Review

Kurzkritiken: Die Entführung der U-Bahn Pelham 123, Die fast vergessene Welt, Dead Snow, Pig Hunt, FAQ about Time Travel, Infestation, Is anybody there? u.a.

1. 10. 2009, Batzman (Oliver Lysiak), 14 Kommentare

Zeit für Filmreviews im Schnelldurchlauf. Die wichtigsten Recent Guckis aus der Kino & DVD-Welt, mit leichtem Fokus auf Horrorfilme, da wir ja bald schon wieder Halloween haben.

Heute dabei: Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 +++ Die fast vergessene Welt +++ Year One +++ Dead Snow +++ Pig Hunt +++ FAQ about Time Travel +++ Infestation +++ Is anybody there? +++ Scooby Doo & Das Abenteuer beginnt

Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 – USA 2009

John Travolte entführt die U-Bahn 123 in New York. Denzel Washington gerät als Stellwerk-Leiter unvermittelt in die Rolle des Verhandlungsführers. Remake von „Stoppt die Todesfahrt der Pelham 1-2-3“.

Es hätte viel schlimmer kommen können. Gemessen an anderen Remakes ist Tony Scotts Pelham-Riff in der Tat noch ganz passabel. Sein einziges Problem ist, dass es eigentlich keinen einzigen Grund gibt, warum dieser Film gemacht wurde, hat er doch weder dem Original noch dem Genre irgendetwas hinzuzufügen. Die kühle, schwarzhumorige Smartness des Originals ist dem typischen Wush-Wush-MTV-Stil gewichen, Tony Scott fürchtet das Kammerspiel das der Prämisse zugrunde liegt und flüchtet sich immer wieder in Kameraspielereien und sinnlose N.Y.-Aufnahmen.

Die Hauptrollen sind solide, Denzel ist besser als erwartet auch wenn er zu keiner Sekunde an den knarzigen Charme von Matthau herranreicht. Travolta fährt mal wieder seinen Bad-Guy-Schtick den er schon dutzendfach zuvor abgespult hat. Statt des eiskalten, sarkastischen Gentleman-Gangsters haben wir wieder mal den coolen Sprücheklopfer. Die Story folgt weitgehend dem Original, nur mit weniger Stil und modischen Plotfluffs, wie Webcam-Chats, Börsenspekulationen und blutigen Ballereien. Zum Plot oder zur Spannung tragen diese Äusserlichkeiten nicht bei, wirken sie doch wie die verzweifelte Verteidigung David Goyers, als Beweis dafür das er irgendeine kreative Eigenleistung erbracht hat.

Irgendwie ist das ganze aber doch leidlich spannend, wäre da nicht der völlig unnötige letzte Akt in dem Denzel mit brachialer Drehbuchgewalt zum Actionhelden mutieren muss. Wer das original nicht kennt wird passabel unterhalten und hat den Film vermutlich schon auf dem Heimweg wieder vergessen. Geniest wird übrigens auch nicht.

Die fast vergessene Welt – USA 2009

Ein diskreditierter Urzeitforscher wird mit einer Forscherin und einem Cafebesitzer aus versehen in eine urzeitliche-bizarre Dimension geschleudert, in der es von merkwürdigen Kreaturen, Dinosauriern und glubschäugigen Echsenwesen nur so wimmelt. Nur mir vereinten Kräften können sie in unsere Welt zurückkehren.

Brad Silberling – der schon in Lemony Snicket eine künstlich-verschrobene Welt gezaubert hat, legt mit diesem Will Ferrell-Vehikel, das sehr lose auf einer trashigen TV-Serie aus den 70ern basiert, ein lupenreines Guilty Pleasure vor. Natürlich ist dieses hanebüchene Abenteuer nicht wirklich gut, aber der Unsinn hier wird derart konsequent und mit soviel Blick aufs surreale Detail inszeniert, dass es schwer fällt ihn nicht doch irgendwo zu mögen.

