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Neues Ende für Tintenherz und neues Buch

29. 11. 2008, Batzman (Oliver Lysiak), 22 Kommentare

Der IQ von Testzuschauern, die für PreScreenings ausgesucht werden befindet sich ja bekanntlich nur unwesentlich über dem einer grenzdebilen Hausstaubmilbe. Denn das ist ja die ideale Zielgruppe für Blockbuster. Und Kinder, so weiß man müssen mit Samthandschuhen angefasst werden, denn die sind ja ganz zerbrechliche Wesen, die schon tot umfallen wenn jemand BUH macht.

Das gilt komischerweise nur für Kinder die Filme gucken, denn Kinder die Bücher lesen kommen mit anspruchsvolleren Erzählungen und vielschichtigen Charaktere in der Regel problemlos klar. Egal ob Harry Potter, Artemis Fowl oder eben die Tinten-Bücher von Cornelia Funke. Sie alle sparen nicht mit Grausamkeiten und präsentieren eben nicht immer die einfachste Lösung.

Für die Potter-Verfilmungen hat man sich auch meist dran gehalten, die düstere Stimmung der Bücher einigermassen beizubehalten. Für die jetzt anstehende Verfilmung von Tintenherz, galt dies leider nicht. Warner bekam nach Testvorführungen kalte Füsse, weil die armen Kinder ja soooo traurig waren am Ende von Tintenherz. Das geht natürlich nicht deswegen wurde prompt nachgedreht und ein Happy End rangeklatscht. Damit die Kinderseelen, die mit dem Ende des Buchs kein Problem hatten, vor allem Unbill geschützt werden. Denn Kindern darf man keine traurigen, nachdenklichen oder herausfordernden Inhalte zumuten. Kinder sind ja auch alle blöd.

Nachdem man schon das Alter aller Hauptfiguren drastisch verändert hat – Fraser ist als Mo zu jung, Meggie und Farid sind viel zu alt besetzt – gibts jetzt also auch noch ein kitschiges Ende, statt dem hoffnungsvollen aber melancholischen Ende des Buches, dass die ideale Basis für die Fortsetzungen darstellte.

Auch wenn Frau Funke das nicht so schlimm findet, find ich das ganze extrem ägerlich. Insbesondere bei einer Vorlage, die den Zauber und besonderen Wert von Büchern und Stories hervorhebt. Immerhin in einem Interview verriet Funke, das es vielleicht doch einen vierten Teil der Buchreihe geben wird. Wenn der Film also Grütze wird, kann man sich zumindest auf einen neuen Roman freuen.

[via: moviepilot]

  • Dave 29. 11. 2008 an 14:59

    Ähm, könntest Du vielleicht den Titel des Posts ein wenig ändern, sodass er nicht mehr spoilert? Etwa „Änderung des Ende“ oder so..
    Danke.
    :/

  • jellyamison 29. 11. 2008 an 15:34

    Ist also mal wieder die Spoilerbrigade unterwegs? (Der Titel spoilert doch überhaupt nix.)
    Naja. Das klingt wirklich üblich beschissen.
    Aber was Brendan Fraser angeht, so erinnere ich mich daran gehört zu haben, dass Cornelia Funke beim Schreiben der Figur immer Brendan Fraser vor Augen hatte und er sozusagen ihre Traumbesetzung sei.

  • Batzman 29. 11. 2008 an 16:35

    Es mag sein, dass Frau Funke weder das geänderte Ende schlimm findet noch Probleme mit Fraser als Mo hat, aber die Erfahrung lehrt, dass auch gute Autoren nicht grade eine die beste Beurteilungs-Instanz sind, wenn es um die Verfilmung ihrer Werke geht.

