Review

Nie wieder Sex mit der Ex

15. 6. 2008, Batzman (Oliver Lysiak), 14 Kommentare

-„Do you want to gag me?“
-„Well, I kinda want to now.“

Originaltitel: Forgetting Sarah Marshall
Herstellungsland: USA 2008
Regie:Nicholas Stoller
Darsteller: Jason Segel, Kristen Bell, Mila Kunis, Russell Brand, Bill Hader, Jonah Hill

Peter Bretter (Jason Segel) hat es nicht leicht. Als mittelmässig erfolgreicher Komponist und Freund von Serien-Star Sarah Marshall steht er immer in ihrem Schatten und träumt vergeblich davon, sein Traumprojekt ein Dracula-Rockmusical mit Puppen umzusetzen. Meist gammelt er jedoch herum und verfolgt die Karriere seiner Freundin in den Klatschmagazinen im Fernsehen.

Doch es kommt noch besser: Sarah macht Schluss mit Peter, was bei diese für eine absolute Lebenskrise sorgt. Heulen, Jammern, Wimmern. Peter ist ein Wrack. Um sich abzulenken reist er nach Hawaii, was sich in mehrfacher Hinsicht als dumme Idee herausstellt. Denn zum einen wimmelt es dort nur so von glücklichen frischverliebten Paaren, nein auch seine Ex hat sich dort mit ihrem neuen Liebhaber, dem englischen Musiker Aldous Snow (Russel Brand) einquartiert. Sarah Marshall vergessen (so der treffendere Originaltitel des Films)? – keine leichte Aufgabe, die für Peter nur erträglich wird, weil ihm die Hotelangestellte Rachel (Mila Kunis) zur Seite steht…

Ich bin nun wahrlich nicht der größte Fan von Mädchenfilmen um Liebesfreud und Liebesleid, aber dieser Film macht Spaß. Hauptdarsteller und Drehbuchautor Jason Segel (Teil des Apatow-Comedy-Clans) versteht es die abgelutschte Story mit viel Herz und vor allem mit extrem wenig Klamauk zu erzählen. Bei allen typischen Situationen und bekannten Konstelationen, die in diesem Screwball-Setup gegegeben sind, überrascht es wie wenig übertrieben die Figuren sind, wie low-key der Humor bleibt.
Keine peinlichen Scharaden und Versteckspiele, keine „urkomischen“ Verwechslungen und Slapstick-Szenen, keine „superwitzigen“ Mißverständnisse, die man alle schon tausendmal gesehen hat.

Statt dessen stellt sich der Film die Frage, wie so eine Situation aufgelöst würde, wenn es eben keine klaren Gut/Böse-Rollen gibt, denn überraschenderweise macht es sich er Film nicht einfach mit Schuldzuweisungen. Keine der Figuren bekommt leichtfertig die Arschlochkarte verpasst, ja selbst die schrillste Rolle, der britische Rockmusiker, der leicht zum affigen Schnösel hätte werden können, zur billigen Hassfigur, überrascht durch Nuancen und eine gradezu entwaffnende Freundlichkeit.

Der Film plätschert dadurch zwar ein wenig dahin, wird aber nie wirklich langweilig, auch ohne das es zu den ganz großen Katastrophen und dem ganz großen Knall kommen muß. Anekdotisch und in vielen kleinen Skizzen wird gezeigt, wie Peter es tatsächlich schafft nach und nach Sarah zu vergessen. Und die Sexszenen des Films dürften mit zu den ehrlichsten gehören, die man in den letzten Jahren im US-Film erleben durfte (vor allem die letzte).

Die Besetzung weiß genau wie die Musikauswahl (Highlight die hawaiianische Version von Prince‘ Nothing Compares 2U) zu gefallen. Selbst Nebenrollen sind stimming und liebenswert gecasted (Superbad-Star Jonah Hill brilliert in einer Nebenrolle als musikbesessener Oberkellner). Das einzige was am Film stört, ist wohl wieder mal der behämmerte und abschreckende deutsche Titel, der viel klamaukiger und billiger wirkt, als der Film im Grunde ist. Denn „Fortgetting Sarah Marshall“ ist eine fluffige, schöne Sommerkomödie, die zwar keinen großen Anspruch hat, aber auf sehr relaxte und knuffige Weise zu unterhalten weiß.

Und wer dringend ein Kontrast-Programm zur derzeit grassierenden EM-Hysterie sucht, der dürfte hier bestens unterhalten werden. Enttäuscht dürften lediglich diejenigen sein, die sich auf Humor a la „Road Trip“ oder „American Pie“ einstellen. Wer sich beim ähnlich unaufgeregten „Knocked Up“ amüsiert hat, wird auch an Sarah Marshall seine Freude haben.

