Review

Die Frau des Zeitreisenden (Review)

18. 9. 2009, Jet Strajker, 19 Kommentare

„I wouldn’t change one second of our life together.“

Originaltitel: The Time Traveler’s Wife
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Robert Schwentke
Darsteller: Eric Bana, Rachel McAdams, Ron Livingston, Jane McLean, Arliss Howard, Brooklynn Proulx, Stephen Tobolowsky, Alex Ferris

Manche Filme entziehen sich ihrer Erzähllogik sehr klug, indem sie etwas per se Unlogisches als so selbstverständlich voraus- und ins Bild setzen, dass man sich nur zu gern von den heilsam eskapistischen Fäden einer großen Geschichte einspinnen lässt – für den Genrefilm ist das schließlich auch ein apodiktisches Prinzip. Die Rezeption findet dann bestmöglich irgendwo auf einer irrationalen Gefühlsebene statt, allerhöchstens stolpert man aufmerksam über die Unlogik innerhalb der eigenen Unlogik und stellt doch das große Behauptungskonstrukt nicht in Frage. „The Time Traveler’s Wife“ bricht diese Erwartungshaltung noch stärker herunter, er möchte schlicht ein Film sein, den man spüren und ertasten muss. Es ist eine wattebauschig-gediegene Kitschanhäufung voller definierter Emotionen und zielgruppenorientierter Appelle: Ein Film für Frauen, die Monogamie und ewige Liebe nicht für eine Erfindung der Kirche halten.

Henry DeTamble steht im Mittelpunkt einer Handlung, die ebenso unvermittelt wie unmotiviert ihren Anfang nimmt: Er ist das Opfer eines genetischen Defekts (in jeder Hinsicht allzu adäquat: Eric Bana), der ihn willkürlich und unkontrolliert durch die Zeit reisen lässt. Meist führt ihn der plötzliche Raumentzug in die Vergangenheit, an Orte, die wahrscheinlich von seinem Unterbewusststein gesteuert werden. Diese unkonventionelle Eigenschaft könnte ein großer Spaß sein, würde Henry sein Schicksal nicht als quälende Stigmatisation begreifen, die die Beziehung zu seiner stets im Hier und Jetzt zurückgelassenen Frau Clare (Rachel McAdams) auf eine repetitive Probe stellt. Immerhin ist Henry seiner treudoofen Liebsten auf Zeitreisen nicht untreu, im Gegenteil – er landet sogar einmal im Gebüsch neben einer Wiese, auf der Clare gerade ein Picknick veranstaltet. Da ist sie zwar noch ein kleines Kind und er dank Zeitkontinuumsregel splitterfasernackt, aber der Grundstein für ihre immerwährende Liebe ist mit diesem Pädo-Sinnbild zweifelsfrei gelegt.

Und so durchzieht diesen Film ein ständiger Hauch von Wehmut, Sehnsucht, unerfüllter Liebe. Das ist formal in einer beachtlich lethargischen Schönbilder-Ästhetik gehalten, die faltenfrei und farbenbunt chronologisch Jahre und Zeiten durchläuft bis zum unaufhaltbaren dramaturgischen Brückenschlag. Wie ein Geist stolpern Eric Bana und seine von Drehbuch und Regie zur totalen Konturenlosigkeit verdammte Figur durch diesen penetrant schwermütigen Taschentuchheuler, der seinem Titel noch nicht einmal gerecht wird: Die in die völlige Passivität verdrängte „Frau des Zeitreisenden“ bleibt eine Schattengestalt, deren Probleme vom hilflosen Zurückbleiben und ständigen Alleinsein der Film keine einzige Minute thematisiert. Stets folgt er vielmehr Henrys irrelevanten, uninteressanten, einschläfernden und letztlich keinerlei schlüssigen Logik folgenden Quickies in der Zeit, ohne bedeutende Teile der Handlung seiner Frau zu widmen. Man möchte nicht glauben, dass Oscargewinner Joel Rubin mit diesem Wohlfühlpamphlet nach Audrey Niffenegger sein eigenes großartiges „Ghost“-Drehbuch plündert.

Das alles erinnert nicht selten an den seltsamen Fall des „Benjamin Button“, und witzigerweise hat Brad Pitt diese Adaption des Bestsellerschmachtfetzens auch noch produziert. Hier wie dort wird über Vergänglichkeit und eine alle Zeiten und Hindernisse überdauernde Romanze sinniert, hier wie dort geschieht das ebenso schleppend wie fremdartig. Der Exil-Schwabe Robert Schwentke verliert sich dabei in seinem zweiten Hollywoodfilm nach „Flightplan“ in präzis gelackten Bildern, die keinen Raum für Emotionen und wirkliche Konflikte lassen. Das hätte ein spannender Film über die Unmöglichkeit von Liebe oder auch eine schöne Vanitas-Metapher werden können, stattdessen lässt uns „The Time Traveler’s Wife“ zwei gepflegt langweilige Stunden in die gequält leidigen Gesichter seiner Hauptdarsteller blicken: Unendliche Leere.

  • Sandstrahler 18. 9. 2009 an 8:23

    Klar, Filme mit einem Stern sollten ausführlichst besprochen werden. Macht ja Sinn. :D

  • Kiran 18. 9. 2009 an 9:12

    sorry…aber bei solch einem Filmplakat muss einem ja schlecht werden!

