Features Review

Wonder Woman (Kritik)

Standard, 20. 6. 2017, Batzman (Oliver Lysiak), 1 Kommentar

Na endlich! Ich geb zu ich hatte DC schon ziemlich aufgegeben. Nachdem Zack Snyder und Nolan die Regie über das neue Heldenuniversum übernommen hatten, nach dem deprimierenden Men of Steel der alles negierte wofür die Superman-Figur stand, nach Batman V Superman und Marthaaa… und nach diesem unausgegorenen Videoclip Suicide Squad hatte ich wenig Hoffnung, dass DC tatsächlich nochmal die Kurve bekommt und Filme abliefert die nicht nur große Bilder haben sondern auch Stories die irgendwie mitreißen. In denen Figuren mitspielen die menschlich wirken, die mehr können als grimmig aus der Wäsche gucken und sich selbst leid tun. Und Wonder Woman ist tatsächlich ein riesiger schritt in die richtige Richtung.

Für Lesefaule, hier wieder die Videoversion.

Und das nicht nur weil der Farbregler von Graugrünbraun mal tatsächlich etwas auf das gesamte Farbspektrum hochgedreht wurde. Themyscira, die Welt der Amazonen sieht tatsächlich einigermaßen farbenfroh und interessant aus. Immerhin hieß die Insel ja ewig Paradise Island und es ist schön zu sehen, dass Regiseurin Patty Jenkins sie wirklich paradiesisch aussehen lässt. Wonder Woman – die zum Glück im ganzen Film nie so genannt wird – alias Dianas Kindheit gibt einen schönen Einblick in die Kultur dieses Frauenstaates und der ist auch wirklich differenziert.

Ob man es jetzt dem weiblichen Einfluss zuschreibt oder einfach besserer Inszenierung, aber es tut gut mal einen Figuren Kosmos zu sehen, der so frei ist von eindimensionalem Kleine-Jungen-Machogepose. Klar die Amazonen sind toughe Kämpferinnen und Dianas Mentorin und Tante Antiope ist wirklich jemand der eindeutig in einer Kämpferkultur verwurzelt ist. Aber vergleichen wir das mit dem typischen Männerklischee von Kämpferkulturen wie 300 dann sind die Amazonen trotz allem menschliche Wesen, die mehr können als Grunzen, Fighten und grimmig gucken. Wenn es hier Konflikte gibt werden sie besprochen und geklärt und Dianas Mutter mag ihre Gründe haben ihre Tochter beschützen zu wollen – aber sie ist vernünftigem Rat zugänglich.

Es mag etwas traurig sein, dass man es erwähnen muss: Aber Wonder Woman wimmelt nicht von umepathischen Arschlöchern wie die bisherigen DC Filme. Das gilt genauso für die männlichen Figuren. Chris Pine dreht seinen Charme die ganze Zeit auf 11 und selbst das Himmelfahrtskommando mit dem er und Diana gegen die bösen Deutschen antreten müssen besteht aus recht sympathischen Typen. Wobei außer ihm und Wonder Woman natürlich alle anderen Figuren sehr holzschnittartig gezeichnet sind und wenig bis keine Charakterentwicklung verpasst bekommen. Aber ja: Ich fand es erfrischend einen DC-Film zu sehen in dem die Helden tatsächlich Lust haben Helden zu sein. Chris Pine treibt ehrliches Begehren Menschen zu retten an und Diana ist in ihrer Naiven Art wie sie dem Grauen des Krieges begegnet tatsächlich rührend. Während Superman sich selbst leid tut und Batman auch ständig rumheult hat Wonder Woman wirklich Bock aus Held sein.

Das bedeutet nicht, dass der Film perfekt ist oder die absolute Offenbarung als die er derzeit verkauft wird. Er ist eher sowas wie Horizon Zero Dawn: Kompetent gemachte Unterhaltung mit einer Selbstbewussten Frau als Heldin, die trotz allem aber immer noch etwas wenig Charakter hat und sich zuviel in typischen Klischees verheddert.

Doch bleiben wir noch etwas beim Positiven. Ich mag die Chemie zwischen Chris Pine und Gal Gadot die gerade in den humorvollen Szenen gut funktioniert. Und auch wenn sie dort als naiv und unerfahren mit der Zivilisation gezeigt wird, ist es schön zu sehen dass sie nie zögert zu widersprechen wenn etwas ihrem Moralempfinden widerspricht.