    Ich schätze Cornelia Funke genauso wie J.K.Rowling, aber nur weil sie gute Bücher schreiben, bedeutet das nicht das sie gute Entscheidungen bezüglich der Verfilmung fällen. Den Entscheidungen von Frau Rowling haben wir die mimikamputierte Besetzung von Harry Potter zu verdanken und die ersten beiden völlig uninspirierten Filme…

    Und auch die Stephen King-Verfilmungen bei denen er wesentlich beteiligt war, sind nicht grade die Highlight-Adaptionen seiner Werke. Vom furchtbaren Rhea M ganz zu schweigen…

  • mandarine_one 29. 11. 2008 an 15:46

    ich weiß jetzt schon das ich den film nicht kucken werde.. ich hab die bücher gelesen und war nach den ersten trailern übelst enttäuscht… es steckt einfach nichts von der liebe und dem herzblut und der seele der geschichte in diesem film.. absolut nichts… und wenn ich dann lesen muss das die herren warner das ende komplett ändern.. na dann gute nacht!

  • DietCoke 29. 11. 2008 an 16:17

    Nr. 2: Korrekt.
    Laut Frau Funke hat sie sich lange gegen das Studio wehren müssen, die jemand anderen (war’s nicht sogar Brad Pitt) für Mortimer haben wollten.
    Außerdem war sie als (Mit-)Produzentin ja nicht ganz unbeteiligt am Geschehen… von daher tendiere ich zum Abwarten. Wird schon nciht so schlimm werden, wie es wieder beschrien wird.

  • jack 29. 11. 2008 an 17:21

    Die meisten belehrenden Films langweilen das Kind.

  • Batzman 29. 11. 2008 an 18:34

    das kommt wohl nur drauf an, wie clever die belehrung stattfindet…

  • jack 29. 11. 2008 an 19:57

    Kinder sind ja auch alle blöd.

  • Mimikry 29. 11. 2008 an 22:53

    Also haben sie das Ende verhunzt wie beim Goldenen Kompass. Da hat es das richtige Ende auch nur bis ins Filmbegleitbuch geschafft (sogar mit Fotos), um dann im Kino die armen Kindlein mit einem alternativen, karamelgetränkten und kariesfördernden Filmschluss zu pampern.
    Der Frau Funke scheint aber auch alles egal zu sein, solange die kleinen grünen Scheinchen stimmen.

  • Torsten 29. 11. 2008 an 23:00

    Autoren und Buchverfilmungen sind generell ein Problem. King regt sich auf der einen Seite, dass Kubrick Elemente in seinem Buch gesehen hat, an die er selbst niemals gedacht habe. Dabei verkennt er, dass die Adaption auch eine eigene Interpretation ist und da Regisseur und Drehbuchautor völlige Freiheit gewährt werden sollte. Kubrick hat sich die zum Glück genommen, heraus kam ein Meisterwerk.

    Radikales Gegenbeispiel: Frank Miller lässt seinen Comic „Sin City“ von Rodriguez bis auf ein paar kleine Kürzungen Panel für Panel genau adaptieren. Und das Ergebnis: Aus einem der besten Comics der Neunziger wird scheißlangweiliges Daumenkino.

    Und um das zum Thema zurückzuführen: Autoren sollten sich imho raushalten bei den Verfilmungen und Fans sollten nicht bei jeder Änderung aufschreien. Auch ich kann mir bei „Tintenherz“ schlecht ein Happy-End vorstellen und finde die Trailer eher mager und nicht alle Besetzungen gut (Fraser passt aber imho, obwohl ich den sonst gar nicht sehen kann). Aber trotzdem bin ich gespannt, was jemand anderes für eine visuelle Vorstellung des Geschehens hatte. Und mit dem richtig stringenten Aufbau kann auch ein anderes Ende passen.

