Review

Slumdog Millionär (Review)

18. 3. 2009, Jet Strajker, 29 Kommentare

„When somebody asks me a question, I tell them the answer.“

Originaltitel: Slumdog Millionaire
Herstellungsland: GB 2008
Regie: Danny Boyle, Loveleen Tandan
Darsteller: Dev Patel, Anil Kapoor, Saurabh Shukla, Rajendranath Zutshi, Jeneva Talwar, Freida Pinto, Irfan Khan, Azharuddin Mohammed Ismail

Jet Strajker

Mal Sehen

Renington Steele
Batzman

slumdogposter

Die Pussycat Dolls und M.I.A. machen jetzt indische Musik. Gemeinsam mit A.R. Rahman, dem oscarprämierten Komponisten von Danny Boyles Under-, nein, Slum-dog-Märchen, wollen sie jene R’n’B-Exotik in die Charts bringen, die schon auf der diesjährigen Verleihung der Academy Awards für schunkelnde Designerschühchen unter den hiesigen Hollywoodstars sorgte. Im Film selbst ertönt das rasante Gemisch aus Folklore, Elektroclash und Hip Hop zumeist, wenn kleine indische Jungs in dreckigen alten Lumpen über Dächer springen, sich durch schmuddelige Gassen schlängeln oder auch mal in Scheiße baden. Die besten Beats und Up-tempo-Nummern hebt sich „Slumdog Millionaire“ allerdings zur Untermalung diverser Kinderfoltereinlagen auf. So viel Feelgood-Movie muss sein, was die wichtigsten Filmpreise des Jahres abräumt.

Der Film schildert in Rückblenden, wie der junge Jamal, der so genannte Slumdog also, im Laufe seines bewegten Lebens über illustre Zufälle zum Wissen gelang, das ihn bei der indischen Version von „Wer wird Millionär“ nun Frage für Frage näher an den Sieg führt. Von der Polizei gefoltert und des Betrugs bezichtigt, blickt Jamal in einem klassischen Verhörrahmen auf seine Erfahrungen als Straßenkind zurück. Dem Jungen geht es jedoch nicht ums Geld, vielmehr möchte er eigentlich nur mit Latika glücklich werden, in die er seit seiner Kindheit verliebt ist. Wozu ein Leben in Armut, eine westliche Fernsehsendung und schließlich der Telefonjoker so gut sind, bebildert Boyle dann schnittig, schick und immer gemütlich ästhetisiert zu einem wohligen Gute-Laune-Film für die ganze Familie.

Dass die alles andere als unbeschwerten Ereignisse der Kids gleich zu Beginn wie irrwitzige Abenteuer anmuten, der Film das Wüten durch Abfall und Mist wie ein lustiges Kinderspiel in Szene setzt, stimmt befremdlich. Als exotische Variation des Oliver-Twist-Stoffes nimmt sich „Slumdog Millionaire“ nie tatsächlich Zeit, die Umstände seiner Geschichte zu erforschen: Die schaulustige Schönästhetik jeder noch so erschreckenden Elendsabbildung scheint stets direkt den Wohlfühlsinn des Publikums ankitzeln zu wollen, nie aber begibt sich der Film auf Augenhöhe seiner jungen Helden. Der fast museale Blick auf die Geschichte und ihre Ereignisse wirkt, gemessen am Sujet, dagegen eher geschmacklos und erinnert in mehrfacher Hinsicht an den ebenso blödsinnigen, verharmlosenden und bis aufs Letzte dramaturgisch gebündelten „City of God“ – der den Slum-Tourismus in Quasi-Musikclipform schon einmal ganz frei von Nebenwirkung in die westlichen Kinos und Herzen führte.

So versiert Boyle dabei mit Kamerageschick eine sich als fantasievolles Märchen ausstellende Gewinner-Geschichte nacherzählt und eindrucksvoll verschiedene zeitliche und räumliche Ereignisse montiert, es fühlt sich formal schlicht falsch an. Zu lieblich, unkritisch und wohlfein sein historisches Panorama Indiens, zu flach und einfach das Sinnieren über Geld, Kapitalismus und Machtstrukturen. Und letztlich ist der Film auch abseits seines problematischen visuellen Konzepts unglücklich in Szene gesetzt: Zu drehbuchlastig erzählt und – wenn auch bemerkenswert geschnitten – zu konstruiert in der Verbindung der Erzählebenen und Ereignisse, wartet „Slumdog Millionaire“ letztlich mit abgestandenen Botschaften auf, die nur die ewige Mär von der Fatalität und Schicksalsbestimmung reproduzieren. Das ist dann doppelt geschmacklos: Nicht nur weil die illusorische Naivität des Films schamlos an den Realitäten vorbei zielt, sondern auch deshalb, weil all das an Originalschauplätzen und zum Teil mit Laiendarstellern zum Leben erweckt – und dann umso kräftiger verdreht wurde.

