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Avatar und die Schuld des weißen Mannes

12. 1. 2010, Batzman (Oliver Lysiak), 19 Kommentare

Zur ganzen Debatte rund um die Lesarten von Avatar und ob die Story jetzt banal, dumm, umgekehrter Rassismus oder einfach nur universelle Mythenstoff ist hat /film in seinem empfehlenswerten Afterdark-Podcast eine sehr besonnene, kenntnisreiche, spannende Diskussion geführt, in der u.a. Annalee Newitz , die Autorin des kontroversen Artikels „When will white people stop making movies like Avatar„, ihre Sichtweise darstellt und sagt warum sie die Botschaft des Films für problematisch hält und trotzdem auf fliegende Echsen steht.

Hier gehts zum After Dark-Filmcast vom 28. Dezember.

Kommentare bitte nur, wenn ihr den Podcast auch wirklich gehört habt. Ansonsten nehmt euch ein Beispiel an diesen Avatar-Fans. ;) Oder an dem hier. Das ist wirklich eine neue 3D-Erfahrung.

Danke für den Tipp an MartinDiBergi via moviepilot.

  • Batzman 12. 1. 2010 an 22:09

    @techpriester

    Darum sollte man sich eben den Podcast anhören, weil genau dieses „Es ist aber ein Popcornfilm“-Standard-Argument dort auch behandelt wird. Und ein Film den soviele Menschen angucken und aus dem nicht eben wenige „beeindruckt“ und „bewegt“ und im Glauben etwas mit einer „wichtigen Botschaft“ gesehen zu haben rausgehen, sollte einen zweiten Blick rechtfertigen.

  • ScheichHabib 12. 1. 2010 an 21:38

    Unglaublich, das sich jemand über diese Furzstory mehr als 0,5 Sek. Gedanken macht.

  • techpriester 12. 1. 2010 an 21:52

    Ich habe zwar den Podcast nicht gehört, aber den Artikel von Frau Newitz gelesen. Ihr Argument ist zwar durchaus richtig, ich muss aber sagen, dass das doch wirklich ein alter Hut ist. Filme wie Avatar sind nun mal keine „wertvollen“ Werke, die außergewöhnliche Einsichten geben. Es ist Popcorn-Kino für Leute, die ein visuell beeindruckendes Spektakel sehen wollen.

    Es stimmt, dass die Handlung von Avatar nicht viel hergibt, aber hat das irgendwer erwartet? Ich denke auch nicht, dass das „White Guilt“ Thema hier bewußt aufgewärmt wird. Ich glaube eher, dass der Plot des Film so gewählt wurde, weil er als Unterhaltungsplot einfach gut funktioniert und dem Publikum auch noch die Illusion mitgibt, etwas gelernt zu haben.

    Wer eine ganz andere Art von erzählerischer Sichtweise möchte, sollte sich dazu vielleicht nicht den Effekt-Bombast-Blockbuster der Dekade ansehen.

    Sorry, aber ich halte diese ganze Diskussion bei einem Film wie Avatar für reichlich deplatziert. Dieser Film hat einfach keine inhaltliche Analyse verdient sondern eine „Making of the awesome visuals“.

  • Jan 12. 1. 2010 an 22:07

    Sie regt sich auf, das der Weiße man es aus seiner Sicht erzählt und sozusagen den „Sieg“ trotz allem für sich beansprucht, auch wenn er vordergründig an die „Coloured“ geht.
    Mich regt es tierisch auf, das nicht noch mehr Navi und Bäume und Viehzeug platt gemacht wurden.
    Jeder hat so seine Wünsche und Vorstellungen.

  • Danny Shapiro 12. 1. 2010 an 23:12

    von was annalee newitz spricht ist eine verbreitete form von positiven kolonialismus, aber gleichzeitig auch ne sehr typische genrakonvention. das ist nicht wirklich was neues. man denke nur an karl may, da war der weiße auch immer der bessere indianer. aber man sollte auch darüber nachdenken, dass es nicht nur um weiße schuld, sondern sicher auch um ne form von sehsucht geht. die navi einfach als sc-fi-version von indianern zu sehen ist ja vielleicht auch nicht ganz richtig. pandora und die navi könnten auch ne metapher für unsere fähigkeit zur phantasie (wie in peter pan) oder ein prima bild, für eine zukunftsvision in der digitalen welt der unbegrenzten möglichkeiten (die figuren haben ja auch alle usb-anschlüsse). dann geht es doch um die sehnsucht der menschen nach unbegrenzter realisierung von phantstischen vorstellung und der totalen auflösung des menschen im virtuellen/ digitalen. am ende wird der einzige mensch im film aufgelöst und komplett in die digitale/ virtuelle welt integriert.

