Review

Juno (Review)

25. 3. 2008, Batzman (Oliver Lysiak), 14 Kommentare

-„I’m pregnant.“
-„What should we do?“
-„Well, I should just… I was thinking I’d just nip it in the bud before it gets worse. Because they were talking about in health class how pregnancy… It can often lead to an infant.“
-„Typically, yeah… Yeah that’s what happens when our mothers and teachers get pregnant.“

Originaltitel: Juno
Herstellungsland: USA 2007
Regie: Jason Reitman
Darsteller: Ellen Page, Michael Cera, Jennifer Garner, Jason Bateman, Olivia Thirlby, J.K. Simmons

Batzman
Jet Strajker

Juno

Eigentlich wollte Juno (Ellen Page) das erste Mal nur hinter sich haben, warum dann nicht mit ihrem besten Kumpel (Michael Cera). Dumm nur, daß die vorlaute 16jr gleich beim ersten Versuch schwanger wird. Jetzt steht ihr die heikle Entscheidung bevor: Abtreiben, behalten oder zur Adoption freigeben? Denn um Mutter zu sein, fühlt sich Juno definitv noch nicht bereit.
Und auch wenn ihr Kumpel Bleeker verspricht ihr zur Seite zu stehen, als Partner kommt er wirklich nicht in Frage. Oder doch? Nachdem sie sich dank einer militanten Mitschülerin gegen eine Abtreibung entschieden hat, will Juno die richtigen Adoptiveltern finden. Doch das ist gar nicht so einfach. Das selbstbewusste Mädchen mit der Kodderschnauze, die sich normalerweise von niemandem etwas sagen lässt, muß feststellen, daß es Situationen gibt, mit denen sie alleine nicht klar kommt.

Nach dem witzigen, aber auch etwas oberflächlichen „Thank you for smoking“ liefert Jason Reitman mit Juno einen sehr viel runderen Film ab, der eigentlich alles richtig macht um als Feelgood-Movie with an Edge Kasse zu machen. Er hebt sich ein bißchen von den üblichen Hollywoodfilmen ab, überzeugt mit rasanten Dialogen und viel Wortwitz, ist bis in die Nebenrollen hin blendend besetzt und erzählt letztlich eine sehr konventionelle, klassische Geschichte, die wirklich niemanden überfordert und eher das Herz als das Hirn anspricht.

Noch ein bißchen geschmeidiger als der Mainstream-Indie-Hit „Little Miss Sunshine“ balanciert Juno auf dem schmalen Grad zwischen Rührseeligkeit und Chuzpe, Teeniefilm und Arthaus ohne je dabei abzurutschen. Was vor allem auch der wunderbaren Ellen Page geschuldetet ist, die Juno über weite Strecken zu ihrer One-Girl-Show macht und selbst gestandene Kollegen an die Wand spielt. Wer die Göre Juno erlebt, der mag erst auf den zweiten Blick merken, daß hier dieselbe Schauspielerin zu sehen ist, die als eiskalt-psychpopathischer Racheengel in dem zweifelhaften Selbstjustiz-Schocker „Hard Candy“ zurecht für Furore sorgte. Pages Juno nimmt mühelos die Hürden zwischen selbstbewusster „Ich gegen die Welt“-Haltung und typisch pubertären Ängsten und Unsicherheiten. Die gewitzten Dialoge der Drehbuch-Newcomerin Diabolo Cody versorgen sie dabei mit genügend Pfeffer um auch in emotionalen Szenen nie schmalzig zu werden.

Michael Cera, Held der liebenswerten Nerd-Posse Superbad, darf als Junos Freund den ruhenden Pool geben, den ehrenwerten, wenn auch linkischen Kumpel, der es schwer hat sich gegen das Energiebündel Juno durchzusetzen.

