
Batzman meint
Okay das wars wieder einmal. Die Preise gehen im wesentlichen in Ordnung, auch wenn ich Coraline und District 9 durchaus ein Goldmännchen gegönnt hätte. Best FX für Avatar geht natürlich in Ordnung, aber der Kamera-Oscar für Camerons Schlumpfkatzen war dann doch eher ein Witz.
Da mich bei dem Ganzen insgesamt aber mehr die Show interessiert, als die Gewinner, fällt mir eines ein: WTF? Was war denn da bitte los?
Kein Eröffnungsfilm, stattdessen eine kurze Revuenummer mit… Neil Patrick Harris, der mit dem DDR-Fernsehballett ein paar halbierte Schwäne schwenken durfte. Was dummerweise auch noch das Beste und aufwendigste Event des Abends war und spätestens mit dem Auftritt von Steve Martin und Alec Baldwin den Wunsch aufkeimen ließ, das NPH auch den Rest der Veranstaltung moderieren würde (so wie er das im Herbst bei den Emmys souverän und witzig getan hat).
Statt dessen gab es Steve Martin, der schon seit Jahren in gelangweilter Lustlosigkeit erstarrt ist, die man ansonsten nur von Harald Schmidt kennt und Alec Baldwin, der wie Ottfried Fischer wohl mittlerweile den Kopf nicht mehr drehen kann, ohne die Schultern mitzubewegen und nicht so ganz realisiert, das er außerhalb von 30 Rock jetzt nicht gerade die spritzigste Perle im Sektkelch ist.
Zusammen kalauerten sich die beiden durch mal mehr, meist weniger gelungene Späßchen, die in ihrer biederen Darbietung und bar jeder echten Chemie zwischen den beiden, dann doch wirkte, als habe man versehentlich Bernd Stelter und Fips Asmussen einfliegen lassen. Was perfekt zur Bühne passte, die sah nämlich aus wie wenn die Oberstufe des Wiesengrund-Gymnasiums Bad Salzufflen die Aula festlich schmückt. Klein, beengt, piefig und mit einem muffigen Pseudoglamour versehen, der die ganze Veranstaltung auf das Niveau einer hochkarätig besetzten Schulaufführung herabzog.
Unterstützt wurde der Eindruck einer sparsam produzierten und zum Teil recht hastig zusammengestoppelten Veranstaltung vom fehlen wirklich origineller Ideen. Waren die aufwendigen Einspielfilme in den Jahren in denen Billy Crystal, Whoopi Goldberg oder Jon Stewart moderierte das Highlight der Show, gab es diesmal wenig zu bewundern.
Die übliche Totenrolle in Memorian, die dreisterweise Farrah Fawcett mal eben ausließ (was damit begründet wurde man könne ja nun nicht jeden aufnehmen) und die mal einfach jede Schauspielerin als Actor bezeichnete, dann ein half-assed Tribute to Horror-Movies (wie schön, nachdem das Genre ja traditionell nie eine Chance hat ausgezeichnet zu werden, wenn man vom Schweigen der Lämmer mal absieht) und als einziges Glanzlicht die Statements der animierten Figuren, bei denen tatsächlich mal etwas Aufwand betrieben wurde.
Einen Hauch von Gänsehaut vebreitete auch die verdiente Hommage an John Hughes, dessen Ex-Stars noch einmal an ihn erinnerten. Aber selbst die Featurettes zum Sounddesign und andere Kleinigkeiten machten den Eindruck mit der heißen Nadel gestrickt worden zu sein.
Auch ansonsten gab es wenig Grund sich abseits der Preise unterhalten zu sehen. Ein paar schöne witzige Dankesreden, u.a. vom Gewinner des Kurzfilm-Oscars oder Sandra Bullock und Jeff Bridges, kontrastierten mit viel Durchschnitt, einem bekifft dreinschauenden George Clooney, einem angepisst wirkenden James Cameron und einer ersten Reihe die absolut frei von Jack Nicholson war – wie kann bitte sowas passieren!?
Auch musikalisch gab es nichts, nichtmal die obligatorischen Pinkelpausen, wenn die besten Songs eingesungen werden. Alles wurde hektisch runtergerasselt und als dann tatsächlich mal eine Showeinlage für die beste Musik kam, sah es aus, als würde das Waldorf-Ballet Wittenberge die Namen der Nominierten als Ausdruckstanz darbieten. Ohne Zusammenhang zur Musik oder zum Inhalt der Filme wurde hier mal wieder bewiesen, warum selbst Menschen die Musicals lieben, bei Ballett das kalte Grausen bekommen. Die WTF-Gesichter im Publikum nach diesem Debakel sprachen Bände.
Höhepunkt dieses trotz des gehetzten Eindrucks zu langen Show-Schlamassels, aus dem sich die Moderatoren zwischendurch mal ganz verabschiedeten, war dann die Fuck-Off-Verkündung des Best Movie Awards. Die besten Filme waren über die ganze Show von uninspirierten und freudlosen Laudatoren vorgestellt worden (genau wie viele anderen Kategorien durch überlang-geschwätzige Einzellaudationen ins Infinitum gedehnt worden waren) und am Ende hatte man wohl so gar keinen Bock mehr und ließ Tom Hanks den Best Picture Award kurz rausnuscheln.
Das er den Preis Frau Bigelow, die direkt zuvor den als erste Frau ever den Best Director Oscar erhalten hatte, nicht gleich hinter die Bühne warf, war auch schon alles. “Hier nimm mit und jetzt ist Schluß, wir müssen inner halben Stunde hier raus sein, dann tagt hier der Kartoffelfarmer Verein Idaho”. Selten wirkte eine Oscarverleihung, so lustlos, konzeptlos und chaotisch wie in diesem Jahr. Und dabei waren schon Steve Martins erste beiden Hostings nicht gerade eine Offenbarung und spielten sich auf seltsam designten Bühnen ab.
