Features Review

Steve Jobs (Review)

Standard, 19. 11. 2015, Batzman (Oliver Lysiak), 2 Kommentare

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Steve Jobs ist wahrscheinlich der Beste der bisherigen Jobs-Biopics, was allerdings nicht so viel heißen muss. Überhaupt ist „Film“ schon sehr großzügig, denn genau genommen könnte Steve Jobs auch als Hörspiel oder Theaterstück konsumiert werden, ohne dass ihm viel verloren ginge. Denn sehr visuell ist er nicht. Danny Boyle beschränkt sich darauf die Dialogfluten von Aaron Sorkin abzufilmen, ohne sie mit eigener Bildsprache großartig zu interpretieren. Verglichen mit Oliver Stones „Talk Radio“, der ein ähnliches Grundkonzept hat, wirkt er sehr statisch und unfilmisch.

Natürlich sind die Dia- bzw. Monologe der Figuren von der üblichen sorkinschen Sprachgewalt und werden von der Besetzung mit viel Energie und Verve umgesetzt. Michael Fassbender mag zwar wenig Ähnlichkeit mit Jobs haben, schafft es aber dennoch sich ihm erstaunlich gut anzunähern. Auch Kate Winslet, Seth Rogen und die übrigen Darsteller machen einen guten Job.

Etwas schwieriger ist das Konzept des Films, der sehr theatermässig Jobs Karriere auf drei Abende kondensiert, die alle direkt vor einer wichtigen Präsentation spielen.
Wie eine wortlastige Variante von Lola rennt, werden in drei Iterationen immer wieder dieselben Themen durchdekliniert – oft nur mit winzigen Veränderungen.

Doch was in der Künstlichkeit des Theater funktioniert, wirkt im Kino immer wieder mal auch sehr beklemmend, ja klaustrophobisch. Boyles Film ist ein Wortschwall, der den Zuschauer überschwemmt und sich nie Zeit nimmt mal durchzuatmen. Dabei ist vieles was gesagt wird durchaus spannend und interessant, doch die Entscheidung Jobs ausschließlich als egomanisches Monster zu schildern hat ihre Tücken. Nicht dass ich daran zweifle, dass Jobs ein ziemliches Arschloch war – aber er war eben auch ein Charismatiker, der es schaffte eine Religion zu stiften und Leute zu inspirieren und sie dazu brachte ihn anzubeten.

Diese Seite fehlt völlig. Boyles und Sorkins Version von Jobs ist ein Arschloch, ein cholerischer, bisweilen irrationaler und fast durchgängig empathiefreier Jerk, den wir mit derselben Faszination betrachten wie einen tollwütigen Hund.

Ich bin kein Apple Fan und werde es wohl auch nicht mehr, aber selbst ich weiß, dass Jobs mehr als eine Seite hatte. Dass es Gründe gab, warum die Menschen ihn wider jeder Logik als Heiland ansahen. Er war ein guter Showman, der es verstand Banales mit gewichtiger Miene als Revolution zu verkaufen. Jemand dessen spaßbefreite Ernsthaftigkeit mit Pathos vereint ein Gesamtkunstwerk war.

Fassbender lässt dies nicht erkennen, denn sein Jobs ist eine manische Persönlichkeit, der selbst in den als milde gemeinten Passagen, wenn er mit seiner Tochter umgeht, immer wirkt wie Klaus Kinski nach einer Packung Valium.

Und so verständlich es auch ist, dass Sorkin seinem Jobs einen emotionalen Anker geben möchte und deswegen die Vater/Tochter Beziehung in den Mittelpunkt stellt, so schade ist es auch, dass er sich wie schon in The Social Network nicht für Technik und deren gesellschaftliche Implikationen interessiert. Man merkt zwar, dass recherchiert hat, er benennt immer mal wieder technische Details – aber verstanden hat er sie nicht. Jobs erfindet am Ende den iPod, weil er den Walkman seiner Tochter nicht mehr sehen kann – so simpel sind die Erklärungen des Films.

Und so furios viele Dialoge sind – ihre Iteration und die fast unmerkliche, charakterliche Weiterentwicklung der Hauptfigur macht vieles auch ermüdend, denn die Figuren die Jobs umgeben sind ähnlich eindimensional wie er selbst. Seth Rogen spielt Woz mit knuddeligen Charme, aber seine nerdige Stammelperformance lässt ihn nie über eine Witzfigur hinauskommen. Selbst Kate Winslets Rolle, die wohl die meiste Screentime neben Fassbender bekommt, existiert nur im Zusammenhang zu Jobs. Sie hat kein Leben außerhalb der Momente die sie mit ihm zusammentrifft. Was in der autistischen Egoperspektive der Figur vielleicht beabsichtigt ist, es aber schwer macht die Figuren als lebende Menschen wahrzunehmen.

Dass der Film nur die gesammelten Fehlschläge von Jobs behandelt und nur seine Jämmerlichkeit als menschliches Wesen inszeniert und just dort endet, wo sein legendärer Erfolg beginnt, lässt seltsam unbefriedigt zurück. Natürlich wird angedeutet: Danach wurde er erfolgreich und ein besserer Mensch – aber es wäre tatsächlich spannend gewesen seine Widersprüchlichkeit genau in jener Phase mit zu erleben.

Kein schlechter Film, mit vielen guten Performances, der am Ende allerdings wenig neue Einblicke oder Erkenntnisse zulässt, außer der Erkenntnis das es schöner ist sich etwas Schweres auf den Fuß zu werfen, als für Steve Jobs zu arbeiten.

Aber das haben wir ja wohl eh schon lange vermutet.

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2 Kommentare

  • Reply Binding 20. 11. 2015 at 10:23

    Der Rezension fehlen so viele Kommas, dass mir die Lust am Lesen verging. Und bitte auch einen Unterschied zwischen „das“ und „dass“ machen – denn da gibt es einen. ;-)

  • Reply Mario 25. 11. 2015 at 17:26

    Auf den Film bin ich schon gespannt, mal schauen, wie dieser kreatve Kopf, der aber auch total ausflippen konnte, auf der Leinwand rüberkommt….

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