Filmfun Review Soundtracks

Filme hören: Ghostbusters O.S.T. (2016)

Standard, 4. 7. 2016, Nilz N Burger, 1 Kommentar

Ich liebe Pop. Deswegen nun hier, in hoffentlich regelmässigen Abständen, Soundtrack-Reviews.

Erstmal dies: Ich habe den neuen „Ghostbusters“ noch nicht gesehen, freue mich aber tierisch drauf, denn ich finde das weibliche Cast genial: Allesamt die Créme de la Créme amerikanischer Komikerinnen zur Zeit. Und auch wenn ich verstehen kann, dass einem Melissa McCarthy hier und da ein bisschen auf den Keks gegangen ist: In „Spy – Susan Cooper undercover“ zum Beispiel hat alles gestimmt und sie war gut beraten, den Nervfaktor ihrer üblichen Figuren etwas runterzufahren. Ich blicke also voller Vorfreude auf das, was da kommen mag, übrigens empfohlen vom Original Ghostbusters Cast. Was soll da noch schief gehen? Die Trailer sehen auch gut aus und die Effekte haben dasselbe seltsame „Ich grusel mich, obwohl ich es auch cool und ein bisschen lustig finde“-Feeling wie in den 80er Filmen. Zu guter Letzt: Wenn man sich die Kommentarspalten unter Trailern, Postern und ähnlichem Material auf der Facebookseite des neuen Films durchliest, kann man das Gefühl bekommen, die alten Teile würden verboten und weltweit gelöscht. Dies wird aber aller Vorraussicht nach nicht passieren, sprich: Man kann auch einfach in den neuen Film nicht reingehen und immer nur die beiden alten Teile gucken. Daran wird sich nichts ändern. Ist sogar erlaubt.

So. Genug grundsätzliches. Kommen wir zum Soundtrack. Darauf ist eine illustre Versammlung aktueller Pop-Stars, Sternchen, ein paar Old School Classics und ein paar Acts, die offenbar einfach von der Plattenfirma gepusht werden mussten. Trotzdem erstmal die beruhigende Nachricht: Das ist ein ganz schöner Soundtrack geworden. Mit Ausfällen und vermutlich keine Platte für die Ewigkeit – aber das hab ich schon mal schlechter kompiliert gesehen.

Eines der größten Ärgernisse ist dann auch gleich der Opener des Soundtracks: Walk the Moon kommt die große Ehre zuteil, den original Titelsong zu covern und was machen sie draus: Das uninspirierteste 1:1-Cover aller Zeiten. Dem Song wird nichts neues, nichts frisches hinzugefügt. Er wird so originalgetreu wie möglich nachgespielt, evenutell ein wenig schneller. Warum man das hören müsste, erschliesst sich mir nicht. Und warum man dann nicht das Original genommen hat ebenfalls nicht. Klar, es hätte deutlich schlimmer kommen können und das Original hätte eine Art David Guetta Remix bekommen – Plattenfirmenmenschen halten solche Ideen manchmal für gut. Aber nur weil etwas nicht schlimmstmöglich gemacht wurde, macht es das nicht besser.

Hat man den Song hinter sich gebracht (oder schlauerweise gleich geskipped) wird es schon deutlich besser: G-Eazy rappt „Saw it coming“ mit Jeremih-Feature über einen ganz cool unheimlichen Beat, der ein bisschen schleppt, aber auf eine coole, Zombiewalk-artige Weise. Gefällt mir schon sehr gut. Sehr lässig.

Elle King country-rockt mit „Good Girls“ durch den Soundtrack und ihre knarzige Stimme ist vermutlich das markanteste an dem Song, der ein bisschen sehr auf Retro produziert ist. Aber das krächzen von King, die übrigens die Tochter von Rob „Ich tauche in jedem Adam Sandler Film auf“-Schneider ist, ist schon hörenswert. Und als Radio-Popsong tauht es allemal. Ist halt die Frage, ob man das braucht.

Dann die erste Überraschung: 5 Seconds of Summer ist eine Band, von der noch nie jemand etwas gehört hat, der keine Kinder hat oder über 15 Jahre alt ist. 5SOS sind so eine Art Teenie-Punkrocker, zumindest haben sie so angefangen, im Fahrwasser von One Direction (für die sie auf ihrer letzten Tour Vorband waren). Davon haben sich die Australier aber schnell emanzipiert und ihre eigene Fanbase aufgebaut, mit der sie jetzt die gleichen Hallen füllen, wie die Band, die sie supported haben. Der Sound von denen war immer so ein bisschen Avril Lavigne Sk8terboy-Punkrock. Auf dem Ghostbusters Soundtrack aber haben sie mich tatsächlich überrascht, weil sie eine sehr funkige, unaufgeregte, trotzdem tanzbare Nummer abliefern und damit eines der großen Highlights der Platte. „Girls talk Boys“ heißt das Lied und ich mag dieses leichte 80er-Feeling, das der Song verströmt. Wie gesagt: Positiv überrascht.

