Review

Religulous (Review) (Update)

2. 4. 2009, Batzman (Oliver Lysiak), 39 Kommentare

„Rational people, anti-religionists, must end their timidity and come out of the closet and assert themselves. And those who consider themselves only moderately religious really need to look in the mirror and realize that the solace and comfort that religion brings you actually comes at a terrible price.“

Originaltitel: Religulous
Herstellungsland: USA 2008
Regie: Larry Charles
Darsteller: Bill Maher

religulous

Bill Maher ist ein freundlicher Zeitgenosse mit entwaffnendem Grinsen und Humor. Er schafft es die subversivsten Fragen zu stellen und dabei so harmlos zu lachen, als hätte er nur nach der Zeit gefragt.

Eine Art mit der nicht jeder umgehen kann, denn nicht nur viele Gäste seiner diversen Late-Nite-Show fühlten sich durch ihn angegriffen und beleidigt. ABC feuerte ihn und seine Sendung “Politically Incorrect” als er nach dem 11. September sagte die Bezeichnung der Terroristen als Feiglinge sei falsch, schließlich seien die USA diejenigen die ferngelenkte Raketen auf viele Meilen entfernte Ziele abschössen. Das war ABC dann doch zu “Politically Incorrect”.

Seiner Karriere hat dies nicht geschadet, derzeit ist er mit Real Time with Bill Maher im Pay-Sender HBO zu sehen, erfahrungsgemäß ein Tummelplatz für Formate in denen mehr gewagt werden darf als im normalen Fernsehen.

Jetzt hat sich Maher, der sich selbst als Libertarier bezeichnet, ein neues Ziel gesucht und nimmt sich diesem, unter der Regie des Borat-Regisseurs Larry Charles in Spielfilmlänge an: Religion. In Religulous, einer Mischung aus den Worten Religiös und Ridiculous (albern), erkundet Maher die Welt der Gläubigen und lässt sich mit ihnen auf mitunter sehr unterhaltsame Diskurse ein. Im Holy-Land in dem – wie in einem religiösen Disneyland – mehrmals täglich Jesus ans Kreuz geschlagen wird, wird ihm das Geheimnis der Trinität erklärt (Gott ist wie Wasser, das kann auch flüssig, gasförmig oder gefroren sein, deswegen sind der Vater, der Sohn und der heilige Geist alles dasselbe), diskutiert mit den Besuchern einer Trucker-Kirche über den Sinn des Glaubens, fragt einen mit Klunkern zugehängten schwarzen Prediger, ob Zuhälter sich nicht genauso zurechtmachen wie er und wie er seinen Reichtum vor den armen Gläubigen rechtfertigt, flirtet mit einem bekehrten Homosexuellen der sich die Umerziehung von der Sünde zur Aufgabe gemacht hat und besucht seine alte Schule und seine Familie in der er als Kind religiös erzogen wurde.

Wirklich neu sind seine Argumente natürlich nicht, spätestens seit Richard Dawkins sind atheistische Standpunkte ja allgemein bekannt, doch Mahers Charme und seine liebenswerte Frechheit schaffen es den Film durchaus unterhaltsam zu machen, grade weil ihm die Verbissenheit eines Michael Moore abgeht. Er steht zu seiner Rolle als bibelfester Satiriker und Comedian und gibt nicht vor eine Objektive Reportage abzuliefern, sondern seine atheistische Sichtweise auf den religiösen Alltag zu präsentieren. Dabei macht er nicht nur lächerlich, präsentiert nicht nur die Auswüchse und Extreme sondern diskutiert auch mit “normalen” Gläubigen, denen er durchaus mit viel Sympathie begegnet, auch wenn er ihre Ansichten nicht teilt.

Religulous ist natürlich ein sehr amerikanischer Film, denn hierzulande findet der öffentliche Diskurs zu Religion lange nicht so vehement statt wie in den USA. Auch wenn es hierzulande einen religiösen Backlash zu beobachten gibt, wenn evangelikale Gruppen an Einfluss gewinnen und auch Politiker wie Dieter Althaus öffentlich für die Lehre kreationistischer Ideen eintreten, so sind wir doch noch entfernt von “Holy-Land” und Co.

In den USA tobt der Glaubenskrieg jedoch weiter. Der Pro-Intelligent-Design-Film Expelled: No Intelligence Allowed, in dem christliche Forscher als verfolgte Minderheit und die Evolutionstheorie als Wegbereiter der Nazis dargestellt werden, bedient die Gegenposition. Ebenfalls unterhaltsam, jedoch weitaus verfälschender als dies Maher und Charles tun.