    noch was: annalee newitz sagt ja auch der film dass der film auf mehreren ebenen funktioniert. hier nochmal ne inhaltliche: http://www.filmzentrale.com/rezis2/avatargs.htm

  • floham 13. 1. 2010 an 10:00

    Vorweg: Ich habe leider auch nur den Artikel (und Diskussion) gelesen – die 1,5 Stunden podcast krieg ich leider gerade nicht unter, daher: sollte das auch besprochen worden sein – bitte ignorieren:

    Genau dort (Gerrit) sehe ich auch die größte Schwachstelle in der Argumentation – zur Story wird das Ding, weil der Protagonist die Chance zum Wandel erhält. Wenn die Natives einfach so bleiben, wie sie sind und den Sieg davon tragen, fehlt dramaturgisches Potential. Und einen Native, der sich zum Kolonialisten entwickelt…das willl dann ja dann auch keiner sehen…

    Abgesehen davon: Wer hat mir den letztens erzählt, dass die Story-parallelen zu Pocahontas viel deutlicher sind als zu dem Wolftänzer?

  • Gerrit 13. 1. 2010 an 9:14

    Die Frau -gefangen in jener übertriebener political Correctness, die mir schon bei vielen Dozenten in meinem Afrikastudium sauer aufgestoßen ist, übersieht bei ihrer Argumentation eine ganz entscheidende Sache: Streifen wie Avatar sind dramaturgisch einigen grundsätzlichen Regeln für Filme unterworfen, um ein breites Publikum anzuziehen. Und diese heißen:

    Der Held muss ein hohes Maß an Identifikationspotential bieten.
    Der Held muss eine Wandlung zum Guten vollziehen.

    Avatar wäre ein reichlich schnarchiger Film bzw. ein 300Mio teurer-Nieschenfilm geworden, wenn -wie Newitz vorschlägt- die Fronten von vorneherein klar gewesen wären.

    Ich fand es im Gegenteil sogar recht mutig von Cameron, dass sich Jake Sully am Ende sein „Menschsein“ vollkommen und bewusst abstreift. Da ging der Film bspw. sogar über „District 9“ hinaus.

  • pilone 13. 1. 2010 an 12:10

    Mir geht das tierisch auf den Sack, dass du hinter einen Artikel in dem Leute über ihre Selbstmordgedanken schreiben, egal wie absurd der Grund für diese Gedanken ist, ein Smily setzt. Das ist einfach unpassend.

  • Silencer 13. 1. 2010 an 13:06

    @pilone (#8)
    full ack! Vor allem weil es dort um die Wirkung der neuen Technik geht. Ich habe schon bei einem anderen Beitrag erwähnt, dass dies viel mehr Platz für Diskussionen bietet als fadenscheinige Storyinterpretationen. In Zukunft wird es noch bessere Technik geben (erst Projektion direkt auf die Netzhaut, später direkt ins Gehirn), wodurch die Flucht in andere (Schein)Welten wahrscheinlich noch mehr zunehmen wird. Die entscheidenden Fragen sind dabei:
    1. Was fasziniert uns so sehr an fiktiven Szenarien; was zieht uns hinein?
    2. Was stößt uns von der „physischen Realität“ ab; warum wollen wir entschwinden?
    Statt dessen wird sich über die dünne Hintergrundstory echauffiert, die in keinster Weise irgendjemanden anpissen will, sondern einer reinen Hollywood-Unterhaltungsdramaturgie folgt ( Sehnsucht nach Abenteuer & Anerkennung, Initialisierung/Aufnahme eines Außenseiters in einen inneren Kreis etc., garniert mit der seichten moralischen Botschaft, die Natur nicht zu reinen Profitzwecken zu zerstören). Übrigens: Der Hauptcharakter legt am Ende seine böse, weiße, menschliche Hülle ab und wird zu seinem Avatar – nicht aus irgendwelchen rassischen Gründen, sondern weil er sonst behindert wäre und im Dschungel nicht leben könnte (macht natürlich logisch alles keinen Sinn mit der Verbindung zum Avatar, aber egal :) ). Und warum hat sich eigentlich noch keiner drüber aufgeregt, dass in Avatar alle Charaktere so gute Zähne haben, dass ist doch auch irgendwie politisch unkorrekt gegenüber dem Dentalstatus der Durchschnittsbevölkerung.

    P.S. Ich werde mir den Podcast noch geben, hab aber noch keine Zeit dafür gehabt.

  • Batzman 13. 1. 2010 an 17:30

    @Pilone

    Naja… die Meldung erinnert aber schon stark an die Nominierungen für den Darwin Award.