Wo wir es gerade von One Direction hatten: Der nächste Song ist von ZAYN, seines Zeichens Ex-Mitglied der momentan größten Boygroup – er ist als Erster ausgestiegen, angeblich weil er keinen Bock mehr auf das ganze Theater hatte. Seine Solo-Karriere kommt nur langsam in Fahrt, da schien ein Beitrag auf dem Soundtrack eines so breit beacheteten Films natürlich ganz gut. Schade nur, dass er dann trotzdem keine Lust hatte, einen guten Song zu machen. „wHo“ (ja, das soll so geschrieben werden) ist lamester Balladenschmonz – und ich liebe eine gute Ballade. Hier aber hat man versucht besonders viel Gefühl reinzupacken und trotzdem voll cool rüberzukommen und da muss ich leider sagen: Entweder – oder. Beides geht nicht. Herz raus oder Haare zurück. Da muss man sich schon entscheiden, sonst kommt eben so ein unentschlossener Murks dabei raus.

Dann, oha, eine weitere Version der bekannten Titelmusik. Diesmal durften die Pentatonix ran und das macht das Ganze zu einer Besonderheit, denn die Pentatonix sind eine Accapella-Group. Die klingen ja heutzutage alle so wie in Glee, also sehr sauber ausproduziert, sehr klar. Da machen auch die Pentatonix mit ihrer Ghostbusters-Version keine Ausnahme. Aber trotzdem: Irgendwie charmant. Und schön zu sehen, dass man sich ein Cover auch zu Eigen machen kann. Gut, das liegt in der Natur der Sache, wenn man eine Accapella-Gruppe an ein Lied lässt, aber dennoch: Walk the Moon sind spätestens jetzt der Ideenlosigkeit überführt.

Dann wird es fuzzy: Wolf Alice braten mit Indie-Bässen durch ihren Song und einem Gesang, der an B-52s erinnert, zumindest in der Hook. In den Strophen von „Ghoster“ ist alles ein wenig sphärischer und ruhiger, wie man es eben von einem guten Rocksong kennt. Der ganze Song ist so cool rotzig und rotzig cool. Vielleicht hat er auch ein leichtes Whale-Feeling (falls sich noch jemand an „Hobo Humping Slobo Babe“ erinnert). Definitiv einer der coolsten Songs auf dem Soundtrack. So nutzt man diese Bühne perfekt als Visitenkarte.

Wie man es nicht macht, hört man im nächsten Song. Den ich leider scheisse finden muss, obwohl er auch Gründe hat, ihn zu mögen, oder besser: Einen Grund. Nämlich Missy Elliott. Eine der coolsten und besten Rapperinnen ever ist wieder zu hören. Und rappt einen Part, wie ihn eben nur Missy rappen kann. Mit dieser typischen seltsamen Versetztheit, die sie immer in ihren Parts hat. Sicher nicht ihr bester Beitrag ever, aber ey: Missy! Diese Stimme hat lange genug gefehlt. Macht aber ungefähr 10 Prozent des Songs aus. Der Rest ist die gruselige Beobachtung, wie Fallout Boy krampfhaft versuchen, den original Song zu covern und etwas eigenes draus zu machen – dabei aber so krass scheitern. Was die abliefern klingt wie eine Version von Nickelback, für die sich sogar Nickelback schämen würden. Mehr Fremdscham war selten. Ich hab schon gar keine Lust, den Namen des Sängers nachzuschlagen, um mich darüber zu beschweren, wie schlimm er diesen Song knödelt, während seine Band sich nicht sicher ist, ob sie nun ein episches Lied mit Orchester draus machen soll (ähnlich wie damals Puff Daddy und Jimmy Page für den Godzilla-Soundtrack) oder einen Punkpop-Song, der klingt wie alles, was sie sonst gemacht haben. Lösung: Sie haben sich entschieden, alles auf einmal zu versuchen. Bitte nicht hören. Trotz Missy-Part.

Mark Ronson, Passion Pit und A$ap Farg beweisen, zum Glück, sofort danach das absolute Gegenteil: Wie man mit Original Material spielen kann, den Respekt davor bewahrt und trotzdem am Ende etwas charmantes raus bekommt. Mark Ronson, bekannt als Produzent durch den „Uptown Funk“ mit Bruno Mars oder Amy Winehouses „Valerie“, nimmt den original Ghostbusters Song auseinander, zieht sich die markante „I´m afraid of no Ghost“-Synthieline raus und bastelt drumherum einen neuen Track, mit funky Gitarren, den coolen Passion Pit als Band und im Break darf A$ap Farg noch ein paar Bars drüber rappen. Alles fügt sich herrlich zusammen und aus der alten Nummer wird ein komplett neuer Song namens „Get Ghost„, der sich trotzdem so schön heimelig anfühlt, wegen dem bekannten (und sehr markant in Szene gesetzten) Element aus dem 80er-Stampfer. Geht doch!

