DVD Review

Kottan ermittelt

24. 11. 2007, Batzman (Oliver Lysiak), 7 Kommentare

-„Schmeckt’s?“
-„I hob scho a besseres Gulasch gessen.“
-„Aber bei mir ned.“


Originaltitel: Kottan ermittelt
Herstellungsland: Österreich 1976-1983
Regie: Peter Patzak
Buch: Helmut Zenker
Darsteller: Peter Vogel, Franz Buchrieser, Lukas Resetarits, Walter Davy, Curt A. Tichy, Kurt Weinzierl


Kottan ermittelt

„San Sie der Inspektor?“ – „Inspektor gibts kan!“

Kriminalmajor Adolf Kottan löst in Wien seine Kriminalfälle. Unterstützt von seinen Kollegen, dem Einbeinigen Schremser (Walter Davy) und dem leicht begriffsstutzigen Schrammel (C.A. Tichy), kümmert er sich um normale und weniger normale Mordfälle. Nebenher muß er sich mit dem cholerischen Chef Pilch (Harald von Koeppelle, später Kurt Weinzierl), der sich im Dauerclinch mit einem Getränkeautomaten befindet, seiner altjüngferlichen, krimibesessenen Frau, den fast erwachsenen Kindern, der Ansagerin des ORF und seinem Erzfeind Horrak (Ernst Konarek) herumschlagen, der ihm wieder und wieder nach dem Leben trachtet. Kein Grund zu verzweifeln, denn mit letztlich gibts wenig, daß Kottan nicht mit lakonischer Gelassenheit überstehen würde.

Die Serie „Kottan ermittelt“, die zwischen 1976 und 1983 mit sieben 90min und weiteren elf 60min-Folgen über die Bildschirme lief, war eigentlich etwas das es nicht geben durfte. Zwischen all dem öden Muff und Mief, den uninspirierten Kriminalern des ZDF, den Alten, Derricks und so weiter, gab es plötzlich ein völlig abgedrehtes anarchistisches Element, das nicht nur das Krimigenre parodierte, sondern alle Sehgewohnheiten und Sicherheiten über den Haufen war.

Waren die ersten Vogel mit Peter Vogel als Kottan noch vergleichsweise konservativ inszeniert (wobei sie durch sehr bösartige Zeichnung des kleinbürgerlichen Millieus überzeugen konnten), wurde spätestens mit dem zweiten Kottan-Darsteller Franz Buchrieser, die typische satirisch, karikierende Stimmung der Serie etabliert. Running Gags, wie abgefahrene Autotüren, beständig zu heißer Kaffee oder der Sandler Drballa, der dazu verdammt ist über jede Leiche zu stolpern, deren Mörder Kottan und seine Truppe ermitteln müssen.

Virtuos setzte Autor Helmut Zenker und Regisseur Peter Patzak, die für alle Folgen verantwortlich zeichnen, den immer absurder werdenden Humor mit einer langsamen, sehr trockenen Erzählweise in Szene, die selbst die albernsten Momente nie hysterisch werden lässt. Schon früh setzte die, sowohl von Publikum als auch vom Sender immer sehr kritisch beäugte Serie, auf Selbstreferenzen, brach mit den Konventionen des Mediums. Wenn Lukas Resetarits bei seiner Frau ins Regal schaut und seine beiden Vorgänger in der Kottan-Rolle dort stehen sieht und nur meint: „Hoast ja bald a riachtige Gallerie dor.“, wenn im Fernsehen eine frühere Kottan-Folge läuft und sich Kottan über diesen Scheiß aufregt der gesendet wird, wenn man konsequent nur griechische oder russische Zeitungen liest, weil man ja keine Werbung machen darf oder wenn eine Laufschrift während einer Verfolgungsjagd darüber informiert, daß man beruhigt aufs Klo gehen könne, weil der Mörder eh entkommt, dann wird einem klar, wie bizarr diese Serie noch heute ist und wie revolutionär sie damals war.

Kein Wunder, daß beim ZDF damals besorgte Anrufe eingingen, als in einer Kottan-Folge eingeblendet wurde, das Ufos gelandet seien und man in den Nachrichten gleich mehr darüber erfahren würde. Kein Wunder. daß die Senderchefs die Serie hassten, kein Wunder, daß der Großteil der deutschen Zuschauer mit diesen Krimis nicht so recht warm wurde. Was zur gleichen Zeit in amerikanischen Serien wie „Soap“ zaghaft ausgetestet wurde, das Spiel mit dem Medium, mit vertrauten Elementen, die gezielte satirische Demontage einer Gesellschaft, eines Genres, ohne dabei zur Klamotte zu verkommen, setzte das Duo Zenker/Patzkak ohne Rücksicht auf Verluste um. Nach jedem kritischen Rüffel gingen sie noch weiter, drehten noch mehr auf, stießen die Zuschauer noch mehr vor den Kopf.

