Review

Click

3. 10. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 14 Kommentare

„Pups!“

Originaltitel: Click
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Frank Coraci
Darsteller: Adam Sandler, Kate Beckinsale, Christopher Walken, Jenae Altschwager, Sean Astin

Click

Der aufstrebende Architekt Michael Newman (Adam Sandler) führt ein ausgefülltes Leben. Zu ausgefüllt sogar, denn er muß sich ständig entscheiden zwischen seiner Frau (Kate Beckinsale), den Kindern, den Eltern und seinem Job in dem sein Boss (David Hasselhoff) ihn fortwährend antreibt.

Das führt allenthalben zu Spannungen, denen er eines Abends zu entfliehen sucht. Auf der Suche nach einer Universalfernbedienung stolpert er in einem Wall-Mart-Verschnitt über den Tüftler Morty (Christopher Walken), der ihm eine brandneue Fernbedienung überreicht. Diese stellt sich schon bald als echte Universal-Fernbedienung heraus, denn sie ermöglicht Michael sein Leben fernzusteuern.

Er kann es anhalten, die Lautstärke kontrollieren, vor- und zurückspulen und sogar wie bei einer DVD-Special Features aufrufen, wie ein Making-Of, einen Kommentar und verschiedene Sprachen (Wobei die Autoren wohl die Funktion eines Audiokommentars nicht ganz verstanden haben und den eigentlich guten Gag dadurch sehr unwitzig machen). Zunächst begeistert, muß er allerdings bald erkennen, daß ihm die totale Kontrolle mehr und mehr entgleitet…

Was für eine grandiose Grundidee: Eine Fernbedienung fürs eigene Leben. Wer hat nicht schonmal davon geträumt, wer nicht gelacht, wenn in der Sesamstrasse Ernie seinem Kumpel Bert früher einen Lautstärkeknopf auf die Brust pappte und einfach leise drehte. Bisweilen fühle ich mich auch, als wenn in meinem Leben nur noch die Lachspur fehlt, nein wirklich, die Idee von Click ist wirklich großartig. Nicht besonders neu, aber doch zweifellos faszinierend.

Nur leider ist es immer so eine Sache. Nicht jede Idee trägt auch einen Spielfilm. Klar ist es urkomisch wenn man im eigenen Leben rumspulen kann, wenn man auf Pause schalten und die Tonspur wechseln kann. Aber wenn alle Gags dieser Art durchexerziert sind hat man immer noch 70 Minuten die bei einem Spielfilm irgendwie mit Handlung gefüllt werden müssen. Und damit verließen die Drehbuchautoren leider auch die Ideen und sie setzten auf capraesken Schmalz, ohne auch nur eine Sekunde echtes Capra-Niveau zu erreichen.

Das zweite Problem dieses Films ist ebenso klar zu benennen: Adam Sandler. Es ist mir egal wie erfolgreich seine Filme sind, ob er sich in ernsthaften Rollen versucht (Punch Drunk Love war eher Andersons Verdienst, als ein Beweis für Sandlers Talent) und für viel Geld A-Mimen in seine Werke lockt um sich im Glanze echter Schauspieler zu sonnen oder ob er privat ein dufter Typ ist: Adam Sandler ist ein grauenhaft schlechter Schauspieler. Punkt. Selbst das was eigentlich sein Metier ist, nämlich Komödie ist bei ihm schlecht. Sein Timing, seine Körpersprache, seine Mimik, egal wie gut ein Gag ist, er wird schlechter dadurch das er von Sandler vorgetragen wird.

Andere Komiker die bisweilen in die Gefilde zotiger Scherze gereist sind, polarisieren ebenfalls, das ist mir bewusst, aber weder Robin Williams noch Jim Carrey oder selbst Jerry Lewis fand ich je so unkomisch wie Adam Sandler. Sein Erfolg scheint sich völlig aus seiner absoluten Durschnittlichkeit zu speisen, die wohl die ideale Projektionsfläche für den amerikanischen Zuschauer ist, aber das ändert wenig daran, daß er im Grunde auf Schülertheaternivau agiert.

