DVD Review

Das Leben des David Gale

21. 11. 2006, Dog Hollywood, 7 Kommentare

„Als wollten sie, dass ich den Tod finde, wohlwissend, dass der Schlüssel zu meiner Freiheit irgendwo da draußen ist!“

Originaltitel: The Life of David Gale
Herstellungsland: USA 2003
Regie: Alan Parker
Darsteller: Kevin Spacey, Kate Winslet, Laura Linney, Gabriel Mann

Gale

Professor David Gale (Kevin Spacey) hat alles was man sich wünschen kann: Eine glückliche Familie, ein schönes Haus und eine gut bezahlte Professorenstelle an einer renomierten Uni. Der beliebte Lehrer engagiert sich nach dem Unterricht für die Organisation „Deathwatch“, die gegründet wurde, um auf rechtliche Missstände bzw. Verfahrensmängel aufmerksam zu machen, die durch das Verhängen der Todesstrafe immer wieder ins Gespräch geraten. So werden laut „Deathwatch“ immer wieder Menschen zum Tode verurteilt, deren Schuld nicht huntertprozentig nachgewiesen wurde und darüber hinaus müssen viele Todesstrafenkandidaten über Jahre auf ihre Hinrichtung warten. Die Organisation um David Gale und Constance Hallaway (Laura Linney) versucht die Todesstrafe mit allen Mitteln bundesweit abzuschaffen!

Doch eines Tages begeht David einen Fehler, der sein weiteres Leben maßgeblich beeinflusst. Gale verliert alles was ihm lieb und teuer ist und findet sich nach Jahren selbst angeklagt und verurteilt im Todestrakt eines Texanischen Gefängnisses wieder. Kurz vor seiner Hinrichtung erzählt er der Journalistin Bitsy Bloom (Kate Winslet) seine Geschichte, wodurch die Frage nach Schuld oder Unschuld erneut aufgeworfen wird…

„Das Leben des David Gale“ wurde vor kurzem in einer Free-TV-Premiere auf RTL2 ausgestrahlt, deswegen ist der Film für mich gerade wieder aktuell, vor allem weil ich die Thematik und Umsetzung des Streifens für mehr als in interessant und dikussionswürdig erachte.
Was anfangs wie ein spannender Anti-Todesstrafen-Thriller wirkt, wird durch die Ereignisse während des Films mehrfach beleuchtet, so dass man sich, zumindest ich, über beide Seiten Gedanken macht: Da haben wir die Todesstrafenbefürworter und die Todesstrafengegner, schwarz und weiß, gut und böse, so wie es der Regisseur gerne hätte. Doch gerade die Darstellung der Guten und ihr Vorgehen, bringen einen sehr zum nachdenken. An dieser Stelle möchte ich zum weiteren Storyverlauf nicht zu viel verraten, falls es einige unter euch gibt, die den Film noch nicht gesehen haben.

Mir gefiel der Thriller mit Oscarpreisträger Kevin Spacey und Titanic-Vernichterin Kate Winslet in den Hauptrollen! Spacey spielt wie (fast) immer überzeugend, vom aufstrebenden Professor bis hin zum Todeskandidaten, der nichts mehr zu verlieren hat. Die Spannung baut sich langsam auf und hält bis zum Ende des Films, alles sehr solide, wenn auch mit ein paar inhaltlichen Schwächen. Der dramatische Soundtrack unterstreicht die Atmosphäre des Films und übrig bleibt der Grundgedanke, dass die Todesstrafe schlecht und die Todesstrafenbefürworter noch schlechter sind, aber das ist nicht alles, wie ich eingangs erwähnte.

Die DVD ist bereits für wenige Euro erhältlich und bietet neben wenigen Extras, wie das sehenswerte Making of, Trailer und Soundtrack-Hörproben keine weiteren Highlights. Bild und Ton fallen ebenso wenig auf, was womöglich auch an meiner nicht so hochwertigen DVD-Test-Anlage liegen kann. Schaut einfach selbst rein und bildet euch euer Urteil.

