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Kill the Boss 2 (Review)

Standard, 5. 12. 2014, Batzman (Oliver Lysiak), 14 Kommentare

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Drei Trottel versuchen aus Rache einen Schmierlappen zu entführen, doch dieser dreht den Spieß um.

War der erste Teil eher eine mittelprächtige Angelegenheit, die durch Mutlosigkeit hinter ihren Möglichkeiten zurückblieb, ist die Fortsetzung nachgerade ärgerlich.
Ob jetzt Austin Powers Gags schlecht nacherzählt werden, Vergewaltigung und erpresster Sex als lustiger Dauerscherz herhalten müssen, Frauen entweder nervige Hausmütterchen oder intrigante Bitches sind – Horrible Bosses 2 nervt extrem.
Denn so sehr er auch mit geschmacklosen Scherzen operiert und sichtlich bemüht ist gewagt zu erscheinen, es bleibt – ähnlich wie bei Hangover – immer der erstaunt verklemmte Kicherhumor auf dem „Hihi, der hat Loch gesagt“-Niveau. Der Humor ist nicht schwarz und trocken, sondern eher feucht und braun.
Dazu kommt das Heldentriumvirat, das wohl zu den schlimmsten Ausreden für menschliche Wesen gehört, die in diesem Jahr im Kino zu sehen waren. Sie sind nicht nur unfassbar debil, ihnen fehlt auch jegliches Empathievermögen oder moralische Gewissen. Harry und Lloyd aus Dumb and Dumber sind ja ebenfalls keine Geistesgrößen und veranstalten zum Teil furchtbare Dinge, aber sie besitzen zum Einen eine gewisse kindliche Naivität, wie auch die Fähigkeit zu echter Zuneigung, die sie erträglich machen.
Die drei Idioten die uns Kill the Boss 2 als Helden verkaufen will sind verachtenswerte Arschlöcher, umgeben von anderen verachtenswerten Arschlöchern, deren Ableben den Genpool deutlich entlasten würde. Nichts an ihnen ist sympathisch oder harmlos witzig. Und das wohl ein Großteil der Dialoge improvisiert wurden, macht die unablässige Geschwätzigkeit von Bateman, Day und Sudeikis um so unerträglicher. Es gibt kaum eine Sekunde im Film, in dem mal einer der Drei die Fresse hält, als glaubte Regisseur Sean Anders Dialoge würden witziger, je mehr Worte gesagt werden.
Und das unablässige Gelaber, welches selbst eine Folge Gilmore Girls als Bergmaneskes Schweigedrama erscheinen lässt, ist auch das Einzige, womit der Streifen zu punkten sucht. Denn optisch fällt ihm überhaupt nichts ein. Kill the Boss 2 könnte auch als Hörspiel veröffentlicht werden, so belanglos und uninspiriert ist die filmische Inszenierung. Sowas kann sich ein Film leisten, der rein über pointierte Dialoge und beeindruckende schauspielerische Leistungen funktioniert, doch hier herrscht nur Sprechdurchfall.
Dabei bietet die Geschichte grundsätzlich das Potential eine schwarzhumorige Farce zu erzählen, doch wie schon beim Vorgänger ist selbst der 80er Streifen 9 to 5 (Warum eigentlich bringen wir den Chef nicht um) – der hier sogar erwähnt wird – bissiger und unterhaltsamer als diese Ansammlung verunglückter Schmierenscherze. Und wenn Jamiee Foxx‘ Gangster schon die menschlichste Rolle im ganzen Film spielt, ist klar wo die Probleme liegen. Der ganze Film wirkt handwerklich schlampig, als wurde bei jeder Szene der erste Take genommen. Selbst passable Pointen, wie das Warten in einer Verfolgungsjagd bis die Polizei aufholen kann, wird durch das beschissene Timing versaut.
Der Film respektiert weder seine Geschichte, noch seine Figuren und lässt Jackass-Filme wie subtile Charakterstudien erscheinen weil er völlig unentschlossen zwischen unterschiedlichsten Tonalitäten springt, ohne jemals einen eigenen Tonfall zu entwickeln. Weder Spoofmovie, noch Farce, weder Slapstick noch Dialogwitz, weder Cartoon noch schwarze Satire — Kill the Bosses 2 versumpft in ärgerlicher Haltungslosigkeit.
Natürlich wird es einen dritten Teil geben.

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14 Kommentare

  • Reply der Alte Sack 5. 12. 2014 at 8:42

    Da bin ich mal ordentlich froh den ersten Teil auch niemals nie nur angeschaut oder die DVD in der Hand gehabt zu haben. Den zweiten und dritten und vielleicht den vierten ( Rückkehr der Chefkiller) und den fünften ( Die Rache der Söhne und Töchter der Chefkiller) und den sechsten (Die Wiederkehr der Enkel der verdammten Chefkiller) und den siebten ( Halt die Fresse du dummer Chefkiller und verpiss Dich aus dem Kino) werde ich mir natürlich ebenfalls sparen…

  • Reply Christian 5. 12. 2014 at 8:45

    Unabhängig von dem Film, vielen Dank für die toll geschriebene Kritik, die mich morgens vor 8 laut schreiend hat lachen lassen!

