf.

Related Articles

1 Comment

  1. awesomatik.com

    Klingt gut! Hab letztens erst “Seraphim Falls” geguckt. Auch ein Western, der besser ist als es die Kritiken es vermuten lassen.
    Der Trailer von dem hier hat mir schon gut gefallen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked (required)

Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr
  • photo from Tumblr

    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

  • photo from Tumblr

    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

  • photo from Tumblr

    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

  • photo from Tumblr

    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

  • photo from Tumblr

    10/09/14