Classics DVD Review

Superman – Der Film

19. 8. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 0 Kommentare

Superman: I’m here to fight for truth, and justice, and the American way.
Lois Lane: You’re gonna end up fighting every elected official in this country!


Superman - The MovieOriginaltitel: Superman
Herstellungsland: Großbritannien 1978
Regie: Richard Donner
Darsteller: Marlon Brando, Gene Hackman, Christopher Reeve, Ned Beatty, Jackie Cooper, Glenn Ford, Margot Kidder

Kurz bevor es den Planeten Krypton in seine Einzelteile zerlegt, gelingt es Marlon Brando seinen einzigen Sohn in eine sternenförmige Rettungskapsel zu stecken und gen Erde zu schießen. Er weiß, daß es Kal-El, so der Name des Kindes dort gut gehen wird, denn die gelbe Sonne wird ihm übermenschliche Kräft verleihen.
Bis Kal-El, den seine Adoptiveltern Clark taufen, nachdem er bei ihnen im Vorgarten abgestürzt ist, mit diesen Kräften etwas anfangen kann, soll es jedoch eine Weile dauern. Als nerdiger Aussenseiter wächst er in Smallville, einem verschlafenen Kaff auf. Freunde hat er kaum welche und nachdem sein Adoptivvater an einem Herzanfall stirbt beschließt er auf Selbstfindungstrip zu gehen.
Am Nordpol kreiert er aus einem Kristall, den ihm Marlon Brando mit in die Rettungskapsel gepackt hatte die Festung der Einsamkeit. Einen Eispalast, der gleichzeitg ein interaktives Videoarchiv mit dem Gesamtwissen Kryptons darstellt. Nach einem Videocrashkurs der ein paar Jahre überbrückt ist er bereit seine Kräfte zu akzeptieren und in die Stadt zu gehen.
Nach Metropolis. Dort wird er auch sofort vom Chef des Daily Planet (Jackie Cooper) eingestellt und verguckt sich prompt in die Starreporterin des Blattes. Die etwas linkische, aber hochengagierte Lois Lane (Margott Kidder).
Neben seinem neuen Job versucht Clark auch erstmals seine Superkräfte sinnvoll einzusetzen. Im klassischen blau-roten Trikot nimmt er, unter anfänglicher Verwunderung der Anwohner den Kampf gegen das Böse auf. Sehr zum Unwillen des selbsterklärten kriminellen Masterminds Lex Luthor (Gene Hackman), dessen Freundin Eve Teschmacher (Vallerie Perrine) und seines grenzdebilen Handlangers Otis (Ned Beatty). Während Superman die Welt für sich begeistert und einen harmlosen Flirt mit Lois Lane beginnt, plant Luthjor bereits seine Auslöschung.
Lex fürchtet nämlich, daß ihm der Stählerne bei seinem größten Coup dazwischenfunken könnte. Luthor will mit Langstreckenraketen die Westküste Amerikas absprengen und entlang des San Andreas-Grabens ins Meer kippen lassen. Die dadurch entstehenende neue Küste, bestünde dann aus bis dahin wertlosen Landes, welches er bereits zu Spottpreisen erstanden hat.
Denn wirkliche Geschäfte, so habe ihm sein Vater eingeschärft, seien nur mit Immobilien zu machen. Damit Superman ihm nicht dazwischen funkt, entwendet Luthor einen Meteor der grünes Kryptonit enthält aus einem Museum und stellt dem Superhelden eine Falle. Er lockt ihn in sein unterirdisches Hauptquartier, wo er ihn mit dem Kryptonit konfrontiert und sterbend zurücklässt.
Inzwischen sind die Raketen gestartet, die die Katastophe auslösen sollen.
Zum Glück erbarmt sich Eve Teschemacher in letzter Sekunde und rettet Superman das Leben, damit er die Menschheit retten kann. Das macht er dann auch nachdrücklich…

Der Film von 1978, der nach dem Achtungserfolg The Omen, den großen Durchbruch für Regisseur Richard Donner darstellte, gilt nicht zu unrecht als erste ernthafte Kinoverfilmung eines US-Superhelden-Comics an der sich alle Nachfolger messen lassen mußten.