Im Hauptquartier der Fünf Filmfreunde war „Das Leben des David Gale“ natürlich auch im Gespräch. Batzman und ich debattierten über Pro und Contra des Films – seine Botschaft, Motive und Hintergründe, was wir zu später Stunde leider abbrechen mussten, weil ich müde war. In den Kommentaren könnt ihr uns wie immer eure Haltung zum Film, vielleicht auch zum Haupttehma mitteilen.

Batzmans Bewertung des Films:

23:49 Batzman:

Das Leben des David Gale lief heute bei rtl2. Was für ein Scheißdreck mit Starbesetzung. Gruselig…


23:56 Dog Hollywood:

Ich find den Film großartig, wenn auch sehr dramatisch! Du magst nie die Filme die ich mag…

00:08: Batzman:

Hm, ich mag keine Filme die den Advokaten der Todesstrafe gute Argumentationshilfe liefern. Wenn diese völlig abstruse Story irgendeinen realen Hintegrrund gehabt hätte, wäre es zu diskutieren gewesen, aber in einem Staat wie Texas in dem jedes Jahr Leute hingerichtet werden und darunter sicher auch Unschuldige, einen so hanebüchenen Fall zu konstruieren und das auch noch als Anti-Todesstrafenfilm zu verkaufen find ich sehr ärgerlich…

Das Ding ist das beste Argument für die Todesstrafe…

00:12 Dog Hollywood:

Was spricht im Fall David Gale für die Todesstrafe? Dass ein Unschuldiger (oder vielleicht doch Schuldiger) hingerichtet wurde, auch wenn im vorhinein alles abgekartet war? Mit dem Ende hätte ich nicht gerechnet. Ich glaube dich ärgert mehr die Todesstrafe bzw. der Staat Texas als der Film, oder?

00:24 Batzman:

Wie der Film ankommt ist doch klar: „Wir sollten nicht das System in Frage stellen, wegen der Wahnsinnstat eines Psychopathen“

Der Film diskreditiert die Todesstrafengegner als fanatische Spinner, denen jedes Mittel Recht ist. Zudem greift der Film so tief in jede Klischeekiste die in der Gegend rumsteht, das es wirklich wehtut. Das Videoband als MacGuffin, der doppelte Haha-Twist am Ende, diese völlig unglaubwürdige Rennen-gegen-die-Zeit-Szene wo es nur um Sekunden geht… Das hat man schon dutzendfach glaubwürdiger und besser gesehen.

Die Guten sind manipulative Psychos, die bösen werden als brettblöde Karikaturen gezeichnet, alles ohne Zwischentöne…

Der Film benutzt das wichtige politische Thema Todesstrafe und macht einen miesen Thriller draus, das seine Botschaft dabei auf der Strecke bleibt und er eine gute Sache denunziert scheint ihn nicht wirklich zu stören. Da hat ja selbst Grisham bessere Bücher geschrieben…

00:37 Dog Hollywood:

Für mich vermittelt der Film die Botschaft: „Wir sollten alles in Frage stellen.“ D.h. beide Seiten – Todesstrafenbefürworter und -gegner. Deswegen kann man das Thema auch totdiskutieren, wenn man möchte. Klischees hin oder her, letztendlich finde ich den Hintergrund und die Umsetzung durchaus interessant! (Hast du das Making of gesehen?)

Was spricht gegen ein doppeltes Haha-Twist oder ein Rennen gegen die Zeit? Der Film hält durchgängig an seiner These fest „der Schlüssel zur Freiheit steckt in dir selbst“ – insgesamt nicht nagelneu oder innovativ, aber überzeugend und ergreifend, für mich zumindest… Das weiter aufzuschlüsseln ist mir zu dieser Stunde zu anstrengend. Das mag alles in allem pseudo-psychologisch oder sehr durchschaubar wirken, mich hat der Film dennoch bewegt.