Musik, Kamera, Schnitt tun ihr übriges diese kleine Geschichte rund und griffig zu verpacken. Auf dem Soundtrack tummelt sich angesagter Indie-Pop, der genauso ist wie Juno selbst: Eingängig, ein bißchen rebellisch, aber letztlich versöhnlich und harmlos. Ein Film bei dem man im positiven Sinne mal abschalten kann, leicht und fluffig wie ein Souflee, inhaltlich nicht anspruchsvoller als eine Folge Degrassi Junior High und so charmant gespielt, daß man gar nicht auf die Idee kommt, sich drüber Gedanken zu machen, wie altbacken und spießig die Aussagen des Films doch letztlich sind. Aber in diesem Fall kann man darüber auch hinwegsehen, denn er macht tatsächlich einfach Spaß und entlässt mit einem angenehm knuffigen Gefühl aus dem Kino. Und nicht zu vergessen, er ist „extrem quotable“, wie ein einziger Blick in die Zitatsektion der imdb beweist. Vorausgesetzt man guckt ihn nicht auf deutsch, denn dann klingen die Sprüche und Quips von Juno plötzlich wie ein die Moderator vom Kinderfernsehen, die versuchen „cool“ und „phätt“ drauf zu sein.

Also auf zu Juno. Sonst ist man wieder der einzige, der den Film nicht gesehen hat. Auch doof.

+++

Und wer wissen möchte wie gut er sich generell mit Teenie-Dramen auskennt, der kann das hier austesten:

[gravatar email=“rajkoburchardt@googlemail.com“ size=“96″]Jet Strajker meint:

„Thank god for teenage pregnancy!“, resümierte Oscarmoderator Jon Stewart scherzhaft beim Blick auf die nominierten Filme des Kinojahres 2007, die sich in ihrer Schwermütigkeit selbst zu übertreffen schienen. Dabei behandelt Jason Reitmans Independentkomödie „Juno“, die in den USA zum Überraschungserfolg reifte, ein nicht nur in seinem etwas pikierten Heimatland strittiges Thema, nämlich eben die Schwangerschaft einer Minderjährigen, das dem durchschnittlichen US-Kinobesucher durchaus die ein oder andere Zornesfalte, zumindest aber Schamesröte ins Gesicht zaubern dürfte. Immerhin haben Jugendliche in Amerika offiziell ja ohnehin keinen Sex, aus vielen Perspektiven nicht einmal eine Sexualität. Die gedoppelte Moral eines Landes, das Sex im öffentlichen Leben tabuisiert, gleichzeitig jedoch über die einträglichste Pornoindustrie der Welt verfügt, sei an dieser Stelle nicht weiter vertieft, sie ist bekannt – und bildet gerade deshalb einen interessanten Hintergedanken, wenn man sich die 130 Mio. Dollar vor Augen führt, die der nur sieben Mio. Dollar teure Film allein in den USA eingespielt hat.

Zwei Erklärungsversuche bieten sich an: Der Film trifft einen Nerv, indem er mit der allgemeinen Verschwiegenheit bricht. Eine 16jährige schläft mit einem Jungen, ohne Reue, dafür Selbstbewusstsein und frechem Mundwerk. Dann hatten sie zu allem Übel auch noch ungeschützten Verkehr, das Mädchen, Juno heißt sie, wird kurze Zeit später schwanger. Ein Schreckensszenario, verpackt als leichte alternative Teenagerkomödie. Indem „Juno“ seinen Figuren also ganz selbstverständlich eine Sexualität im adoleszenten Alter zuspricht, ignoriert er das Bild des asexuellen Jugendlichen und dürfte verlockend sein für ein Publikum, das sich zumindest noch im Kino auf die ein- oder andere Wahrheit einstellen darf. Gleichzeitig könnte der Erfolg des Films, der fast ausschließlich auf Mundpropaganda zurückzuführen ist, auch mit seiner moralischen Haltung zum Sujet erklärt werden – und hier bietet „Juno“ Grauzonen für illustre Deutungsversuche: Zu konservativ und verlogen, scheinheilig und getarnt sei er (sagen die einen), und ebenso erfreulich zurückhaltend wie wertfrei, unkonventionell und ehrlich (sagen die anderen).