Die Handlung ist fragmentarisch und nur sehr bedingt logisch, aber Ferrells Deadpan-Delivery der idiotischsten Lines, seine Diskussionen mit einem extrem smarten und verschlagenen T-Rex und eine bunuel’eske Szene in einem unvermittelt in der Wüste erschienenen Motel inkl. Pool entschädigen für den Leerlauf und die fehlende Spannung. Fans des Originals, das sich durch liebevoll-billige StopMotion und flimmernde Rückpro-Effekte auszeichnete, werden zudem mehr als eine augenzwinkernde Referenz auf die Serie entdecken. Und das nicht nur, weil die CGI-Effekte hier ebenfalls eine trashige Qualität haben, die man sonst nur in Rodriguez-Kinderfilmen gewohnt ist. Silly Silly Fun.

Year One – USA 2009

Zwei tumbe Jäger & Sammler (Jack Black und Michael Cera) werden nach einem Biss in die Äpfel des Baums der Erkenntnis aus ihrem Dorf verstossen und stolpern durch die biblische Geschichte von Kain und Abel bis Sodom und Gomorrha.

Nicht so schlecht wie von vielen behauptet, aber leider auch nicht so gut wie er mit dem Personal sein müsste, erinnert Year One an die schlechteren Mel Brooks-Filme, besonders an die eher schwachen Episoden aus „Verrückte Geschichte der Welt“. Blacks Charme und Ceras neurotische Naivität retten einiges an diesem unentschlossenen Streifzug durch biblische Anekdoten. Ein paar gelungene Seitenhiebe gegen fanatischen Gottesglauben (sehr nett in den Abraham-Szenen mit einem bockigen Christopher Mintz-Plasse als zu pfernden Sohn), stehen vielen eher mediocren Szenen gegenüber, die sich – auch hier eine Parallele zu Mel Brooks – oft in ganz lustigen aber altbackenen Homo-Gags ergehen, wenn etwa Oliver Platts Hohepriester Michael Cera belästigt.

Der Film verkneift sich immerhin die die zynische Herangehensweise vieler moderner Komödien, deren Protagonisten nur noch verachtenswerte Arschgeigen sind. Black und Ceras Charaktere sind zwar etwas beschränkt, haben das Herz aber immerhin am rechten Fleck. Schade das sie in einer derart schwachen Story ohne rechte Dramaturgie verheizt werden… und schade um Harold Ramis, der früher mal wirklich gut war.

Dead Snow – Norwegen 2008

Eine Horde junger Nachwuchsärzte will irgendwo in den Bergen in einer Hütte Urlaub machen. Dummerweise treiben dort Nazi-Zombies ihr Unwesen…

Gelungener Splatterfun, mit erstaunlich effektiven Thrill- und Schockeffekten. Die Story ist herrlich blöde, weiß es aber auch und verhandelt die Geschichte entsprechend. Die Macher sind eindeutige Genrefans und erweisen natürlich den Klassikern von Evil Dead bis Braindead ihre Referenz, ohne das ganze zum reinen Jonglieren mit Versatzstücken werden zu lassen. Die Goreszenen sind derb und originell und die Nazi-Zombies ziemlich creepy.

Wer noch einen Beweis brauchte, das die Norweger einen kranken Humor haben, der sollte sich den Film dringend ansehen. Und wie kann man einem Film mit der Tagline: Ein, Zwei, Die! widerstehen?

Pig Hunt USA 2008

Eine Gruppe unsympathischer Großstädter kehrt auf Land in das Dorf zurück, aus dem einer von ihnen stammt um dort auf Jagd zu gehen. Doch ein riesiges Killerschwein und die „alten Schulfreunde“ machen ihnen das Leben schwer. Sehr schwer.

Deliverance meets Razorback – ein hübsch-blutiger Backwood-Film, in dem die fast durchweg unsympathischen Figuren gekonnt gegen die nicht minder unsympathischen Hillbillys ausgespielt werden. Das nebenher noch ein Monsterschwein durchs Gehölz stapft wird bei der eskalierenden Menschlichen Abartigkeit dann fast schon zur Nebensache.