Was in diesem Fall noch wesentlich unangenehmer auffällt, als bei seinen üblichen Zotensammlungen wie „Waterboy“ und „Big Daddy„, weil das Drehbuch mit fortschreitender Handlung immer mehr nach ernsthafter Schauspielerei verlangt, die Story immer mehr in Richtung Drama abgleitet. Wer glaubt Sandler wäre schlecht, wenn er versucht witzig zu sein, hat ihn nocht nicht erlebt, wenn er emotionale Momente, Trauer, Wut und Verzweiflung spielt. Sollte es eine Goldene Himbeere fürs Lebenswerk geben, hätte Sandler sie mehr als verdient.

Aber auch die eigentliche Story hat so ihre Probleme: Die Drehbuchautoren klauen nicht nur ganz gewaltig bei ihrem eigenen, besseren Film Bruce Almighty, von dem sie etliche Pointen übernehmen, sie bedienen sich recht unverfroren bei dutzenden anderen Filmen, von „Scrogged“ bis „Eternal Sunshine of the spotless mind“ und lassen das Ganze am Ende auch noch als Charles Dickens Rip-Off mit einer Wendung enden, die sich mehr als deutlich bei „A Christmas Carrol“ und „It’s a wonderful life“ bedient. Michael erkennt die Fehler seines Lebens und bekommt eine zweite Chance, nachdem ihm überdeutlich sein verpfuschtes Leben vor Augen geführt wurde.. bis zum bitteren Ende.

Bzw. zum Ende das vielleicht bitter wäre, wenn Sandler nicht bis zuletzt Furzwitze, Tritte ins Gemächt und plumpe homophobe Witzeleien (Die ersten paar Male hab ich noch drüber weggesehen, aber irgendwann dachte ich nur noch: „Man muß der Kerl eine Angst haben das ihn irgendwer ficken will“ – Was ja eine typische Furcht eher unattraktiver Heterokerle ist. Hey, ich kenn mich in Hollywood nicht aus, aber man muß schon ziemlich am Ende sein, wenn man Sandler als Schwuppe sexy findet) zum Besten geben würde, die so gar nicht zur Tragik der eigentlichen Geschichte passen wollen.

Nichts gegen Zoten, eine ehrliche unverklemmt abgelieferte Zotigkeit kann sehr witzig sein, wie sehr viel bessere Komödien von den frühen ZAZ-Filmen bis South Park bewiesen haben – aber hinter Sandler-Filmen steckt jener pubertäre verklemmte Witz, der 12 Jungen auszeichnet, die alleine die hinter vorgehaltener Hand geflüsterte Erwähnung des Wortes „Loch“ in apokalyptische Heiterkeit versetzt. Dieses peinliche „Höhö, wie gewagt“ lachen, daß Stammtischwitze und Kegelclubfahrten so unerträglich macht. „Guck mal er furz seinem Chef ins Gesicht, nein was für ein Brüller!“ Noch lustiger wäre nur, wenn er Sean Astin ins Gemächt tritt… da schon passiert! Ui schon wieder!
Der platteste Gag des ganzen Films, diverse Hunde die eine Stoffente begatten, wird, weil er schon beim ersten Mal nicht sooo lustig war, dann auch lediglich 200x wiederholt. Ein Hund der eine Stoffente fickt! Das ist Humor!
Und das Ganze will im nächsten Moment, dann wieder als Drama funktionieren. Und über wichtige Werte aufklären. Und anrühren. My ass.

Die wirkliche Tragik ist, daß „Click“ abgesehen von der Hauptrolle eine prächtige Besetzung zu bieten hat und wirklich einige nette Gags und Ideen einbringt. Christopher Walken, Henry Winkler, Kate Beckinsale, Sean Astin, ja selbst David Hasselhoff – jeder andere spielt seine Rolle überzeugend und schafft es aus den Dialogen etwas herauszuholen, nur leider degradiert das Skript sie alle mehr oder minder zu Stichwortgebern von Sandler, der das Ganze auch produziert hat und anscheinend ungern jemand anderem eine Pointe überlässt.

