Review

X-Men: Apocalypse (Review)

Standard, 20. 5. 2016, Batzman (Oliver Lysiak), 8 Kommentare

x-men-apocalypse-latest-group-poster

Bestünde X-Men Apocalypse nur aus den Szenen mit Quicksilver und Nightcrawler, hätte ich wohl wirklich eine Menge Spaß daran gehabt. Denn die Chemie zwischen den jungen X-Men stimmt und es macht Spaß sie zusammen zu erleben. Leider werden die schönen Szenen immer von der stinklangweiligen und gruselig egalen Storyline um Apocalypse der sich wie der dümmste Schulhofschläger ein paar apokalyptische Reiter als Claqueure engagiert, die ihm dabei zuschauen dürfen wie er sich mit den X-Men auf einem ägyptischen Schrottplatz rauft.

Doch natürlich greife ich hier vor, denn der Film braucht locker mal eine komplette Stunde ehe überhaupt mal irgendwas passiert. Davor bekommen wir vergessenswertes Klein-Klein erzählt, dass zwar irgendwie an den Vorgänger anschließt – aber in seiner zerfaserten Unkonzentriertheit an jene TV-Serien erinnert, die zwanghaft Füllerepisoden einbauen, damit sie es auf die geforderten 22 Episoden pro Staffel schaffen.

Und natürlich haben wir wieder einen Magneto gut/böse-FlipFLop wie wir in jedem verdammten X-Men-Film einen gut/böse-FlipFlop haben und ich schwöre, ich werde laut im Kino schreien, wenn ich Professor X noch einmal dabei zuhören muss, wie er an das Gute in Erik appelliert, wie Luke Skywalker der rammdösig auf Vader einredet.

Es muss doch eine andere Geschichte im X-Men Universum zu erzählen geben, als jedes Mal wieder Magneto der durchdreht und seine Mitmutanten verrät. Und wirklich ich mag Ian McKellen und Michael Fassbender, aber können wir den Ark dieser Figur vielleicht endlich mal abschließen und das wenn möglich ohne tendenziell geschmacklose Auschwitz-Effekt-Orgien?

Und was spricht dafür mit den X-Men mal wirklich Spaß zu haben? Das Potential ist ja mit Quicksilver, Cyclops und Nightcrawler eindeutig gegeben. Brauchen wir wirklich noch einen gönnerhaften Gastauftritt von Wolverine, der nur reinschneit um seinen eigenen Solofilm zu promoten? Und vor allem: Brauchen wir diesen weinerlichen Xavier? Der mit bebender Stimme alle fünf Minuten tief betroffen herumjammert und den Rest der Zeit Frauen klar machen will? In Days of Future Past waren seine „you poor poor man“-Sprüche schon schwer zu ertragen, aber seine komplette Geschichte in Apocalypse nervt einfach nur – und ihn zum Glatzkopf zu machen, weil er mit einem ägyptischen Arschlochgott verschmilzt ist schon ein kleiner drehbuchtechnischer Offenbarungseid.

Wie gesagt: Es gibt sehr schöne Momente im Film. Es gibt immer mal wieder das Gefühl, ja diese X-Men möchte ich auf ihren Abenteuer begleiten. Doch dazwischen steckt große Leere, Leerlauf und sinnlose Destruktion, ohne Rücksicht auf Menschenleben. Schon das Ende von Days of Future Past bestach ja dadurch, dass sich alle Figuren allen voran Magneto sehr doof benahmen, denn natürlich hätte es so viele smartere Möglichkeiten gegeben die Situation zu lösen. Aber wenn es schon schwer zu glauben war, dass nach Magnetos Aktion die Menschheit auch nur eine Sekunde Pro-Mutanten war, so ist es nach Apocalypse absolut unmöglich.

Srsly? Erik pulverisiert mal eben die Hälfte aller Weltstädte und am Ende sagen die Menschen: Ja, kann passieren, tat ihm ja leid, shit happens -schau er baut ja auch die Mutanten-Schule neu zusammen? Nachdem wir vorher gesehen haben, dass ihn ein paar polnische Landeier schon aufhängen wollten, weil er einem von ihnen das Leben gerettet hat?

Suspending Disbelief gehört ja bei jedem Superheldenfilm dazu und natürlich muss dummes Verhalten bis zu einem gewissen Grad immer toleriert werden, aber Bryan Singer und sein Drehbuchautor lassen bei Apocalypse wirklich jede Disziplin vermissen. Im falschen Glauben nur weil Ewas laut ist und lange dauert wäre es episch, bombardieren sie uns stundenlang mit „Dinge fliegen nach oben“ Bildern, die gerade in der Fox-typischen Sparanimation (die sich ja durch die komplette X-Men-Serie zieht und auch hier wieder einige Bilder nahe Previz-Niveau präsentiert) sehr schnell an Faszination verlieren. Die visuelle Inspiration beschränkt sich einmal mehr auf die Quicksilver-Moneyshots und auch die eher handfesten Prügelszenen mit Nightcrawler und Beast können sich sehen lassen – die großen Setpieces können hingegen ihre digitale Herkunft nie verleugnen und sind auch vom Design her routinierte Pflichtübungen. Und Sheeesh, Apocalypse nevt echt hart. Was für ein freudloser Bösewicht, was für eine öde Motivation und wie langweilig, wenn der psychische Kampf zwischen Jean Grey, Xavier und Apocalypse auf eine Rauferei im Holodeck heruntergebrochen wird. Da bieten vergleichbare Storylines bei Agents of S.H.I.E.L.D. deutlich mehr Abwechselung als Singers Finale.

