DVD

Freddy got fingered

10. 10. 2006, Nilz N Burger, 22 Kommentare

„Daddy would you like some sausage?“

Herstellungsland: USA 2001
Regie: Tom Green
Darsteller: Tom Green, Rip Torn, Marisa Coughlan

poster_lg01.jpgEndlich geht er aus dem Haus. Die Eltern freuen sich sehr das Gordon endlich wegzieht. So sehr, das sie ihm sogar ein Auto schenken. Ihr zweiter Sohn Freddy hat keins bekommen. Dafür aber Gordon. Und sein Vater hofft, das er ihn stolz macht. Denn Gordon geht nach Hollywood. Er will Animator werden, hat auch schon die Idee für eine perfekte Zeichentrickserie im Kopf. Also fährt er los um sein Glück zu versuchen. Doch, oje, die Zeichentrickstudios haben nicht gerade auf ihn gewartet. Da hilft nur eine List. Gewitzt arrangiert er ein treffen mit dem Studioboss, doch der hat kein wirkliches Interesse. Nach einem absolut erfolglosen Job in einer Käsesandwichfabrik kehrt Gordon heim. Sein Vater ist natürlich alles andere als begeistert. Sein Sohn, der Loser.
Dabei könnte alles so perfekt sein für Gord: Er trifft ein tolles Mädchen, er hilft bei einer Geburt, er ist sein eigener Herr. Wenn nur der Vater nicht immer dazwischen funken würde. Eines Tages eskaliert die Situation und Gordon „schwärzt“ seinen Vater bei der Familientherapie an, er solle Freddy gefingert haben. Ab hier beginnt der Krieg zwischen Vater und Sohn und eskaliert in einem grösseren Ausmass als man sich das denken könnte…

Tom Green dürfte einigen als Komiker bei MTV bekannt sein. Er startete seine Karriere beim Fernsehen in Kanada. Eine schräge Personalityshow wie Green sie abzog blieb natürlich nicht lange unentdeckt und mit einem Schlenker zu einem kanadischen Comedysender, landete er schliesslich bei MTV. Seine Sendung kann man als Nonsens im reinsten Wortsinn bezeichnen. Non sense – kein Sinn. Man kann sie aber auch als avantgardistisches Kleinod begreifen, ein Entertainer der nichts anderes kann als seine Welt zu unterhalten, der aber auch nur in seiner Sprache kommunizieren kann, die ausser ihm wohl niemand versteht. Und er macht immer weiter. Er wirft sich vor Leuten auf den Boden, er versucht mit seiner Grimasse in Menschen „hinein“ zu klettern. Er macht Sex-Aerobic mit Rentnern. Hier ein paar Beispiele.

Nun mag man das als Show noch amüsant finden, aber wie funktioniert das ganze in einem fiktionalen Rahmen auf der Leinwand? Da hat das Studio weitsicht bewiesen (oder eben auch nicht, wenn man an die Besucherzahlen denkt) und Green alles selber machen lassen. Was hätte man diesem Freak auch überstülpen können? Green funktioniert nunmal nur als Green, nicht als Ace Ventura oder sonstwas. So schrieb er das Buch, führte Regie und spielte die Hauptrolle. Hört sich obige Zusammenfassung der Handlung noch recht zahm an, so ist der Film natürlich etwas anderes. Green häutet Tiere, sieht Pferden zu die „gemolken“ werden, setzt sich Käse auf den Kopf, hängt Schnüre mit Würstchen an die Decke, schlägt seiner blasefreudigen Freundin mit einem Rohrstock auf die Beine (sie sitzt im Rollstuhl) bis sie kommt, hat einen Nachbarsjungen dem so oft etwas zustösst, das er am Ende komplett in Gips ist, schleudert ein Neugeborenes an der Nabelschnur durchs Zimmer..die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Das sind natürlich kalkulierte „shocking“ Momente, die wahrscheinlich sogar in Amerika auch noch so funktionieren. Gross wird der Film und sein Protagonist aber dann, wenn er nicht nur gegen Regeln oder Moral verstösst, sondern gegen Logik. Tom steht in kompletter Tauchermontur unter der Dusche und hält die „Soap on a rope“ (ein Stück Seife mit einer Schnur dran) für einen Schatz den er gerade gefunden hat. Oder hier: Er zieht sich einen Anzug falschrum an (so wie Kriss Kross) und singt in tiefem monotonen Sprechgesang: „The backwards man, i´m the backwards man…“ und läuft rückwärts vor dem Spiegel auf und ab. Das ist alles nicht mehr normal, das ist nicht absurd, das ist ganz weit weg von alledem. Ein eigener Kosmos sozusagen.