Es hat natürlich etwas nostalgisches, wenn man den Film aus heutiger Sicht anschaut, grade im Kontrast zu Bryan Singers Remake, ähm Fortsetzung. Was mich jedoch mehr überraschte war, daß der Film auch abseits nostalgischer Nachsicht immer noch Qualitäten hat, die ihn zu einem höchst unterhaltsamen und sehr charmanten Seherlebnis machen.
Sicherlich, der Zahn der Zeit ist nicht spurlos an Superman vorbei gegangen, viele der Tricks die damals eine echte Revolution darstellen (Der Film wurde massiv damit beworben, daß es erstmal gelungen war Superman überzeugend fliegen zu lassen) sind heute bereits Alltag oder überholt.

Besonders schlecht gehalten haben sich für mein Empfinden die Anfangszenen auf Krypton. Hat der Vorspann mit seinen donnernd vorbeirauschenden, wuchtigen Buchstaben und John Williams triumphaler Musik wenig von seiner Wirkung eingebüsst, sind die Modell-Tricks und Sets von Supermans-Heimatplaneten leider heutzutage sehr deutlich als solche zu erkennen. Überhaupt wirkt Krypton auf mich eher wie ein ungemütlicher, kalter Planet. Der hohe Rat, der zu Beginn ein paar Verbrecher in die Phantomzone sperrt (ein Setup für Teil 2) weckt wenig Sympathie für die Kryptonier, weder Maria Schell noch Marlon Brando sind wirkliche Sympathieträger. Alles ist kalt, hart, stachelig und unvorteilhaft beleuchtet.

Gott sei Dank verbringt der Film nicht allzuviel Zeit auf diesem garstigen Planeten, der zurecht kurz darauf das Zeitliche segnet und Donner und seinem Kameramann Geoffrey Unsworth Gelegenheit gibt zu zeigen was wie wirklich draufhaben.

Die nostalgische, an Norman Rockwell-Bilder erinnernde Welt der Familie Kent ist auch heute noch von ungebrochener Bildgewalt. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen kombiniert mit auch heute noch schicken Tricks (etwa Superboys Wettlauf gegen einen Zug), verleihen dem Film echte Größe. Humorvoll, aber nicht albern werden Clarks Jugendjahre zusammengefasst, kleine Vignetten die einen Einblick in die Welt eines Jungen geben, der lernen muß mit seinen Kräften umzugehen. Hervorragende Nebendarsteller wie Glen Ford als Clarks Adoptivvater, verschaffen es diesem ersten Teil, dem Pflichtteil des Films die notwendige Ernsthaftigkeit zu geben.

Nach Supermans Selbsterfahrungstrip, verwandelt sich die Optik von sanften Erdtönen des Farmlebens in Metropolis dann endgültig in puren Comic. Leuchtend, schnell, hektisch.
Auch hier wird deutlich wie wichtig das Casting für diesen unter schwierigen bedingungen entstandenen Blockbuster war. Unter einem Regisseur mit weniger Gespür für Charaktere, mit weniger talentierten Darstellern, hätte der ganze Film ein furchtbares Debakel werden können.
Wie man am Remake ja wunderbar erkennen kann.

Weder Christopher Reeve noch Margott Kider mögen die besten Akteure der Welt gewesen sein, aber sie waren definitv die beste Besetzung für ihre Rollen. Reeve schafft es der Supermanfigur eine augenzwinkernde Menschlichkeit zu geben, ohne ihn als Karikatur zu denunzieren. Kidders Loise ist tough genug, daß man ihr die Erfolgsreporterin glaubt und dennoch liebenswert linkisch, daß man ihr die Aufregung beim ersten Treffen mit Superman abnimmt.

Zudem haben Donner und sein Kreativeberater (in Wirklichkeit Drehbuchautor) Tom Mankievicz es geschafft Dialoge zu schreiben, die vielschichtig auf dem schmalen Grad zwischen Pathos und Ironie ballancieren, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.
Das erste Treffen zwischen Lois und Superman, obwohl tricktechnisch leicht überholt, ist immer noch eine ungemein charmante, mit unschuldigem sexuellem Innuendo und Witz spielende Annäherung zweier lebendiger Figuren, die einem sehr deutlich macht, wie plump und ungeschickt sich dieselben Figuren in Singers Supermanns Rückkehr begegnen. Wenn Reeve und Kidder durch die Wolken gleiten, hat das in seiner Naivität tatsächlich etwas berührendes, das nachvollziehen lässt was Lois an Superman findet.
Überhaupt ist es Donner gelungen aus dem perfekten Helden, mehr rauszuholen, als man es glauben mag. Dank Reeves liebenswerter Darstellung sowohl als tollpatschiger Clark, wie als überlebensgroßer Superman gewinnt diese im grunde eindimensionale Figur, mit all ihren logischen Problemen für die Zeit des Films genug Tiefe, das man sie als Zuschauer akzeptieren und ins Herz schließen mag. Beide, sowohl Reeve als auch Kidder spielen haarscharf and er Grenze zum Overacting, was ihren Figuren jenen leicht irrealen Comic-Touch gibt, der den gesamtem Film auszeichnet.