  • meistermochi 30. 11. 2008 an 0:58

    ganz schön scheiße. aber warum die funke das mit sich machen lässt ist die nächste frage…

  • DietCoke 30. 11. 2008 an 12:28

    Hm, mitnichten denke ich, dass Autoren zwangsläufig ein Händchen für ihre Buchverfilmungen haben.
    Allerdings sehe ich JK Rowling nach dem in meinen Augen enttäuschenden siebten Band von Harry Potter auch in einem etwas anderen Licht, eine gute Autorin ist sie für mich nicht (Capslock-Harry in Band fünf ist da noch ein kleineres Übel).
    Aber zurück zum Thema:
    Allerdings bin ich bis zu dem Zeitpunkt, in dem ich den Film gesehen habe, bereit, der Verfilmung benefit of the doubt zu geben.
    Andererseits hatte ich aus subjektiver Lesersicht nie ein Problem mit Fraser als Mortimer und dem Rest der Besetzung.
    Aber das subjektive Leserelement ist doch gerade das Problem der Buchverfilmungen.

    Und Kinder sind tatsächlich nicht dumm, haben aber auch oft einen komplett anderen Geschmack als Erwachsene (wäre ja auch komisch, wenn dem nicht so wäre). Ein Beispiel: Ich fand den Drei ???- Film ziemlich gräulich. Im Gegensatz zu einer Gruppe 8-12-jähriger (alles rege Leser der Bücher), die ich regelmäßig betreue, die den Film absolut genial fanden…

  • sanddorn 30. 11. 2008 an 17:43

    Alle Zuschauer sind blöd und dürfen auf keine Fall gefordert werden, nicht nur Kinder.

  • jack 30. 11. 2008 an 19:42

    Volle Zustimmung sanddorn. Das Blöde ist unsere eigentliche Natur.

    Let the Blödsinn save our souls (J.B.O.)

  • Dave 30. 11. 2008 an 22:11

    Danke fürs Ändern! *thumbs up*

  • Argento 30. 11. 2008 an 22:20

    schlimme Sache …sowas regt mich genauso auf wie die geschichte mit der 16/18 Fassung von Hulk …

  • jlow 1. 12. 2008 an 18:50

    Ich hab nach HdR beschlossen, mir grundsätlich keine Verfilmungen von Büchern anzuschauen, von denen ich auch nur in irgendeiner Form begeistert bin. Meine eigene Fantasie ist mir zu schade um sie von Hollywood kapputmachen zu lassen.

    Bisher bin ich da beim Goldenen Kompass, Krabat und ähnlichem auch sehr gut mit gefahren. Ich hab Tintenherz bisher nur angelesen und fands nicht so spannend, aber allein das Poster hier sieht schon wieder viel grausamer aus als alles, was ich mir bei einer Verfilmung hätte Träumen lassen.

    Mal sehen, wann sie Artemis vergewaltigen.

  • minz 1. 12. 2008 an 21:22

    Zu Brendan Fraser und Cornelia Funke: jellyamison hat Recht, Frau Funke hat Fraser das 2. Buch gewidmet.

  • panzi 1. 12. 2008 an 23:10

    Bisschen OT: Also ich finde die Harry Potter Filme sind um einiges düsterer als die Bücher. Also bei den Büchern gibts immer wieder undüstere Stellen.

  • Eva 3. 12. 2008 an 12:15

    Es gibt eine sehr schöne Dokumentation über Cornelia Funke in der Mediathek der ARD. Darin spricht sie unter anderem über die Verfilmungen ihrer Bücher und den Erziehungsaspekt, der hier bereits erwähnt wurde. Achja, und über ihre innige Freundschaft mit Brendan Fraser! Zu sehen hier: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/745428.

  • nylon 5. 12. 2008 an 21:04

    Kinder sind gar nicht blöd, sie haben eben noch nicht so viel von der Welt gesehen!
    Außerdem warst du ja selbst mal ein Kind!
    Mein Gott!

  • Abspannsitzenbleiber » 2008 » Dezember » 11 11. 12. 2008 an 23:57

    […] Vorfreude auf den Film wurde gekillt, als ich las, dass dem Film nach den Test-Screenings noch ein sonnigeres Ende aufgepropft […]