Es fällt schwer diesen Film an gängige Comedymassstäbe zu halten. Man könnte ihn wohl am ehesten beschreiben indem man sagt: Es ist als wenn Luis Bunuel versucht hätte mit Dali zusammen einen Zucker Abrahams Zucker Film zu machen. Ein Kleinod grössten Formats. Diesen Film kann man anders nicht machen und so etwas wird man nie wieder sehen. Deswegen meine F5-Rekordwertung.

Dieser Film hat es nicht mal auf DVD bis zu uns geschafft. Man besorge sich also die UK oder gleich die US-Version beim Importhändler des Vertrauens. Schon für das geniale Inlay lohnt sich der Kauf…

  • Affenheimtheaterbesitzer 10. 10. 2006 an 13:15

    Ich war schwach und hab den Quark nach einer knappen Stunde abgeschaltet, war mir echt ZU dämlich der Film.

  • Sebastian Sachse 10. 10. 2006 an 13:57

    Ich liebe diesen Jungen!

  • Dog Hollywood 10. 10. 2006 an 14:10

    Ich hasse diesen Jungen!

  • largeman 10. 10. 2006 an 14:11

    Den MUSS ich haben. Hab mich ja grad schon bei “The backwards man, i´m the backwards man…” weggeschmissen vor lachen.

  • Mal Sehen 10. 10. 2006 an 16:02

    Ich möchte einen Freund wie Tom Green haben… Oder Bruder! Ja, Tom Green als Bruder wäre auch toll!

    Doggy, nichts für ungut!

  • Manniac 11. 10. 2006 an 12:14

    Wieso verzichtet ihr in Zukunft nicht einfach auf die Sternchenwertung, wenn ihr eh nur nicht nachvollziehbare 5 von 5 Punkten für einen durchschnittlichen Film vergebt?
    Wem nützt so eine Wertung überhaupt noch?
    Da kann ich auch anfangen, Waschmittelwerbung zu schauen.

  • Nilz N Burger 11. 10. 2006 an 12:18

    mit verlaub: dann guck waschmittelwerbung. ich persönlich empfinde den film als grossartig und habe hier auch dargelegt warum und habe ihm deshalb auch die 5 sterne gegeben. ich habe kein problem mit jeder anderen meinung, aber ein problem damit wenn man mir meine nicht zugestehen will. und hey:

    wir sind immernoch ein blog.

  • Manniac 11. 10. 2006 an 14:32

    5 von 5 Punkten wäre so zu interpretieren, dass dies der beste film ist, den Du je gesehen hast.
    Das kann ich aus Deiner Besprechung allerdings nicht herauslesen.
    Da ist Waschmittelwerbung glaubwürdiger. Wenn dort gesagt wird: „Wäscht weisser als je zuvor“, dann weiss sich zumindest, wie es gemeint ist. ;-)

  • Mal Sehen 11. 10. 2006 an 15:45

    Nilzenburger mit dem weltallerbestesten Schuhgeschmack, tue mir und den lieben Lesern doch bitte einen Gefallen:

    Schreib, dass dieser Film weißer wäscht als alles Andere.

    Sei so lieb, ja? Danke.

  • Manniac 11. 10. 2006 an 16:05

    5 Waschmaschinen hat er mit Sicherheit verdient, der Film…

  • largeman 11. 10. 2006 an 16:14

    Hab mal ein wenig in den Film reingeschaut…das mit dem überfahrenen Hirsch und das mit der Nabelschnur und noch ein paar andere Sachen sind ja schon echt eklig.

  • Sebastian Sachse 11. 10. 2006 an 17:53

    Hier gibts es Sternchenwertungen? Tatsächlich… ich guck nicht auf sowas ;-)

  • Renington Steele 11. 10. 2006 an 22:14

    *lach* Danke Sebastian!

    Desweiteren geht es bei der Wertung nicht darum, ob das nun der beste Film aller Zeiten sei. Es geht viel eher darum, dass man diesen Film mit dem Plot nicht besser hätte machen können. Ich hab da auch eins, zwei Kandidaten wie ihr demnächst feststellen werdet, obwohl die vielleicht auf mehr Konsens stoßen werden wie „Freddy got fingered“…

    Und überhaupt: das ist ein Blog, wir dürfen hier machen, was wir wollen. ;-)

  • Manniac 12. 10. 2006 an 0:43

    Natürlich ist das ein Blog und ihr dürft machen, was ihr wollt. Wenn das bedeutet, dass Kritik nicht erwünscht ist, dann schreibt das doch einfach in die FAQs. ;-)
    Ich finde es nur schade, wenn sich jemand bei der Bewertung keine Mühe gibt. Vollausschlag- und Null-Wertungen erscheinen mir einfach nicht sonderlich differenziert.

