Review

Hairspray

5. 9. 2007, Batzman (Oliver Lysiak), 6 Kommentare

„I wish everyday was negro day!“
„Where I live, it is.“

Originaltitel: Hairspray
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Adam Shankman
Darsteller: Nikky Blonsky, Michelle Pfeiffer, Christopher Walken, Zac Efron, Elijah Kelley, John Travolta, James Marsden, Queen Latifah, Brittany Sno
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Hairspray

Tracy Turnblad, ein properer Teenager im Baltimore der 60er hat nur einen Traum, sie will tanzen. Ziel ihrer Träume ist die tägliche „Corny Collins Show“ in der ihr heimlicher Schwarm Link den Vortänzer gibt. Die Show sucht grade wieder Teenies zur Verstärkung des Tanztruppe. Pech für Tracy, daß sie nicht grade idealmaße hat und damit schon in der Vorauswahl rausfliegt.
Die resolute Programmchefin des Senders (Michelle Pfeiffer), selbst ehemalige Miss Baltimore duldet niemanden der aus der Norm fällt. Bestenfalls an Randgruppentagen, dem sog. „Negro Day“ dürfen Schwarze in der Show auftreten.

Durch einen Zufall fällt Tracy jedoch dem Showmaster Corny Collins (James Marsden) persönlich auf und wird zum Star. Sie freundet sich mit dem Schwarzen Seaweed (Elijah Kelley) an, der ihr Tanzschritte beibringt und schließlich mit ihrer Freundin zusammenkommt. Sogar Link beginnt sich für das pummelige Mädchen mit dem koketten Hüftschwung zu interessieren und auch Tracis Mutter Edna (John Travolta) gewinnt durch den Erfolg ihrer Tochter neues Selbstbewusstsein und wagt sich nach Jahren mal wieder unter Menschen.

Doch die Programmchefin, deren Tochter ebenfalls in der Show mittanzt sinnt auf Rache und tut alles um Tracys Erfolg zu sabotieren.

Wer keine Musicals mag, soll sich einsargen lassen und irgendwas gemeines ansehen. Allen anderen sei Hairspray aber dringlichst empfohlen, denn so sehr passte das Etikett „Gute-Laune“-Film wohl auf keinen Film dieses Jahres, wenn man mal von „Hot Fuzz“ absieht.
Das Re-Remake, das eine Adaption der Broadway-Show darstellt, die wiederum auf dem John Waters-Kultfilm aus den 80ern beruht, ist ein klassisches Musical im allerbesten Sinne. Songs die die Handlung vorrantreiben, poppige Farben, Massenchoreographien, große Gefühle und eine gehörige Portion Ironie tragen die eher simpel gestrickte Geschichte mit Leichtigkeit über die volle Laufzeit.

Regisseur und Choreograph Adam Shankman orientiert sich am klassischen Musical der 50er-60er Jahre und lässt zahlreiche Referenzen einfließen von West Side Story über Funny Girl bis Sound of Music. Gepaart mit der schrägen Story aus dem Waters-Film, die zwar etwas geglättet aber dennoch nicht völlig verwässert wurde, ergibt das einen im besten Sinne klassischen Musik-Film, was neben den gelungenen Choreographien vor allen den eingängigen, altmodisch swingenden Songs von Marc Shaiman, sowie der trefflich besetzten Cast zuzuschreiben ist.

Vor allem die Newcomerin Nikkie Blonsky hat ab dem ersten Song die Sympathien auf ihrer Seite, schafft sie es doch die Rolle der Tracy mit soviel knuffig-gerissener Naivität zu füllen, wie zuletzt Billie Zöckler in „Im Himmel ist die Hölle los“, zu dem „Hairspray“ mehr als nur eine Paralelle aufweist. In beiden Filmen geht es um füllige Schulmädchen die unbedingt in einer TV-Show mitmachen wollen, sich gegen ihre Mütter durchsetzen müssen und mit viel Retro-Charme, Musik und trashigem Kitsch-Humor. Auch die anderen Schauspieler sind wunderbar anzuschauen, sei es Michelle Pfeifer als intrigantes Biest, Christopher Walken als Scherzartikelsüchtiger Vater, Queen Latifah und James Marsden als Moderatoren der Corny Collings-Show, Ben Stillers Vater Jerry, der im Original den Vater spielt, der hier als jovialer Übergrößenhändler auftritt, sowie der überaus purzlige Zac Efron als singendes Love Interest Link.

