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Star Trek Beyond (Review)

Standard, 21. 7. 2016, Batzman (Oliver Lysiak), 11 Kommentare

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Star Trek funktioniert nicht im Kino. Okay es gibt gute Star Trek Filme, die meist der Odd/Even-Regel folgen die besagt, dass alle Trek-Filme mit einer geraden Nummer was taugen, während alle mit einer ungeraden Nummer Schrott sind. Passt ja auch recht hübsch, denn Teil 2, 4, 6 und 8 sind ja auch wirklich sehenswert aber danach wird es fuzzy, denn sowohl 9 wie 10 waren Schrott, während Teil 3 ja noch ganz ordentlich daherkam. Aber generell bleibt festzuhalten: Seine besten Momente erlebte Star Trek nicht im Kino, sondern auf dem kleinen Bildschirm.

Star Trek war immer das Gegenteil von Star Wars. Während dort märchenhafter Eskapismus mit fantastischen Effekten und simplen Strukturen dominierte (und ja das mag ich auch sehr), war Star Trek immer eine Spur nerdiger, kopflastiger und realistischer. In Star Trek ging es immer auch um reale Themen, soziale und politische Visionen, um das Miteinander, um Entdeckergeist. Um den Glauben an eine lebenswerte, friedliche Zukunft mit wissenschaftlicher Ausrichtung. Um Diversität und ja, auch um Hoffnung darauf, dass Differenzen beigelegt und überwunden werden können. Star Trek bot keine Weltflucht in magische Heldenmythen, drehte sich nicht um Auserwählte und Bevorzugte, sondern gab Hoffnung darauf, dass sich gemeinsam etwas erreichen ließ – ohne die Probleme zu leugnen die im Miteinander verschiedener Kulturen ganz real existieren.

Trek inspirierte nicht umsonst Wissenschaftler und Forscher, weil es erreichbare Utopien versprach. Alles eine Nummer kleiner und weniger pompös als die Space-Operas und weniger massenkompatibel und auch deswegen wohl nie so erfolgreich, wie die simpleren Fantasy-Mythen.

Der Erfolg kam erst mit J.J. Abrams, der zugab nie ein Fan gewesen zu sein und der folgerichtig auch alles an Trek über Bord warf, was nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner bediente. Alles was nicht große Emotion, Machismo und Spektakel war wurde entsorgt und so wurde die Geek-Serie schlechthin plötzlich zum Kinoerfolg. Als Regression auf die simpelsten Motive der 60er Jahre Show, die jeden im TV erkämpften Fortschritt negierte und Cowboy-Habitus an die Stelle von intellektuellen Anführern setzte wurde Trek fast ein bisschen Star Wars. Denn so dumm und simpel wie sie jetzt daherkam konnte sich jeder daran erfreuen und allenthalben wurde gelobt, dass Abrams ja endlich Trek entstaubt und spannend gemacht hätte. So wie der Bond-Reboot gefeuert wurde dafür alles was Bond einzigartig machte wegzuwerfen, galt es als Fortschritt Star Trek auf kernige Heteromännerfreundschaft und Action zu reduzieren.

Dass die Stories so quietschedoof waren, dass es auch die gute Cast nicht retten konnte interessierte niemanden, denn solange Dinge flackern und explodieren war es ja egal, dass Trek zu stumpfem Spektakel degradiert worden war.

Und jetzt kommt Star Trek Beyond daher. Der Film der wohl den furchtbarsten und actionlastigsten Trailer von allen neuen Star Treks mitbrachte. Einen Trailer der so schlimm war, dass sich Drehbuchautor Simon Pegg direkt nach dessen Release im Interview quasi dafür entschuldigte. Nein, man solle den Film bitte nicht daran messen, Star Trek Beyond wäre ganz anders.

Und er hat Recht. Denn Simon Pegg ist ein Geek, genauso wie sein Co-Autor Doug Jung (der nebenbei auch Sulus Ehemann Ben spielt). Und beide zusammen schaffen mit star Trek Beyond ein kleines Wunder: Einen modernen Star Trek-Film, der sich tatsächlich nach Star Trek anfühlt. Was auch der Grund ist, warum viele Kollegen aufheulen und dem Film vorwerfen er sei altbacken, er fühle sich wie eine teure TV-Episode an und glauben, dass wäre im Falle von Star Trek etwas schlechtes. Denn so richtig verstanden haben die meisten wohl nicht, was Trek zu Trek machte – und dass das was sie mit Abrams als Befreiung gefeiert haben, letztlich die Abkehr vom Herz von Star Trek war. It wasn’t a bug, it was a feature. So gut Abrams als Star Wars-Regisseur bei Episode 8 war, so wenig hatte er verstanden warum sein Ansatz für Star Trek falsch war.

Jetzt also Star Trek Beyond. Und plötzlich benehmen sich alle Figuren wieder wie in Trek. Die Beziehung der Charaktere zueinander steht im Fokus und sie gehen respektvoll, freundschaftlich aber auch professionell miteinander um. Die Mission steht im Mittelpunkt. Keine plakativen „Großen Gefühle“ und irrationalen Impulsivitäten. Klar, Kirk und Spock sind beide etwas explorationsmüde aus nachvollziehbaren Gründen – aber das wird nicht als Tugend zelebriert. Der Film gibt ihnen einen Grund und Antrieb neue Kraft zu finden um die Ideale der Föderation zu leben.

