DVD Review

Kurzkritiken: The Brothers Bloom, Doghouse, Inglorious Bastards, Van Diemen’s Land, Trick ‚r‘ Treat, Train (Review)

1. 9. 2009, Batzman (Oliver Lysiak), 8 Kommentare

Die nächste Runde Kurzkritiken steht an. Ein bißchen Nachlese zum Fantasy-Filmfest, Kinostarts und DVD-Releases für die mir leider die Zeit zum Langreview fehlt.

Heute dabei: The Brothers Bloom +++ Doghouse +++ Inglorious Bastards +++ Van Diemens Land +++ Trick ‚r‘ Treat +++ Train +++ The story of a bad boy +++ I Know You Know

The Brothers Bloom – USA 2009

Die Brüder Bloom, Waisenjungs, haben sich von kleinauf als Trickbetrüger durchgeschlagen. Doch jetzt hat der jüngere der beiden (Adrien Brody) mal wieder eine Sinnkrise und will aus dem Geschäft aussteigen. Mit List und Tücke überredet ihn sein Bruder (Mark Ruffalo) zu einem letzten Coup…

Nach einem grandiosen Intro im Dr. Seuss-Stil, schwankt die Qualität des Films leider zwischen spaßig und bemüht melodramatisch. Con-Filme leben von der Dynamik ihrer Hauptfiguren, vom Witz und Spiel mit doppeltem Boden. Thick as thieves hat zuletzt bewiesen, dass die bewährte Formel routiniert umgesetzt noch immer unterhaltsam sein kann. Die Bloom-Brüder sprühen leider beide nicht grade vor Charme, besonders Adrian Brody guckt den halben Film wie ein gequälter Dalmatiner und selbst der gehetzte Wechsel zwischen Dutzenden Locatiions bewahrt den Film nicht vor dramaturgischen Durchhängern. Das Spiel mit den Zeiten, das Johnson in Brick so wunderbar gelang, als er Elemente der Schwarzen Serie ins Highschool-Millieu verlegte, wirkt diesmal seltsam unhomogen, denn die klassischen Trickbetrüger die daherkommen wie aus den 20er Jahren finden nie einen echten Zugang zur realen heutigen Welt. Rachel Weisz und Robbie Coltrane sind die einzigen, die den Film mit Leben erfüllen und etwas schauspielerisches Gewicht in den Topf werfen, während Mark Ruffalo als Drahtzieher und kreativer Kopf des Duos leider den gesamten Film blaß und langweilig daher kommt – was die Anteilnahme am Drama zu dem der Streifen im letzten Akt mutiert, leider nicht grade gut tut. Genausowenig wie die unfokussierte Story, deren Schlenker nicht natürlich der inneren Filmlogik folgen, sondern aufgesetzt und angestrengt wirken. Johnson hat Talent und viele gute Ideen, ein Händchen für Bilder und skurrilität – aber in diesme Streifen entsteht daraus leider kein befriedigendes Ganzes. Im Zweifel ist der Con-Fan wohl mit „Dirty Rotten Scoundrels“ oder ein paar Staffeln der Serie „Hustle“ besser bedient.

Doghouse – UK 2009

Eigentlich wollte die Männertruppe ja nur ihren Kumpel mit einem Wochenendausflug aufs Land aufheiten, nachdem dieser von der Freundin verlassen wurde und jetzt Frust schiebt. Womit sie nicht gerechnet hatten (was man ihnen nicht zum Vorwurf machen kann) ist das sich sämtliche Frauen des Zieldorfes gerade in männermordende Zombie-Infizierte verwandelt haben und unsere Kerle plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes mittem im Geschlechterkampf stehen….

Spassig-temporeicher fun-splatter, der irgendwo zwischen braindead und und shaun of the dead seinen platz sucht. Er erreicht zwar nicht das Niveau dieser Filme, bietet aber genug witzige Ideen, Dialoge, Gore und Gags, das man seine Schwächen verzeihen kann. Im Gegensatz zu Lesbian Vampire Killer, der ebenfalls auf dem FFF zu sehen war, bietet er tatsächlich skurrilen englischen Witz und Charaktere die zwar nicht zwingend sympathisch, aber doch interessant genug sind, dass man wissen will ob sie überleben oder nicht…