[gravatar email=“my@eyesaiditbefore.de“ size=“96″]Mal Sehen sagt:
Stellen wir uns Slumdog Millionair vor, wie die Kollegen Rajko ihn gerne gesehen hätte:
Düsternis und Beklommenheit macht sich breit. An jeder Stelle des Films wird ausdrücklich daran erinnert ein schlechtes Gewissen zu haben, dass man sich soeben für 6,50€ eine kleine Cola mit einer handvoll Popcorn gekauft hat. Alle 20 Minuten unterbrechen wir den Film, halten uns an den Händen, nicken beklommen und lassen ihn wieder abfahren. Zwischendurch betritt Jim Jarmusch die Bühne und stimmt ein Lied an. Musik im Film? Nicht vorhanden und wenn doch, dann wird nach der Vorstellung Anti-Depressiver in Smarties-Packungen verteilt.

Selten war ich überhaupt nicht der Meinung eines Filmfreundes, wie bei diesem Film. Dabei will ich wirklich nicht außer acht lassen, dass wir hier tatsächlich eine recht verschönte Einsicht in die Slums bekommen und ich will auch nicht abstreiten, dass die Realität anders aussieht. Aber darum ging es mir nicht, als ich aus dem Film kam und mich zum allerersten Mal in meinem Leben über eine Tanzeinlage mit indischem Gedudel im Hintergrund gefreut habe. Dieser Film ist Pop, bunt, laut und macht Spaß, sogar an den Stellen, an denen „Spaß“ vielleicht das falsche Wort wäre (ausgelöffelte Augen? Verstümmelte Kinder?).

Wer in „Slumdog Millionair“ geht und eine realistische Wiedergabe der Realität erwartet, wundert sich auch bei bei Schindlers Liste, dass man nicht lachen kann. Ich gehe einmal soweit zu behaupten, dass Boyle nicht mit der Intention an diese Geschichte gegangen ist, um eine 1:1-Kopie der Realität wiederzugeben, sondern schlicht und einfach in typischer Danny Boyle Mannier zu unterhalten, was hervorragend gelungen ist.

[gravatar email=“rene.walter@gmail.com“ size=“96″]Renington sagt:

„Slumdog Millionaire“ ist ein wunderbarer Film, fantastisch geschnitten, mit toller Ausleuchtung und am wichtigsten: Er erzählt eine fantasievolle Liebesgeschichte vor eben nicht so exotischen Hintergrund. Ja, der Film spielt stellenweise in den Slums und zeigt dort, dass Menschen auch in diesen Verhältnissen lachen, lieben, leiden… leben eben. Den vorgeworfenen Armutstourismus nimmt er selbst auf’s Korn, verhöhnt ihn und verwebt seine Exotik gleichzeitig mit westlichen Show-Elementen.

Ein toller, lebensbejahender Film, der drei Storylines folgt, die sich am Ende zusammenfügen. Erstens: Das Verhör. Zweitens: Die Gameshow. Drittens: Die Lovestory. Auf diesen Ebenen springt Boyle meisterhaft umher, ohne den Film konfus werden zu lassen. Das Oliver-Twist-Motiv bildet nur einen kleinen Teil des Films, schnell entwächst ihm die Geschichte und erzählt sie mit eigenen Bildern weiter. Die so gerne kritisierte Sozialromantik ist keine, die Geschichte der Slums wird knallhart und stellenweise brutal wiedergegeben. Die Romantik findet in der Liebesgeschichte statt. Diese beiden Seiten prallen in diesem Film aufeinander, die Abgründe des Lebens treffen auf die Schönheit der Liebe. Viel besser kann man das nicht erzählen, als in diesem Film.

Aber Danny Boyles Fäkel-Fetischismus müssen wir auch irgendwann mal thematisieren. Was hat der Kerl nur mit seinen Exkrementen?