Das Drehbuch erlaubt ihnen ihre individuellen Stärken und Schwächen einzusetzen, es arbeitet die Charaktere von Chekov (leider zum letzten Mal Anton Yelchin) und Kirk heraus, es spielt mit der klassischen Chemie zwischen McCoy und Spock. Es lässt Scotty Spielraum seine Fähigkeiten zu präsentieren und führt mit Jaylah eine interessante, toughe aber nicht übermächtige weibliche Figur ein, während Sulu und Uhura zumindest ordentliche Nebenrollen bekommen.

Die Geschichte ist nicht brüllend originell, zugegeben, sie fühlt sich typisch an. Doch die Zerlegung der Enterprise (mittlerweile sowas wie ein Ritual in den Filmen) ist durchaus hart und spannend umgesetzt und erfüllt ihren Zweck, die Crew auf dem Unbekannten Planeten auszusetzen. Und Idris Elbas Krall ist vielleicht nicht der herausforderndste Gegner, aber zumindest bleibt seine Motivation nachvollziehbar und gerade in der heutigen Zeit durchaus interessant. Schon in Star Trek 6 spielte das Motiv des alternden Kriegers, der sich nicht in eine neue, friedlichere Zeit einfügen will eine zentrale Rolle und dieses Riff auf das Motiv ist in Zeiten widererstarkender Militärdiktaturen und Putsche ganz sicher das schlechteste.

Und auch wenn der Vorwurf, StarTrek Beyond fühle sich wie eine TV-Episode an nicht ganz wegzuwischen ist: Regisseur Justin Lin hat absolut ein Händchen für Action und Kamerabewegungen die um einiges interessanter sind als Abrams routinierten Schwenks mit Lensflare. Lin schafft es seine Kamera extrem beweglich zu halten, sie aber nie zur reinen digitalen Renderdrone werden zu lassen, wie dies Blockbusterkino mittlerweile üblich ist. Selbst in den turbulentesten Actionszenen, behält seine Kamera eine gewisse Erdung, die die Ereignisse letztlich glaubwürdig macht.

Dazu kommen die Dialoge, denen Peggs Einfluss deutlich anzumerken ist, denn er trifft perfekt den eher trockenen, frotzelnden Humor der Star Trek-Serien, die den Abenteuern bei aller Dramatik eine gewisse Leichtigkeit verleihen. Lin, der ja eher als Actionfilmer bekannt ist, entwickelt überraschendes Gespür dafür wer diese ikonischen Figuren sind und sein Spock, Bones und Kirk verhalten sich endlich wieder so, wie es den Charakteren angemessen ist. Der große Schwulst, die unterschwellige Hysterie unterbrochen von Fanservice-Klamauk ist einem ruhigeren, reflektierteren Ton gewichen.

Natürlich ist auch Star Trek Beyond kein Thinkpiece und besitzt bestenfalls Spurenelemente von Tiefgang. Aber selbst diese Spurenelemente sind ein Fortschritt im Vergleich mit den Vorgängern und gleichzeitig beweisen sie, wie gelungen das Casting des Reboots war. Denn mit dem richtigen Drehbuch gelingt es allen Darstellern mühelos ihre Figuren stimmig zu verkörpern. Quintos Spock ist gerade um Zusammenspiel mit Urbans Bones extrem unterhaltsam und Chris Pine als ruhigerer Kirk spielt tatsächlich besser als es Shatner je konnte.

Ist Star Trek Beyond ein großer Film? Wohl eher nicht, egal wie stimmig und interessant die Weltraumstadt Yorktown auch designed ist – aber er fühlt sich an, als wäre Star Trek zurückgekehrt zu seinen Wurzeln. Denn kurz bevor Star Trek auf CBS All Access endlich ins TV zurückkehrt und sich dort hoffentlich auch wieder auf seine Kernkompetenz intelligente SciFi zu erzählen besinnt, ist es schön zu sehen, dass es auch im Kino eine Crew gibt, der es nicht egal ist dorthin zu gehen, wo noch niemand zuvor gewesen ist.

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11 Kommentare

  • Reply Der Duderich 23. 7. 2016 at 0:58

    Korrekturvorschlag:
    „Schon in Star Trek 6 spielte das Motiv des alternden Kriegers, der sich nicht in eine neue, friedlichere Zeit einfügen will eine zentrale Rolle und dieses Riff auf das Motiv ist in Zeiten widererstarkender Militärdiktaturen und Putsche ganz sicher das schlechteste.“

    … ganz sicher NICHT das schlechteste.“

  • Reply Frans Ganz 23. 7. 2016 at 20:13

    Naja, so gut ist der Film auch wieder nicht, das musst du schon zugeben..