Dann geht es zu einer Runde wirklich alter Schule: DMXParty up (Up in here)“ ist ein Dancefloorstampfer von vor 15 Jahren, beweist aber immer noch fresh genug zu sein, um nicht altbacken zu wirken. Guter Rap kann das und ist deswegen immer etwas, was man gerne wiederhört. So auch hier: Legt man diesen Song auf einer Party auf, wird getanzt – garantiert.

Und noch weiter zurück: „Rhythm of the Night“ von DeBarge ist auf einmal zu hören. Ein ganz wundervoller Popsong aus den 80er Jahren, der ein leichtes Karibikfeeling verströmen will und dabei so ein wenig unbeholfen wirkt, aber auf die niedliche Art und Weise. So wie eine Oma, die Kokosschokolade und Geleebananen reicht, um das Palmenflair zu erreichen. Der Song ist natürlich hoffnungslos veraltet und stimmt sehr nostalgisch. Macht aber immer noch Bock. Hier mal das Originalvideo von damals:

Die Muddy Magnolias singen von der „American Woman“ und kicken so sehr Arsch, dass man zum Ende des Soundtracks dann doch noch mal ganz gut wach wird. Dabei fängt das Lied so harmlos an, nur Beat und die etwas aufgeregten, etwas harten Stimmen der beiden Sängerinnen, die irgendwie zwischen Soul und Country hängen. Der Song wirkt dabei wie ein Arbeiterlied, sehr reduziert, aber auch sehr klar. Und bricht irgendwann in der ewigen Spannung, die er aufbaut, in einen harten, leicht bluesigen Rocksong, zu dem man sich vorstellen könnte, eine Kneipenschlägerei in einer Bar in irgendeinem halbverlassenen Kaff in den amerikanischen Südstaaten anzuzetteln. Sehr staubig, sehr trocken – sehr gut.

Das hat den Soundtrackmachern offensichtlich noch nicht gereicht: Der vorletzte Song ist von einer Band namens Beasts of Mayhem und heißt „Want some more„. Die ganze Nummer klingt nach seltsam schlechtem 80er Metal. Und zwar nicht der coole 80er Metal, wie Anthrax oder Metallica (ja, die waren mal supercool), sondern so schlecht klingender Metal mit miesen Drumsounds (ich nenne jetzt keine Beispielband, denn Metalfans können gnadenlos sein und dass letzte, was ich hier brauche, ist eine Diskussion darüber, wie schlecht die Songs von zum Beispiel Judas Priest gealtert sind – oops! :)). Die Lösung steckt im Trailer: Die Band ist erfunden und kommt im Film vor. Anscheinend wird ihr Konzert von Geistern heimgesucht. Gut, da hätte man sich mit der Musik ja trotzdem Mühe geben können, aber ehrlich gesagt finde ich, passt das irgendwie. Es ist ja auch nochmal ein Gruß an die 80er Jahre, da ergibt das irgendwie Sinn, finde ich. Etwas dünnes Eis, diese Begründung, das gebe ich zu. Aber ein richtig fetter, cooler Song wäre da jetzt irgendwie verschenkt gewesen, an dieser Stelle.

(Ab Sekunde 00:46 sieht man die Band)

Den Abschluss bildet dann Ray Parker Jr. mit dem, ach was DEM Filmsong der 80er Jahre. Keine Party mit Menschen über 30, bei der nicht alle jubelnd auf die Tanzfläche stürzen, wenn gefragt wird „Who you gonna call?“. Mir scheint das Original hier nochmal ein bisschen nachbearbeitet, ein bisschen entstaubt und soundtechnisch aufgefrischt, aber es ist der gleiche Song wie damals. Und damit auch der perfekte Abschluss dieses Soundtracks, dieses wilden Ritts durch die Stile, Künstler und auch Zeiten der Popmusik.

Bei dieser Zusammenstellung ist bei weitem nicht alles gelungen, im Gegenteil. Ein paar echte Rohrkrepierer sind dabei. Trotzdem hat man das Gefühl, es hat sich jemand Mühe gegeben und alle Künstler hatten Spaß, dabei zu sein. Wie gesagt: Kein Soundtrack für die Ewigkeit, aber wenn man das erste und letzte Lied weglässt (das erste braucht man nicht, das letzte soll man erst später spielen), dann doch durchaus eine Platte, die man zum Party-Warmup gut laufen lassen kann und die sogar zwei, drei Überraschungen bereithält.

(Wenn das Vinyl raus ist, beschreib ich das noch an dieser Stelle.)

Der Soundtrack erscheint am 15.07.16

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1 Kommentar

  • Reply Ghostbusters (2016) (Review) (Und Kritik-Kritik) - Die Fünf Filmfreunde 3. 8. 2016 at 15:32

    […] der Besetzung hat Feig also alles sehr richtig gemacht. Auch am Soundtrack gibt es wenig Kritik. Was ist nun also mit dem Buch und dem Look des […]

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