Lust hab ich trotzdem noch die X-Men wieder zu sehen. Aber wenn es geht dann mit Xavier und Magneto als Gastrollen, die am Anfang des Films in Urlaub fahren.

You Might Also Want To Read

Reviews: Stromberg – Der Film, American Hustle, You’re next (Reviews)

24. 2. 2014

Nightcrawler (Review)

1. 12. 2014

Dunkirk – Die Kritik als Podcast

3. 8. 2017

8 Kommentare

  • Reply Shaoliin 22. 5. 2016 at 10:34

    Welch eine schlechte Kritik. Magneto und Xavier waren essentielle Personen in diesem Film. Sagt dir das Wort Trilogie etwas, es War doch klar das dieses Storyline jetzt abgeschlossen wird. Ich muss mir vorstellen das die auf einmal nicht in dem Film gewesen wären, dann hätte ich mich gefragt was die eroten beiden Teile sollten.

    Und gerade Sie ruhigen Passagen fand ich sehr, sehr interessant. Und das „geheule“ von McAvoy war nicht nervig sondern wichtig um die Verzweiflung zu erkennen.

    Batman/Superman war okay, da gab es halt einen Overkill an verschieden Szenen.

    Dann kam Cap3, welcher den gleichen Aufbau wie BvS hatte aber alles besser zu machen schien.

    Und die Steigerung kommt jetzt mit den X-Men. Wenn der Film schlecht sein soll, dann alle anderen auch.

  • Reply Mod80k 25. 5. 2016 at 16:59

    Der Bösewicht dumm. Jemand der tausende von Jahren lebt, müsste sich wohl klüger anstellen.
    Ich mag die Figuren Charles und Magneto, aber bitte irgendwann muss mal Schluss sein.BITTE

  • Reply burns 28. 5. 2016 at 16:26

    Kann Dir bei dieser Kritik in keinster Weise zustimmen, Batz. Natürlich ist es ein bisschen nervig, den Gut/Böse-Dreh bei Magneto wieder erzählt zu bekommen. Aber er ist doch hervorragend erzählt worden! Bei Superheldenfilmen kriegen wir doch alles immer wieder das x-te (haha) Mal erzählt, da kommt es doch drauf an, wie sie es dramaturgisch jedes Mal wieder aufs Neue lösen.
    Ich fand es toll, wie jede Figur in dieser Multi-Player-Story seine eigene Geschichte bekommen hat, noch dazu wurden einige Figuren zusätzlich neu eingeführt; die erste gute Stunde zog sich, das stimmt, weil es lauter Einzelstories waren, aber auch die fand ich sehr gut erzählt. Wenn sich die Story dann nach 1 1/2 Stunden in 3 bis 4 Schauplätze zerfasert, um dann am Schluss alle Protagonisten wieder zusammenzuführen, jeden mit seiner eigenen Backstory(wound) im Gepäck, die bis dato aufgebaut worden ist, und das alles überzeugend löst, dann finde ich das hervorragend gemacht und hatte sehr viel Spaß dabei.
    Zur Optik: Ja, die Dinge-fliegen-nach-oben-Optik war altbekannt. Aber die vielen Momente, in denen alle Figuren ihre Kräfte in Fights oder Lösungsstrategien entfalten und vor allem: Die Eingangssequenz: das ist doch optische Filmsprache vom Feinsten!
    Vor allem entfalten solche Sequenzen wie der Anfang und das (erstaunlich wenig störend) lange Finale eine immense Energie, das ist schon irre gut gemacht.
    Nö, entgegen meiner ursprünglichen Annahme (auch, weil mich die X-Men noch nie wirklich umgehauen haben), würde ich den sofort weiterempfehlen – ganz schön epischer Kram das.

  • Reply burns 28. 5. 2016 at 16:27

    Achja: Simon Kinberg muss es heißen.

  • Reply Mike 5. 6. 2016 at 12:59

    Haha Batz….wie langweilig du schreibst…

  • Reply Noname8001 14. 6. 2016 at 14:51

    Ehrlich gesagt, als ich es mir in Kino reingezogen habe, als ein großer Marvel Fan war ich sehr enttäuscht, der war so langweilig, dass ich zweimal eingeschlafen bin. Mit 2.5/10 bin ich vollkommen einverstanden. Der Film ist alles andere als empfehlenswert. Die Alten X-mans waren viel besser

  • Reply dok 17. 6. 2016 at 19:00

    Warum nicht mal gute Filme besprechen? Zur Not halt solche ohne Superhelden und crash-bumm-bang?

  • Reply Tremor 7. 7. 2016 at 12:45

    Mir geht diese überängstliche Introvertiertheit der Reihe auf den Senkel:
    Immer geht es um gute Mutanten, böse Mutanten, Nichtmutanten und das Verhältnis dieser Gruppen zueinander.
    Warum traut man sich nicht endlich mal, in den Filmen eine Story zu erzählen, in denen die Fähigkeiten der X-Men nur insofern wichtig sind, weil sie sie halt zu Superhelden machen?
    Wo bleiben die verrückten Wissenschaftler und Welteroberer, Außerirdischen, Killerroboter und sonstigen Bösewichter, die weder Mutanten sind noch diesbezüglich irgendeine besondere Motivation haben?
    Schon der Sam Raimis Spider-Man-Reihe ist bei den Schurken auf der Stelle getreten: Tragisch waren sie alle – böse im Grunde keiner.

  • Kommentar hinterlassen