Fürs kommende Jahr dann bitte wieder fragen ob Jon Stewart Zeit hat oder lasst es gleich NPH machen.
Der kann das nämlich. Und bitte lasst die Show nicht mehr von Hamish Hamilton inszenieren. Der hat ja auch die die letztjährigen MTV und Scream-Awards zu schnarchigen Veranstaltungen gemacht.
Danke.
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Jet Strajker meint:
Ein kurzes Nachwort:
Da ich mich nicht am F5-Live-Chat beteiligt habe, um mich ganz auf die Verleihung konzentrieren zu können, noch einmal ein paar Worte zur reichlich tristen Oscarverleihung, die da vergangene Nacht rasch über die Bühne gebracht wurde. Weitaus weniger innovativ, ideenreich und amüsant als unter der Regie von Baz Luhrman im letzten Jahr, wurden die Preise ohne inszenatorische Raffinesse vergeben, und am Ende blieb sogar trotzdem nicht einmal Zeit, um noch einmal die nominierten Best-Picture-Kandidaten vorzulesen. Das ging dann alles ganz schnell und unglamourös.
Und dennoch war die 82. Verleihung der Academy Awards kein allzu kurzweiliges Vergnügen, was wohl an der grauenhaften Moderation der beiden Hosts Steve Martin und Alec Baldwin gelegen haben dürfte (sollte diese Konstellation in irgendeiner Weise PR für ihren gemeinsamen Film “It’s complicated” betreiben?). So ungelenk, unkomisch und zahm wurden die Oscars wohl selten unterhalten.
Die wenigen Highlights besorgten dann andere. Ben Stiller zum Beispiel, der als Na’vi verkleidet noch den originellsten Beitrag zum eher unangenehmen, an diesem Abend aber offenbar sehr populären “Avatar”-Bashing abgab. Eine schöne Hommage an den verstorbenen Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten John Hughes versammelte noch einmal die Stars des 80er-Jahre Coming-of-age-Kinos (darunter Molly Ringwold und Anthony Michael Hall). Und Jeff Bridges wurde in der “Crazy Heart”-Nominierungsrede von seinem einstigen Co-Star Michelle Pfeiffer anmoderiert, was sehr bewegend und wehmütig ausfiel und der Verleihung einen kurzen Augenblick wahrer Größe verlieh.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- März 8th, 2010 •
- 43 Kommentare
- Schlagwörter: Avatar, Awards, Oscars, Oscars 2010, Steve Martin, The Hurt Locker
“War is a drug.”
Originaltitel: The Hurt Locker
Herstellungsland: USA 2008
Regie: Kathryn Bigelow
Darsteller: Jeremy Renner, Anthony Mackie, Brian Geraghty, Guy Pearce, Ralph Fiennes, David Morse, Christian Camargo, Suhail Aldabbach, Sam Spruell, Sam Redford





Nie hat sich Hollywood so zügig und zahlreich der Traumata im eigenen Land angenommen. Nie haben so schnell so viele Filme den gesellschaftlichen Wandel zu erfassen, nie die Auswirkungen eines US-Krieges so sehr ins kollektive (Kino-)Bewusstsein zu rücken versucht wie in den vergangenen Jahren. Zahlreiche Autorenfilmer meldeten sich zu Wort, mit Filmen wie “United 93″, “World Trade Center”, “Rendition”, “In the Valley of Elah” oder “Redacted”, noch bevor überhaupt ein Ende der Intervention im Irak absehbar sein konnte. All diese Arbeiten waren kommerzielle Misserfolge, ob starbesetzt oder nicht, und all diese Filme hatten trotz unterschiedlichster formaler Ansätze wenig bis gar nichts mitzuteilen über den so genannten Krieg gegen den Terror, den internationalen Konflikt, „das zweite Vietnam“. So sinnfällig ihre Zwischenmeldungen erscheinen mochten, der fehlende zeitliche und räumliche Abstand hat keine allzu tiefsinnigen Reflexionen hervorgebracht – und so verstanden sich diese Filme offenbar als politisches Sprachrohr, gleich wenn sie angesichts ihrer von banal (“Lions for Lambs”) bis reaktionär (“The Kingdom”) changierenden Erkenntnisse besser hätten schweigen sollen.
In der Post-Bush-Ära, eingeleitet sogleich mit einem verkündeten Rückzug amerikanischer Truppen aus dem Irak, werden die Geschichten im Konfliktherd munter weitererzählt, selbst wenn man dazu in der Zeit um einige Jährchen zurückgehen muss, wie in Kathryn Bigelows erster Langfilmregiearbeit seit sieben Jahren. Mit unmittelbarer Handkamera rückt sie einem auf Bombenentschärfung spezialisierten Sondereinsatzteam im irakischen Kriegsgebiet auf die Pelle: Gemeinsam mit ihnen lässt sie den Zuschauer durchs Zielfernrohr blicken, sich hinter Mauern verstecken oder minutenlang Zünder deaktivieren, während ihr Objektiv hautnah jedes Hitzeflimmern, jede Schweißperle und jedes Staubkorn ins Visier nimmt.
- Jet Strajker •
- August 14th, 2009 •
- 23 Kommentare
- Schlagwörter: Kathryn Bigelow, Review, The Hurt Locker, War
| The Colbert Report | Mon – Thurs 11:30pm / 10:30c | |||
| Kathryn Bigelow | ||||
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- Jet Strajker •
- August 4th, 2009 •
- 8 Kommentare
- Schlagwörter: Kathryn Bigelow, Stephen Colbert, The Hurt Locker








