+++

Typisch für Produzent Judd Apatow und mal wieder auffällig: Der Faible für hässliche Männer die bildhübsche Frauen rumkriegen. Wie in den Fratpack-Filmen sind die Hauptrollen auch hier wieder von – wenn man es freundlich sagen will – visuell-herausgeforderten Typen besetzt, während die weiblichen Rollen allesamt unrealistisch hübsch sind. Was vielleicht auch erklärt, warum diese Art von Filmen bei Männern besser ankommt, als bei Frauen. Denn auch wenn es sehr lustig und für US-Verhältnisse ungewöhnlich ist: Jemand wie Jason Segel will man nicht wirklich nackt sehen. Aber wie stets bei Apatow, zeigen die Kerle hier gerne und viel Haut, derweil die Frauen einfach so gut aussehen. Aber was solls, der Film macht trotzdem Spaß.

  • gony 15. 6. 2008 an 18:51

    Durch HIMYM hab ich Jason Seagel lieben gelernt…

  • Sucki 16. 6. 2008 an 0:55

    knocked up hatte höhepunkte die in diesem film fehlen.er sickert fast 2 std vor sich hin ohne wirkliche kracher.. daher 2 von 5 sternen.

  • M. 16. 6. 2008 an 14:18

    Ich werd mir den Film erstmal allein wegen Jason Seagel angucken, wie schon Nr. 1 sagte, er ist in HIMYM einfach genial.

    Eigentlich ist das garnicht mein Genre und nach 7 Tagen ausgeflittert hab ich auch überhaupt keine Lust mehr…

  • bloody albatross 16. 6. 2008 an 14:23

    @gony: dito.

  • Batzman 16. 6. 2008 an 15:57

    Zur Ehrenrettung des Hauptdarstellers: Der heißt wirklich Segel und nicht Seagel. Ich habs auch erst falsch geschrieben, aber er hat mit dem Haudraufbembel nix zu tun :)

  • Xander 16. 6. 2008 an 18:29

    Bei mir gabs 7/10, was ja ähnlich ist wie 3,5/5, und alles aus genau den Gründen, die hier aufgeführt sind. Unheimlich, wie sich manchmal Vorlieben decken – und man dann aber bei manchen Filmen denkt, die Jungs hier waren im falschen Kino ;-)

    Aber hier: 100% Übereinstimmung!

  • stb247 18. 6. 2008 an 0:49

    habe genau bekommen, was ich erwartete, eine sehr lustige kömodie mit herz… ich liebe diese Apatow-filme

    und jason segel war schon in „freaks and geeks“ super (sollte man unbedingt gesehen haben)

  • stb247 18. 6. 2008 an 0:50

    und was sind das eigentlich für zitate???

    „the weather outside is weather“
    „die…die..die…I can’t“
    „I need to B my L on someones Ts“

    Gott… ich liebe es wirklich

  • bloody albatross 18. 6. 2008 an 1:04

    Also „freaks and geeks“ fand ich generell schlecht, deswegen hab ich mir auch bei HIMYM gedacht: naja, das kann ja was werden, wurde dann aber extrem positiv überrascht! Aber ich hab’s nur auf deutsch im Fernsehn gesehn, womöglich ist es im Original besser? (HIMYM kenn ich nur auf engl. Wurde das im deutschen Fernsehn überhaupt „schon“ ausgestrahlt?)

  • Dominik 18. 6. 2008 an 16:25

    Ich fand den Film super. Geil fand ich auch: Crimescene Blablbla mit Seinfeld Jingle. Nur über den Titel könnte ich mich ärgern. Hätte ich nicht diese Review gelesen, hätte ich einen tollen Film verpasst.

  • Diva 26. 6. 2008 an 20:31

    Reden wir von „It’s been seven hours and fifteen days…“-Nothing Compares 2 U? Wenn ja, dann ist das aber echt mal wirklich von Sinead O‘ Connor.
    Ansonsten sehr schöne Review – denke, ich werde mir den Film mal auf DVD besorgen. Grüße

  • Batzman 27. 6. 2008 an 12:20

    @Diva
    Nothing compares 2 U wurd von Prince geschrieben und mit seinem Projekt The Family aufgenommen und Mitte der 80er veröffentlicht. Sinead hat es nur gecovered.

  • Tino 4. 8. 2008 an 15:38

    Ich habe den Film zwar nicht gesehen. Aber wenn ich raten dürfte… Er bekommt die Hotelangestellte?

  • Marcel 8. 8. 2008 an 16:34

    Also der Film war Mega schlecht und einfälltig.Naja der Schauspieler hat sein bestes Versucht,bin trotzdem nach 30min geflüchtet!

  • BurnToBeAlive » Gemischtes Gemüse 11. 8. 2009 an 10:31

    […] falls eine meiner Leserinnen, so oder ähnlich aussieht – bitte melden! Ich bin sogar bei dem Film und dem Nächsten mit der Fuenf-Filmfreunde Meinung nahezu deckungsgleich, kam lange nicht mehr […]