[gravatar email=“kadewe1@gmx.de“ size=“96″]Batzman sagt:

Slumdog Millionaire macht streckenweise durchaus Spaß. Die Darsteller sind ansprechend und gut gecasted – allen voran Dev Patel, der hier mal zeigen kann, das er nicht nur den notgeilen Partymuslim spielt, den er in der Serie „Skins“ so überzeugend gab – Musik und Schnitt entfesseln durchaus einen gewissen Drive und die finale Musicalnummer ist mitreißend.

Handwerklich machen Boyle und sein Kameramann auch eine Menge richtig, die Bilder sind von einer geleckten Brillanz die jede Einstellung fototapetentauglich erscheinen lässt. Doch in diesem glossigen Look liegt gleichzeitig auch eine Schwäche des Films. Selbst Scheisse und tote Tiere oder brackige Tümpel wirken irgendwie kuschelig und „nicht so schlimm“. Der Vorwurf das Elend zu romantisieren, lässt sich nicht wirklich entkräften. Ob das nun Poverty-Porn ist oder einfach ein wenig naiv, es hinterlässt in jedem Fall einen komischen Geschmack, wenn ein britischer Filmemacher in Indien einen Film dreht, der das „Arm aber glücklich“-Motiv mit einer vom „Chai-Walla zum Millionär“-Story verbindet und dabei wirklich zu jeder Sekunde vorhersehbar bleibt.

Denn so slick das ganze auch umgesetzt ist, die Storyentwicklung und die Figurenzeichnung ist nicht grade die starke Seite des Film. Das reichlich konstruierte Rahmenhandlungs-Gimmick bei dem uns der Slumdog zu jeder Quiz-Fragen-Antwort eine tragische Anekdote aus seinem Leben serviert, wirkt mehr als einmal recht überstrapaziert und mit zunehmender Laufzeit auch etwas beliebig. Viele der episodischen Rückblenden sind nicht zwingend notwendig und tragen wenig zur Gesamtgeschichte bei, außer Zeit zu füllen. Jede für sich mag ganz drollig sein, aber wirklich neues enthüllen die wenigsten.

Grade das Hauptmotiv der unsterblichen Liebe, ist mehr Behauptung, als das sie durch die Figuren wirklich realisiert wird. Einen Grund für diese Liebe, eine echte Chemie zwischen Jamal und Latika findet nicht statt. Latika ist Boyles MacGuffin – sie ist Antrieb der Story aber inhaltlich völlig leer. Wie hohl und forciert diese Liebe ist, zeigt sich in der einzigen echten Konfrontation der beiden (als Erwachsene in der Küche von Latika), deren Dialoge so schmerzhaft knirschend an Daily-Soap erinnern, dass es wohl eine gute Entscheidung war die „Beziehung“ ansonsten auf Behauptung und die Niedlichkeit der Kinderdarsteller zu gründen. In der Buchvorlage wird das Ganze ein wenig glaubhafter, denn dort ist Latika keine Kindheitsfreundin, sondern eine Protistuierte in die Jamal sich bei einem Bordellbesuch verliebt. Dieser Hintergrund wurde genau wie Jamals multireligiöser Hintergrund, seine Jugend bei einem christlichen Priester, sowie sein sexueller Mißbrauch durch einen anderen Priester entschärft, um die Story süffiger zu machen.

Die episodische Struktur führt leider auch dazu, dass die Dramaturgie im Mittelteil etwas beliebig wirkt. Das Gefühl, es könnte noch eine Stunde so weitergehen oder jede Sekunde das Finale kommen, liegt auch darin begründet: Einen hab ich noch, Herr Polizist. Das nimmt Spannung, die sich eh in Grenzen hält, weil auch die Verhörsituation nach der initialen Folterszene zu Beginn des Film, schnell an Bedrohlichkeit verliert. Die Sympathien des Kommissars liegen natürlich auf Seiten des selbstbewussten Chai-Wallas und sobald die schematische Konstruktion des Plots deutlich wird – Verhör/Anekdote/Verhör – ist auch klar wie der Film enden wird und es obliegt dem Zuschauer, ob er diesen Weg als Ziel mitgehen mag oder doch lieber etwas Ungewissheit hätte. Ich für meinen Teil, hätte etwas weniger Berechenbarkeit und eine etwas weniger mainstreamige, dafür spannendere Erzählweise durchaus bevorzugt.