Es schmerzt ein wenig so gute Schauspieler in einem Film mit einer so guten Grundidee zu sehen der in fähigeren Händen zu einem skurrilen Exkurs a la „Being John Malkovich“ hätte werden können, der aber fast alle Chancen verschenkt und bis zum Schluß flache Gags auf Furz und Ekelniveau fährt und dennoch glaubt, man würde die dramatischen Momente anrührend finden und ernst nehmen. Michael wird einem als sympathische Figur verkauft aber er ist es nicht. Was ihn von Scrooge unterscheidet ist, daß er von Beginn an sympathisch sein soll aber wenig mehr ist als leere Hülle, gedankenlos, agressiv, egoistisch, dumm, der nach oben buckelt, nach unten tritt und der bestenfalls ein mittelmässiger Architekt ist. Er ist kein „good guy, who deserves a break“, wie uns die Walken-Figur glauben machen will, er ist ein Arschloch, dem eine Lektion erteilt gehört. Aber da die Fernbedienung irgendwann auf Autopilot schaltet, scheint ihm auch jede charakterliche Entwicklung aus den Händen genommen, er erwacht nur in verschiedenen Phasen seines Lebens und scheint erschrocken darüber was er getan hat.

Die Hauruck-Regie von Frank Coraci, einem alten Kumpel Sandlers, die eher unelegant zwischen Fäkalhumor und emotionalen Momenten springt, rettet ebenfalls wenig. Das er die innere Logik des Films auch je nach Gusto ignoriert und die Fernbedienung mal selbständig etwas überspringen lässt, dann wieder nicht, sei nur am Rande bemerkt. Das Sandlers ganzes Problem, die mangelnde Zeit für die Familie sich einfach lösen ließe, würde er einfach auf „Pause“ schalten, seine Arbeit machen und danach alle Zeit die er mag mit der Familie verbringen ist nur eine von vielen Unlogeleien. Das mehr schlecht als recht hingerotzte digitale Tricks die Schauspieler auf Fett und alt trimmen sollen man aber mehr von der digitalen offensichtlichkeit des Effekts abgelenkt wird, als sich auf die Schauspieler zu konzentrieren, fällt dann auch nicht mehr ins Gesicht.

Dieselbe Idee mit einem guten Schauspieler hätte eine interessante Farce werden können, ein netter Kurzfilm oder eine absurde Twilight Zone-Episode. So ist sie nur ein weiteres überlanges Vehikel für einen selbstverliebten Darsteller, der sich deutlich überschätzt.

Schade eigentlich, wird doch jeder der die Idee zukünftig besser verfilmt den Vorwurf hören: „Das haste doch aus dem Adam Sandler-Film geklaut…“

PS: Den Film wie Kollege Binding es tat auch nur in einem Atemzug mit „Butterfly Effect“ zu nennen, halte ich für eine Beleidigung dieses wirklich bösartigen kleinen Genre-Juwels. Click fehlt es sowohl an der Chuzpe, dem Timing und dem echten Willen zur Subversivität die „Butterfly Effect“ auszeichnet.

PS2: Ich glaub es macht mir Angst zu lesen, daß Leute bei Click anfingen zu weinen, weil sie wirklich gerührt waren oder wertvolle Lebenshilfe aus dem Film herauslesen.

Ansonsten möchte ich einmal mehr auf die sehr geschätzte MaryAnn Johannson alias The Flick Filosopher hinweisen, die sich in ihrer ganz eigenen Art „Click“ angenommen hat und aus einer geheimen Drehbuchkonferenz mit Adam Sandler zitiert.

  • Sebastian Sachse 3. 10. 2006 an 5:47

    Das ist wirklich ein langer Text.

  • Jörg 3. 10. 2006 an 9:36

    Batzman,dem ist aber auch überhaupt nichts hinzuzufügen… Endlich schrumpft mal jemand diese Nullnummer Sandler auf Realmaß zurecht, Danke! Wirklich schade um die Filmidee…

  • Lars 3. 10. 2006 an 10:05

    Dem kann man wirklich nichts hinzufügen. Eine tolle Kritik zu einem wirklich bescheidenen Film, aus dem man eine Menge mehr hätte machen können.