Sie ist keine dümmliche Kindfrau die nichts gebacken bekommt. That being said: Die kitschigen Liebesszenen mit Pine waren weniger überzeugend und wirkten oft aufgesetzt und gewollt. So nach dem Motto: Das ist ja ein Film mit Frauen, jetzt muss es auch ne Lovestory geben. Eine starke Freundschaft zwischen Wonder Woman und Pines Steve hätte für meinen Geschmack besser funktioniert.

Wobei der Film generell bei allem Positiven auch seine Probleme hat. Er ist mal wieder sehr lang. Er hat verhältnismäßig wenige Actionszenen, auch wenn die schon ganz cool aussehen – sofern man das Zack Synder Speedramping mag. Zuschauer die nicht im Wachkoma sind, erkennen wohl schon bei seinem ersten Auftritt wer der wahre Oberschurke ist. Das ganze Setting erinnert trotz Erster Weltkrieg sehr an Captain America und die Schurken Ludendorf und Doctor Poison… sind um es mal freundlich zu sagen so mittel beeindruckend. Also coole Maske, aber als Auslöser für die ganze Mission haben beide recht wenig Gewicht. Da war tatsächlich sogar Red Skull noch interessanter.

Plus: Die ganze Motivation von Wonder Woman Ares den Gott des Krieges zu töten, den sie für den Auslöser des Weltkrieges hält wird im Finale leider vergeigt. Ohne groß was spoilern zu wollen: Der Film schießt sich in seiner Auflösung selbst ins Bein, weil natürlich ums verrecken einen großen Schlusskampf einbauen muss der nach allem was er selbst erzählt keinen Sinn macht. Plus wir erleben zu oft wie Wonder Woman alte Männer verprügelt, was jetzt auf der Uncoolness-Skala kurz hinter Rentner vorn Bus schubsen liegt. Und wenn man sich am Ende fragt, ob unsere Heldin wirklich so heldenhaft war oder ob die Nebenfiguren nicht viel mehr geleistet haben – dann demontiert man damit eine Heldin die wir ja eigentlich mit diesem Film etablieren wollen.

Natürlich haben viele Superhelden-Filme das Problem des Schlussaktes. Age of Ultron genauso wie Batman v Superman. Und vom ersten Thor wollen wir lieber gar nicht reden, wenn sich ein Göttersohn in einem Kuhdorf mit einer Mülltonne kloppte. Aber es wäre trotzdem schön, wenn manchmal die schlüssige, stimmige Story vor dem 08/15 Powerkampf gestellt würde. Wonder Woman hätte das Zeug dazu gehabt.

Aber selbst mit diesen Abstrichen hat Patty Jenkins einen sehr respektablen und unterhaltsamen Film abgeliefert. Und bei allen Schwächen und unbestreitbaren Längen: Es darf nicht unterschätzt werden, wie wichtig es ist positive, sympathische weibliche Heldinnen in Actionfilmen zu etablieren. Denn auch kleine Mädchen möchten Vorbilder und Inspiration im Kino sehen, abseits von RomComs, Twilight und Drama. Und es ist schön Filme zu sehen, die Humorvolle Figuren haben – ohne dass die Dialoge nur aus One-Linern und Kalauern bestehen. Das man das Drama des Krieges zeigen kann, das Leid der Soldaten – ohne pathetische Depristimmung dominieren zu lassen.

Damit ist das Rennen wieder offen und ich bin sehr gespannt auf Justice League und Aquaman und ob sie es schaffen, diese Balance beizubehalten und das DC Universum endlich durchstarten zu lassen.

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1 Kommentar

  • Reply Thomas 27. 6. 2017 at 10:55

    Deine Texte lese ich ja gerne, aber deine nachgesprochenen Videos sind in so einem verrückt-schnellen Tempo gesprochen, dass ich mich frage, was das soll. Ich spreche selbst (zu) schnell. Das ist aber weder witzig, noch kreativ oder zeugt es von besonderer Intelligenz, sondern eigentlich muss ich mich fragen, warum ich meine Zuhörer mit dem Tempo überfordere, letztlich nerve und wahrscheinlich inhaltlich schneller verliere als ich sprechen kann. -> Den Text habe ich gelesen, Dein Video nach 20 Sekunden abschalten müssen.

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