Review

Hostel 2

17. 6. 2007, Batzman (Oliver Lysiak), 10 Kommentare

„I am strong. I am fucking Hercules! „

Originaltitel: Hostel: Part II
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Eli Roth
Darsteller: Lauren German, Bijou Phillips, Roger Bart, Richard Burgi

US-Kinofassung
Deutsche FSK 18 Fassung

hostel 2

Drei amerikanische Kunststudentinnen sind auf dem Weg in die Slovakei. Schon im Zug machen sie unerfreuliche Bekanntschaften von aggressiven jungen Männern. Gott sei Dank treffen sie dort auch die freundliche Axelle, die ihnen zuvor schon einmal als Nacktmodell über den Weg lief. Sie kennt sich aus und dirigiert die Mädchen in ein nettes Hostel.

Hätten die Mädels den ersten Teil gesehen, wüssten sie das sie sich besser ihr Interrail-Ticket schnappen und die Biege machen, aber so tumbeln sie unbedarft in das pittoreske Dorfleben, lernen die uns schon bekannten bösartigen Kinderbanden kennen und landen nach ein paar dramaturgischen Schlenkern auch in den Fängen der bösen „Mordklinik-„Betreiber, die noch immer unschuldige US-Kids wegfangen um sie dann dem meistbietenden zu Folter und Tötungszwecken zu überlassen. In einem kurzen Prolog haben wir zuvor schon erlebt, daß der Überlebende des ersten Films, mittlerweile von dieser einflussreichen Organisation ebenfalls umgebracht wurde.
Zeitgleich verfolgen wir zwei Geschäftsleute, die sich per Auktion zwei Opfer ersteigert haben und nun ebenfalls nach Slovenien kommen, um dort ein bißchen guten alten Nervenkitzel zu erleben. Während einer von beiden es kaum abwarten kann, ist sein Kollege doch etwas zweifelnd und fühlt sich sichtlich unwohl bei der Sache. Erst Recht als er seinem zukünftigen Opfer bei einem Strassenfest begegnet…

Kleinere Spoiler vorraus.

Eli Roth schickt seine Schlachteplatte in die zweite Runde und übernimmt im wesentlichen unverändert die Handlung des ersten Teils. Statt debiler Jungs, mit dem gemeinsamen IQ einer Grützwurst, hat er diesmal drei Mädels als Opfer auserkoren, was zumindest den Vorteil hat, daß einem diese etwas sympathischer sind, weil sie nicht ganz idiotisch und unausstehlich daherkommen. Auch wenn die grandiose Heather Matarazzo („Welcome to the dollhouse“) hier in einer sehr eindimensionalen Rolle als hässliche dumme Zicke verschlissen wird.

Von der Stimmung unterscheidet sich der zweite Teil dennoch deutlich vom ersten. Versuchte sich Roth in Hostel noch an einer pubertären, peinlichen Punk-Attitüde, die sich an ihrer eigenen „Frechheit“ berauschte und krampfhaft versuchte möglichst gewagt, böse und schockierend zu sein, so steuert die Fortsetzung so fest in Mainstream-Gewässern, das es einen zunächst mal überrascht. Statt ausgewalzter Sadismen, dominieren diesmal eher klassische Horrormorde, die so over-the-top sind, daß man sie kaum ernst nehmen mag und die den ganzen Film eher in die nähe typischer fantasivoller Slasher rücken, als in die der unsäglichen Folterfilme.

Breit ausgespielte Folterszenen gibt es in Hostel 2 kaum, eine Blutdusche die eher an ein surreales Gemälde erinnert wird trotz ihrer Grausamkeit eher comichaft zelebriert. Ebenso wie die plakative und offensichtlich auf Schock angelegte Entmannung eines Bösewichts, in der zwar viel mit Kunstblut und einem schlecht gefakten Gummidödel hantiert wird, die aber letztlich auch eher ins komische abdriftet, wenn das abgebaute Genital dann einem Hund als Appetithappen serviert wird. Das ist dann mehr Monty Python als Schocker.