Reitmans Film über derlei Muster abzugleichen, erweist sich jedoch als unnötig. Der Film ist zu sehr seiner individuellen, durchaus ungewöhnlichen Geschichte verschrieben, als ihm exakt berechnete ideologische Implikationen nachgesagt werden könnten. „Juno“ nämlich widerspricht sich in dieser Hinsicht vielfach selbst: Zwar thematisiert er die erstaunlich gesetzte, um nicht zu sagen altmodische Lebensvorstellung einer 16jährigen, deren Wertvorstellungen sich nur schwer mit ihrer unangepassten Quirligkeit vereinbaren lassen, gleichzeitig löst er die grundsätzlich sicherlich als biederen Entwurf lesbare Geschichte mit unherkömmlichen Methoden auf. So findet die – abgestrichen an der Realität – plausibelste ‚Problemlösung’ Abtreibung eher einen verächtlichen Ausdruck, gleichzeitig wird die Schwangerschaft der Titelfigur als völlig unproblematisch skizziert, was der Sichtweise eines Moralhüters durchaus zuwiderlaufen dürfte. Juno möchte ihr Kind bekommen, ohne großes Brimborium, ohne wirkliche Krise, denn sie hatte einfach Sex, und ebenso wie sie dies eigenmächtig entschied, wird sie auch mit den Folgen zurechtkommen.

Was als scheinheilig gedeutet werden kann – heiter und locker inszeniert, erzählt der Film die Geschichte eines minderjährigen Mädchens, das ihr Baby um jeden Preis an eine intakte Adoptivfamilie abgeben möchte – ist vielleicht doch nur das längst überfällige Zugeständnis an eine autarke, selbst bestimmte Jugendliche, die sich zurecht gegen ein autoritäres Umfeld zur Wehr setzt. Und auch wenn Juno ihr Kind nicht selbst aufziehen möchte – und warum sie dies nicht will oder überhaupt könne, ist sicher eine berechtigte Frage, die der Film nicht beantwortet! – differenziert spätestens das Bild der schlussendlich allein erziehenden Adoptivmutter das vermeintlich scheinheilige Konstrukt. Der Film ist hier viel zu ambivalent strukturiert, als dass diese Diskussion in dem Maße, wie sie derzeit geführt wird, eine ernsthafte Berechtigung haben würde.

Tatsächlich ist „Juno“ aus ganz anderen Gründen kein guter Film. Leider. Denn Reitman hat die eigene Messlatte mit seinem Regiedebüt „Thank you for Smoking“ hoch angesetzt. In der Komödie über spinning-Gesellschaften bewies er erstaunliches Durchhaltevermögen – von der der ersten bis zur letzten Minute verlor er nie den Biss, der Film war auffällig rund und stilsicher in Szene gesetzt, mit einem klaren Konzept und pointiertem Witz. Dass er zudem nicht der mittlerweile gängigen (und am inoffiziellen Tod der Filmkomödie maßgeblich beteiligten) allgemeinen Rührseligkeit verfiel, die alle Schärfe auf den letzten Metern für Kitsch und Konsens aufgibt, erinnerte ihn an klassische Hollywoodkomödien, ja, manche ernannten Herrn Reitman sogar schon zum Mininachfolger von Billy Wilder (und die Schlusseinstellung in „Juno“ erinnert vielleicht nicht von ungefähr an „The Apartment“).

Der Film ist aber schlicht zu nichtig, das Drehbuch von Debütantin Diablo Cody (paradoxerweise mit dem Oscar prämiert) sogar eine mittelschwere Katastrophe. Es findet bis auf die Handlung steuernde Schwangerschaft keine Höhepunkte und verdichtet seine dramatischen Stränge nicht. Besonders im mittleren Teil des Films hängt das Geschehen im nirgendwo, weiß nicht wohin es steuern und was es bewirken soll. Viele Szenen wirken plump und nicht aufeinander abgestimmt, einen wirklichen Rhythmus findet „Juno“ schon gar nicht. Cody stolpert hier streng genommen über nahezu jeden Anfängerfehler, was nur im Kontext von Reitmans ungemein souverän gehaltener, flotter und das Schlimmste bewältigender Regie übersehen werden kann. Die Schreibe bleibt dennoch die Krux des Films, und insbesondere die Heldin Juno wirkt so konstruiert und unglaubwürdig, dass man durch sie hindurch ständig die Autorin zu vernehmen meint. Wenn das hippe 16jährige Mädchen dann beständig aus Musik von vorgestern und Filmen von vorvorgestern zitiert, wird hier fast penetrant der persönliche Geschmack ihres Alter Egos Cody abgehakt. Die Dialoge sind dabei affektiert und wirken zu jeder Zeit überlegt, durchdekliniert und aufgeschrieben, werden von allen Figuren gleich aufgesagt und machen nur einen aufgesetzten, koketten Eindruck. Schlimmer noch ist der gesamte Film unglaublich erwachsen geschrieben und macht sich nicht einmal die Mühe, sich auf Augenhöhe seiner Figur zu begeben. Das führt letztlich zum enttäuschenden Resümee, dass die zuweilen nervige Altklugheit von Juno, der Figur, nur noch von der beständig nervigen Altklugheit von „Juno“, dem Film, überboten wird.

