Review

Happy Feet

30. 12. 2006, Nilz N Burger, 3 Kommentare

„Go forth and multiply“

Originaltitel: Happy Feet
Herstellungsland: Australien/USA 2006
Regie: George Miller
Darsteller: Robin Williams, Elijah Wood, Hugh Jackman, Nicole Kidman, Hugo Weaving

Happy Feet

Endlich mal wieder ins Kino. Zweiter Advent, die Leute vergnügten sich eher mit der Tatsache Sonntags shoppen zu gehen, also konnte ich mit meiner kleinen 5-jährigen Tochter ins Kino gehen. Happy Feet stand auf dem Plan. Ich dachte „singende, steppende Pinguine, warum nicht?“ und schon sassen wir in unseren Sesseln und es ging los.

Es fällt mir nun ein bischen schwer, hier die klassische Kinokritik abzuspulen. So, erst eine Zusammenfassung der Geschichte ohne zu viel zu spoilern, dann die Auffälligkeiten und dann noch das abschliessende Fazit. In dem Film hat man das Gefühl ganz schön hin und her geschleudert zu werden. Und das ist seine Stärke…

Die Pinguine bei denen unser Held „Mumble“ aufwächst haben eine Besonderheit. Jeder wird mit „seinem Lied“ geboren. Das steckt tief im Herzen und das muss man immer laut singen und wenn das Lied einem Pinguin des anderen Geschlechts gefällt und sich mit dessen Song ergänzt, dann haben sich die zwei potentiellen zukünftigen Eltern gefunden.

Das Ganze ist natürlich Megapoppig und man kriegt ein gewisses Moulin-Rouge-Gefühl, nicht zuletzt weil die Pinguinmutter von Mumble, Norma Jean, im Original von Nicole Kidman gesprochen und gesungen wird. Man sieht in einer Art Schnelldurchlauf wie Mumbles Eltern sich kennen lernen, sich ihre Lieder singen und zusammen ein Ei kriegen. Was dann folgt überrascht im Kinosessel, denn die Art und Weise wie die Pinguinväter sich um die Eier kümmern, während die Mütter Futter holen gehen, ist doch ziemlich…ja was eigentlich? Brachial? Ne. Esoterisch? Gott bewahre. Spirituell…in gewisser Weise schon.

Es stürmt, es friert und der grosse Pinguingeist schwebt über allen. Schon allein diese Szene muss man wirklich mal gesehen haben, vermutlich am Besten in einem grossen Kinosaal mit ordentlichem Soundsystem. Dem Vater passiert was keinem Pinguin passieren darf, er verliert das Ei. Zwar nur kurz, aber es reicht um aus Mumble ertwas besonderes zu machen, denn er hat kein Lied. So sehr er es auch in sich sucht, er findet es nicht. Stattdessen hat er immer den Drang vor Freude zu steppen! Die meisten anderen Pinguine finden das befremdlich, und als sich sogar sein eigener Vater abwendet, verlässt Mumble die Truppe und freundet sich mit einer anderen Pinguinrasse an, die allesamt Mambo tanzen. Schon ausgesteigen?

Ich versuche mal den Rest in Stichworten zu erklären:
– Mumble kehrt zurück.
– Sandkastenfreundin seine grosse Liebe.
– Ihr Song passt zu seinem steppen.
– Ältestenpinguinrat verbannt Mumble wegen steppen.
– Mumble schickt Freundin weg, damit sie glücklich wird.
– Mumble landet in einer Stadt (New York?)
– Mumble versauert im Zoo.
– Mumble findet steppen wieder.
– Mumble rettet seine Pinguine vor den Fischern, die das Futter wegfischen.
– Mumble stürzt die Welt in eine politische Grundsatzdiskussion.

Ich hoffe, ich habe nicht zuviel gespoilert. Aber was einem dieser Film an Informationen um die Ohren haut, ist doch mehr als erstaunlich. In letzter Zeit muss ja jedes Studio, das was auf sich hält, in Animation machen. Und die Ergebnisse sind nicht zwingend genial oder tiefsinnig und erst recht fast nie beides gleichzeitig. Ich sage nur Ice Age (1 und 2!) oder Madagaskar. Letzterer ist noch recht kurzweilig, aber die Geschichte und der Erzählfluss eine einzige Katastrophe. Nun ja. Zurück zu „Happy Feet“.

Das Ende des Films ist natürlich wahnsinnig überladen. Da wird eine riesen Botschaft rausposaunt, bei der man sich fragt ob sie in einem solchen Film überhaupt angebracht ist. Und gerade das ist das tolle, ist wohl genau das was mich so gefreut hat als ich den Kinosaal verliess: Ich glaube nämlich eine politische Message mit der ich nicht rechne, weil sie mir quasi durch die Hintertür gereicht wird, kommt viel eher bei mir an als wenn ich mir, beispielsweise, einen Film wie Syrianna oder Traffic angucke, wo ich eh damit rechne. Und ich finde es enorm mutig einen Film wie „Happy Feet“ klar und deutlich Position beziehen zu lassen und den Kindern mal zu sagen, wie scheisse die Welt doch gerne mal ist.

Ich wage zu bezweifeln, das die Botschaft in ihrer Gänze bei meiner kleinen Tochter angekommen ist, aber ich denke da noch heute drüber nach…Toll. Bitte mehr Menschen mit Eiern im Animationsfilm.

Batzman meint:

Optisch macht Happy Feet eindeutig Spaß und zählt sicher zu den liebevoll animiertesten Filmen dieses Jahres. Obwohl er in einer ähnlich öden Gegend spielt wie Ice Age, sieht die Welt der Pinguine um ein vielfaches detaillierter und spannender aus. Auch die Actionszenen machen ordentlich was her. Bei der Flucht vor Robben, Orca-Walen und Menschen geht es gut zur Sache, zum Teil wohl so gut, das kleinere Kinder sich furchtsam unterm Sitz verkriechen oder anfangen zu heulen. So muß das sein.