[gravatar email=“nilzenburger@gmail.com“ size=“96″]Nilz N. Burger meint:

Ja, das ist ein unterhaltsamer Film. Keine Frage. Und Bill Maher ist ein ebenso charmanter wie eloquenter Mann. Kein Zweifel. Trotzdem: Ich habe nicht das Gefühl, eine Dokumentation gesehen zu haben. Und das finde ich leider etwas verschenkt.

Natürlich muss man bei solch einem Thema nicht nur zuspitzen, man muss es umso mehr, wenn man Stand-Upper ist mit eigener Talk Show. Das soll kein Vorwurf sein, iwo, man muss eben nur wissen worauf man sich einlässt. In diesem Film geht es nicht um eine Wahrheitssuche oder ein ähnlich hochgestecktes Ziel. Es geht eher darum das Maher sich, kanalisiert durch ein paar Idioten, als das profilieren kann, was er ist: Ein scharfzüngiger, bisweilen auch brillianter Satiriker. Und dafür ist das Thema Religion natürlich ein einfacher Aufhänger: Wohl in keinem anderen soziokulturellen Bereich gibt es einerseits soviel Machtgeplänkel und andererseits so viele Spinner. Und oft genug sogar beides in einem…

Religion ist ein Thema zu dem wirklich ausnahmslos jeder sich sein Bild machen kann. Niemand der ohne irgendwelche religiösen Berührungspunkte aufwächst. Was daraus wird, was man daraus macht bleibt einem selbst überlassen, aber es gibt keinen Menschen auf der Welt der nicht irgendwann mit dem Thema „Glaube“ konfrontiert wird. Man kann den einfachen Weg gehen, es sich einfach machen und einfach glauben oder nicht. Oder eben sein Leben lang ambivalent zu der Thematik stehen und sich immer damit auseinandersetzen, ein stetiger Prozess sozusagen. Eine Einstellung die ich bei Maher durchaus sehe, wenn er sagt, das er es einfach nicht weiss, ob es einen Himmel oder einen Gott oder sonstwas gibt. Ihm ist klar, das es bei institutialisierter Religion eigentlich nie um den Glauben an sich geht, sondern immer um Menschen und ihr Durst nach Macht.

Wenn es darum geht, dann wird der Film spannend, dann kann ich mich nicht abwenden. Zum Beispiel führt er vor dem Vatikan ein Interview mit einem „Senior Vatican Priest“ führt, der ein ruppiges, ehrliches Rauhbein ist und Maher bestätigt das Kirchen nichts mit Jesus zu tun haben, das organisierte Religion nicht das ist, was die Leute dahinter daraus machen. Er entschuldigt die Bibel als „these are nice stories, you know?“ und erzählt wie bedarfsorientiert die Menschen die Kirche nutzen. Ein spannender Interviewpartner, sehr deutlich verwurzelt in der Realität. Ähnlich dem Interview mit einem „Vatican Scientist“, der sagt das man die Evolutionstheorie nicht anzweifeln kann, das Wissenschaft und Glaube zwei paar Schuhe sind. Intelligente, vernünftige Leute, denen der Zwiespalt zwischen objektiver Wissenschaft und (vermeintlich) irrationalem Glaube durchaus bewusst ist und die zum Teil ihre Faszination gerade aus diesem Widerspruch ziehen. Faszinierende Gespräche.

Leider aber nur ein kleiner Teil des Films. Der Rest ist das fast schon klassische, manipulative Pseudo-Doku-Kino eines Michael Moore. Ein Jesus-Darsteller aus einem Bibel-Freitzeit-Park wird interviewt. Ja, schon klar, guter Gag, aber was soll man von dem erwarten. Ein Fernsehpriester, der früher in einer Popband gesungen hat, wird nach seiner Vorliebe für Goldschmuck gefragt. Ok, kann man machen, muss man aber nicht. So geht es munter weiter und ich verliere die Lust das gesehene ernst zu nehmen. Maher macht es sich gemütlich und sucht sich so gut wie nie Gesprächspartner auf Augenhöhe. Das ganze wird also zu einem weiteren Borat-Film, nur das leider die rührende Storyline fehlt. Es werden Chancen vergeben (z. B. Geert Wilders, holländischer Rechter, der vor einer islamisierung der Gesellschaft warnt, darf kurz seinen unreflektierten Sermon ablassen und spielt danach keine Rolle mehr), spannende Fakten dienen als Pausenfüller und werden nicht verifiziert (Die Geschichte der alt-ägyptischen Gottheit Horus, die superoffensichtliche Parallelen zur Geschichte Christi aufweist, aber schon viele Jahre vorher überliefert wurde) und wir sehen Maher in einem Amsterdamer Coffee Shop kiffen, was in USA als Kontroverse vermutlich schon reichen dürfte.