Einziger Schwachpunkt der ansonsten trefflichen Cast: John Travolta der in einem Fat-Suit gezwängt versucht Edna Turnblad zugeben, letztlich aber doch vergeblich gegen sein Make-up anspielt und leider nicht an den trashigen Charme seiner Vorgänger heranreicht. Im Waters-Film verkörperte der grandiose Divine Tracys Mutter, am Broadway prägte Harvey Fierstein die Rolle – beide schafften es die Rolle irgendwo zwischen Mutter Flodder und Dame anzulegen. Travolta versucht eine bemitleidenswerte Hausfrau zu geben, die neues Selbstbewusstsein schöpft, wirkt jedoch wenig überzeugend. Auch stimmlich bleibt seine Leistung hinter denen der übrigen Darsteller zurück, auch wenn er eine respektable Tanzleistung abliefert. Travolta, prominentestes Mitglied der Scientology-Sekte, mußte sich schon im Vorfeld scharfe Kritik gefallen lassen, weil er als Anhänger einer als homophob bekannten „Religion“ eine Rolle spielte die bisher von prominenten Schwulen geprägt wurde. Doch diese Kritik zielte vielleicht in die falsche Richtung, denn wie der Regisseur anmerkte, hätte es jemand der tatsächlich arge Probleme mit Schwulen hat, wohl kaum an einem Set ausgehalten das so schwuppendominiert war, wie das von Hairspray. Viel schwerer wiegt seine eher hölzerne oder in Anbetracht der aseptischen Schwabbelmaske, teigige Performance, die näher an Eddie Murphys „Nutty Professor“-Filmen dran ist, als an an dem Geist den die Figur im Original und auf der Bühne atmete.

Dennoch kann auch Travolta mittelprächtige Leistung den Film nicht ausbremsen. Hairspray als Mainstream-Variante ist natürlich etwas zurückhaltender als „im Himmel ist die Hölle los“ und auch die subversivsten Grobheiten des Waters-Films bleiben natürlich auf der Strecke.

Geblieben ist ein fast nostalgischer Umgang mit dem Thema Rassismus, kleinere Seitenhiebe und ein Cameo von Waters, der kurz als Exhibitionist auftreten darf und eine mitreißendes, positives Retro-Arbeiter-Märchen, das für Toleranz und altmodische Tanznummern plädiert und sich die eine oder andere schwarzhumorige Spitze nicht verkneifen kann.

You can’t stop the beat? Stimmt. Und warum würde man das auch wollen?

  • Soraly 5. 9. 2007 an 19:36

    Ich bin überrascht. Ein poppiges Tanz-Musical mit John Travolta in Frauenklamotten bekommt von Herrn Batz doch tatsächlich vier beleibte Schulmädchen ;) .

    Warum „Hairspray“ dagegen schon fast in den Herbst programmiert wurde, ist in Bezug auf seine Gute-Laune-Qualitäten allerdings merkwürdig. Wobei, wenn’s besonders kalt ist, muss eben etwas Knallbuntes her.

  • Batzman 6. 9. 2007 an 1:56

    Wieso überrascht? Ich mag Musicals :) Wenns nicht grade Chicago oder Lloyd Webber Kacke ist.

  • Maxximus 6. 9. 2007 an 12:32

    Goood Morning Baltimooooore!!!

  • caliban 6. 9. 2007 an 14:28

    Kritik wird völlig zugestimmt^^
    Hatte schon lang keine so gute Laune mehr im Kino!
    @ Batz: Chicago war Mist, aber nicht aaaallles von Lloyd Webber ist Kacke^^ (Zugegeben, im Film bisher schon)

  • gerome 8. 9. 2007 an 23:55

    Mir stellt sich jetzt die Frage: Ich liebe das Original von John Waters, sollte ich mir da wirklich die Neuverfilmung anschauen?

  • DonsTag » Gute Laune 18. 9. 2007 an 0:48

    […] diesen Film dringend ans Herz zu legen. Inhalt und so kann man ja bei den fünf Filmfreunden  nachlesen. Die haben mich auch auf den “störenden” Travolta als fette Mutter […]

  • miese Gedanken » Da muss ich rein 18. 9. 2007 an 9:07

    […] diesen Film dringend ans Herz zu legen. Inhalt und so kann man ja bei den fünf Filmfreunden nachlesen. Die haben mich auch auf den “störenden” Travolta als fette Mutter eingestellt, was dann […]

  • walter 25. 10. 2007 an 21:16

    Das ist einfach mal der geilste Film den ich in meinem ganzen noch nicht allzu langem leben gesehen hab!!! Ich steh auf alle schauspieler und kann diesen streifen nur empfehlen!! Hoch lebe Baltimore ;)

  • F5 — Der Sternwanderer - Stardust 5. 11. 2007 an 16:36

    […] von einem Ort zum anderen, es kracht und zischt und zaubert, Michelle Pfeiffer darf nach “Hairspray” erneut eine großartige Comic-Schurkin geben, auch wenn sie bisweilen gegen das […]

  • BatzLog - Noch etwas Salz? » Letztes Lichtspiel: Stardust 5. 11. 2007 an 16:38

    […] von einem Ort zum anderen, es kracht und zischt und zaubert, Michelle Pfeiffer darf nach “Hairspray” erneut eine großartige Comic-Schurkin geben, auch wenn sie bisweilen gegen das […]

  • Holy Moly » Blog Archive » Abnehmen 2.0 ist keine Filmkulisse ! 26. 7. 2008 an 12:33

    […] Vielleicht entsinnt sich der ein oder ander, so Er/ Sie / Es selbigen gesehen, an "Hairspray" . John Travolta mutierte in grandioser Form zur Fim […]