Review

Thumbsucker

5. 10. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 0 Kommentare

„It’s in my professional opinion that you’ve become a monster. „

Originaltitel: Thumbsucker
Herstellungsland: USA 2005
Regie: Mike Mills
Darsteller: Lou Taylor Pucci, Tilda Swinton, Chase Offerle, Vincent D’Onofrio, Kelli Garner, Keanu Reeves, Vince Vaughn

Thumbsucker Poster

Der 17jr Justin Cobb (Lou Taylot Pucci) ist eigentlich ganz normal. Freundlich, intelligent, ein wenig schüchtern. Wäre da nur nicht seine Angewohnheit am Daumen zu lutschen, die sich doch negativ auf sein Schul- und Liebesleben auswirkt.

Fest entschlossen vom Nuckelfetisch loszukommen, wendet er sich an seinen Kieferorthopäden (Keanu Reeves) der versucht der Angelegenheit mit Hypnose abzuhelfen. Doch damit beginnen Justins Probleme erst, denn nachdem er das Daumenlutschen aufgibt, suchen sich die bisher damit befriedigten Ängste andere Ventile. Und während Justin erst auf Ritalin gesetzt wird und zum drogensüchtigen Ass im schulischen Debatierteam mutiert, plagen seine Eltern ganz andere Sorgen.

Sein Vater ist nie darüber hinweggekommen, daß es bei ihm nach einer Knieverletzung nicht zur großen Sportskarriere reichte, seine Mutter befindet sich mit Anfang 40 auf der Suche nach sich selbst und der Verwirklichung ihrer Träume, die weit ausserhalb des heimischen Herdes liegen.

Und noch eine Teenager-Coming-of-Age-in-Suburbia-Geschichte, die dieser Tage startet, zeitgleich mit „The Chumscrubber“ in dem Justin-Darsteller Lou Taylor Pucci in einer Nebenrolle zu sehen ist. Der ähnliche Titel, der Darsteller sowie die Thematik und der Starttermin legen natürlich einen Vergleich nahe, welcher im direkten Duell wohl zu Ungunsten von „Thumbsucker“ ausgehen würde, erscheint er doch weit weniger originell und phantasievoll an sein Thema heranzugehen.

Sieht man ihn jedoch isoliert von dieser Diskussion, findet sich in dieser Verfilmung von Walter Kirns gleichnamigen Roman eine unterhaltsame, leicht skurrile und hervorragend besetzte Story rund um die ewigen Themen Erwachsenwerden, Selbstfindung und den Wert von Familien.

Justins Weg, seine Substitute fürs Daumenlutschen, das letztlich unerfüllte Sehnsüchte kompensiert und das er nacheinander durch Ritalin, Kiffen und Sex zu ersetzen sucht, wird dabei dem langsamen Kampf seiner Eltern um den Fortbestand der Familie entgegengestellt.

Mag auch Keanu Reeves Rolle eine gewisse absurde Facette besitzen, insgesamt erzählt Videoclip Regisseur Mike Mills den Film erstaunlich konventionell. Jungstar Pucci, der auch hierzulande durch das Green Day-Video „Jesus of Suburbia“ bekannt wurde, spielt Justins Wandel vom introvertierten Teenager, der schüchtern ersten sexuellen Erfahrungen entgegenfiebert, zum manisch auf Tabletten diskutierenden Superstrebers überraschend nuanciert.

Tilda Swinton liefert als seine Mutter in wenigen Szenen eine anschauliche Skizze einer Frau, die sich im Familienleben gefangen fühlt und immer intensiver über einen Ausbruch nachdenkt. Vincent D’Onofrios Vaterfigur macht die Hilflosigkeit eines Mannes spürbar, der immer das Gefühl hatte für seine Frau nicht gut genug zu sein, der miterleben muß, wie sie sich immer weiter von ihm entfernt, während der Sohn schulische Erfolge feiert und droht selbständig zu werden.

Natürlich hat man das alles schon einmal gesehen. Auch in diesem Film wird weitgehend bekanntes Terrain beackert, wirklich neue Erkenntnisse und Einsichten hat Thumbsucker nicht zu vermitteln und bleibt bisweilen etwas zu sehr an der Oberfläche hängen.

Als besserer Vertreter des Genres ist er dank seiner guten Schauspieler, die das durchwachsene Drehbuch über einige Schwächen hinweg retten dennoch empfehlenswert.

Mehr Infos zum Film

US-Website

Lies die Romanvorlage von Thumbsucker!

  • F5 - Die Fünf Filmfreunde 5. 10. 2006 an 3:37

    […] Chumscrubber sollte man übrigens nicht verwechseln mit dem ebenfalls heute anlaufenden Film “Thumbsucker” in dem Lou Taylor-Pucci, der in “Chumscrubber” eine Nebenrolle spielt, in der Hauptrolle eines verstörten Jugendlichen in einer desolaten Vorstadtidylle zu sehen ist. Confused? Hier eine Seite die Aufklärung bringt. […]

  • F5 - Die Fünf Filmfreunde 6. 3. 2007 an 13:10

    […] Zusammen mit dem Autoren des gleichnamigen Sachbuch-Bestsellers, spinnt Linklatter einen komplexen insich verschachtelten Geschichtenkosmos und geht das Thema von verschiedenen Seiten aus an. Mit einer imposanten Cast, in der sich Stars wie Bruce Willis, neben soliden “Zweite Reihe”-Darstellern wie Greg Kinnear, Jungstars wie Lou-Taylor Pucci (”Thumbsucker“, The Chumscrubber“) und Paul Dano (”L.I.E.”, Little Miss Sunshine)”, Indi-Größen wie Ethan Hawke und Popstars wie Avril Lavigne abwechseln, zeigt er Ausschnitte aus dem Leben jener, deren Leben von Fleischindustrie bestimmt wird. […]

  • BatzLog - Noch etwas Salz? » Letztes Lichtspiel: Fast Food Nation 6. 3. 2007 an 16:02

    […] Zusammen mit dem Autoren des gleichnamigen Sachbuch-Bestsellers, spinnt Linklatter einen komplexen insich verschachtelten Geschichtenkosmos und geht das Thema von verschiedenen Seiten aus an. Mit einer imposanten Cast, in der sich Stars wie Bruce Willis, neben soliden “Zweite Reihe”-Darstellern wie Greg Kinnear, Jungstars wie Lou-Taylor Pucci (”Thumbsucker“, The Chumscrubber“) und Paul Dano (”L.I.E.”, Little Miss Sunshine)”, Indi-Größen wie Ethan Hawke und Popstars wie Avril Lavigne abwechseln, zeigt er Ausschnitte aus dem Leben jener, deren Leben von Fleischindustrie bestimmt wird. […]