DVD Review

Donnie Darko

1. 8. 2006, Dog Hollywood, 10 Kommentare

28 days… six hours… 42 minutes… 12 seconds. That… is when the world… will end.

Originaltitel: Donnie Darko
Herstellungsland: USA 2001
Buch/ Regie: Richard Kelly
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Holmes Osborne, Maggie Gyllenhaal, James Duval, Patrick Swayze, Drew Barrymore

Wenn es wirklich Filme gibt, die man gesehen haben muss, dann gehört Donnie Darko sicher dazu. Kaum ein anderer Film regt so geschickt dazu an, sich über Sinn und Unsinn des Lebens Gedanken zu machen.
Als ich das erste Mal von Donnie Darko gehört habe, dachte ich zunächst an einen Western, ich weiß nicht warum. Der Name klingt so beschwingt texanisch.

Ich stelle mir darunter einen „Lonesome Rider“ vor, der im staubigen Poncho den Wilden Westen des späten 19. Jahrhunderts erobert, schöne Frauen mit seinem Dreitagebart und seiner kratzigen Clint Eastwood-Stimme bezirzt und rauhbeinige Widersacher mit seinen 2 Colts das Fürchten lehrt. Sein Cowboyhut reicht ihm tief ins Gesicht, sodass man kaum einen Blick auf seine vom Whiskey getränkten Augen werfen kann und immer wenn es in Daisytown zum Showdown kommt, fragt man sich ob Donnie Darko überhaupt sieht, auf wen er sich da einlässt.

Glücklicherweise ist Donnie Darko kein abgehalfteter Westernheld, der in der staubigen Prärie, zur Zeit Jessie James und Billy the Kid, um Leben und Tod kämpft. Bei unserer Geschichte handelt es sich um einen 16-jährigen Jungen, gespielt von Jake Gyllenhaal, der mit mehr als nur der Pubertät zu kämpfen hat. Sein ganzes Leben, seine ganze Existenz wird, so fantastisch es auch klingen mag, von einem riesigen rosa Plüschkaninchen in Frage gestellt und ich werde mich hüten zu versuchen weitere analytische Ansätze in den Raum zu werfen, weil der Film weit mehr bietet als schlichte, allabendliche TV-Unterhaltung.

Wir schreiben das Jahr 1988, als der Schlafwandler Donnie Darko einem riesigen furchteinflößendem Klopfer namens Frank begegnet, der ihm mitteilt, dass die Erde in 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden untergehen wird. Diese Zahlen hat er ebenfalls eines Morgens in großen schwarzen Lettern auf seinem linken Unteram stehen. Geweckt von der Sonne, findet er sich auf dem örtlichen Golfplatz wieder. Seine Begegnung mit Frank blieb dieses Mal nicht ganz folgenlos, denn als er zuhause ankommt, muss er feststellen, dass eine mannshohe Flugzugturbine auf das Haus seiner Eltern, direkt in sein Zimmer gestürzt war. Hätte Donnie Darko jene Nacht nicht schlafwandelnd das Haus verlassen, wäre von ihm vermutlich nicht mehr übrig geblieben als ein trauerndes Elterpaar und eine entsetzte Schwester.
Von jenem Tag an nehmen die Begegnungen mit Frank zu. Mr. und Mrs Darko machen sich natürlich große Sorgen, besonders wegen der regelmäßigen Schlafwandlungen ihres Sohnes, und schicken ihn zur Therapeutin, die gemeinsam mit Donnie Darko herausfinden soll was ihm auf der Seele brennt.

If the sky were to suddenly open up, there would be no law, there would be no rule. There would only be you and your memories.

Der damals 26-jährige Richard Kelly hat mit seinem Regiedebüt großen Eindruck und besonders viele Verständnisfragen beim Publikum hinterlassen, angefangen mit der Frage: Was möchte uns der Regisseur mit seinem Werk sagen? Es fällt schwer den Film einem Genre zu zuordnen und gleichermaßen fällt es hier schwer diese und andere Verständnisfragen bezüglich dessen zu beantworten, ohne zu viel vom Film verraten zu wollen. Ich halte es für das Beste, wenn sich jeder Zuschauer seine eigenen Gedanken macht, denn über den Film hinaus erreichen uns die Fragen: Wer sind wir eigentlich? Woher kommen wir und wohin gehen wir? Solltet ihr euch jemals eine dieser Fragen gestellt haben, werdet ihr euch in Donnie Darko wiederfinden und euch die Frage stellen: Frank, when’s this gonna stop?