Überhaupt keinen Erzählwert hat es dann, wenn Bill sich in London an die bekannte „Speakers Corner“ verkleidet stellt und die absurde Philosophie von Scientology predigt. Dazu noch ein Snippet seines Live-Programms in dem er erklärt, das man sich kaum über den Sci-Fi-Stuss der Sciantologen lustig machen könne, wenn man an eine sprechende Schlange und eine jungfräuliche Geburt glaubt. Kein Zweifel, unglaublich ist das alles und man kann sich nicht mit der Stoppuhr vor solch einen Film setzen und hoffen, das alle Religionen in gleich viel Zeit ihr Fett weg kriegen. Der Film ist absolut subjektiv und will es auch sein. Aber das wird schnell langweilig. Das „sprechende Schlange“-Argument ist offensichtlich ein Standard Mahers, den man im Film öfters zu hören bekommt. Leider ist der Witz dessen auch schnell vorbei.

Ein Fazit zu ziehen ist schwer. Maher kennt sich aus oder ist zumindest gut vorbereitet. Man merkt in einigen lichten Momenten, das es ihm wirklich darum geht, Menschen in den Institutionen zu finden, die sich gerne auf einen kritischen Dialog einlassen. Nur ,erstens, sucht er dazu zu oft an den falschen Stellen (und zwar absichtlich) und zweitens hat er denjenigen, die sich auf die Diskussion dann tatsächlich einlassen plötzlich erstaunlich wenig entgegenzusetzen. Ja, er hat sich ein einfaches Hau-drauf-und-schon-passiert-was-Thema ausgesucht, aber andererseits gibt es wohl keine kompliziertere Diskussion.

Ich selbst bin in meiner Glaubensfrage auch nachwievor unentschlossen. Schön fand ich es, als ich zuletzt mit meiner 7-jährigen Tochter über Gott und Religion sprach und ihr versuchte zu erklären, das die Kirche deswegen irgendwie doof ist, weil sie ihr vorschreiben will WIE sie an welchen Gott zu glauben habe. Das sah sie ein und erzählte mir dann, wie sie sich Gott vorstellt: Als riesengrossen, wunderschönen Pfau.

SIE hätte Maher mal interviewen sollen.

  • floham 2. 4. 2009 an 16:10

    immer noch besser als Nihilisten…die glauben an gar nichts! ;-))

  • Forodrim 2. 4. 2009 an 15:43

    kleine Klugscheisserei:
    Maher vertritt keine „atheistische Sichtweise“, er sagt mehrfach im Film das er ein „I don’t know“ predigt. Er ist eher Agnostiker.

  • Patrick B. Rau 2. 4. 2009 an 16:46

    Super unterhaltsam der Film.
    In der Szene, in der Bill Maher in einer Moschee ist und einer der Kameltreiber meint: „I don’t find this jew funny. I know comedy… He’s never made me laugh. And his show sucks.“ Also da musste ich mich spontan wegschmeißen.

  • Religulous | Cineasten.de 2. 4. 2009 an 16:00

    […] F

  • Mozzerino 2. 4. 2009 an 16:08

    Naja, ich würde Bill Maher schon als glühenden Atheisten bezeichnen. Wer regelmäßig „Real Time“ sieht, wird das schnell feststellen.
    Ich mochte den Film wirklich, allerdings vor allem deswegen, weil ich größtenteils Bills Meinung bin. Es hat auch enormen Unterhaltungswert wie er mit fast verzweifelnder Miene versucht zu verstehen, warum intelligente Menschen so einen (in seinen Augen) Schwachsinn glauben.
    Er ist aber schon sehr kompromisslos. Es gibt entweder Religion, Kirche und alles was dazugehört, oder gar nichts. Einen Mittelweg sieht er nicht und gerade mit dieser Ansicht wird er wahrscheinlich bei vielen Europäern Kopfschütteln auslösen, die ja eher einen sehr moderaten Zugang zur Religion haben.

  • Patrick B. Rau 2. 4. 2009 an 20:02

    Es findet sich immer einer, der es besser weiß.

  • CowVirus 2. 4. 2009 an 19:55

    Wobei auch Nihilismus nicht eindeutig den Glauben an nichts bezeichnet.