Zuletzt fällt auch in diesem Film mal wieder Boyles Vorliebe für religiöse Motive, Schicksal und göttliche Führung auf. Schon in seinen anderen Werken finden sich diese Anklänge: die Guiding-Angels in „A Life less ordinary“, sehr deutlich in „Millions“ (mit dem Boyle auch seine erzkatholische Jugend verarbeitete) und im behäbigen SciFi-Heuler „Sunshine“ . Auch in „Slumdog Millionaire“ spielen Gott und die Vorherbestimmung eine zentralen Rolle, nicht nur im Schicksal Jamals sondern auch im Sündenfall seines Bruders Salim, der erst spät auf den wahren Weg zurück findet und sich dann mit den Worten „Gott ist groß“ selbst richtet, nachdem er Latika in die Freiheit entlassen hat. Auch das erscheint wie ein Zugeständnis an das westliche Publikum, das mit monotheistisch-disponierten Helden (in diesem Fall Muslims) wahrscheinlich mehr anfangen kann, als mit den multiplen himmlischen Entitäten des Hinduismus.

Das passt zum Eindruck, dass Boyle und seine Crew Indien nicht wirklich interessiert und sie das Land im Wesentlichen als pitoresken Hintergrund für ihre sehr konventionell erzählte Märchengeschichte nehmen. Was nicht ganz so störend wäre, wenn er nicht bisweilen als ernsthafte Auseinandersetzung mit Land und Leuten mißverstanden würde und durchaus auch als zugänglicher Arthaus-Film verkauft wird, anstatt als der Hirn-Aus-Popcorn-Streifen, der er ist. Zurecht bemerkt der indische Kritiker Gautaman Bhaskaran „there is nothing Indian about this film“ „It has very little substance and is superficial and insensitive“. Salman Rushdi war ebenfalls wenig angetan: „a patently ridiculous conceit, the kind of fantasy writing that gives fantasy writing a bad name. It is a plot device faithfully preserved by the film-makers, and lies at the heart of the weirdly renamed Slumdog Millionaire. As a result the film, too, beggars belief“

Das macht den Film nicht verwerflich, aber in gewisser Weise chauvinistisch und ist auch in sofern ärgerlich, als das er mit seiner „Fritzchen Müller stellt sich Indien vor“-Einstellung wohl dazu beiträgt das echte indische Kino, jenseits der Bollywood-Masalla-Streifen, zu ignorieren und den Zuschauern suggeriert, das das Leben im Slum so furchtbar vielleicht doch nicht ist.

Natürlich ist es einfacher sich „Slumdog Millionaire“ anzusehen, aus dem man am Ende beschwingt heraustänzeln möchte, aber dennoch dürfte auch nach all den Jahren „Salaam Bombay!“ – zu dem Boyles Werke gewisse Parallelen hat – der weitaus bessere Film sein – der damals schon vorgemacht hat, wie man mit den Darstellern (ebenfalls echte Slumkids) angemessen umgeht um tatsächlich etwas zu verändern, nachdem die Dreharbeiten vorbei sind.

  • Franziska 18. 3. 2009 an 13:30

    Sehr schön, dass mal wieder mehrere von euch zu Wort kommen. Anschließen kann ich mich in diesem Fall der Kritik von Batzman. Auch ich war streckenweise erstaunt, warum der Film überhaupt in Indien spielt, denn er hätte auch irgendwo anders genau so stattfinden können.
    Ja, der Zusammenschnitt war nicht schlecht, aber nach den ersten beiden Fragen kannte ich auch das Muster und hätte nicht immer wieder zur (danach recht belanglos erscheinenden) Verhörszene zurückspringen müssen.
    Mein größter Kritikpunkt ist allerdings, dass ich das Gefühl hatte, dass Boyle seinen Protagonisten seltsam fern bleibt, als würde er sich nicht richtig nah an sie herantrauen.
    Bei Latika ist das am Offensichtlichsten – sie hat quasi keine eigene Persönlichkeit.
    Aber auch Die Darsteller von Jamal und sein Salim mussten klischeehaft an einer sehr geradlinigen Persönlichkeit entlangspielen. Natürlich bekommt Salim am Ende seine große Wende – warum er plötzlich einen Sinneswandel hat, war für mich aber nicht nachvollziehbar.
    Ich war insgesamt eher enttäuscht.