Einziger echter Sadismen-Moment ist die Erschiessung eines kleinen Strassenjungen, durch die Mordklinikbetreiber, diese ist breit ausgewalzt und dramaturgisch nicht wirklich notwendig und scheint eigentlich nur aufgenommen worden zu sein, weil sie mit dem Tabu Mord an einem Kind bricht. Ob das sein muss oder nicht, mag jeder für sich entscheiden, die Kürzung grad dieser Szene nach der FSK-Entscheidung bleibt unverständlich.

Je weiter ich die positiven Aspekte von Hostel 2 aufzähle, je mehr wird mir bewusst, wie schlecht der erste Teil tatsächlich war: Denn man soll sich nichts vormachen: Von GUT ist auch die Fortsetzung Lichtjahre entfernt. Das liegt vor allem an der schleppenden Dramaturgie und dem lahmen Tempo mit dem der Film in die Gänge kommt.

Das Dorf des Hostels bekommt zwar ein paar mehr Facetten und wird weniger als Bretterbruchbudenkaff gezeigt als in Teil 1, aber dennoch hat man schon bald die Schnauze voll vom Lokalkolorit und den inhaltsleeren und nicht grad spritzigen Dialogen. Die ersten zwei Akte von Hostel II ziehen sich und ziehen sich. Sie nerven nicht, weil die Hauptfiguren ganz sympathisch sind, aber sie langweilen. Es passiert einfach viel zu lange Zeit im wesentlichen nischte, oder zumindest nichts das unserer Aufmerksamkeit wert wäre.

Wenn es dann endlich mal losgeht, bleibt die Story leider vorraussehbar. Das sich die Rollen der beiden Geschäftsleute vertauschen und der schüchterne Zweifelnde am Ende zum brutalen Killer wird, während sein großmäuliger Kollege zusammenbricht, wird schon kurz nach ihrer Vorstellung durchtelegrafiert und ist so dick vorbereitet, daß es wirklich nur diejenigen überraschen dürfte, die in der Mitte des Films eingedöst sind. Was durchaus nicht so unwahrscheinlich ist.

Das Ende des Films, in der die Hauptdarstellerin zur Rächerin der Zerlegten wird und plötzlich zu Ellen Ripley mutiert und ein Schwizer Nummernkonto aus dem Hut zaubert verabschiedet sich dann völlig von jeder plausiblen Story ins Reich der Holzhammer-Dramaturgie.

Die angetackterte Schlusszene wird denn auch wenig motiviert oder nachvollziehbar, sondern ist purer Effekt, losgelöst von jeder (auch inneren) Logik.

Wer den ersten Teil mochte, muss sich hier in jedem Fall auf mehr Mainstream einstellen. Geblieben ist die große Langeweile und belanglosigkeit, die die Story über weite Strecken leerlaufen lässt.

Hostel II ist besser als sein Vorgänger, aber im Grunde immer noch hochgradig vergessenswert.

+++

Ein paar ganz interessante Gedanken zum Thema „unterschwellige Homophobie im Werk Eli Roths – und warum er wahrschein eine Klemmschwuchtel ist“ findet ihr hier.

  • Jeriko 17. 6. 2007 an 18:53

    Der Film kommt bei dir noch viel zu gut weg. Gelinde gesagt bekommt man eigentlich nur Schrott geliefert: 30 Minuten Langeweile am Anfang, 40 Minuten Langeweile mit blödem Geslashe in der Mitte und 10 Minuten Schwachsinn mit Credits. Keine Ahnung warum man freiwillig sowas schauen möchte, aber mit Onkel Quentin im Rücken kann man ja eine Menge verkaufen. Zu mehr scheint Eli Roth eh nicht fähig zu sein.

    Okay, ich bin voreingenommen. Mich würde aber noch interessieren, warum du die US-Fassung nochmal so viel schlechter fandest, nur wegen der Kinderszene?

  • Batzman 17. 6. 2007 an 19:57

    Ich fand die US-Fassung nicht schlechter, ich hab sie doch besser bewertet.

    Der Film so wie er eigentlich gedacht ist kriegt von mir 2.5 – im Vergleich zu den 2 Sternchen die ich Hostel gegeben habe. Eben weil er ein paar Nuancen besser ist. Dennoch ist 2.5 keine gute BEwertung. Die kastrierte deutsche Fassung halte ich für indiskutabel und die bekommt deswegen 1 Stern.

