Review

Hollywoodland – Die Hollywood Verschwörung

12. 2. 2007, Batzman (Oliver Lysiak), 1 Kommentar

„I look like a damned fool! „

Originaltitel: Hollywoodland
Herstellungsland: USA 2006
Regie: Allen Coulter
Darsteller: Adrien Brody, Ben Affleck, Diane Lane, Bob Hoskins

Hollywoodland

Amerika 1959, die Kinder des Landes trauern. George Reeves (Ben Affleck) der im Fernsehen seit Jahren den Superman spielte, ist tot aufgefunden worden. Dem Augenschein nach hat sich der an Depressionen leidende Schauspieler, der jahrelang vergeblich versuchte aus dem Schatten des Superhelden und TV-Stars herauszutreten, durch einen Kopfschuss das Leben genommen.

Doch Reeves Mutter ist davon überzeugt das ihr Sohn ermordet wurde und heuert den runtergekommenen Privatdetektiv Luis Simo (Adrian Brody) an,der herauskriegen soll was wirklich passiert ist. Simo, der sonst hauptsächlich Untreue-Fälle verfolgt und zusehen muß wie sein Familienleben den bach runter geht, wirft sich mit vollem Elan in die Ermittlungen und tatsächlich stolpert er über Ungereimtheiten, die darauf hindeuten, daß bei Reeves Tod nicht alles so simpel ist wie es auf den ersten Blick scheint…

In Europa nahezu unbekannt, zählt George Reeves in Amerika durch seine Hauptrolle in der Superman-TV-Serie zum festen Bestandteil der Popkultur und ist liebgewordene Kindheitserinnerung der Baby-Boomer-Generation. Dementsprechend war auch das Interesse an den wahren Umständen seines Todes dort größer als man es hierzulande erwarten darf.
Vielleicht mit ein Grund warum man dem Film hierzulande den eher reißerischen Titel „Die Hollywood Verschwörung“ gab, was eine Konspiration vom Ausmaß eines JFK-Mordes suggeriert.

Die Geschichte um den vom Leben gefrusteten, in einer unglücklichen Langzeitaffäre und unseeligen Kinderhelden-Rolle gefangenen Schauspieler, ist dann aber doch ein paar Nummern kleiner. Und wirklich etwas enthüllen kann man auch nichts, da es bis heute keine definitive Erklärung gibt, was wirklich passierte und der Film sich auch nicht dazu durchringen mag einem zumindest im Zuge der künstlerischen Freiheit eine Version als die wahrscheinlichste zu präsentieren.

In zwei Stunden, die mir viel länger vorkamen, ermittelt der fiktive Detektiv Brody und im Stile eines Cluedo-Spiel bekommen die Zuschauer verschiedene mögliche Auflösungen präsentiert. „War es der MGM-Chef Mannix (schön schmierig Bob Hoskins) mit dem Kerzenleuchter im Blauen Salon?“ oder doch dessen Frau Toni „im Affekt bei einer Rangelei mit dem Revolver“?
Das ganze ist sehr edel fotografiert und der Setausstatter ist sichtlich bemüht eine authentische 50ths Atmosphäre zu kreieren. Ben Affleck, jetzt auch nicht die größte Mimik-Kanone unter der Sonne, passt recht gut in die Rolle Reeves, der ja ebenfalls aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen für gutaussehend und charismatisch gehalten wurde. Wer ja eine Folge der alten Superman-Serie gesehen hat, wird sich vielleicht fragen wer der stämmige alte Mann war, der da im grau-grauen Kostüm herumhüpft, besonders wenn man doch eher Leute vom Schlag eines Christopher Reeve ind er Rolle gewohnt ist, aber damals galt ein 40jr eher untrainierter Superman anscheinend noch als glaubwürdig. Da passt Affleck wirklich ganz gut.

Viel eher problematisch an Hollywoodland ist Adrian Brody in der Hauptrolle, der sich wirklich einen Wolf spielt um einen toughen, zynischen, streetsmarten Bogey-Verschnitt zu spielen, dabei aber in jeder Sekunde aussieht wie… naja Adrian Brody eben. Ein kleiner etwas wieseliger, freundlich harmloser Zeitgenosse, der grad auf dem Klo war als im Himmel das Machismo verteilt wurde. Da hilft auch alles Stimmgeknarze und männlich Genuschele nicht: Brody ich nehm dir den Ermittler nicht ab. Die vielen Anklänge an Chinatown, der ebenfalls das Motiv des unnachgiebigen Ermittlers präsentierte, der weiter macht egal wie oft er aufs Mal bekommt, wirkt hier wenig überzeugend und letztlich nicht der Mühe wert.

Was als spannende Ausgangssituation anfängt verstrickt sich schnell in einem Wust von Vor- und Zurückblenden, zuvielen Personen und Aussagen, die allesamt im gemächlichen Tempo einer TV-Miniserie vorgestellt werden ohne das wirklich je ein Gefühl von Spannung, Bedrohung oder Verschwörung aufkommt. Dadurch das sich der Film nicht festlegt und keine wirkliche Position bezieht und bis zum Schluß eine diplomatische „Ja, aber…“-Haltung einnimmt, bleibt auch der Zuschauer seltsam distanziert und schaut sich den prächtig inszenierten Reigen an Verdächtigungen und Verhören an, ohne das man am Ende wirklich noch wissen woll, was tatsächlich passiert ist.

Nimmt man dazu noch die historischen Ungenauigkeiten die die Produktion begleiten, die dramaturgischen Vereinfachungen die in der Nacherzählung von Reeves Karriere gemacht wurden, dann löst sich auch das letzte bißchen Spannung auf.

Interessanter als der eigentlich Fall, dessen Zusammenfassung man sich auch hier in der Wikipedia durchlesen kann, ist wohl das produktionstechnische Hick-Hack hinter den Kulissen, weil Warner / DC-Comics als Rechteinhaber des Superman-Franchise gehörig rumzickten und jede Verwendung von Originalmaterial der Serie untersagten, ebensowenig durfte das Superman-Logo im Promo-Material von „Hollywoodland“ verwendet werden. Der ursprüngliche Filmtitel „For Truth, Justice and the american way“ unterlag ebenfalls dem Copyright und wurde nicht freigegeben, zumal Warner sich ja grade für ihren Relaunch des Strumpfhosenhelden in „Supermans Return“ rüstete. Ein Wunder, daß man schließlich überhaupt gestattete Affleck als Reeves im Original-Supermankostüm herumrennen zu lassen.

Wirklich schlecht ist „Hollywoodland“ natürlich nicht, dazu hat er zuviele technische Meriten, von der schönen Kameraführung über die zeitgemäßen Kostüme und die relxte chillige Jazzmusik, die viele Szenen begleitet, es mangelt ihm insgesamt aber einfach an Spannung und Tempo – Regiedebütant Allen Coulter hat zuvor hauptsächlich fürs Fernsehen inszeniert und das macht sich leider recht deutlich bemerkbar.

Up up.. and away…!

  • arif 16. 3. 2007 an 9:18

    Ehrlich gesagt ist der Film schooon schlecht … Kaum Spannung und viel zu lang , ob die Kameraaufführung dies matt macht ist höchstfraglich ..