  • Patricia 18. 3. 2009 an 12:52

    Danke für die ausführliche Kritik. Ich denke, ich werde mir den Film gerne ansehen. Ich glaube, es würde weniger die Leute berühren, wenn der Film sich stärker auf die sozialen Aspekte konzentrieren würde. Vielleicht ist es besser so: eine schöne Geschichte erzählen und hin und wieder ein wenig auf soziale Ungerechtigkeiten hinweisen. So erreicht man ein breiteres Publikum – und macht mehr Leute auf Missstände aufmerksam.

  • ksklein 18. 3. 2009 an 14:11

    Ich bin auch schon sehr gespannt.

  • Claas 18. 3. 2009 an 13:52

    Von bis, alles am Start. Kann es sein dass der Film polarisiert? ;)
    An dieser schönen 4er Review merken wir sehr schön: selbst ein Bild machen.

  • Alex 18. 3. 2009 an 14:35

    Kann mich da nur anschliessen.
    Falls ich mir in naher Zukunft mal einen Kinofilm anschauen werde, wirds vermutlich Slumdog Millionär!

  • Patrick B. Rau 18. 3. 2009 an 16:12

    Oh. Hi Jack Pott! Was hat dir denn an SLUMDOG MILLIONAIRE nicht gefallen? Ich überlege mir GERADE auch, ob ich ihn mir ansehen soll und viele loben ihn ja geradezu in den Himmel. Wenn du zu einem differenzierteren Bild beitragen könntest, dann wäre das schön.

  • Patrick B. Rau 18. 3. 2009 an 16:55

    Gerade habe ich bei cine:plom gelesen:
    „FeelGood-moralistischer ElendsEdel-Kitsch mit nervigen Kindern.“

    Ich werde ihn mir NICHT ansehen. Trotzdem danke…. J.P.

  • Jack Pott 18. 3. 2009 an 16:01

    Mir gefällt „City of Joy“ mit Swayze wesentlich besser.

  • Patrick B. Rau 18. 3. 2009 an 17:36

    Besonders hat mich gefreut, daß Jet „City of God“ nicht mag. Ich mag „City of God“ nämlich auch nicht. Und wenn er tausendmal in der imdb.com Top 250 auf Platz #17 ist: Ich mag ihn trotzdem nicht.

  • Jack Pott 18. 3. 2009 an 16:44

    Hallo Patrick B. Rau. Mag ein bisschen schräg wirken aber ich mag irgendwie düstere Filme. „City of Joy“ und Slumdog sind beide von Europäern gedreht worden. Ok, Kalkutta mag in der Tat eine neue Dimension der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung darstellen was das Leben in den Slums betrifft, aber wo Eltern ihren Kindern Hände und Füsse amputieren nur damit sie beim betteln ein paar Rupien mehr erhalten, da wirkt „City of Joy“auf mich wesentlich realistischer und Slumdog halt weit entfernt davon. Nicht falsch verstehen, es lohnt sich auf jeden Fall Slumdog zu schauen. Er ist gut und eine „nette“ Abwechslung zu den üblichen „crash“, „boom“, „bang“, „ratatatata“ -Filmen aus Hollywood

  • heinzer 18. 3. 2009 an 16:50

    Boyle hat mit Sunshine einen der besten und poetischten SiFi Flicks der letzten 10-15 Jahre hingelegt und das hat fast niemand gemerkt. Dann ist ihm noch mit 28 Days later ein sowas von Zombie-Film gelungen. True Story!

    SDM ist eher schwach im Vergleich zu vielen seiner Film. Lediglich das Thema trägt; auch das Buch ein wenig. Aber mal ehrlich so doll auch wieder nicht.

    Ist ein okyer Film aber: Don’t believe the hype!

  • Jack Pott 18. 3. 2009 an 17:10

    @ 5 Filmfreunde
    Habe ich vergessen zu schreiben.
    Gleich 4 Reviews, tolle Arbeit von Euch!