  • Mr_Noyes 17. 6. 2007 an 21:48

    Ich schließe mich der Meinung an – Hostel 2 ist wie Hostel 1: ärgerlich. Die Zusammenfassung von Jeriko (30 Minuten Langeweile am Anfang, 40 Minuten Langeweile mit blödem Geslashe in der Mitte und 10 Minuten Schwachsinn mit Credits) kann man ohne Probleme auf beide Filme beziehen. Selbst oder gerade Slasherfans dürften von keinem der Hostel Filme begeistert sein, nur ein paar Kiddies, die sich Aufgrund des Anschauens einiger Slasherszenen wie der Held vom Erdbeerfeld fühlen. Zugegeben, es gibt noch andere interessante Thesen zu der Popularität von Hostel bzw. dem Folter-Genre, aber das führt jetzt etwas zu weit.

    Gute Slasher sind definitiv was anderes (erinnert sich noch jemand an die sich steigernde Atmosphäre von creepy- und weirdness vom Chainsaw Massacre?). Ich frage mich nur gerade, ob diese Tendenz zu Torture-Porn zunimmt oder nur in Hostel den Ausdruck findet.

  • DraMaticK 18. 6. 2007 an 11:04

    Hostel ist im besten Falle langweilig, größtenteils einfach nur öde gewesen. Die Filme sind nur durch das ganze FSK und Tabubrechbohei drumherum so „populär“ geworden.

  • Achim 23. 6. 2007 an 22:40

    Kann mich nur anschließen! Schlecht! Hab die US Version gesehen auch schlecht. Einfach nur albern.Schade Tarantino schlechter Film hätte was besseres erwartet.

  • Mirrodin 7. 7. 2007 an 23:05

    ich drücks mal kurz und kompakt aus: ich gebe dem autor zu 100% recht….hostel 2 ist einfach nur ein snuff-ähnlicher film, wie der erste teil. wenn man schon auf einen „hauch mehr blut“ steht, dann sollte man sich from dusk till dawn oder sondergleichen anschauen. aber was roth da einem vorsetzt….

    ( PS.: alles kleingeschrieben aus gründen des komforts und wer rechtschreibfehler findet, darf sie behalten)

  • der Barde 23. 7. 2007 an 12:48

    Trotzdem:

    Die Szene, in der der altbekannte Hostel-Angestellte (welcher übrigens zur Filmcrew gehört) die Pässe einscannt, und kurz darauf überall auf der Welt die potentiellen Killer-Kunden anfangen, auf die Mädels zu bieten, ist es alleine schon wert, sich diesen Film zu anschauen. Ansonsten ist die Kritik absolut angebracht.

  • hubert 30. 1. 2008 an 13:11

    Ich weiß ja nicht, ob es gern gesehen wird so alte Artikel zu kommentieren (übrigens sehr sehr tolle Seite, wühl mich hier grad durch), aber ich habe jetzt schon in einigen Kritiken gelesen, der Film spielt in Slowenien. Im Film ist aber von Slowakei die Rede. Hat da die Synchro etwas verwechselt, oder woran liegt das?

  • salva 5. 2. 2008 an 16:25

    das mit der slowakei ist mir auch gerade aufgefallen. im film heißt es auch richtig, da hat der autor der kritik wohl etwas durcheinandergebracht.
    die slowakei und slowenien sind nicht ein und das selbe land. etwas das mich als slowaken immer besonders stört.
    naja, zum film: kann mich den ganzen meinungen eigentlich nur anschließen. habe zwar den ersten teil nicht gesehn, bin letztendlich aber doch froh darüber, wenn ich höre, dass er noch weit unterirdischer sein soll als der zweite. Klischeehafter und langweiliger geht es kaum! Er wird sogar noch enttäuschender, wenn man bedenkt, dass er als riesiger schocker und größter ekelhorror beworben wurde.
    da wird es einem direkt schade um die verschwendete zeit!

  • triefer 28. 2. 2009 an 19:19

    also ich fande den ersten sehr viel besser der zweite ist meiner meinung nach nicht so gut gelungen höchstens die schlussszene die doch schon fast zum lachen war.