Auch mir hat diese Mischung aus Mouling-Rouge-Popmix und Chorus-Line-artigen Massenchoreographien sehr gut gefallen, was nicht zuletzt auch an den wirklich guten US-Stimmen liegt, die den Figuren viel Eigenleben und kauzigen Charakter verleihen. Etwas unausgegoren ist hingegen das Timing und die Storyführung. Viel, sehr viel zeit wird am Anfang auf ausgedehnte Tanznummern verschwendet, es dauert sehr lange bis die eigentliche Geschichte mal wirklich in Fahrt kommt.

Die rührige Aussenseitergeschichte mit herziger Message, inkl. Coming-Out-artiger Auseinandersetzung mit Vater Pinguin, der von seinem Sohn fordert „einfach so zu sein wie alle anderen“, woraufhin Mumbles ihn mit zitternder Stimme bittet ihn doch einfach so zu akzeptieren wie er sei, ist nicht wirklich neu und hätte auch schneller abgefrühstückt werden können, denn so wirkt die kleine Ökofabel, die dann recht gehudelt im letzten Akt noch reingestopft wird schon etwas aufgepfropft.

Mumbles Odyssee auf der Suche nach dem verschollenen Fisch hätte einen guten und starlem Haupterzählstrang mit Roadmovie-Struktur abgegeben. So erleben wir die eigentlich spannende Story nur in der Readers Digest-Fassung kurz vorm Happy Ende, während wir davor viel Zeit mit Stepszenen, Robin Williams als Hispanio-Penguin-Anführer und Guru sowie einigen Action Auflockerungen verbringen.

Da hätten ein zwei Rewrites dem ganzen vielleicht doch noch ein etwas rudneres Gefühl gegegeben, die Story mit weniger Längen versehen. Schön ist es dennoch, daß George Miller, wie schon in seinem „Babe – Pig in the City“ die tiefschwarzen und beängstigenden Momente des Lebens wieder einmal in die Heile Welt seiner Protagonisten einbrechen lässt und sie mit ganz realer Gefahr konfrontiert.

Witzig zu lesen sind die Vorwürfe die der US-Filmkritiker, Schöpfer des Golden Turkey Award und konservative Pappnase vor dem Herrn, Michael Medved über „Happy Feet“ zu sagen hat. Er wittert in dem Film eine Pro-Homosexuelle Agenda, Öko-Propaganda, Menschenhass, Düsternis, Depression, und Religionsfeindlichkeit.

Im ganzen kann man sich seinen Erguß hier durchlesen.

Ausserdem hat der Film die schönste jugendfreie Variante von „Fuck off!“ zu bieten, die ich bisher gehört habe. Als er seine Fans loswerden will schreit der Pinguin-Guru mit der Stimme von Robin Williams nur: „Go forth and multiply!!!“

Das alleine sollte ein Grund sein den Film zu sehen und zu mögen.

  • tonnenbrand 23. 1. 2007 an 12:16

    Happy Feet…

    Ich mach es kurz: ich mag keine Musicals. Aber ich mag Happy Feet. Auch wenn er voll von singenden Pinguinen ist, ich finde ihn bezaubernd.
    Und wer bei seinen animierten Hauptpersonen auf das Kindchen-Schema setzt, hat bei mir sowieso schon fast gewon…

  • pinkinside 27. 1. 2007 an 23:49

    der trailer ist absolut klasse. pinguine sind der trend ;)

  • Eric 10. 2. 2007 an 2:08

    Fande Happy feet zu langweilig und es hatte weinig orginal humor

  • Batzman 10. 2. 2007 an 17:05

    voor gebruik schudden!

  • F5 - Die Fünf Filmfreunde 26. 2. 2007 an 10:38

    […] Lobenswert insgesamt, das die Preise verteilt wurden um möglichst vielen Filmen eine Anerkennung zuteil werden zu lassen. Einen klassischen Streak- einen Film der alles abräumte gab es nicht, auch wenn The Departed mit vier Oscars, inkl beste Regie, Drehbuch, Schnitt und Film des Jahres, verdient gewann. Umso erstaunlicher, da brutale Filme normalerweise nicht grade Oscar-Favoriten sind. Schöne Anerkennung gab es für Little Miss Sunshine (Bestes Originalbuch und Alan Arkin als beste männliche Nebenrolle), die genialen Tricks in “Pirates of the Caribean 2“, die Animation in “Happy Feet” (auch wenn ich es “Monster House” ebenso gegönnt hätte – aber wenigstens wars nicht “Cars“) Als Verlierer des Abends muß wohl, neben den mit einem Nebenpreis abgespeisten “Babel“, der hochgehandelte aber reichlich belanglose “Dreamgirls” gelten, für den es lediglich die beste weibliche Nebenrolle und Soundmix gab – bei den zahlreichen Nominierungen schon eine Schlappe. Und welche von den drei Frauen hat eigentlich Eddie Murphy gespielt? Die Dicke da, die die beste Nebenrolle prämiert bekam? Mann, mann, der Kerl ist wirklich ein Chamäleon. […]

  • Anselm.Peischl // trinitas.in.unicum » Design Saving The World 19. 3. 2007 an 15:06

    […] In der Filmwelt alleine passiert ja schon einiges. Da kommt putziges Happy Feet mit Belehrungen, Gore mit der unbequemen Wahrheit und Herr Achbar mit The Corporation alles nicht wie früher kleine Indenpendent-Produktionen ohne Finanzielle Basis sondern Vermarktungen von Weltbelehrung. […]