  • Batzman 18. 3. 2009 an 22:52

    Feelgood Movie heißt das man dem Film mit einem positiven, eher beschwingten Gefühl verlässt. Es bedeutet nicht, das es nicht problematische Szenen gibt oder großes Drama. Die kuschlige Banalisierung des Elends, die Boyle mit dem Film zelebriert ist aber genau auch einer der Kritikpunkte. Boyle inszeniert einen Feelgoodfilm, der echte Probleme als pitoresken Background benutzt und ist dabei ähnlich skrupellos wie Cameron der eine gigantische Tragödie wie den Titanicuntergang benutzte um eine kitsch-kack Lovestory zu erzählen.

  • Byronxxi 18. 3. 2009 an 22:40

    Ich mag den Film wirklich, wenn mich die ganzen Oscars auch ein wenig verwundert haben. Wie schon erwähnt wurde, ist es eher Popcorn Kino als tiefgehendes Drama. Was ich jedoch so gar nich passend finde, ist das Prädikat des „Feel good movies“. Ich glaub ich habe keinen Artikel (jedenfalls in UK) gelesen, in dem das Wort nicht mindestens einmal benutzt wurde. Aber abgesehen von 10-15 Minuten finde ich den Film trotz Postkarten Ambiente alles, aber nicht wirklich fröhlich und upbeat. Oder hab ich da irgendwie zu hohe Ansprueche, dass ich Verkrueppelungen von Kindern, (Kinder-)Prostitution, Kriminalitaet, Gewalt und Mord nicht so wirklich geeignet fuer einen lustigen „feel good“ Filmabend finde? (Ja, ok, vielleicht bin ich auch einfach ein uebersensibles Maedchen)

  • Mal Sehen 19. 3. 2009 an 10:39

    Ich habe die Stelle noch nicht gefunden, an der es wirklich verwerflich ist Kontrast dadurch zu erzeugen, dass man etwas gutes in eine schlechte Umgebung pflanzt. Oder anders: Was spricht ernsthaft dagegen Elend nicht so darzustellen, wie es ist, solange es noch im künstlerischen Rahmen bleibt..?

    Titanic war übrigens nicht deswegen scheiße, weil man eine überkitschige Liebesgeschichte in ein Katastrophengebiet legte. Ohne den Untergang wäre der Film mindestens genauso schlimm gewesen (wenn nicht, sogar noch langweiliger).

  • Renington Steele 19. 3. 2009 an 23:40

    @ Batzman: Skrupellose Kunst? Gerne, immer her damit! Wie Mal Sehen schon sagt, es gibt kein Argument, das mir schlüssig erklären könnte, warum man schöne Geschichten nicht vor schrecklichem Hintergrund erzählen kann. Weil es eben eine Dimension des Hintergrund ist, dass auch auf der Titanic und in indischen Slums Liebesgeschichten stattfinden. Selbstverständlich kann man die in dieser Form erzählen, vor allem, wenn das so meisterlich wie hier geschieht. Denn, wie in meinem Review-Part erklärt, bebildert Boyle den schrecklichen Teil nicht wirklich als Hintergrund, sondern verwebt das alles zu einer wunderbaren Love-Story. Die Slums treten hier nämlich nicht in den Hintergrund und genau das ist das, was Du scheinbar übersiehst. Der Hintergrund ist keiner, sondern Teil der Geschichte. Wunderbarer Film, völlig verdienter Oscar, ganz klar.

  • Patrick B. Rau 23. 3. 2009 an 18:33

    Nö. Trotzdem NICHT. Ich habe einfach keine Lust.