  • Batzman 13. 1. 2010 an 21:14

    @Pilone

    Naja damit entziehst du jedem schwarzen Humor die Existenzberichtigung, denn das Argument „Wenn man an die armen Hinterbliebenen denkt…“ kannst du dann auf alles anwenden. Und wenn Leute damit hausieren gehen, dass sie angeblich an Selbstmord denken weil sie nicht in Pandora leben können, dann mag ich das einfach nicht wirklich ernst nehmen. Wer so labil ist, dessen Problem ist nicht Pandora, der dreht auch am Rad wenn er „Plüschis Abenteuer im Happy-Land“ liest.

    Und Avataristen-Bashing, wenn du es so nennen willst, gilt eigentlich nur den Blinsen hier und bei mp, die nicht richtig lesen, nicht argumentieren und ohne jede Reflektion immer dieselben Phrasen von „Sieht toll aus“, „ist doch nurn Film“ und „das is eben kein arthausfilm“ usw bringen. Der oben verlinkte Podcast ist eine sehr differenzierte Diskussion zwischen Avatar-Kritikern und Avatar-Fans und Fanboys (wenn man Dan Trachtenberg als solchen bezeichnen mag). Sie ist hart in der Sache, aber nie einseitig und offenbart viele Ansatzpunkte die ich sehr spannend finde. Deswegen hatte ich auch gesagt: Bitte nur kommentieren, wenn ihr den auch wirklich gehört habt, denn sonst erübrigt sich die Diskussion, weil genau die Sachen wieder kommen, die im Podcast besprochen werden.

  • pilone 13. 1. 2010 an 20:59

    Ich lieg auch feiernd unterm Tisch, wenn ich mir die Stories da durchlese. Wenn man sich allerdings wieder besinnt und daran denkt wie die posthume Verhöhnung eines Verstorbenen auf dessen Angehörige wirken muss, nun dann bleibt eigentlich nur den Darwin-Awards ablehnend gegenüber zu stehen.

    Mal davon abgesehen sind die mit dem Award bedachten, wie ich das auf den ersten Blick sehe, selten durch bewusst herbeigeführten Suizid gestorben. Wahrscheinlich ist genau das, die Entscheidung über Leben und Tod selbst zu fällen etwas was einen von den Darwin-Awards ausnimmt.

    Ich vermute auch, dass deine Formulierung im Zusammenhang mit dem Avatar- und Avatar-Liker-Bashing zu tun hat, das du hier, auf Twitter und Moviepilot zelebrierst zu tun hat.

    Ich bin was Avatar angeht ja Reningtons Meinung, nur um das noch klarzustellen. Fühle mich also durchaus von dir „gebasht“.

  • pilone 13. 1. 2010 an 21:00

    Kann ich meine Kommentar nochmal korrigieren hinsichtlich Rechtschreibung und Grammatik? Ach, na macht das halt selbst beim Lesen.

  • Batzman 13. 1. 2010 an 22:04

    @Pilone

    Schwarzer Humor ist meist Lachen über etwas das auch Leiden sein kann. Das dies nicht immer mit dem Tod zu tun hat stimmt sicher, aber man könnte wohl die meisten schwarzhumorigen Sprüche und flapsige Bemerkungen mit dem Leid, Schmerz und Trauer der Opfer erschlagen. Was Siuzid angeht: Leute bringen sich aus dummen Gründen um, das ist nunmal Realität und im Einzelfall tragisch. Genau wie die Tatsache das Leute Sterben weil sie etwas extrem Dummes gemacht haben. Das Dumme zu thematisieren und zu ironisieren ist deswegen trotzdem legitim. Das hat nichts mit „richtigen“ und „falschen“ Gründen zu tun – ich kenne auch aus dem Privatleben Leute die sich umgebracht haben – das kann man individuell bedauern und dennoch die Handlung selbst sarkastisch oder schwarzhumorig kommentieren. Ich find es allerdings auch etwas viel Aufwand einen flapsig verlinkten Boulevard-Artikel von CNN so ausführlich zu diskutieren, da die Berichterstattung selbst viel geschmackloser ist, als der Kommentar von mir.

    Was mein „berichten“ angeht, so ist mir der Vorwurf zu pauschal. Ich hab an dutzenden Stellen – nicht zuletzt in meinen langen Texten hier wie auch bei moviepilot – meine Kritikpunkte sehr differenziert deutlich gemacht und auch erläutert. Die oft sehr aggressiven, undifferenzierten und unreflektierten Kommentare, die u.a. auf moviepilot auch schon mal in Aussagen wie „man sollte das Geld des Films lieber nehmen um Leute wie dich zum Schweigen zu bringen“ (nicht auf mich sondern einen anderen Avatar-Kritiker gemünzt), sind nicht dazu angetan, wirkliche Diskussionen auf dem Niveau des Podcasts dort zu führen, denn dort werden Argumente gewendet, hinterfragt und ernst genommen. Hier wird ein Text von vielen (aber natürlich keineswegs allen, denn auch hier und bei mp gibt es differenzierte und Pro-Avatar-Stimmen) einfach nicht wirklich gelesen, sondern rein mechanisch und empört ein Bauchgefühl artikuliert, das letztlich diskussionsresistent ist. Das der eine oder andere Kommentar auf „Du bist voll doof, weil du nicht erkennst wie wunderbar der Film ist“-Niveau dann auch eine rustikale Replik erhält, liegt in der Natur der Sache, auch wenn ich die ganz dummen, unflätigen Kommentare versuche zu ignorieren oder gar nicht erst freizuschalten.