Gleiches gilt auch für die Klamaukmomente des Films, für die Edelmime Gene Hackmann zuständig ist, der sich hier erstmals in den Comedy-bereich vorwagte. Das Gespann Luthor / Otis / Eve in seinem kitschig, chaotischen Hauptquartier bildetet einen willkommenen Kontrapunkt zur glamourösen Superman-Hauptstory. Auch hier stimmt die Chemie, Ned Beatty hat sichtlich Spaß den Idioten zu markieren und Hackmann verkörpert mit viel Verve den genialen Schurken, der sich von Idioten umgeben wähnt. Die Plotidee mit dem Grundstücks-Deal, die sich Singer ja ebenfalls für sein Remake ausgeborgt hat, wirkt hier zumindest im Rahmen der filmischen Comic-Realität ansatzweise glaubhaft.

Zum Schluß sollen die Tricks des Films nicht unerwähnt bleiben. Sie sind, wie zu erwarten aus heutiger Sicht durchwachsen, wobei man ihnen immer noch die große Sorgfalt anmerkt, mit der sie vor 28 jahren produziert wurden. Überraschend fand ich, daß eine ganze Menge Tricks trotz ihres Alters immer noch ganz gut aussehen und durchaus was hermachen. Sei es die Dammsprengung oder Supermans Rettung eiens Schulbusses von der schwankenden Golden-Gate-Bridge, einige Flugszenen oder der spektakuläre Absturz eines Helikopters, das timing stimmt und wenn ich ehrlich bin fand ich einige der Actionszenen spannender als einiges was man heute im Kino sieht. Vielleicht liegt es daran, daß weniger passiert und die Kamera einem mehr Zeit lässt zu erfassen was eigentlich los ist. Es mag zwar weniger Explosionen pro Minute geben und weniger umherwirbelnde Kamera, aber dennoch sind die Trickszenen auch heute noch alles andere als lahm.

Das gilt übrigens fast noch mehr für die 1980 erschienene Fortsetzung, die zum Teil gleichzeitig mit dem ersten Teil ebenfalls von Richard Donner gedreht wurde (den die Produzenten dann aber wegen kreativer Differenzen feuerten und durch Richard Lester ersetzten) Wenn sich Superman in Teil 2 mit den aus der Phantomzone entflohenen Supergangstern, unter Führung von General Zod (Terence Stamp, der erst Jahre später in „Priscilla – Queen of the Desert“ wieder ähnlich alberne Klamotten anziehen sollte) quer durch Häuser und Leuchtreklamen prügelt, sind das kraftvolle Actionmomente, die auch heute noch Spaß und Dynamik vermitteln.

***

Wertung der DVD

Warner hat sich schon vor geraumer Zeit entschieden, diesem Film eine angemessene Special-Edition zu spendieren, die derzeit sehr günstig im Doppelpack mit Teil 2 erhältlich ist.
Sorgfältig wurde nicht nur das Bild überarbeitet, auch die Tonspur erfuhr einen kraftvollen Remix, der auch moderne Surroundanlagen ordentlich fordert. Puristen bedauern sicher zurecht, daß man den originalen 2.0 Kinomix nicht mit auf die Scheibe gepackt hat, aber dafür entschädigt ein wenig der optionale Musiktrack, sowie ein unterhaltsamer und spannender Audiokommentar von Richard Donner und Tom Mankievicz.

Für Synchrongucker soll nicht unerwähnt bleiben, daß der Film, um auch der deutschen Tonspur den neuen Soundmix zu geben, neu synchronisiert wurde. Fans der alten Synchro bedauern dies und es ist sicher Geschmackssache, ob man einem Film eine moderne Synchro verpassen sollte nur um des besseren Tons willen. Andererseits wäre das Gejammer sicher ebenso groß gewesen, wenn es für die deutsche Fassung nur eine dünn klingende 1.0 Spur gegeben hätte. Alternativ hätte man auf andere Tonspuren wie den Kommentar oder den Musiktrack verzichten müssen.