  • xstatic 26. 3. 2009 an 16:02

    Also zu dem Argument des Herrn Batzman, der Film würde das Elend kuschelig banalisieren, kann ich nur großer Schwachsinn sagen. Aus meiner Sicht natürlich – ich hatte zu keiner Zeit den Eindruck, Boyle würde versuchen, die Slums zu „romantisieren“. Klar schaffen viele Filmmacher bisweilen bedrohliche/düstere/karge Atmosphären, um eine Umgebung besonders hervorzuheben und auch im Rückblick auf die Welt in 28 Days later z.B. scheint das geradezu hübsch rüberzukommen, ist aber dennoch und trotzdem realistisch (was ich denke bezeugen zu können, wenn auch nicht direkt von Indien, aber ähnlichen Verhältnissen). Diese echten Probleme als pitoresken Hintergrund zu bezeichnen ist auch schon etwas engstirnig/gewagt, weil es immer noch aus „unserer Sicht“ ist. Mir schien es, Boyle wolle auch ein wenig die Transformation des Landes darstellen, was auch einige indische Kritiker (die überwiegend positiv waren, entgegen des Eindrucks dem einer kommen mag) hervorgehoben haben. Mit Rushdie stimme ich insofern überein, dass die Story (von der Figurenentwicklung mal ganz zu schweigen) erhebliche Probleme aufweist. Allerdings Boyle vorzuwerfen, er habe kein Sozialdrama gedreht oder einen politischen Aufrührfilm halte ich für groben Unfug, das kann er in so einem Umfang, der sich ihm durch die Geschichte alleine stellt, nicht in 3 oder 4 Stunden zu Genüge abhandeln. Außerdem sind Indiens Gesellschaft und ihre Problem (für Außenstehende) so unheimlich unübersichtlich und vielschichtig, dass es einfach mehr Sinn macht, einige Punkte anzudeuten, denn so bleibt vermutlich mehr beim Gelegenheitszuschauer hängen. Alles in allem finde ich Boyles Verfilmung persönlich sehr gelungen, vielleicht kein Film für die Ewigkeit, jedoch einer der Highlights des letzten Jahres und durchaus oscarwürdig.

  • Binding 27. 3. 2009 an 0:11

    Man darf nicht den Fehler machen, den Film mit einer politischen Haltung zu schauen. Er ist einfach ein mitreißend gemachtes, hohe cineastische Ansprüche erfüllendes modernes Märchen mit einem Happy End – und genau dafür hat er auch die Oscars bekommen, allesamt verdientermaßen! Der Großteil der Kritik rührt ja daher, dass manche Inder sich auf den Schlips getreten fühlten, weil ein Ausländer sich erdreistete, eine indische Geschichte in Indien zu drehen (genau nach demselben vorverurteilenden Prinzip verlief übrigens in Deutschland auch die Debatte um „Operation Walküre“). All diese Überlegungen gehen aber am Thema vorbei bzw. behandeln den Film unfair und ungerecht. Habt Ihr mal Interviews mit Danny Boyle über die Dreharbeiten gelesen? Der Mann hat sich mit allen ihren positiven und negativen Aspekten in die Stadt verliebt und wollte einfach all diese Gegensätze gleichzeitig zeigen, ohne dabei zu werten. Natürlich geschieht dies trotzdem aus der Sichtweise eines Außenseiters, aber von einem Armutsporno oder einem verachtenden kolonialistischen Blickwinkel zu sprechen, ist einfach nur voll daneben.

  • CowVirus 28. 3. 2009 an 11:24

    Kein sonderlich guter Film.

  • Binding 28. 3. 2009 an 13:00

    @ CowVirus: Kein sonderlich guter Kommentar. Hallo? Schonmal was von Argumenten gehört?

  • langustengratis 31. 3. 2009 an 10:00

    Gestern gesehen und stimme Batz hinsichtlich der übel vorhersehbaren Story und des geradezu lächerlichen McGuffin-Hunts von Jahmal zu. Auch der Mafiaboss kann jawohl nicht ernst gemeint sein, das war unter OnghBak Niveau ;-)
    Und diese ständige „Schicksal“-Nummer geht ohnehin GAR nicht.

    Dass einem der Kindesmissbrauch erspart blieb, fand ich aber doch erleichternd, als dieser M.J.-Verschnitt mit der Colaflasche an den Start ging, hab ichs schon kommen sehen.

    Auf der anderen Seite blieb die Sache mit den religiösen Unruhen irgendwie auf der Strecke, die Motivation dieser mordlustigen Hindu-Crew vom Anfang hätte ich schon gern gewusst und wenn Salim am Ende schon „Gott ist groß“ röcheln muss, hätte Boyle den Strang auch irgendwie mehr ausbauen können. Wahrscheinlich ist es für Indienkenner aber offensichtlich.

    Der Schnitt ist saugut und auch der Soundtrack oscarverdächtig, aber Bester Film ist dieses Jahr ihmo an den Falschen gegangen. Mag arrogant klingen, aber ich glaube Hollywood ist da schon deutlich weiter?!