FAQ about Time Travel – UK 2008

Zwei Filmnerds und ihr Kumpel sitzen am Abend in einer Kneipe und diskutieren. Doch nachdem einer von ihnen vom Klo zurückkehrt findet er plötzlich ein Massaker vor. Unter den Leichen liegt er selbst. Als er panisch in die Toiletten zurückrennt und wieder hervorlugt, ist alles wie vorher. Oder doch nicht? Im Versuch seine Freunde vom Erlebten zu überzeugen stolpern die drei in eine völlig bizarre Zeitreise-Story…

Eine wunderbar versponnene und sehr britische Sci-Fi-Story, die zwar auf Grund ihrer kammerspielartigen Low-Budget-Inszenierung nie das große Panorama entfaltet, aber in ihrer liebenswert-skurrilen Figurenzeichnung die abgefahrene Idee der Zeitmaschine im Herrenklo sehr unterhaltsam durchdekliniert. Der Flirt mit der Nerdkultur bewahrt dabei genau die Balance, zwischen gelungener Andeutung und reinem Geek-Futter.

Infestation – USA 2008

Ein Slacker-Typ der nur widerwillig ins Büro geht und es seinem dominante Vater nie recht machen kann, wacht nachdem er gefeuert wurde in der Firma auf und stellt fest, dass sowohl er als auch alle seine Kollegen von gigantischen Käfern in Kokoons eingesponnen wurde… Und das ist erst der Anfang eines wahrgewordenen Alptraums.

Endlich mal wieder ein guter Monster-Trashfilm, der sich mit vollem Elan in seine Prämisse wirft. Ohne großen Vorlauf kollidiert die Extremsituation (Riesenkäfer übernehmen die Welt) mit dem grauen Büroalltag und schafft es dank gelungenem Ensemble, billigen aber fantasievollen Tricks und cleveren Dialogen den Genre-Fan kurzweilig zu unterhalten. Wem Arac Attack zu geleckt daherkam und die Anaconda-Reihe zu öde ist, der sollte sich diese kleine Trash-Perle nicht entgehen lassen.

Is anybody there? – UK 2009

Michael Caine spielt einen alternden Zauberkünstler, der nach dem Tod seiner Frau widerwillig in ein Seniorenheim einzieht und sich dort mit einem ebenfalls unzufriedenen kleinen Jungen anfreundet, dessen Eltern das Heim gehört. Der Junge ist vom Sterben fasziniert und von dem was danach kommt, denn der Tod darf ja wohl nicht das Ende sein, oder?

Wie eine ein bitter-süßes Real-Life-Pendant zu Pixars UP breitet der Film die Geschichte seiner zwei Hauptfiguren aus, die beide lernen müssen mit den Wahrheiten des Lebens klarzukommen, mit Verlust und Trauer umzugehen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Caine spielt hier einen ebenso knarzigen wie verletzlichen Charakter, der weit entfernt ist von den überlegenen und beherrschten Figuren die er ansonsten gerne gibt. Ein trauriger Film, dessen hoffnungsvolle Zwischentöne ihn davor bewahren zu einer reinen Meditation über Alter und Verlust zu werden. Neben dem Darsteller des Jungen, der erstaunlich subtil und glaubhaft spielt, überzeugen auch die Nebendarsteller des Altenheims und die Eltern des Jungen, die ihre kleinen Rollen mit vielen Nuancen und jenseits der Eindimensionalität zu spielen wissen.

Scooby Doo & Das Abenteuer beginnt – USA 2009

Beim Nachsitzen lernen sich die noch jugendlicheren Helden der Scooby-Gang kennen und müssen prompt ihr erstes Abenteuer bestehen, denn irgendein geisterhaftes Wesen treibt an ihrer Schule sein Unwesen.

