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Deadpool (Review)

Standard, 22. 2. 2016, Batzman (Oliver Lysiak), 5 Kommentare
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Deadpool macht schon Spaß. Ein richtiger guter Film, wäre er allerdings nur, wenn er außer einer interessanten Hauptfigur auch eine Story gehabt hätte. Denn nach allem, was ich von den Comics gelesen habe ist der Charakter in seinem Dauerlabermodus schon ganz gut getroffen und man merkt deutlich, wie sehr sich Ryan Reynolds die Seele aus dem Leib spielt um den roten Schlacks angemessen energievoll zu spielen.

Dabei ist gerade seine Körpersprache richtig gut, denn anstatt als Muskelbuff breitbeinig herumzustalksen, wie Kollege Wolverine, wirkt Deadpool eher wie ein linkischer Teenager, dessen Gliedmaßen durch den letzten Wachstumsschub noch etwas ungelenk herumschlenkern. Das passt zu einer Figur die erst handelt und dann denkt und unentwegt mal sehr gute, aber auch immer wieder sehr mäßige Popkulturreferenzen verschießt.

Einige Treffer sind richtig nett, wenn er sich fragt zu welchem Professor X er gebracht wird oder warum wir immer nur zwei X-Men zu sehen bekommen. Andere wirken etwas altbacken und rutschen, wie Kollege Sebastian anmerkte, immer mal wieder auf Big Bang Niveau. Doch so schlimm ist das insgesamt nicht, denn solange Deadpool im Deadpool-Modus ist rauscht das Ganze so schnell an uns vorbei, dass wir nicht merken, wenn ein Gag krepiert.

Schwieriger wird es, wenn der Film versucht ernst zu werden. Dann wird es mitunter auch richtig langweilig, wenn wir merken wie öde und generisch das ist,was uns als Story verkauft wird. Ja Originstories sind ja fast immer ein Schuß in den Sack, aber hier schwankt die Tonalität derart, dass ich echte Mühe hatte mich im Kino wach zu halten. Sobald die ganze Krebs-Geschichte losgeht und Deadpool sich in Behandlung begibt kommt der Film mit quietschenden Bremsen zum Stillstand. Plötzlich erinnert alles an Wolverine Origins und plötzlich sollen wir Drama und Liebe und Schmerz und Folter ernst nehmen, was irgendwie nicht passt zu einer Figur, die im Grunde weiß, dass sie eine Comicfigur ist. Wobei es auch nicht gerade hilft, dass die Big Bads des Films wirken, wie die dritten unwichtigen Handlanger aus einem Bond-Film.

Zumal der Film damit seinen eigenen Stillstand zementiert, denn nach über einer Stunde stehen wir mit Deadpool noch immer auf der verdammten Autobahnbrücke, auf der der Film anfing ohne dass sich tatsächlich sowas wie eine Handlung abgezeichnet hätte. Ja Deadpool ist ein sympathisches Arschloch, ja Reynolds spielt die Rolle seines Lebens und ja auch die beiden X-Men Colossus und Emo-Explosionsgirl sind schon coole Figuren. Und für ein generisches Love-Damsel-in-Distress-Interest ist Morena Baccarin auch leidlich symphatisch, dafür dass sie nur die Masturbatiuonsphantasie jedes 13jr Teenies mit schlechter Haut ist. Aber warum gibt man diesen im Grunde netten Figuren nicht irgendwas zu tun?

Und warum bleibt Deadpool bei all dem Blut und Sprüchen (und ich grusele mich schon vor den ganzen Fanboys, die mit diesem Film das erste mal das Wort Vierte Wand gehört haben und die damit demnächst klugscheißend herumwerfen), warum bleibt Deadpool trotzdem irgendwie so handzahm und knuddelig? Weder erreicht er je echte moralische Ambivalenz in comichafter Überhöhung, wie sie z.B. Lobo auszeichnet, der schonmal ganze Planeten auslöscht, noch wird er auf menschlicher Ebene so richtig greifbar. Und so richtig mag er sich, abgesehene von kleinen Frotzeleien am Superhelden-Genre auch nicht abarbeiten, denn auch wenn er im Vorspann die üblichen Klischeefiguren benennt, fällt ihm danach nicht mehr ein, was er vielleicht unerwartetes damit machen könnte. Damit ist er humoristisch näher am Seekuh-Humor von Family Guy, als an Robot Chicken oder Futurama – die es oft brillant verstehen, ein Genre zu demontieren.

Was für den Film spricht ist aber die unübersehbare Leidenschaft der Macher, die diese Figur angemessen zum Leben erwecken wollten. Denn trotz der fehlenden Story, wirkt der Film nie, als wäre er am Reißbrett der Werbeabteilung entworfen wurden, wie die beiden grauenvollen Wolverine-Streifen oder alles was je zu Fantastic 4 gedreht wurde (okay der Corman-Film ist ganz gut).

Wie sehr Deadpool zu begeistern vermag, liegt wohl vor allem daran, wie originell man das Konzept empfindet und ob man mit der Figur warm wird und natürlich in wieweit eine Figur die etwas karikiert auf Strecke erträglich ist. Ich bin durchaus gespannt auf den zweiten Teil, hoffe aber, dass ihnen das nächste mal auch eine Geschichte einfällt, damit Deadpool sich nicht ausschließlich auf seine Metaebene verlassen muss. Die Funktioniert nämlich dann am Besten, wenn es auch eine Hauptebene gibt.

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5 Kommentare

  • Reply der Alte Sack 22. 2. 2016 at 13:13

    Ich kenne die Comics nicht und erwarte von einem Marvelfilm auch kein französisches Autorenkino. Wenn ich nachdenken will schaue ich mir einen Weir-Film an. Dieser Film hatte das wozu er erschaffen wurde. Herz, Charme und viel BumBum. Im Kino hat er funktioniert. Ich war im Wake-up Kino und mit mir ca. 400 Leute, quer Beet durch alle Alters- und Geschlechterkategorien. Und was mir auffiel. Die Frauen haben sich köstlich amüsiert obwohl er doch recht brutal war. Das zeigt, Deadpool spricht irgendwie alle an und von mir hätte er meiner Meinung nach fünf Sterne bekommen sollen, weil er das erfüllt hat was man sich wünscht: Unterhaltung zu 114 %!!

    • Reply McGuffin 22. 2. 2016 at 15:59

      Ich kann mich Dem Alten Sack nur anschließen; ich war in einer OV-Vorstellung mit einem international bunt durchmischten Publikum. Egal ob Litauer, Dänen, Nigerianer, Amerikaner, Deutsche, Inder, Russen, Männlein, Weiblein usw.-der (rappelvolle) Kinosaal hat gebebt vor Lachen. Und das ist doch schon mal etwas. ^^

  • Reply Silent Rocco 29. 2. 2016 at 5:24

    Popo-Pipi-Wichsi-Witzchen und das Kino rastete aus. Ich hab zwei mal gegrinst und fand das Kostüm ganz nett. Ansonsten mir durchweg zu pubertär und genau das laut-nervige Gegenteil von wirklich cool. Deadpool wär gern, was Super für mich war.

  • Reply MC TRESOR 17. 3. 2016 at 11:59

    Kann die harte Kritik nicht verstehen. Ich fand den Film wirklich super. Popkorn- Kino für die ganze Familie hehe. Das eingefleischte Marvel-Fans jedoch nicht ganz auf ihre Kosten kommen mag ich nicht zu bezweifeln.

  • Reply Kritik: Deadpool | filmexe 24. 3. 2016 at 20:45

    […] Batzman – 3/5 […]

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