  • Patrick B. Rau 31. 3. 2009 an 11:18

    Keine Ahnung. Da musst du schon Hollywood fragen ;-)

  • Boscoe 2. 4. 2009 an 12:35

    Hab fast gekotzt, als ich mit meiner Freundin da rein sollte. Aber was für ein geiler Film. Hab zum ersten Mal nach Bambi fast geflennt im Kino. Durchgehend gut, märchenhaft, aber nie ins unerträglich kitschige abdriftend. Die Mischung aus harter Realität und butterweicher Liebesgeschichte ist gelungen. Die Message von Liebe, die alle Hindernisse überwindet und Tragik ist angekommen. Klar, dass sowas im miesepetriegen Deutschland weniger ankommt.

  • Daniela 25. 4. 2009 an 18:39

    Ich habe den Film gesehen und war sehr bewegt und sehr berührt.
    Diesen Film kann ich jeden Empfählen einfach gut gemacht und zu
    recht den Oscar verdient.Der Film zeigt die bittere Realität und
    die der armen Bevölkerung und voralem das Leid der Kinder voralem
    der Straßenkinder und das diese armen Kinder in der Indien nicht viel
    wert sind.Erschreckend fand ich die Szeane wo die Kinder mit Säure
    blind gemacht werden oder wo man erfährt das kleine Mädchen durch
    die Prostituation vergewaltigt werden.Einfach schrecklich da muß man
    fast weinen.Nathürlich ist der Film ein Märchen und man sieht das trotz
    des Schicksal die Kinder bzw Jugendliche wie stark sie sind und es ist
    bemerkenswert wie sie ihr Leben meistern.
    Zu den Kritken der Film ist realistisch man sieht Straßenkinder die es
    zu tausenden in Indien gibt und man sieht Armut,ausbeutung und auch
    wenn es nicht vorkommt erfährt man von Kinderprostituation.
    Was ist Romantisch an Slums da gibt es nichts romatisches wenn man
    jeden Tag ums Essen und Wasser kämpft das verschmutzt ist und Menschen gibt die an Lungendenzündung,Masern ,Blindamendzündung
    oder Durchfall sterben nur weil sie keine Medizinische Behandlung
    Impfung oder Medikamente haben.Der Film ist einfach super und ist
    sehr hart aber er hat auch eine schöne Liebesgeschichte.Ein Märchen
    ist es weil der Junge gewinnt seine große Liebe bekommt und danach
    ein besseres Leben haben kann.
    Wer solchen Kinder helfen will kann Patenschaften bei World Vision
    Plan international oder der Kindernothilfe übernehmen habe die Patenschaft für zwei Mädchen aus Indien und bin froh ihnen etwas
    helfen zu können das sie so etwas was im Film gezeigt wird nie erleben
    zu müssen.

  • hokki 3. 5. 2009 an 21:35

    dieser film ist so unglaublich schlecht

  • Dirk 2. 6. 2009 an 12:01

    Ich mag den Film. Was ich allerdings nicht mag, ist das bollywood-typische Happy End mit fröhlichem Getanze auf dem Bahnhof! Angesichts der Kindheit und schrecklichen Erlebnisse von Latika und Jamal müssten die beiden ja ein Fall für die Anstalt sein! Aber nein- nachdem Jamal die Million gewonnen und Latika ihn endlich wieder aufgestöbert hat werden die beiden wohl glücklich bis an ihr Lebensende werden! Süß, ein Märchen eben, aber angesichts der harten Story doch arg pathetisch! Naja, wer es mag;-)

  • Daniel 21. 6. 2009 an 12:22

    Wunderbar wie hier die Meinungen auseinandergehen :-)
    Hab den Film geschaut und war richtig hypnotisiert von den Farben, den Bildern und den Klängen – und zu einem Märchen passt pefekt beim Abspann das Bollywood-Getanze.
    Auch wenn mir die Liebesgeschichte nicht so nah geganen ist, weil es zuviel Schicksal auf einer Erzählebene war, so konnt ich mich stark mit der Beziehung zwischen den beiden Brüdern identifizieren. Beide wachsen in den Slums auf, der eine wird getrieben von einer düsteren Seite und der andere ist durchwegs gut – eine spannende Message.
    Aber dass die Liebenden am Schluss zusammenkommen, weil er nun endlich Geld hat spricht so ziemlich dagegen, dass man auch „arm und glücklich“ sein kann – oder wie sieht ihr das?

  • Binding 21. 6. 2009 an 17:27

    @ Daniel: Die Liebenden kommen am Schluss doch nicht zusammen, „weil er nun endlich Geld hat“! Das wäre ja dann ein pädagogisch sehr wertvolles Märchen! ;-)