Review

The Devil Wears Prada

8. 10. 2006, Batzman (Oliver Lysiak), 1 Kommentar

„…please bore someone else with your… questions. “

Originaltitel: Devil Wears Prada, The
Herstellungsland: USA 2006
Regie: David Frankel
Darsteller: Anne Hathaway, Meryl Streep, Adrian Grenier, Tracie Thoms, Stanley Tucci

Devil wears prada

Andrea Sachs (Anne Hathaway), genannt Andie kommt frisch von der Journalistenschule. Ihr Traum ist es für das Intelligenzblatt The New Yorker zu schreiben, aber mangels Möglichkeiten bewirbt sie sich beim Edelmode-Magazin Runway.

Dessen Chefin Miranda Priestly (Meryl Streep) ist die Gottkaiserin der Modewelt, ohne deren Wohlwollen sich jeder Designer begraben lassen kann. Leider ist sie auch eine despotische Diva, die ihre Angestellten wie Sklaven behandelt und menschliche Umgangsformen für Zeichen von Schwäche hält.

Ausgerechnet die modisch eher uninteressierte Andy wird zweite Assistentin von Miranda und startet damit in die Welt der glitzernden Oberfläche, der Dekandenz und der Arroganz. Binnen kurzer Zeit ist sie sowas wie Mirandas Leibeigene, ohne Recht auf Privatleben, beständig in furchtsamer Erwartung eines Anrufs ihrer Chefin. Doch zugleich gerät sie in den Bann der schillernden Glamourwelt, was die Beziehung zu ihrem Freund und ihrem Freundeskreis empfindlich strapaziert.

Je erfolgreicher sich Andy in Mirandas Welt einfügt, desto mehr verliert sie von ihren ursprünglichen Idealen. Die Entscheidung, woran sie glaubt und wofür sie steht, wird zur Entscheidung über ihr weiteres Leben.

David Frankel legt mit der Bestsellerverfilumg „The devil wears prada“ eine blitzsaubere und ebenso berechenbare, wie unterhaltsame Edelkomödie mit kleinen satirischen Untertönen hin. Natürlich ist der Film vom Timing und von der Kameraführung her routiniert und schick umgesetzt. Dem Zielpublikum, daß wohl auch eher bei H&M denn bei D&G einkauft, wird ein humorvoller Stauneblick in die Sphären der Haute Couture gewährt, komplett mit allen Klischees die einem dazu einfallen. Hysterische Oberflächlichkeiten, tuckige Designer, Hektik und Stress.

Die Besetzung ist durchweg ansprechend, Anne Hathaway gibt die kulleräugige in die Welt schauende und etwas naive Andie, der man nicht wirklich zutraut für ein Intellektuellenblatt zu schreiben und die in selbst für Mode-Uninteressierte grauenhaft hässlichen Klamotten rumrennt, mit sympathischer Leichtigkeit ohne uns mit allzuviel Charakterzeichnung zu belästigen.

Stanley Tucci schafft es seine Rolle als Modeschwuppe mit mehr Nuancen zu versehen, als ihm das Drehbuch zubilligt und wird so vom Klischee zur lebendigen Figur. Adrien Grenier, als ihr Spät-Alternativer Boyfriend hat wenig Szenen und macht das was man von seiner Rolle erwartet, er sieht purzlig aus und ist auf eine hilflose Art ganz sympathisch.

Doch egal wie man es dreht und wendet, der Star des Films ist zweifelsohne Meryl Streep, als eiskalte Miranda Priestley. Sie mag der Teufel sein, aber alle Figuren des Films umkreisen im Endeffekt sie, ohne Miranda gäbe es keinen Film.

Streep genießt die Divenrolle, die nicht von ungefähr an Glen Closes „Cruella deVille“ erinnert. Boshaftigkeit hat selten soviel spaß gemacht. Solange man als Zuschauer die Grausamkeiten beobachtet die Miranda nach allen Seiten verteilt, haben diese einen hohen Unterhaltungswert.

Jeder Blick über die unförmig große Brille, jeder verächtliche Gesichtsausdruck, jedes gehauchte „thats all“ lassen einen gebannt auf diese fabulöse Leinwandsoziopathin blicken, die es schafft gleichzeitg Hass und Bewunderung zu erzeugen.