  • Reply Rahel 5. 12. 2014 at 10:29

    Unterirdisch schlecht geschrieben in kompletter Unkenntnis der deutschen Zeichensetzung. Dazu dieser tiefsitzende Hass aufs Kino im Allgemeinen, gepaart mit einer maßlosen Gier, etwas voellig Harmloses fertigzumachen. Unertraeglich!

  • Reply Dr.Strangelove 5. 12. 2014 at 14:27

    Reiht sich ein in Filme wie „Kindsköpfe 1 und 2“ oder „Taffe Mädels“ oder eben „Hangover“. Was Hollywood uns da als „Comedy“ um die Ohren haut geht gar nicht. Batzman bringt es perfekt auf den Punkt. Vieles läuft über Dialoge.. die aber nicht wirklich witzig sind. Oder der Witz besteht allein davon das wir einen „Trottel aka Arschlochmann“ vor der Kamera sehen. Wenn man mal „Slaptsick“ eingebaut wird ist es oft einfach zu derbe. Autounfall, Tieger im Hotelzimmer, usw.

    Man müsste sich eigentlich noch mal „Schmeiß die Mama aus dem Zug! (Throw Momma from the Train) “ So gute Kritiken hat der Film zwar auch nicht… aber ich fand‘ den damals sehr lustig. Viel mir nur gerade ein.. wo es doch um Mord und Comdey geht.

  • Reply dok 5. 12. 2014 at 18:09

    was war nochmal die letzte wirklich lustige hollywood-komödie ? weil , ich kann mich echt nicht mehr erinnern …

  • Reply El Gallo 5. 12. 2014 at 19:34

    Ich schließe mich Rahel an und auch wenn ich den Film nicht gesehen habe, ist dieses Review auf unterstem Niveau geschrieben. Der Film kann kaum schlechter sein und daher werde ich mir ihn gerne ansehen.

  • Reply burns 6. 12. 2014 at 18:45

    @Rahel und El Gallo:
    Ihr verwechselt da was. Abgrundtiefer Hass auf einen Film kann nur entschieden, wenn man Filme wirklich liebt.

    • Reply Rahel 6. 12. 2014 at 21:46

      @burns:
      Eine äußerst sympathische Idee und gern möchte ich sie teilen. Allerdings glaube ich, dass es sich auch anders verhalten kann, dass nämlich eine jahrelange Verdrossenheit – wie sie sich in allen Verrissen abzeichnet – zu einem tiefen Hass grossgewachsen ist. Ich bedien mich mal da ein bisschen bei Augustin, der beschreibt, wie eingewurzelter Zorn zu Hass gedeiht ähnlich einem Splitter, der zu einem Balken wird.
      Und so ein Balken, der reduziert schon etwas das Seh- bzw Urteilungsvermögen…

  • Reply burns 6. 12. 2014 at 18:46

    Sollte natürlich „entstehen“ heißen.

  • Reply der Alte Sack 8. 12. 2014 at 10:38

    Das Problem hier ist, das sich einige dieser „Kritiker“ nur noch auf Verrisse einlassen. Ein Film ist erstmal wertneutral ein Produkt eines Künstlers oder mehrerer Künstler ( Regisseur, Produzent, Schauspieler etc.). Ob das Produkt nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Die Frage ist gefällt es einem oder nicht. Wenn es einem nicht gefällt muss man es begründen. Aber dies kann man sarkastisch, hämisch oder sogar haßerfüllt machen, aber man muss dabei die Form wahren. Peter Kreglinger ( ein Idiot aus Stuttgart der sich früher Filmkritiker nannte) verriß einmal einen Film mit Marianne Sägebrecht und nannte sie „fett“. Ich schrieb ihm damals und sagte, das Ihre Körperform nichts mit der Schauspielerkunst zu tun hat. Aber er reagiert noch wütender und war einfach nicht bereit, seine Idiotie einzusehen. Deswegen denke ich auch hier ist der „Hass“ auf manche Arten Filme einfach nicht mehr zu heilen. Ob dies jedoch dann proffesionelle Kritik ist, das sei dahingestellt….

  • Reply TAG 8. 12. 2014 at 23:08

    Bevor hier Pauschalurteile über Batz‘ Einstellung zum Kino im Allgemeinen gefällt werden: Hört euch mal die Wasting-Away-Folgen an, da sprechen Batz und Sebastian neben den unerbittlichen Verrissen mit großer Wärme über die Filme die sie bewegen und die sie toll finden.

  • Reply Thorsten Gebers 9. 12. 2014 at 9:35

    Na da werden wir uns überraschen lassen müssen. Bekanntlich ist ja auch Humor Geschmacksache.

  • Reply Schlüsseldienst Düsseldorf 16. 6. 2016 at 13:17

    Sehr sehr guter und lustiger Film! Sehenswert!

  • Reply Bernhard 18. 7. 2016 at 21:28

    Ich mag diesen amerikanischen Humor nicht besonders. Das ist so gekünstelt, finde ich. Obwohl es echt lustige Serien gibt, wie Eine schrecklich nette Familie, aber, naja

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