Auch wenn man angesichts der Qualität der Vorlage nicht wirklich viel falsch machen kann, zeigt doch diese TV-Produktion deutlich, wie gut im Vergleich die beiden Kino-Vorgänger waren. Matthew Lillard als Shaggy war die idealbesetzung an die sein etwas jüngerer Nachfolger nicht im entferntesten rankommt. Auch der Rest der Cast ist eher ein schwacher Abklatsch der Kino-Schauspieler, genauso wie das Tempo der Inszenierung und der ironisch-überdrehte Humor hier eher schaumgebremst daherkommt. Scooby Doo-Filme waren immer ein Guilty Pleasure – aber nach diesem mittelmässigen Ausflug kann man das Pleasure fast streichen.

  • nobody 2. 10. 2009 an 11:06

    „Bunuel’eske Szene“ – was muss man sich darunter in einem Film wie „Land of the Lost“ vorstellen?

  • dlb 2. 10. 2009 an 12:31

    Hier die Antwort auf all deine Uncut-Fragen: https://www.schnittberichte.com/news.php?ID=1538

  • TOPF 2. 10. 2009 an 12:09

    was mich an dieser stelle immer intressiert ist die freigabe der fsk..
    ist dead snow nun uncut oder cut mit ner fsk18 zu erhalten?

  • flyho 2. 10. 2009 an 13:56

    also bei Pelham muss ich mal mehr als zustimmen. nichts, was den film besonders macht, weder positiv noch negativ gesehen. trotzdem hat er es irgendwie geschaft recht passabel zu unterhalten. aber wie gesagt, lang bleibt der nicht im kopf.

  • The Nephilim 3. 10. 2009 an 9:24

    Dead Snow ist für mich jetzt schon ein Klassiker!!!!

  • loser 3. 10. 2009 an 13:08

    Und Infestation ist auch irgendwie sehr gelungen. Irgendwie.

  • stb247 3. 10. 2009 an 14:31

    Bin kein Kiffer, kann „Land of the Lost“ aber definitv als besten Trip seit Jahren verkünden. Wer den stoned ansieht hat wahrscheinlich das große Los gezogen.

  • Ranor 4. 10. 2009 an 11:48

    Meine Güte, deine Rezensionen werden auch immer anstrengender zu lesen: Bei „Guilty Pleasure“ & „Plotfluffs“ komme ich ja noch mit, aber was zum Geier ist „Deadpan-Delivery“ ?

  • Batzman 4. 10. 2009 an 12:48

    @Ranor

    Deadpan sagen die Angelsachsen, wenn jemand etwas sehr albernes sagt, das aber völlig ernst und unalbern rüberbringt. Etwas sehr typisches für den britischen, z.T. auch amerikanischen Humor, im Gegensatz zu den meisten deutschen Comedians, die nach einem Gag ja gern ein Pointengesicht machen. Ein analoges deutsches Wort zu Deadpan das genau dasselbe aussagt ist mir beim Schreiben nicht eingefallen, am nächsten dran ist vermutlich noch „ohne eine Miene zu verziehen“.

  • Ranor 4. 10. 2009 an 18:51

    Aaah, vielen Dank. Das hatte ich wirklich noch nie zuvor gehört/gelesen…

  • GunGrave 6. 10. 2009 an 15:17

    …. aahh nette, danke – wie immer ein paar Tipps drunter die ich bald auch mal sichten werde! Einzig und allein bei Pelham 123 muss ich einschreiten!… der Film hat nur 1,5 Sterne verdient. ^_^

  • zeitzeuge 16. 10. 2009 an 9:17

    Year One war grottig. Nur ein Stern.
    Infestation war sehr unterhaltsam, Dead Snow sehr grossartig!

  • Christoph 25. 10. 2009 an 2:13

    Zu Deadpan-Delivery:
    Würde ich einfach mit „todernst rüberbringen“ übersetzen.
    Ich kenne es aber einfach als englischen Humor.

  • noyse 18. 11. 2009 an 13:36

    Dead Snow ist echt super genauso Infestation, nur dass ich bei letzterem immer wenn ich den Vater gesehen habe an reaper denken musste ;)