  • patrick 25. 3. 2008 an 2:36

    Ich habe den Film gestern im Kino auf deutsch gesehen. Fande die Synchro nicht soo schlecht, Stellenweise vielleicht bissle holprig.
    Ich kann den Film nur weiterempfehlen. Er reiht sich zusammmen mit Garden State und Hallam Foe in die Liste meiner Top-Filme.

  • Himbeerlola 25. 3. 2008 an 1:50

    Mir doch schnuppe, ob ich ihn nachher als einzige nicht gesehen hab. Der Streifen reizt mich echt null bis gar nich…*trotzigguck*

  • MC Winkel 25. 3. 2008 an 10:54

    Einer der besten dieses Jahr!
    Unbedingt gucken. Echt.

  • Watschel 25. 3. 2008 an 11:37

    Degrassi Junior High?! Hätte nicht gedacht, dass das noch jemand kennt. Witzig.

  • fapeg.com » Blog » juno 26. 3. 2008 an 0:30

    […] schlagfertigen juno. schön ist auch die lockere, zum film passende musik. einzig die etwas zu “coole”, deutsche synchronisation ist an manchen stellen leicht peinlich. Tags: […]

  • Batzman 26. 3. 2008 an 17:28

    @denis

    Es gibt keinen Punkt Abzug, da ich fast nie 5 Sterne vergebe. 4.5 ist das höchste der Gefühle. Genauso vergebe ich auch keine Null-Punkte.
    Warum ich den Film nur ganz nett finde steht ja im Review. Er ist unterhaltsam, witzig und ganz charmant besetzt, aber letztlich auch sehr konservativ und bieder von seiner Story und den grundaussagen her. Würde nicht soviel geflucht, könnte man fast meinen das ganze sein ein geschickter Propanagdafilm der Pro-Life-Organisationen, so wie er sich gegen Abtreibung und für traditionelle Werte einsetzt. Juno ist wirklich fluffig und nett wegzugucken, aber inhaltlich nun nichts was einen über den Abspann hinaus beschäftigt.

  • Denis 26. 3. 2008 an 17:21

    Huhu batz,

    werd den Film dann wohl doch schauen, wollte ihn eigentlich auslassen, aber große Highlights erwarte ich eh nicht bis zum nächsten Nolan ;)
    Wofür gabs denn den einen Stern Abzug? Die Kritik liest sich ein wenig wie:
    Ganz nett und toll, aber irgendwie fehlte da was. (was den einen Stern abzug erklären würde) Aber was genau fehlt denn?

    Grüße

  • Himbeerlola 27. 3. 2008 an 2:47

    urgs…du bestätigst mich bzw. mein blödes Gefühl wegen dem Film immer mehr. Dein vorletzter Satz sagt mir, dass ich höchstwahrscheinlich nen Wutanfall nach dem Abspann hätte. Also ist Juno jetzt erst recht gestrichen! *g*

  • fapeg.com » Blog Archive 28. 3. 2008 an 18:32

    […] was sich wie ein ziemlicher kitschfilm anhört, ist eine wirklich sehr lustige und sehenswerte komödie, die eine interessante geschichte erzählt. die autorin diablo cody wurde zurecht mit dem oscar für ihr erstes drehbuch ausgezeichnet. aber auch die hauptdarstellerin ellen page überzeugt mit ihrer interpretation der nicht-mainstreamigen, vorlauten und schlagfertigen juno. schön ist auch die lockere, zum film passende musik. allerdings ist die etwas zu “coole”, deutsche synchronisation ist an manchen stellen leicht peinlich. […]

  • gamequickie » Blog Archive » the GeeKWeek - 13/2008 30. 3. 2008 an 18:48

    […] F5 über Juno Mir hat der Film sehr gut gefallen. Ellen Page spielt […]

  • stb247 3. 4. 2008 an 21:31

    sehr schöner kleiner film. unbedingt im original sehen, honest to blog! (da hab ich mich jetzt tatsächlich zu hinreissen lassen)

  • Claas 4. 4. 2008 an 17:21

    Wahnsinnig gut!