Kottan: „I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen.“
Elvira: „Gar koan Fehler?“
Kottan: „Doch – I liag manchmal.“

Auch heute wird die Serie, grade auch ob ihrer lakonischen Erzählweise, der Langsamkeit und der 70er Jahre Optik nicht jedermanns Sache sein. Der Witz, der sich oft grade durch Pausen, durch den behäbigen Wiener-Dialekt erschließt. Fans des Kriminalmajors werden sich, auch heute noch bestens amüsieren, über eine der skurrilsten und intelligentesten Krimiserien die je im deutschsprachigen Raum produziert wurden. Diskussionen gibt es da wohl hauptsächlich, welcher der beste Kottan war, ob die früheren subtileren oder die völlig durchgeknallten späten Folgen die besseren sind.

Kottan: „Is des Herz frisch?“
Metzger: „Wolln`s a EKG mochen?“

DVD-Bewertung

Dank gebührt Eurovideo, die dafür sorgen, daß die Serie jetzt endlich in ihrer Gesamtheit auf DVD erscheint. Zwei Sets im schön designten Digipack, mit einem sehr informativen Booklet, versammeln alle 19 Folgen von „Kottan ermittelt“. Von der Bildqualität sollte man keine Wunder erwarten, sie sieht nach typischem 70er/80er-TV-Krimi aus, aber auch nicht schlechter als die TV-Ausstrahlungen. Der Ton ist nach wie vor in glorreichem Mono, aber was solls, wer braucht bei der Serie schon einen schlechten Upmix.

Als Bonus gibts leider nur ein paar animierte Comis zur Serie, sowie die Musik-Specials Kottans-Kapelle. Schön gewesen wären natürlich ein paar aktuelle Interviews, mit den noch lebenden Machern und Akteuren. Autor Zenker starb leider 2003. Dennoch lohnt die Anschaffung und die wirklich lesenswerten Texte des Booklets geben viel Hintergrundinfos zur Serie.

Ebenfalls auf DVD erscheint im Januar der Kottan-Kinofilm „Den Tüchtigen gehört die Welt“, der ausserhalb der Serienchronologie spielt und als echter, relativ ernster, düsterer Thriller daherkommt. Dort spielt Franz Buchrieser noch einmal den Major, nachdem ihn in der Serie zu der Zeit bereits Resetarits abgelöst hatte – der aber ebenfalls dabei ist, als Kottans Gegenspieler.

Mehr Informationen zur Serie auf der Fansite Kottan.info

Und wer sich nicht beherrschen kann und die Serie haben will und nebenher noch die Filmfreunde unterstützen möchte: Hier sind die Links ;)

  • mahok 25. 11. 2007 an 13:18

    Klingt interessant, kannte ich noch gar nicht. Das werd ich mir wohl mal bei Gelegenheit ansehen… aber das Review sollte nochmal korrekturgelesen werden, da haben sich einige Fehler eingeschlichen :)

  • panzi 25. 11. 2007 an 15:43

    @Interview: Es gibt ein sehr aktuelles Interview mit Lukas Resetarits und seiner Tochter in „Willkommen Österreich“, eine Show von Stermann und Grisemann die eine Sendung, dies nicht mehr gibt (und Wilkommen Österreich hieß) verarscht. Und das ganze gibts online:
    http://www.willkommen-tv.at/player.php?sid=F19
    Wird zwar auch über Kottan geredet, ist aber nicht Kottan zentriert.

  • Renington Steele 26. 11. 2007 an 12:56

    Nein! Doch! Geil! Endlich!

  • Ludwig Kamberlein 23. 3. 2008 an 9:14

    Als das vor 25 in Deutschland lief, war ich in die Ansagerin aus dem Film verknallt …

  • Wolfgang W 31. 3. 2008 an 23:56

    Kottan fährt ein Chopper-Motorrad, dazu Born to be wild von Steppenwolf, das hat was … aber auch das Attentat auf Kottan: Er kann den Attentäter nicht gesehen haben, und er kann auch nicht wissen, dass eine Bombe unter dem Fahrersitz versteckt ist. Er steigt ein und fährt los. Nach 20 Sekunden schaut er auf die Uhr, sagt etwas wie „jetzt is Zeit“, greift unter den Sitz, wirft die Bombe aus dem Fenster hinaus, die draussen gleich darauf explodiert … aber Kottan passiert natürli
    ch nichts.

  • anti 31. 5. 2009 an 7:25

    Meine Lieblingsszene ist nach wie vor, als Kottan über die Wiener Stadautobahn ( Süd-Ost Tangente ) fährt und es im Autoradio „Highway to Helll“ spielt :-)
    Überhaupt ist die hervorragend eingesetzte Musikauswahl hervorzuheben.

  • GunGrave 31. 5. 2009 an 10:27

    Wow – Super Sache … hab die Serie schon gesehen… Spitze! Fast schon ein Must-See… der Humor… die Schauspieler – herrlich!

  • Kottan ermittelt…wieder? | Die Fünf Filmfreunde 25. 1. 2010 an 16:41

    […] Heise, Batz Review zur Kottan-Box findest du hier.] Schick den Artikel weiter: Von Nilz N Burger am 25. Januar 2010 um 16:41 Uhr […]