  • Reply Okami Itto 24. 7. 2016 at 17:15

    „So wie der Bond-Reboot GEFEUERT wurde dafür alles was Bond einzigartig machte wegzuwerfen“

    Freudscher Versprecher? ;-)

  • Reply Paul Bakaus 26. 7. 2016 at 1:33

    Kann ich fast allem zustimmen, bis auf Jaylah, die meiner Meinung nach leider ein furchtbar flacher, eindimensionaler Charakter ist. Ich will sie mögen, aber es gibt bis jetzt nichts was sie interessant macht, und der „mein Haus“ Gag war nach dem vierten Mal leider auch nicht mehr lustig.

    Insgesamt aber ein Film der ziemlich Spaß macht, das World Building war extrem schön!

  • Reply BoMbaStiXxX 27. 7. 2016 at 1:01

    Der Autor meint Star War Episode 7, nicht 8.

  • Reply pauliborn 27. 7. 2016 at 2:32

    Ich bin auch bei fast allen dabei, möchte aber einmal hervorheben das (meiner Meinung nach) JJ den Ton vom (klassischen) Star Trek sehr gut getroffen hat. Auch wenn Roddenberry viele neue Dinge auf den Schirm brachte, war der original Star Trek doch in erster Linie ein Western mit Gefühlen und Moral meistens eher im Hintergrund. Nimmt man dann noch raus das Star Trek Filme (!) schon immer eher spektakellastig waren hat sein Start der alternativen Timeline extrem gut gesessen. Ich finde auch das man die beiden ersten Filme nicht nur auf die (überwiegende) Action reduzieren sollte. Gleich der erste Film hat einen Bösewicht den man meiner Meinung nach super nachvollziehen kann. Familie verloren, Planeten verloren, 25 Jahre lang warten auf den „Schuldigen“ um dann seinen aufgestauten Hass abzulassen…und super gespielt, hatte mich auf jeden Fall überzeugt. Gemessen am Trekniveau nach TNG und auch den Folgeserien war das vielleicht nicht viel, aber wiederum daran gemessen das der letzte TNG Film Startrek das Genick gebrochen hatte, hat der gute JJ wirklich nen Superjob abgeliefert.
    Bei Star Trek 9 stimme ich übrigens nicht zu ;) Das war meiner Meinung nach der „Film wie eine gute Episode“ der TNG Crew und auch nicht so ein in erster Linie actiongefluteter Film wie der (auch gute) erste Kontakt. Gucke den immer noch gerne, selten besser als Nemesis. Hach Nemesis…. warum?

  • Reply Turtle 3. 8. 2016 at 18:23

    Ich stimme der Review uneingeschränkt zu. Star Trek Beyond ist kein großer Film (das waren Star Trek Filme eh noch nie), aber es war gute Unterhaltung und ein „echter“ Star Trek Film. Ich hoffe Simon Pegg bekommt auch in Zukunft die Chance am Drehbuch mitzuarbeiten. Seine nerdige Liebe zum Detail und Humor haben dem Film mehr als gut getan. Und wer auch immer Yelchin ersetzen wird, wird es nicht leicht haben. Beyond hat es auch geschafft mich mit Chris Pine zu versöhnen, allerdings scheint der mit zunehmenden Alter tatsächlich ein guter Schauspieler zu werden.

  • Reply Wunderbernd 22. 8. 2016 at 2:26

    Ok… der dritte soll also soviel anders sein als die andern beiden Filme? Der Film kopiert doch den kompletten Ansatz der Vorgängerfilme. Es gibt den Oberbösewicht, der in seiner Vergangenheit einen Schicksalsschlag erleidet und dadurch nach Rache strebt. Ich kann auch nicht nachvollziehen warum dieser Film den Geist der Serie treffen sollen. Der große Alienschwarm wird z.B. dadurch vernichtet, dass unser Raumschiff mit aufgedrehter Beasty Boys Musik hineinfliegt. Es ist ne coole Actionszene, aber mit sowas hat doch Star Trek nicht ansatzweise etwas zu tun.

  • Reply Jorge 31. 8. 2016 at 0:45

    Ich als alter Trekkie kann nur sagen, geiler Film! Natürlich sind für mich alle Startrek Filme geil, der eine halt mehr, der andere weniger! Der beste war aber der mit dem Wal in der heutigen Zeit!

  • Reply Nicole 11. 10. 2016 at 22:48

    Ich als alter Trekkie kann nur sagen, geiler Film! Natürlich sind für mich alle Startrek Filme geil, der eine halt mehr, der andere weniger! Der beste war aber der mit dem Wal in der heutigen Zeit!

  • Reply Martin Däniken 14. 1. 2017 at 0:16

    „KHAAAAAAN!“
    „Wozu braucht Gott ein Raumschiff?“
    „Sie werden Shakespeare erst wirklich genießen, wenn Sie ihn im klingonischen Original lesen.“
    „Das Wohl vieler…“

    Solche Zitate sind beim Reboot nicht mehr zu erwarten..
    Aber trotzdem sehe ich weiteren folgen gespannt entgegen-ich fühle mich gut unterhalten und sehe für mein Geld auch einen Gegenwert,speziell dann wenn es gelingt mich regelrecht in den Sitz zusaugen!!!
    Ist bislang nur „Event Horizon „gelungen aber der Reboot ist nicht weitweg…

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