  • reeft 2. 4. 2009 an 20:53

    Ich finde jemanden sehr viel sympathischer und intelligenter, wenn er zugibt, dass er es nicht weiß als jemanden, der von sich behauptet es zu wissen. (bzgl Thema Religion)
    But that’s just my two cents

  • Bateman 3. 4. 2009 an 10:16

    Wird in dem Film differenziert zwischen Glaube und (organisierter) Religion? Das finde ich wichtig.

  • twitchi 3. 4. 2009 an 14:31

    Nein, wird nicht unterschieden, sein Standpunkt ist ja das Glaube nichts anderes ist als ein Glauben an den Weihnachtsmann oder die Zahnfee. Organisierte Religion ist nichts weiter als die konsequente Fortführung.

    Ich empfehle übrigens den Film unbedingt auf englisch anzusehen. Im Deutschen geht der wirklich nicht, so viele Witze sind völlig falsch übersetzt. Warum hier nicht wie bei Michael Moore Filmen der Untertitel angeschmissen wird bleibt mir rätselhaft.

  • no*dice 3. 4. 2009 an 17:26

    geil der neue alte Moore! In jeder Einstellung is Mahers Gusche zu sehen…ganz groß!

  • Patrick B. Rau 3. 4. 2009 an 23:13

    Ich hatte nicht den Eindruck, daß er (Maher) sonderlich verbissen ist. Der Film war eher locker und unterhaltsam im Ton.

  • Schwarzmaler 3. 4. 2009 an 22:52

    Ich weiß nicht wer mir mehr auf die Nerven geht – diese „3-mal-am-Tag-Jesus-ans-Kreuz-Nagler“, der evangelikanische Kreuzzug gegen die Evolutionslehre inklusive 6000 Jahre alter Fußspuren von Dinosauriern für Joe Redneck, oder diese verbissenen Atheisten von Dawkins bis Maher, die ihren eigenen Kreuzzug führen und dabei Religion nicht einmal erkennen würden, wenn sie direkt davor stünden.

  • Manniac 4. 4. 2009 an 10:28

    @Schwarzmaler

    Ich hatte mich schon gefragt, wann das ewigblöde“Atheisten sind genauso schlimmer Kreuzzügler“-Argument kommt… Maher und Dawkins mit den Protagonisten weltweiter Religionspropaganda gleichzusetzen ist wie eine Taschenlampe anmachen mit Brandrodung zu vergleichen und wenig anders als die Reaktion die die Intelligent Design Fürsprecher in „Expelled“ zeigen: Eine Majorität stilisiert sich selbst arme Unterdrückte und Gejagte Minderheit. Erinnert mich auch etwas an Heteros die dumme Sätze wie „Mittlerweile muß man sich ja entschuldigen wenn man nicht schwul und noch ganz normal ist“ sagen.

  • Schwarzmaler 4. 4. 2009 an 11:26

    “ And those who consider themselves only moderately religious really need to look in the mirror and realize that the solace and comfort that religion brings you actually comes at a terrible price.“ – wenn das nicht verbissen und verblendet ist. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, Atheisten seien die besseren Menschen. Die Schrecken der dreißiger Jahre sind nur so gut wie vergessen – sie fanden aus englischer und amerikanischer Sicht hinter dem (später so genannten) Eisernen Vorhang statt, hinter den sieben Bergen bei den sieben Russen. Man googele nach dem „Bund der militanten Gottlosen“. „…Allein 1937 wurden 8000 Kirchen geschlossen, überall wurden Bischöfe und Geistliche unter den wahn-witzigen Beschuldigungen, Konterrevolutionäre, »klerofaschischtische Verschwörer« oder »Agenten Hitlerdeutschlands und des militaristischen Japan« zu sein, verhaftet und ermordet. …“ Ähnlich brutales Vorgehen gegen die Kirche und ihre Anhänger im Spanischen Bürgerkrieg.

  • Bateman 4. 4. 2009 an 12:42

    @twitchi:

    „Nein, wird nicht unterschieden, sein Standpunkt ist ja das Glaube nichts anderes ist als ein Glauben an den Weihnachtsmann oder die Zahnfee. Organisierte Religion ist nichts weiter als die konsequente Fortführung.“

    Danke für die Info. In spreche nur für diesen Aspekt, da ich weder den Film gesehen noch Mahers Show/Ansichten kenne. Aber wenn Maher das wirklich so sieht ist er mir suspekt.

    Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen einem Individuum, welches glaubt was ihm beliebt, und einer Gruppe, die eine Hierarchie aufbaut, meistens auch ein Feindbild, die ihre Mitglieder unterdrückt und beschränkt etc. und, da sie eine Gruppe ist, irgendwann auch politisch wird.