Donnie Darko wird am Sonntag, den 06.08. auf VOX, um 22.00 Uhr ausgestrahlt. Ich empfehle euch jedoch die DVD, die nicht nur mit einem eindringlichen Sound, sondern auch ganz ohne Werbeunterbrechungen daherkommt und bereits für spöttische 4,95 bei Amazon.de zu haben ist.

Nachtrag: Wer sich gerne genauer mit dem Thema befassen möchte, kann sich den ausführlichen Wikipedia-Artikel zu gemüte führen. Dort findet ihr ausführliche Deutungen, Interpretationen uvm. Darüber hinaus gibt es auf der offiziellen Donnie Darko-Website weitere Hintergrundinfos und viele Geheimnisse zu entdecken.

  • Carsten 1. 8. 2006 an 12:04

    Tja – nur auf den Directors Cut sollte man verzichten. Vieles von dem, was im Original unausgesprochen und geheimnisvoll blieb, wird im Directors Cut doch arg eindeutig erklärt…

    Meiner Meinung nach, bleibt die Special-Edition mit Zustz-DVD die beste, die einfache €4,95-Version ist auch noch ein brillianter Film – aber auf den Directors Cut kann man guten Gewissens verzichten!

  • Peter 1. 8. 2006 an 12:08

    Meine Empfehlung ist, sich nur, oder zumindest zuerst, die Kino Version anzuschauen (die bei amazon auch so günstig ist). Die Songs sind, trotz Notlösung aufgrund fehlender Rechte, einfach passender. Ganz besonders das Intro mit Echo & The Bunnymen „The Killing moon“, welches im Directors Cut durch „Never tear us apart“ von INXS ersetzt wurde.

    Außerdem erklärt der DC zuviel – die ganze Mysik der Kino Version wird durch Zwischeneinblendungen unnötig erläutert und stört meines Erachtens den Filmfluß.

  • Peter 1. 8. 2006 an 12:10

    haha, habe meine Kommentar geschrieben, bevor ich den obigen gelesen habe. Dann sind wir schonmal zu zweit.

  • Batzman 1. 8. 2006 an 13:42

    Ich tu mich mit dem Film ja etwas schwer, was vermutlich an seinen deutlichen biblischen Bezügen liegt, die der Regisseur auch so gewollt hat. Donnie als Retter. Donnie als Jesus.

    Und wenn der Film sich nicht so unglaublich super-ernst nehmen würde, wäre er mir wohl auch sympathischer. Ich war im Endeffekt doch gelinde enttäuscht, als ich ihn damals gesehen habe…

    Aber ja, vom DC wirklich dringend die Pfoten lassen, der erklärts echt nochmal für doofe.

  • diaet 1. 8. 2006 an 18:52

    Naja, Batzman – dass der Regisseur die so gewollt hat, kann man finde ich aber auch erst nach einigen Interviews oder dem DC wissen.

    Mir hat der Film damals zumindest diese Assoziationen undeutlich genug gelassen und die eine oder andere nette Diskussion mit Freunden beschert.

    (Was übrigens nur dadurch verstärkt wurde, dass wir den – zwar auf meine Empfehlung hin – alle einzeln für sich geschaut haben. Dass aber durch fast unglaublichen Zufall, trotz weit versetzter Zeitabstände, immer mehrere Leute den irgendwie gleichzeitig gesehen haben… Das hat mir eine Zeitlang fast schon Angst gemacht. ;)

  • dan 1. 8. 2006 an 19:34

    Ein wunderbarer Film, der für mich erst total verwirrend war, doch mittlerweile oder nach mehrmaligem Sehen eindeutig wurde. Kann aber auch daran liegen, dass ich ihn zuerst nur zweimal auf Premiere sah. Beim ersten Mal ohne den Anfang und beiom zweiten Mal ohne das Ende. Fernsehen gucken und dauerhaft dabei getsört werden. Abartig …

  • SirDregan 1. 8. 2006 an 20:56

    „von einem riesigen rosa Plüschkaninchen“
    Wie, rosa? Hast den Film auf nem kaputten Fernseher geguckt? ;)

    Ansonsten: gute Kritik, triffts perfekt, find ich

  • Dog Hollywood 1. 8. 2006 an 21:10

    Hm, warum habe ich Frank als ein übergroßes , rosa Plüschkaninchen in Erinnerung behalten? – Kein Kommentar. ;)

  • Nilz N Burger 1. 8. 2006 an 22:58

    das lässt dann wohl eher in DEINE psyche blicken, dog…;)

  • Der_Held 4. 9. 2006 an 16:43

    …ging das jetzt nur mir so, oder bekommt man erst in dem Moment einen Einstieg in diesen Film, an dem Donnie die Schule betritt und seine Charakterzeichnung beginnt?