Inglorious Bastards (Ein Haufen wilder Hunde) – IT 1975

Ein Trupp US-Deserteure versucht Ende des zweiten Weltkriegs in die neutrale Schweiz zu fliehen. Doch ihr Plan mißlingt und unversehens stehen sie vor der Aufgabe Hitlers geheime Kriegswaffe, die V2-Rakete zu zerstören…

Wenn auch zu Anfang etwas schleppend erzählt, bietet der Film doch trashiges Actionkino vom Feinsten, dessen raubauzige Charaktere sympathische, simplizistische Antihelden abgeben. Was die Schauwerte angeht, hat der Film einige wirklich schicke Stunt- und Action-Szenen zu bieten, die heute wahrscheinlich im Lowbudget Bereich nicht mehr zu realisieren wären.
Das ganz nebenbei kleine anti-rassistische Seitenhiebe verteilt werden und die bunt zusammengewürfelte Truppe sich korrekt unkorrekt verhält, trägt nur zum Spaß an der hanebüchenen Story bei.

Tarantino mag sich beim Titel bedient haben, aber den wirklichen Reiz dieser sympathischen Kriegstrashies hat er nicht kapiert – denn im Gegensatz zu den Basterds ziehen die Bastards alle Register um nicht zu langweilen und sich nicht wie ein Kammerspiel im Studio anzufühlen….

Van Diemens Land – AUS 2009

1822 flieht der verurteilte Alexander Pierce aus der Arbeitskolonie Van Diemen’s Land in Tasmanien und schlägt sich mit sieben anderen Gefangenen durch die Wildnis. Die Stimmung unter den Männern wird immer angespannter, je länger sie unterwegs sind und je hungriger sie werden…

Die Krücke der wahren Begebenheit, auf der das Ganze basiert, hilft leider auch so gar nicht diesen üblen und langweiligen Stinker in den guckbaren Bereich zu hieven. Hässliche Männer im Wald, die sich gegenseitig aufessen. Charaktere oder deren Entwicklung finden nicht statt, der Zuschauer darf froh sein, wenn es ihm gelingt die Zauselbärte anhand ihrer Dialekte halbwegs auseinander zu halten.

Die elegische Inszenierung, die schrammelige Musik die großes Arthaus-Drama suggeriert, die immer gleichen Einstellungen, die entsättigte Digitaloptik, die das farbenfrohe Tasmanien zu einem tristen, regnerischen Einheitsbrei verschwimmen lässt, der ewige Wechsel zwischen durch den Wald laufen und am Lagerfeuer sitzen und sich die banalen Dialoge anhören, die schwurbeligen Bruddeleien von Pearce, die das ganze zusammenhalten sollen, aber genauso wie der Rest irgendwann nur noch wünschen lassen, der Film möge endlich vorbei sein.

Zwei Minuten in der Wikipedia bieten erhellendere Einsichten in die Geschichte, als die gefühlten 4 Stunden die Van Diemen’s Land vor sich hinplätschert… Dann vielleicht doch nochmal lieber Ravenous oder Canniball-The Musical. Und die waren schon nicht super.

Trick ´r Treat – USA 2007

Fünf verschiedene Geschichten entfalten sich an einem Halloweenabend. Vom schüchternen Mädchen, das sich alleine auf den Weg macht, dem genervten Schuldirektor der sich eine makabere Überraschung ausdenkt, den Kindern die einer Urban Legend auf den Grund gehen wollen, der Halloween-Hasserin die den wahren Geist des Festes kennenlernt bis zum grummeligen Nachbarn, der für die sammelnden Kids so gar nichts übrig hat…

Ein idealer Halloweenfilm, der im Stil von Creepshow und Tales from the Crypt fünf miteinander verwobene Einzelepisoden erzählt, die alle mit bösem Humor und E.C.typischer Moral kleine Gruselstories erzählen. Dabei ist von der netten Fingerübung bis zur schwarzhumorigen Campfire-Story alles dabei. Garantiert kein großer Film, aber dank der sympathischen Besetzung und ein paar gorigen Effekten ein gelungener Film für Genre- und Halloweenfans.