Und einen genau wie Andie Schritt für Schritt in die Welt der Mode zu ziehen, einem Glauben zu machen, daß all dies tatsächlich wichtig ist, daß dort nicht in kleinem Kreis Egowichsen betrieben wird, sondern Entscheidungen von weltweiter Tragweite fallen.

Wenn Miranda der staunenden Andie erläutert wo jener Blauton ihres scheußliches Sackkleides zuerst aufkam, welchen Weg er durch die Designerwelt genommen hat, bis er schließlich in die Kick-Märkte dieser Welt hinuntergesickerte, ist man für eine Weile fast versucht sowas wie Respekt vor Miranda und dem was sie verkörpert zu haben.

Die wirkliche Leistung des Films, wie des Buches ist nicht, daß er am Ende mit einer altbackenen Moral aufwartet, die man so ausgelutscht wie unoriginell ist: Steh zu dir selbst, steh zu deinen Freunden, verkauf dich nicht an die Welt des schönen Scheins – das alles kenenn wir zur Genüge aus jeder Disney-Komödie und auch „Prada“ hat dem wenig neues hinzuzufügen, den er begeht wie die meisten Filme dieser Art den Fehler das vermeintlich „Wahre“ als wesentlich langweiliger zu schildern, als die „Dunkle Seite“.

Faszinierend macht den Film, daß er es schafft auch Modemuffel und Glamouraverse Zeitgenossen für kurze Zeit für Mirandas Welt zu interessieren. Ähnlich wie Andies alternative Freunde, die nichts als Spott für ihren Aufstieg übrig haben, aber dennoch vor Begeisterung ausrasten wenn sie von ihr mit teuren Marken-Produkten beschenkt werden, fällt es auch dem Zuschauer schwer sich nicht klemmheimlich doch für Miranda zu erwärmen.

Bei aller Arroganz und sadistischer Kühle, zumindest ist Meryl Streep nicht langweilig, ein Attribut, welches man Andie leider nicht so ohne weiteres verleihen würde.

Natürlich weiß man wie alles endet, natürlich findet Andie nach dem Flirt mit dem Teufel zurück auf den rechten Pfad und entscheidet sich für Freunde und Familie und wird sich dem ernsthaften Journalismus zuwenden, aber wenn man ehrlich ist, würde man über ihr weiteres Leben eher keinen Film sehen wollen, ganz im Gegensatz zu Mirandas.

Grundproblem des Guten: Es ist langweilig. Zumindest im Film.

Aber was solls, wenigstens im Kino darf man ja ab und an mal der Faszination des Bösen erliegen, besonders wenn einem immer brav erklärt wird, das die Bösen auch nicht glücklich sind und im Privatleben einen Preis für ihren Erfolg zahlen müssen. Auch wenns ein Märchen für die Masse ist, sieht man das doch immer wieder gerne.

Trailer zu „The devil wears Prada“:

YouTube-DirektVogue

  • Der_Held 10. 10. 2006 an 10:28

    Den möchte ich im Original-Ton sehen. Synchronisiert wird da bestimmt ’ne Klamotte draus.

  • F5 - Die Fünf Filmfreunde 15. 3. 2007 an 12:33

    […] So ehrenwert daß Anliegen ist, die Herrschaft des legendären, als Monster und Menschenfressers verschrienen Idi Amin aufzuarbeiten und einem breiteren Publikum vorzustellen, vorhersehbar und klischeehaft ist diese Umsetzung gelungen. Sicher Forrest Whitacker spielt sich als freundlicher Kuschelpsychopath einen Wolf und gibt das überzeugende Portrait eines Mannes der seine Unsicherheiten durch eine unterschwellige Aggression kompensiert, der vor allem Anerkennung sucht, weil er fürchtet selbst nicht genug zu wissen, aber trotz dieser respektablen Leistung bleibt inhaltlich wenig mehr als eine typische “Entdecke dein Gewissen”-Story, wie man sie dutzendfach gesehen hat. Ob nun Idi Amin oder Meryll Streep in “The devil wears prada“, immer gerät ein Aussenstehender in den inneren Kreis der Macht und muß am Ende eine Gewissensentscheidung treffen oder die Konsequenzen tragen. […]