00:44 Batzman:

Klar ist ja auch okay… Ich fand ihn zu Beginn auch ganz spannend. Aber je länger er lief, desto ärgerlicher fand ich das ganze. Erinnert mich an diese rechten Verschwörungstheortiker, die irgendein abstruses Szenario aufbauen um damit die Linke zu diskreditieren. Das ist als wenn
jemand ne Story erzählt in der Linke Umweltaktivisten in Wirklichkeit den Treibhauseffekt verstärken und die Pole zum Schmelzen bringen nur um zu beweisen das es ihn gibt…

Man kann Aktivisten und Linke sicherlich kritisieren, aber nicht anhand einer solchen an den Haaren herbeigezogenen Story. Wenn man sich mit Politik im Film beschäftigt und reale Themen aufgreift und alles in einer scheinbar realen Welt spielen lässt, sollte man schon aufpassen, das man glaubwürdig bleibt.
In der jetzigen Form ist der Film als ernsthafter Diskussionsbeitrag zum Thema Todesstrafe in meinem Augen völlig untauglich, weil er dem Thriller-Element zuliebe etwas konstruiert das nur noch absurd ist…

00:47 Dog Hollywood:

Der Film ist nicht so mies wie du denkst. Ich werde dich ein anderes Mal davon überzeugen und muss jetzt schlafen gehen. Gute Nacht!

00:51 Batzman:

:) Okay dann schlaf gut und träum wat feines. Gruß an die Springmäuse!

Bild dir eine eigene Meinung: Das Leben des David Gale

  • largeman 22. 11. 2006 an 0:15

    Ich finde den Film super. Mich hat nur überrascht, dass so ein (guter) Film auf RTLII läuft…

  • Batzman 22. 11. 2006 an 0:24

    Ach ich fand vom Niveau passte der schon sehr gut zu rtl2 ;)

  • unearth 22. 11. 2006 an 1:40

    Der Film muss als Drama scheitern, weil er als Thriller die Spannung aus der überraschenden Wendung zieht, die somit seinen Figuren den Boden unter den Füßen wegzieht. Als Thriller wiederum ist er vorhersehbar, unglaubwürdig und letztlich auch zu konstruiert. Deshalb bleibt er mit Motorschaden auf dem Weg zum Ziel liegen. Leider ist das noch nicht einmal ein billiger dramaturgischer Taschenspielertrick.
    Welche Position auch immer man zur Todesstrafe hat, man sollte sie nicht mit Erkenntnissen aus Filmen untermauern, die als moralische Konstrukte ohnehin nur Container einer vereinfachten Darstellung sind. Die Moral im Film ergibt sich aus der Verarbeitung der Materie als Fiktion. Wie soll das Rückschlüsse auf die Welt erlauben – es wird ja nicht mal die Welt abgebildet und in diesem Film schon gar nicht?
    Mal abgesehen davon ist Alan Parkers Regie völlig fade.

  • Khesrau 22. 11. 2006 an 10:38

    Ganz unabhaenging jetzt vom behandelten Thema und den Intentionen des Regisseurs (die auf der DVD relativ deutlich werden): Der Film ist es wert, angeschaut zu werden. Kevin Spacey („I ROCK!“) ist so grossartig wie Nicholas Cage Batz‘ Meinung nach Scheisse ist ;)

  • SirDregan 22. 11. 2006 an 10:47

    zum ersten Mal das ich mit Batzmanns hartem Urteil einer Meinung bin… ^_^

  • Prospero 23. 11. 2006 an 5:01

    Stimmt, wegen Kevin Spacey sollte man sich den Film anschauen – der ist großartig. Und ich mag McGuffins, Ha-Ha-Twists und die Tatsache, dass der Film zum Nachdenken anregt. Tun nicht viele in dieser Zeit der CGI-Gruschelfilme, seichten Komödien oder knallharten Schockern…
    Ad Astra

  • Meyeah 10. 5. 2008 an 17:23

    Ich finde den Film sowohl vom Inhalt als auch von der Besetzung her großartig.
    Und selbst, wenn ich als Todesstrafenbefürworterin von den Fünf Freunden als noch schlechter als die eigentliche Todesstrafe hingestellt werde, rüttelt der Grundgedanke doch zum Teil an meiner eigenen Haltung.

  • elitäres gewäsch » Rezension zu “www.fuenf-filmfreund.de” 28. 10. 2008 an 20:41

    […] treffen bei Wertungsvergabe verschiedene Meinungen aufeinander, wie z.B. der Diskussionsverlauf bei diesem Review zeigt. Gut gefällt mir, dass die News und Review eine persönliche Note haben, also das […]