  • derBene 6. 4. 2008 an 19:22

    Auf deutsch gesehen und gut unterhalten gewesen.

  • Himbeerlola.de » Blog Archive » Die Nominierungen für die MTV Movie Awards 2008 sind raus 7. 5. 2008 an 12:50

    […] nicht gesehen habe. Den Zustand werde ich höchstens bei Superbad noch ändern, während mir Juno gestohlen bleiben kann. Am schärfsten bin ich eh wieder auf Kategorien wie ‘Bester Bösewicht’, […]

  • Tobias 16. 5. 2008 an 14:32

    Versteh den Hype nicht,fand ihn „ging so“. Hätte ich mir nicht ansehen müssen.

  • BBinho 23. 5. 2008 an 23:27

    Ich fand den Film sehr gelungen und die Hauptdarstellerin wunderbar. Zwischen all den „Multi-Million-Projekts“ dieses Jahr mal ein Low-Budget Film der trotzdem ganz groß ist.

  • CaptainNero 10. 11. 2009 an 13:42

    Hab ich auch gesehen. Ich verstehe nicht, wieso die Kritiker diesen Film so loben. Juno tritt im Film eher als „Schlampe“ (verzeiht bitte) als als „anständiges Mädchen“ auf, was mich eher irittiert hat.

  • Up in the Air (Review) | Die Fünf Filmfreunde 4. 2. 2010 an 13:16

    […] Bei “Thank you for smoking” war es die dubiose Welt der Spin-Doctors, bei “Juno” ging es um Teenie-Schwangerschaften und “Up in the Air” scheint oberflächlich […]

  • lotteloony 26. 11. 2011 an 13:44

    Ich bin zwar keine Expertin in Sachen Film, aber ich liebe Juno!
    Hab den Film im Kino und danach mehrfach im Fernsehn und in der Schule gesehen, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Ich spreche (mehr oder weniger) fließend Englisch und fand die Syncro nicht schlecht, der ein oder andere Sprachwitz mag zwar verloren gegangen sein (was sich NIE vermeiden lässt), aber dafür sind andere neu umgeschrieben worden.

    Freche Schnauze aber noch nicht 100% erwachsen, so ist das halt mit einer 16 Jährigen. Das hat nichts damit zu tun, dass das Drehbuch schlecht ist. Wer so etwas sagt hat seine eigene Pubertät entweder vergessen oder gleich übersprungen bzw. verleugnet.

    Juno will sich nicht um ihr Kind kümmern, was in dem Alter definitiv vernünftig ist, das heißt noch lange nicht, dass sie sich nicht darum sorgt. Sie will es in einer intakten Familie wissen und der Grund dafür zeigt sich gleich am Anfang: Ihre eigene Mutter hat sie verlassen und neue Kinder, als „Trost“ kriegt Juno regelmäßig Kakteen. Dafür scheint sie bei ihrer Stiefmutter gerne mal anzuecken, trotz einem überwiegend gutem Verhältnis der beiden. Alles in allem scheint Juno mit ihrer familiären Lage nicht glücklich und weiß gleichzeitig, dass das keine Seltenheit ist.

    Juno hat von Schwangerschaften zwar nicht viel Ahnung, weiß aber, dass das kein Zuckerschlecken ist. Das „Ergebnis“ will sie in guten Händen wissen und glaubt, diese in Marc und Vanessa gefunden zu haben. In Marc sieht sie zudem eine (musikalisch) verwandte Seele, weshalb sie von der Trennung so geschockt ist, zumal nach der Trennung ihrer eigenen Eltern, wie schon erwähnt. Das hat aber keineswegs etwas damit zu tun, das Juno „konservativ“ ist, sie will ihrem Baby einfach nur nicht das zumuten, was sie selbst durchmachen muss.

    Der Film hat viele kleine Geschichtsstränge und Wendungen anstelle von einem einzigen Strang, der nur ein bis zwei Wendungen hat. Vielleicht finden einige Leute den Film langweilig, weil so überhaupt keine Action-Scene darin enthalten ist, aber das hat dieser Film nie versprochen. Der Film hat (mir) versprochen, nachdenklich aber auch voll mit Pointen und Wendungen zu sein. Nach mehr als fünf Mal gucken macht mir der Film heute noch Spaß, einer meiner absoluten Lieblingsfilme!