    *würg*

  • Andi 18. 9. 2009 an 9:27

    Immer wenn ich ein Film mit Eric Bana sehe (zugegeben, es waren noch nicht viele), dann denke ich immer, dieser ehemalige deutsche TV-Moderator Andreas Türck spielt in dem Film.
    Geht nur mir das so?

  • The FaBIan 18. 9. 2009 an 11:09

    At least it was time-travel, but i really missed the Terminator…

  • KodyMonstah 18. 9. 2009 an 16:08

    @ 3.:

    Dann schau dir „Chopper“ an.

  • Dominik 18. 9. 2009 an 17:03

    Gut Besprechung. Gut, viel Wort und so.

  • Andi 18. 9. 2009 an 20:26

    Chopper? Sagt mir was. Wollte ich mal ausleihen in der Videothek, aber dann kam ich nicht so richtig dazu. Werde den mal bei Videobuster auf die Liste setzen.
    Danke für den Tipp.

  • GunGrave 18. 9. 2009 an 21:50

    oh-ha… werde den Film wohl vorerst meiden – mal für ne Zeit einschieben in der ich absolut nicht weiß was ich tun soll ^_~

  • Das Ding 19. 9. 2009 an 8:02

    Ich neige bei dieser REVIEW dazu ein summary zu machen.
    Derart Wortschwanger macht es keine freude sich da durchzulesen.

    Nur die Sternbewertung und der Text ab „Das hätte ein spannender Film…“ waren hilfreich.

    LG

  • Martin 19. 9. 2009 an 11:41

    oh man, bei diesem Filmplakat werde ich mir den Film erst recht nicht angucken…

  • Epi 19. 9. 2009 an 14:46

    Wie sich manche Leute hier anstellen…
    Solch eine Review zu lesen macht doch Spaß! Da macht sich jemand die Mühe und verfasst einen netten Text und es muss natürlich jemand kommen, der ihn ZU LANG findet. „Wortschwanger“… als wenn das ein brauchbarer Kritikpunkt wäre.
    Und warum es keinen Sinn machen sollte, schlecht bewertete Filme detailliert zu besprechen, entzieht sich mir ebenfalls.
    Wenn ein schauderhaft öder Film derart eloquent behandelt wird, wie es hier oft der Fall ist, dann habe ich wenigstens das Vergnügen, einen sprachlich ansprechenden Text lesen zu können.
    Tut mir leid, aber solch eine Attitüde verstehe ich nicht.

  • lalalala 19. 9. 2009 an 22:48

    Eventuell bin ich sadistisch veranlagt, keine ahnung, aber mich
    interessieren lange reviews über schlechte filme immer mehr
    als über gute ^^

  • chris 20. 9. 2009 an 14:08

    @krian, @martin
    kann mir jemand mal bitte erklären was an dem filmplakat so schlecht sein soll? es spricht die zielgruppe an und ist sowohl fotografisch, typografisch als auch farbästetisch [lila-gelb komplementärkontrast] einwandfrei. gegenargumente? bitte, gerne !!!
    wenn man sich nicht für liebesfilme dieser art interessiert, darf man kein „böses“ plakat a’la doomsday erwarten ;)

  • Das Ding 20. 9. 2009 an 19:34

    @11
    Wer sich für seine ELOQUENTZ entschuldigt hat doch einen an der Marmel.
    Wenn du hier also etwas gegen das Gebaren einiger weniger hast, aufgrund deiner Intelligenz, die nicht viel mit einer extrem eloquent geschriebenen Review-Positur zu einem Film wegen des wohlmöglich abhanden kommenden Leseflusses anfangen könne, dann kann ich das adäquat nachvollziehen.
    Aber wer „Wortschwanger“ mit „Fremdwort“ nicht in Verbindung bringen kann, wird von mir nicht mehr ernst genommen.

  • jorl 20. 9. 2009 an 19:38

    Ich habe das Buch gelesen und fand‘ das wenig kitschig. Ein bissl lang stellenweise, aber die Figuren (beide etwa gleich gewichtet im Buch) waren greifbar und deren Handlung verstehbar. Schade, wenn das wirklich so mau verwurstet wurde.

  • heinzerrr 21. 9. 2009 an 11:03

    guter roman mit guten personen und einer guten geschichte, bis zu ende spannend erzählt… beileibe kein „schmachtfetzen“.

    vom film halte ich auch sehr, sehr, sehr wenig. aber da kann das buch ja nüscht für.

  • horni der biber 21. 9. 2009 an 16:56

    ich fand das buch auch toll. hielt die story auch für in sich durchaus logisch. hab den film nicht gesehen, fand aber eric bana gut gecastet.

  • Binding 22. 9. 2009 an 23:16

    Ich sehe es so: Ich bin froh für jeden Liebesfilm, der das Thema anders aufzieht als üblicherweise und Genregrenzen übertritt. „Sieben Leben“ war auch so einer, und – wie schon gesagt – „Benjamin Button“. Man hätte zwar definitiv mehr draus machen können, und ziemlicher Schmonzes war’s auch. Aber hey – er hat mich dennoch gut unterhalten. Und das sage ich trotz Y-Chromosom.

  • Cathrin 24. 9. 2009 an 11:25

    also, das buch war schon blöd und ich habe es ziemlich schnell beiseite gelegt. eine todenlangweilige liebesgeschichte, die durch den unlogischen zeitreisekniff auch nicht besser wurde.