  • Nilz N Burger 3. 10. 2006 an 14:01

    und dann aber noch 2 sterne?

  • Batzman 3. 10. 2006 an 14:17

    knapp 2 Sterne. Einen für die Grundidee und die paar netten Gags die man rauszieht und einen Stern für alle Schauspieler die nicht Adam Sandler sind…

  • Renington Steele 3. 10. 2006 an 17:21

    Der Film ist tatsächlich mal richtig schlecht! Der Schmalz da im Mittelteil ist ja unerträglich, und die Stoffente sehr strapaziert. Aber über die Szene, in der Sandler dem Hasselhoff ins Gesicht furzt, da musste ich wirklich kichern.

    Aber ich bin ja auch erst 12! Ganz im Ernst!

  • Batzman 3. 10. 2006 an 17:40

    Hasselhoff ist aber auch ganz schick in der Rolle, seine schmierige Art bringt er als Boss doch gut rüber…
    Über ein Wiedersehen mit „The Fonz“ Henry Winkler hab ich mich auch gefreut…

    Und die Entenfickszene war eigentlich nach dem 2x nicht mehr witzig…

  • miss 12. 10. 2006 an 18:16

    Adam Sandler hat wirlich bisher nur einen halbwegs witzigen Film gemacht, wo mir natürlich der name entfallen ist… er als Golfspieler blabla. Der war ganz ok- aber ich möchte nix auf Jerry-the m…..-f…… God of Torte ins Gesicht-Humor und keiner kann besser hinfallen als ich- kommen lassen.!

  • Sebastian Sachse 12. 10. 2006 an 19:55

    Du meinst Happy Gilmore. Der ist nicht schlecht, aber ich mag Filme, in denen auch die Bösewichte unterhaltsam sind, siehe Austin Powers.

  • Injecter 12. 10. 2006 an 21:15

    Im Nachhinein wurde mir klar, dass das mit dem schnellen f*c*en im Zusammenhang voll unlogisch ist. Er kann innerhalb von einer Minute so schnell mit dem S.. fertig sein wie sonst in ? Minuten aber wenn er das Zeichnen seines Architekturplans überspringen/forwarden will, landet er direkt am Ende als ob ers getan hätte.

    Es gibt also eine Autopilot/Zeitraffer Diskrepanz… Das fand ich im Nachhinein schei*e.

    PS: Im Nachhinein is ein guter sprich in diesem Fall passender Satzanfang. Das fiel mir im Nachhinein auf.

  • Mo 20. 10. 2006 an 12:40

    So ich fad den film endgeil und der schauspieler passt super in doie rolle ende aus

  • renington steele 20. 10. 2006 an 21:12

    Süß, oder?

  • Bessen 5. 2. 2007 an 0:03

    oh mann…was ist das denn für eine Kritik…ich find den Film super =)
    Ich habe ihn jetzt schon 3 Mal gesehen und jedes Mal fand ich ihn geil und witzig bzw. traurig an den bestimmten Stellen.
    Was die Schauspielerkunst Sandlers angeht..öhm…AHA ist mir jetzt nicht wirklich aufgefallen, dass er seine Rollen nicht spielen kann..btw: er hat doch nur solche Rollen, da muss er sich nicht sonderlich anstrengen wie z.B. ein DiCabrio in Blood Diamond oder so.
    Naja, jedenfalls ist der Film sehr gut und immer wieder gern anzuschaun =)

  • Renington Steele 5. 2. 2007 an 10:52

    >Ich habe ihn jetzt schon 3 Mal gesehen

    Mein Beileid. Irgendwelche Hirnzellen übriggeblieben…

  • Der Traum von der Universalfernbedienung | Not quite like Beethoven 5. 10. 2011 an 4:40

    […] anhalten, Dinge wiederholen, fast forward. Durchgespielt wurde das mal im ganz amüsanten Film „Klick“, in dem ein junger Architekt eine Fernbedienung findet, mit der er sein Leben be…. Doch da ist das natürlich nicht das Ende, sondern der Anfang der Probleme. Ich bin mir allerdings […]