Train – USA / RUS 2009

Eine US-Ringermannschaft verpasst nach einem Wettkampf in Russland ihre Eisenbahn und landet im Versuch doch noch Pünktlich zum nächsten Austragungsort zu kommen in einem gar merkwürdigen Zug, dessen Crew eine Passagiere als Organlieferanten benutzt…

Unappetitliche Mischung der typische Organ-Mafia-Elemente a la Fleisch, Coma, Ambulance mit sadistischer Ästhetik heutiger Folterpornos wie Hostel mischt. Breit ausgespielte, selbstzweckhafte Goreszenen, die üblichen degenerierten, moralisch verkommenen Russen, das übliche moralische Feigenblatt der angepappten Kapitalismuskritik, machen den Film zu vergessenswerter und bestenfalls handwerklich solider Dutzendware, deren perfider Voyerismus grade mal taugt um jugendlichen Gorefreaks als Mutprobe zu dienen.

The story of a bad boy – USA 1999

Pauly ist 17 und pubertiert ganz furchtbar. Die Welt besteht aus Versuchungen, vom Messdiener, über seine Freundin oder die Nonnen in seiner katholischen Schule. Als er dort rausfliegt und sich an einer normalen Bildungsstätte zurechtfinden muß, wird das Leben erst richtig kompliziert, der Pauly verknallt sich Hals über Kopf in den unsicheren, jungen Schauspiel-Lehrer, der eine Inszenierung von „The Scarlet Letter“ plant…

Sympathische, wenn auch nicht wirklich originelle Coming-Out-Story die in ihrer verspielten Herangehensweise an Roths Portnoy erinnert. Der durchaus putzige Hauptdarsteller kann sich mit dem naivem Charme und Grinsen auch durch die unglaubwürdigeren Wendungen der Story hangeln, ohne Schaden zu erleiden.

I know you know – UK 2009

Jamies Vater Charlie (Robert Carlyle) ist seit langer Zeit wieder in der Stadt und nimmt seinen Sohn zu sich, der lange bei den Großeltern lebte. Der Junge freut sich, weil sein Vater ihm endlich ein besseres Leben verspricht. Doch schon bald merkt Jamie, dass sein Vater etwas zu verbergen hat. Kann es sein, dass Charlie in Wirklichkeit als Agent für den MI-6 arbeitet?

Die komisch-surreale Komponente dieses Coming-of-Age-Films schlägt bald in handfestes Drama um, wenn Regisseur Justin Kerrigan seine eigene Kindheit verarbeitet. Trotz einiger Plotholes und Vorhersehbarkeiten entschädigt die großartige Schauspielerische Leistung von Robert Carlyle und des jungen Hauptdarstellers Aaron Fuller für alle Schwächen. Die Inszenierung ist überraschend altmodisch, verzichtet auf Kamera- und Schnitteskapaden moderner britischer Produktionen und erzählt mit an Ken Loach erinnernder Tristesse eine Geschichte der britischen Arbeiterklasse.

  • freeminder 1. 9. 2009 an 10:39

    Es ist jetzt 11:36 Uhr und ihr habt immer noch nicht die Schocker-Nachricht des Tages gepostet. Dann übernehme ich das mal ganz dezent.
    DISNEY KAUFT MARVEL!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    DISNEEEEEEEEEYYYYYY KAUFT MARVEEEEEEEEEEEEEELLLLL!!!!!

  • burns 1. 9. 2009 an 17:02

    O – – – no………..

  • Dominik Jungowski 2. 9. 2009 an 0:01

    FYI: Der deutsche Titel von Inglorious Bastards ist „Ein Haufen verwegener Hunde“

  • Nomad 2. 9. 2009 an 15:06

    Aha, Tarantino hat den Reiz von Trash aka Schund aka Pulp nicht verstanden. Das wage ich einfach mal stark zu bezweifeln.

  • K 25. 11. 2009 an 17:55

    :O
    warum das denn,sie werden MARVEL verunstalten ,jaaaaaaaa :/

  • ICE 26. 11. 2009 an 21:38

    Der Kauf (für 4 Mrd. USD übrigens) muss noch von der amerikanischen Anti-Monopol-Kommission genehmigt werden.

  • Grandios: Die besten Filme 2009 | Die Fünf Filmfreunde 6. 1. 2010 an 3:02

    […] Bester Fun-Horror: Zombieland und Doghouse […]

  • Steve 19. 11. 2010 an 12:39

    Zwei Jahre später….egal es heißt basterds mit e.

    Auch for Dominiks intrest.

    • Nilz N Burger 19. 11. 2010 an 12:50

      Und wer lesen kann ist klar im Vorteil, du Pfeiffe. Mit drei f.
      Auch for Steves intrest.