    Ich habe den Eindruck dass Maher mit der Formulierung „those who consider themselves only moderately religious“ auch individuell/undogmatisch Gläubige mit einbezieht und sie über einen Kamm schert. Das ist schwach.

    @Schwarzmaler und Manniac:

    Menschen sind eingeschränkt in ihren Fähigkeiten. Deshalb werden sie nie wissen können dass es einen Gott gibt, und genauso werden sie deshalb niemals wissen können dass es keinen Gott gibt.

    Atheisten, die vorgeben zu wissen dass es keinen Gott gibt, sind damit (im Gegensatz zu Agnostikern) genauso heuchlerisch wie (wissende) Gläubige, die vorgeben von der Existenz Gottes zu wissen.

  • Schwarzmaler 4. 4. 2009 an 13:20

    @Bateman. „Who knows. Maybe. Just believing in God makes God exist.“…“Kill the Wise One!“ http://www.southparkstudios.com/clips/155419

  • Bateman 4. 4. 2009 an 19:38

    „die Evolutionstheorie als Wegbereiter der Nazis“

    Meinst du diesen letzten Absatz? Weil, auch den Kreationistenfilm kenn ich zwar nicht, aber wer noch nie von Sozialdarwinismus in Nazi-Deutschland, Amerika etc. gehört hat braucht dringend Nachhilfe. Kann gut sein dass dieser Aspekt in dem Kreationistenfilm überzogen dargestellt ist, aber, lieber Batzmann, Aspekte der Evolutionstheorie (Selektion) waren durchaus Teil der Nazi-Ideologie.

  • killknopf 4. 4. 2009 an 18:46

    Schöne Rezension, die vom letzten (Ab)satz noch veredelt wird.
    Bravo!

  • Christian 5. 4. 2009 an 1:08

    also auf imdb gibts paar gute reviews die genau in die andere richtung gehen- ein 2.review aus 5F crew wär vielleicht auch ganz interessant

  • Schwarzmaler 5. 4. 2009 an 16:52

    PS: Sozialdarwinismus ist eine (fast logisch zwingende) Folge der Evolutionstheorie. Da braucht man nichts zu verfälschen. Der Weg vom „Survival of the fittest“ zu Rassenidelogie und Kriegsverherrlichung ist kürzer als zum christlichen Altruismus und Opfermythos. Die Evolutionstheorie ist wissenschaftlich ein Fortschritt in der Erklärung der Entwicklung der Arten, in der Menschwerdung des Tieres Homo Sapiens ist es ein Rückschritt gegenüber Matthäus 5,38-48: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn.
    Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar“.

  • Patrick B. Rau 5. 4. 2009 an 19:40

    Eine wissenschaftliche Theorie stellt keine Handlungsanweisung dar. Wissenschaftliche Thesen sind fallibel. Zumindest sehen das die Leute so, die erkenntnistheoretisch nicht mehr im Mittelalter leben. Patrick B. Rau zum Beispiel.

  • Narf 5. 4. 2009 an 19:30

    @Schwarzmaler
    Wenn du über Religion diskutieren willst, musst du rüber zu Nerdcore. Da sind auch Leute, die Ahnung haben. Ich seh nur jemanden, der raushängen lassen muss, dass er mehr über Religion wissen möchte als andere es tun.

  • Bateman 5. 4. 2009 an 22:01

    „Eine wissenschaftliche Theorie stellt keine Handlungsanweisung dar. “

    Richtig. Und was die Nazis (und davor beispielsweise weniger verheerend die US-Amerikaner auf den Phillipinen) daraus gemacht haben macht ja nicht gleich die Evolutionstheorie böse oder gar falsch. Aber soweit ich das sehen kann (meine Sicht begrenzt sich auf Batzmans letzten Absatz) behaupten die Kreationisten ja auch nur dass es ein Wegbereiter war, und das war sie in jedem Fall. Nicht der zentrale Antrieb, aber ein guter Teil davon.

    Damals waren leider noch nicht alle erkenntnistheoretisch so weit wie Herr Rau heute.

  • Schwarzmaler 5. 4. 2009 an 22:25

    @Narf. Hey, ein paar Gegenstimmen zum „Haut den Lukas“ werden noch erlaubt sein.