  • pilone 13. 1. 2010 an 21:31

    @Batzman:

    Schwarzer Humor dreht sich nicht immer um den Tod, insofern wäre keineswegs jedem schwarzen Humor die Existenberechtigung entzogen mit dem Argument. Ist ein grobschlächtiges Argument, zugegebenermaßen. Nur wie geht man dann mit Selbstmorden wegen einer Trennung um? Nach welchen Maßstäben bewertet man Selbstmorde? Für dich scheint es berechtigte und unberechtigte Selbstmorde zu geben, bzw. Selbstmorde aus den falschen und aus den richtigen Gründen. Find ich fragwürdig. Wenn du eine Stellung dazu beziehst, dann bitte weniger oberflächlich.

    Der Podcast scheint super zu sein. Aber deine Berichterstattung ist es nicht. Warum berichtest du für alle Welt sichtbar auf eine Art und Weise, die deiner Aussage nach nur den Blinsen zugedacht ist? Ich habe den Eindruck du kompensierst damit dein Unverständnis über den Erfolg des Films. Ich will auch überhaupt nicht über den Film sprechen aber deine Art der Berichterstattung stößt mir hier besonders übel auf.

    Deine Kritiken treffen selten meinen Geschmack, zeugen jedoch von einem ungeheuren Filmverständnis. Warum geht die das Verständnis für deine Leser nur manchmal flöten?

  • pilone 13. 1. 2010 an 22:14

    Damit kann ich mich anfreunden. Schöne Antwort. Nur den Vorwurf aus reinem Bauchgefühl kommentiert zu haben gefällt mir nicht. Egal. Guter Dialog. :)

  • Danny Shapiro 14. 1. 2010 an 1:20

    „1. Was fasziniert uns so sehr an fiktiven Szenarien; was zieht uns hinein?
    2. Was stößt uns von der “physischen Realität” ab; warum wollen wir entschwinden?“

    darum geht es tatsächlich bei avatar. aber keiner redet so richtig darüber, filme repräsentieren auch immer das kollektive unterbewusstsein und avatar ist ein tolles beispiel. weil, wenn man mal die öko-story und auch die visuellen neuerungen weglässt, man eben über sehnsüchte der menschen diskutieren kann: nämlich den wunsch der virtualisierung des lebens und zwar die absolute virtualisierung.

  • Norman E. 17. 1. 2010 an 21:42

    Man kann in alles ziemlich viel hineininterpretieren. Nah, wenn das mal nicht eine eigene Religion gibt. Juchuuu, noch mehr weltfremde Deppen :D

  • LiedDerElfen 29. 4. 2010 an 22:25

    Also,
    ich weiss nicht wirklich was manche menschen gegen den film avatar haben.. der film spricht so viel wahres an,aber vorallem den gierigen menschen.. der mensch der sich benimmt als wäre er gott.. der mensch der alles zerstört was uns mutter natur gegeben hat..
    ohne diesen planeten wären wir alle NICHTS!!!!! aber was geschieht hier??
    es wird alles zerstört was uns einst am wichtisten war!!!!

    in avatar wird ganz deutlich gezeigt, das menschen versuchen einen anderen planeten einzunehmen..und wieso?? weil sie diese salzmaterlialien oder wie das nochmal heißt wollen..und wieso wollen die menschen das??? WEGEN DEM GELD was dahinter steckt!!!!
    alles dreht sich bei den meisten menschen um geld..
    die reinste gier..
    und die menschen die hier gegen diesen film sprechen sind nichts anderes als leute die den eigentlichen sinn dieses films nicht verstehen!!
    im gegenteil.. es wird hier erwähnt,das ruhig noch mehr navi abgeschossen werden hätten können..
    sowas ätzendes!!!!!!!!!!!!! und sowas bekommt die chance zu leben.. vorallem ein leben mehr was mutter erde schadet,vorallem mit dieser einstellung… denn wer so eine einstellung vertritt ( auch wenn es hier nur um einen film geht.. dennoch hat der film einen klaren hintergrund ) der kann unserer umwelt nicht gut tun!