  • Nilz N Burger 12. 10. 2006 an 5:53

    ja. das stimmt. das ist einer der besten filme die ich je gesehen habe. wirklich. ohne irgendeinen anflug von ironie. ich finde diesen film eine wucht. eine sehr grosse wucht. eine 5 sterne wucht. ich habe bestimmt 10 filem die 5 sterne verdient haben. das ist einer davon.

    (nur zur erkenntnis: boogie nights kriegt von mir 6 von 5 sternen, weil ich nie nie nie etwas besseres sah, der steht über allem)

  • Nilz N Burger 12. 10. 2006 an 5:58

    ach so manniac: natürlich ist kritik erwünscht. sehr sogar. aber wenn du eine wertung nicht teilen kannst, dann musst du nicht deswegen das ganze system in frage stellen. wir haben ellenlange diskussionen über sowas im emailverkehr der f5. aber letzten endes macht doch jeder von und 5 nur das was er vertreten kann. und wo hinter er steht. so wie ich hinter den 5 sternen von freddy. dafür muss man sich aber die mühe machen den film anders zu gucken als man eigentlich möchte…das verlange ich von niemandem, aber es bereichert einen enorm.

  • Alpha-Hasi 12. 10. 2006 an 14:36

    Dann lasst doch die Punkterei weg!

    Sicherlich hat jeder andere Blickwinkel, Ansprüche und Maßstäbe, aber wenn diese „Punkte“ ernstgenommen werden wollen, dann solltet ihr euch Kriterien festlegen, die zur Wertung führung. Dazu gehört auch die Technik, Glaubwürdigkeit und Umsetzung der Story, Schauspielerei etc. Es gibt durchaus Filme, die ich gar nicht mag, die trotzdem von mir vier Punkte bekommen würden und andere, die mir wichtig sind, mit geringerer Wertung.

    Ich will sagen, dass diese Punkte ein Mittel sein könnten, um Leute für Filme zu interessieren oder sie davor zu „warnen“. Wenn die Punkte nur aussagen, der fand den „total geil“, dann braucht’s die nicht, dann reicht der Text. Vielleicht noch so ein „Top oder Flop“-Zeichen. Die Sternchen find ich dann eher so wie die Blümchen, die die kleinen Mädchen über ihre Is malen.

  • cpier 12. 10. 2006 an 20:01

    Blümchen über Is sind ja wohl genau so gut wie dieser Film. Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Und danach Subway Monkey Hour schauen!

  • Renington Steele 13. 10. 2006 an 23:12

    Hmmm… wir überlegen grade tatsächlich, die Sterne wegzulassen aus genau den genannten Gründen.

    Normalerweise beurteilen wir Filme schon differenziert, jüngst gab es eben zwei Beispiele, wo die Nadel extrem ausgeschlagen ist. Scho recht. Ob man deshalb jetzt die ganzen Bewertungen über Bord werfen sollen… mal überlegen…

    Danke für die Kritik am System!

  • Marcus kleine Filmseite 15. 10. 2006 an 11:44

    schön auch zu lesen, dass es auch auf anderen seiten punkte-wertungs-diskussionen gibt *g*

    @ nilz

    in der tat: lustisch. green ist ja ohnehin ein durchgeknallter irre. mal sehen, ob ich an die DVD komme.

  • Patrick 19. 10. 2006 an 13:12

    Ich hab grad angefangen den Film zu schauen. Wow, akute Starbesetzung!
    „Stiffler“ aus American Pie als Freddy, Julie Hagherty aus „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug/Raumschiff“ als Mutter, Drew Barrymore als Sekretärin…

    Und für mich zum ersten Mal ein Pferdepenis auf der Leinwand.

    Guter Anfang, bin gespannt. „I only see one LeBaron here… do you see two LeBarons?“ :-)))

  • F5 - Die Fünf Filmfreunde 30. 12. 2006 an 0:44

    […] […]

  • Dr.Sno* 22. 1. 2007 an 23:42

    …so etwas wird man nie wieder sehen.

    Na Gott sei Dank!
    (obwohl ich das mit den Steaks an den Ohren schon recht witzig fand)

  • yiff flash 24. 4. 2007 an 13:46

    yiff flash…

    Reviews on yiff flash….