  • Patrick B. Rau 5. 4. 2009 an 23:54

    @24
    Nein. Denn:
    „Es gibt einen unglaublichen Kontrollwahn. Eine Art kulturellen Faschismus.“ ;-)

  • twitchi 7. 4. 2009 an 14:44

    Leider wird dem Atheistentum überall wie auch hier vorgeworfen zu behaupten eine angeblich „wissende“ Haltung einzunehmen und zu proklamieren: Es gibt keinen Gott.

    Das tun aber nur die aller aller wenigsten, die meisten und auch eigtl alle großen Bekennenden sagen „Ich weiss es nicht. Die Chancen stehen aber ganz objektiv betrachtet viel viel näher auf meiner Seite.“ Und darin liegt ein himmelweiter Unterschied zu einem „Meine Religion hat Recht. Finito“ Und das wird von eben diesen kommuniziert. Ein „vielleicht haben WIR recht“ würde wohl kaum eine Religion lange am bestehen halten.

    Auszug aus dem Film: „I don’t know. That’s what i preach!“ Und das fasst es eigentlich ganz wunderbar zusammen. Im Film selber werden ziemlich fundamentalen Herrschaften jeglicher Glaubensrichtung auf herrlich einfache Weise gezeigt auf was für irre Dinge sie sich festlegen.

  • Patrick B. Rau 7. 4. 2009 an 21:15

    Einer behauptet sogar, er wäre der wiedergeborene Jesus Christus.

    hahaha

  • Batzman 8. 4. 2009 an 8:50

    @Nilz

    Du hast zum Teil Recht, aber deine Kritik ignoriert die Zielgruppe des Films und vor allem, dass der Film keine Dokumentation im klassischen Sinne sein will. Das ist kein Film für Deutsche Gläubige, die sich gern als gemässigt sehen und oftmals nur eine Handvoll Mal im Jahr in die Kirche gehen. Es ist ein Film für US-Amerikaner und ich glaube es greift zu kurz, wenn man hiesiges Religionsverständnis und das der USA gleichsetzt. Das was du als skurrile Einzelfälle empfindest ist dort bei weitem keine so exotische Minderheit, wie du es vielleicht empfindest. Klar nicht jeder rennt ins Holy-Land, aber grade außerhalb der Küstenregionen und der Großstädte, in den „Fly-Over-States“ hat Religion eine sehr viel größeren Stellenwert und wird tatsächlich viel ernster genommen als hierzulande. Die Televangelisten, Home Schooler und Concerned Mothers of America und wie sie alle heißen, bedienen nicht nur eine kleine verspinnerte Minderheit die sowieso keiner ernst nimmt. Sie repräsentieren die „schweigende Mehrheit“ und sie bilden die Grundlage auf der konservative Organisationen ihren Einfluß aufbauen. Die christliche Rechte ist eben kein lustiger Schützenverein von Leuten die ulkige Lieder singen und sich komisch anziehen, sie sind eine reale Gefahr für die Freiheitsrechte amerikanischer Bürger. Was Maher vorführt und angreift ist natürlich genau diese Grundlage – das mag für Deutschland derzeit nicht so relevant erscheinen, kann aber dem Film nicht zum Vorwurf gemacht werden.

  • Patrick B. Rau 8. 4. 2009 an 11:59

    Genau Nilz. Meine Tante Erna von X. sagt: „Gott ist eine gelb-grün gestreifte Brezel.“ SIE hätte von Maher interviewt werden MÜSSEN. Dann hätte ich auch drei volle Sterne gegeben. ;-)

  • Bateman 8. 4. 2009 an 18:07

    @Twitchi:

    „die meisten (Atheisten, B.) und auch eigtl alle großen Bekennenden sagen “Ich weiss es nicht (…)“

    Dann sollen sie sich gefälligst Agnostiker nennen. Auch jemand der sagt „ich weiß es nicht, aber die Chancen sind so und so“ ist ein Agnostiker. Jedenfalls ist die Unterteilung in Atheist, Theist, Agnostiker und Ignostiker das einzig sinnvolle wenns um Glauben geht.

  • Bateman 8. 4. 2009 an 19:49

    @Nilz:

    „Das sah sie ein und erzählte mir dann, wie sie sich Gott vorstellt: Als riesengrossen, wunderschönen Pfau.“

    Um so eine Tochter kann man dich nur beneiden :-) Süß!

    Bring ihr einfach bei dass Glaube und Religion 2 unterschiedliche Dinge sind, dann glaube ich wird sie selbstbewusst mit dem Thema umgehen können.