Die auf der DVD vorhandene Version ist ein Extended-Directors-Cut, in die zehn Szenen eingefügt wurden, zumeist kleine narrative Momente, die den Hintergrund der Figuren näher beleuchten.
Dazu kommt auf der zweiten Seite der Flipper-DVD eine Menge an sehr informativen und durchaus kritischem Bonusmaterial.

„Taking Flight: The Development Of Superman“ documentary (30min)
Hier wird die langwierige Pre-Produktionsphase dokumentiert, die lange Suche nach dem richtigen Regisseur, Drehbuchautoren, Investoren und natürlich dem richtigen Supermandarsteller.

„Making Superman: Filming The Legend“ documentary (31mins)
Hier dreht sich alles um den chaotischen Dreh des Films der sich über ein Jahr hinzog. Richard Donners Kampf mit den Produzenten, widerspenstigen Tricks und finanziellen Unwägbarkeiten.

„The Magic Behind The Cape“ documentary (23mins)
Die Trick-Experten lassen nocheinmal die komplizierte Postproduktion des Films Revuepassieren. Neben der Schwierigkeit realistische Flugeffeke zu erzielen, waren auch sämtliche anderen Effektdepartment vor extreme Aufgaben gestellt. Von Modellshots über Matte-Paintings und Pyrotechnische Effekte, mußte für Superman vieles neu erfunden und ausgetüfelt werden.

Screen Tests:

– Lois Lane (11min)
– Clark Kent/ Superman (9min)
– Ursa (2min)

2 Deleted Scenes (3min)
Kino Trailer (3mins)
Teaser Trailer (2min)
TV Spot (1min)

8 zusätzliche Musikstücke von John Williams

DVD-ROM Features (including Storyboard-To-Screen Comparisons)

Die DVD dieses Klassikers kann nicht nur ihres wirklich günstigen Preises willen, sondern vor allem wegen des umfangreichen und liebevoll zusammengestellten, Informativen Bonusmaterials allen Fans nur wärmstens empfohlen werden.

Also los, hol dir Superman I-II im Doppelpack bei AMAZON

  • F5 - Die Fünf Filmfreunde 19. 8. 2006 an 0:57

    […] Von Anfang an fehlte mir ein wirklich erzählerischer Faden. Die fünfjährige Auszeit die Supi nimmt, ist derart dürftig erklärt, das sie zum bloßen Gimmick verkommt. Das er ausgerechnet im Vorgarten seiner Adoptivmutter abstürzt macht auch nicht wirklich Sinn. Singer wollte halt unbedingt eine Szene des verehrten Originals von Richard Donner nachdrehen, deswegen bekommen wir dann eine Rückblende. Notwendig ist sie nicht. Überhaupt referenziert der Film so überdeutlich auf sein Vorbild, das man schon kaum mehr von In-Jokes oder Andeutungen sprechen mag. Hommage mit dem Holzhammer passt da schon eher. Etliche Momente des Superman-Films von 1978 werden quasi nachgestellt, angefangen beim Vorspann, der in der berühmten "gläserne Buchstaben"-Optik gehalten ist. Nur leider hat er weder den Stil noch die echte Größe des damaligen Vorspanns. Mehr ist mehr, dachte man sich und packte das Bild mit derartig vielen Planeten, Galaxien und ähnlichen voll, das die Erhabenheit der Buchstaben ziemlich untergeht. Das ganze erinnert mit zunehmender Dauer an einen Star-Trek-Bildschirmschoner mit Voyager-Elementen. Aber zumindest ist im Vorspann das eingängige und markante Thema von John Williams noch zu hören, der leider für den restlichen Soundtrack nicht zur Verfügung stand. Statt seiner übernimmt John Ottman das Ruder, der bislang nicht wirklich großartig aufgefallen ist und sich bis auf X-Men2 eher in Genre-Filmen und B-Movies wie Lake Placid verdingte. Sein Score gewinnt nie eine eigene Größe oder Charakter und bleibt den ganzen Film über im Schatten des großen Vorbilds. Die Musik wabert und wummert, schluchzt und violiniert, aber das Beste was ich über sie sagen möchte ist, das sie nicht großartig stört. […]