  • Binding 15. 4. 2009 an 20:18

    Mich hat auch gestört, dass das Ganze etwas zu sehr nach dem Michael-Moore-Prinzip aufgezogen war und sich damit letztlich selbst schadete. Und ich hätte auch gerne etwas vertiefendere Exkursionen zu manchen Themen gehabt. Aber alle Vorwürfe, die man dem Film machen kann, sind ein Witz gegen die irregeleiteten „Gläubigen“ und ihre Argumente sowie gegen das, was Religionen aus der Welt gemacht haben. Insofern stehe ich voll hinter Mahers Schlussaussage und seiner Aufforderung, doch ein wenig skeptischer durch die Welt zu gehen und seinen eigenen Kopf zu benutzen, anstatt Ideen anderer anzubeten. Diese Doku mit „Borat“ zu vergleichen, mag sich auf manche Methoden der Filmemacher beziehen, nicht aber auf die Ernsthaftigkeit der Sache: Maher nimmt das Thema absolut ernst, es handelt sich hier nicht um eine Komödie oder so!

    @ Feinde der Evolutionstheorie: Es ist nur eine Theorie, die im Gegensatz zu dogmatischen Religionsaussagen, die die absolute Wahrheit für sich beanspruchen, morgen schon widerlegt werden kann. Genau das ist der Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion!

    @ Atheisten- und Agnostiker-Basher: Alles, was Religionen Gutes hervorbringen, ist auch ohne Glauben und Religion möglich: Man kann auch als Atheist oder Agnostiker ethisch korrekt handeln! Der Unterschied ist, dass man dann aber mit Hilfe seines eigenen Grips‘ selbst drauf gekommen ist.

  • aski 17. 4. 2009 an 12:15

    Als ich den Film gesehen habe fand ich es ganz offensichtlich, dass die Interviews stark umgeschnitten worden sind, so dass das was tatsächlich gesagt wurde zu etwas völlig anderem gemacht wurde.
    Ich finde es schade, dass ihr das nicht in eure Rezensionen geschrieben habt, bzw. es euch nicht aufgefallen ist.

  • Norman E. 6. 5. 2009 an 21:12

    Schrecklich, dieses Geflame hier ;-)

    Der Film war sehr amüsant und das Ende hat mich doch tatsächlich gepackt.

    Wirklich missionierend kommt er (leider) nicht daher, unser lieber Herr Maher.

    Gott existiert nicht, dieses letzte Aufbäumen der Religiösen (Mixas Aussage über Atheisten) wird in wenigen Jahrzehnten vorbei sein, weil die Bildung trotz der Bemühungen der Kirche auch bei den Dritte-Welt-Ländern ankommen wird und ein aufgeklärter, intelligenter und unvoreingenommener Mensch, der sich seine eigene Gedanken machen kann und darf braucht keinen Gott.
    Den es nicht gibt.
    Gott existiert nicht.
    Er ist überflüssig in der Welt der Elektronen und Neutrinos, in der wir leben. Wir können schon jetzt nahezu jeden Moment seit der Entstehung des Universums erklären. Alles andere ist Augenwischerei.
    In 100 Jahren werden die meisten Menschen nicht einmal mehr glauben können, dass ihre Urgroßeltern GLAUBTEN. Um Richard Dawkins zu bemühen… Glauben sie an Mars, Zeus oder einen der ägyptischen Götter? „Ich bin einfach einen Gott weiter.“
    Sollte es anders kommen, wäre das sehr tragisch, weil der Mensch dann in seinen evolutionären Wurzeln feststeckt. Das Glauben an eine höhere Macht hat dem Menschen einen evolutionären Vorteil gesichert. Wenn eine Gemeinschaft an eine gemeinsame Sache glaubt, dann fördert das den Zusammenhalt. Auch das Auftreten von religiösen Visionen und dem Gefühl, dass da etwas ist, ist inzwischen medizinisch nachgewiesen. Es kommt aus den Schläfenlappen und kann mit einer leichten elektromagnetischen Stimulation hervorgerufen werden.
    Ein zehnsekündiges Googlen dürfte aureichen um das zu verifizieren. Allerdings auch um auf einer fundamentalistischorientierten Website zu landen, die unter Vorgabe falscher Daten alles in Frage stellt. Die Gläubigen machen es sich nämlich immer einfach.
    Soviele sagen, da ist dieses Buch und egal was alle anderen sagen, ich glaube daran, dass Gott die Erde in 7 Tagen erschaffen hat. Ich glaube daran, dass Gott als sein eigener Sohn auf die Erde gekommen ist, um uns böse Sünder, die wir von Geburt an sind, weil Eva ihrem Mann einen Apfel gegeben hat, zu erlösen. Ich glaube an diese ominöse Erbsünde, die Hölle, von der in der Bibel seltsamerweise nie wirklich die Rede ist. Ich glaube daran, dass die Frau das Böse ist, weil sie einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Natürlich verbrennen wir Frauen jetzt nicht mehr, weil das ja unchristlich ist. Heute.
    Vor 400 Jahren war das in Ordnung.
    Gott ist überflüssig, die Religion ist überflüssig.
    Wir brauchen sie nicht als gesetzgebende Kraft, darüber sind wir schon lange hinaus, sonst würden wir noch immer jedem Dieb die Hand abhacken und Ehebrecherinnen steinigen. Leben wir nach den zehn Geboten? Oder töten wir unsere Mitmenschen nicht aus einem anderen Grund?
    Wir brauchen diese diktierten Gebote nicht, weil wir ohne sie besser auskommen würden.
    Keine Kriege, kein Hass auf fremde Kulturen. Warum versteht das niemand?
    Der beste Weg zum Atheismus ist das Lesen der Bibel.
    Ich habe sie gelesen.
    Geht an euer Bücherregal und holt sie euch raus, lest sie und ihr werdet verstehen, warum die Kirche dagegen war, dass sie von Luther ins Deutsche übersetzt wurde, eine Sprache, die das Volk versteht.

  • d 15. 5. 2009 an 14:36

    @ 33.

    jo, das ist mir auch aufgefallen. besonders am ende, wo sie diese atombomben szenen mit den einzelnen saetzen vermischt haben.
    dieser rapper (der vorher sehr gemaessigte antworten gegeben hat und nun mal gar nicht fundamentalistisch war) sagt am ende was von globaler jihad und tot allen unglaeubigen. und das klingt da auch sehr stark „aus dem kontext geschnitten“… sowas ist echt schwach.

  • Patrick B. Rau 19. 5. 2009 an 21:52

    Auch ein interessantes Glaubensbekenntnis.

    Möge RAW in Frieden ruhen.

    Keep the lasagna flying.

  • dynamitrios 19. 5. 2009 an 21:39

    „Ich war auch Atheist, bis ich bemerkte, daß ich nichts rufen konnte wenn mir einer geblasen wurde“ RAW

  • Brüno (Review) | Die Fünf Filmfreunde 10. 7. 2009 an 2:14

    […] mitzuteilen, da bot unterm Strich sogar Charles voriger Film, der Bill Maher Doku-Spaß “Religulous” mehr Substanz und erhellende Momente. Bei Brüno präsentieren sie einen One-Note-Schwulen, […]

  • Leonidas 17. 6. 2010 an 14:03

    „Religulous“ war einer der geschmacklosesten Filme der letzten Jahre. Hier werden die Menschen nicht wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer politischen Gesinnung zum Gespött gemacht sondern wegen ihrer Religion. Nun kommt schon. Ich bin ja nicht wirklich religiös, aber diese Leute tun keinem Menschen etwas zu Leide.

    Na ja, dass Bill Maher ein asoziales Arschloch ist wussten wir ja schon vorher und Larry Charles hat zwei der miesesten Filme aller Zeiten gedreht, von denem einem nur noch das Essen hochkommen kann.

    Jeder soll glauben, was er will, Niemand soll einem anderen vorschreiben, was er zu glauben hat und was nicht. Wenn Jemand Atheist ist, dann ist das halt so. Wenn Jemand gläubig ist, ist das auch so.

  • Christian 13. 7. 2010 an 15:09

    Religolous ist ein netter, unterhaltsamer Streifen, der aber nur bedingt für Menschen zu empfehlen ist, die sehr empfänglich fürs Fremdschämen sind. Einige Male habe ich mich vor Schmerz und Scham schon winden müssen, bei dem hanbüchenen Unsinn, den die Leute im Film so von sich geben.

    Den Film muss man natürlich in den richtigen Kontext setzen, was Batzmann leider erst in den Kommentaren gemacht hat. Der Film will nicht objektiv sein, sondern wachrütteln. Was gerade gegen Ende hin mit dem Holzhammer geschieht. Das fand ich völlig unnötig.

    Das Fremdschämen ging dann hier weiter, als ich mir die Kommentare durchlas. Sorry, Bateman und Schwarzmaler, aber hier kam mir soviel ekelhaftes Halbwissen von euren minderbemittelten Ergüssen entgegengespritzt, dass ich jetzt erstmal ein Handtuch brauche.
    Sozialdarwinismus hat mit Darwinismus soviel zu tun wie Batzmann mit Batman…