Review

Crazy Heart (Review)

3. 3. 2010, Jet Strajker, 11 Kommentare

„I wanna talk about how bad you make this room look. I never knew what a dump it was until you came in here.“

Originaltitel: Crazy Heart
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Scott Cooper
Darsteller: Jeff Bridges, Maggie Gyllenhaal, Colin Farrell, Robert Duvall, Beth Grant, Sarah Jane Morris, Tom Bower, Luce Rains

Crazy Heart. Mit einer verbraucht klingenden, tiefen rauen Stimme besingt Ryan Bingham im Titelsong dieses Films das Schicksal der einstigen Musiklegende Bad Blake: „Your body aches‘ / Playing your guitar and sweating out the hate / The days and the nights all feel the same / Whiskey has been a thorn in your side / and it doesn’t forget / the highway that calls for your heart inside“.

Man sieht Blake als abgehalfterten Countrysänger von Bar zu Bar torkeln, jede Nacht spielt er seine Hits aus vergangenen Tagen vor kleinem Publikum. Sein Stolz aus besseren Zeiten scheint ungebrochen, erst wenn er sich vor Hinterausgängen übergeben und anschließend erniedrigende Telefongespräche mit seinem Manager führen muss verdeutlichen sich Demut und Enttäuschung über ein Leben, das irgendwann in eine falsche Richtung ausgeschlagen ist. Dem Alkohol verfallen, lebt Blake ein Leben aus dem Koffer, zwischen Highway und Truckstop, zwischen kleinen Gigs und der Erinnerung an jene Zeit, in der er ausverkaufte Konzerte vor tausenden Zuschauern spielte.

Jeff Bridges ist Bad Blake. Er IST dieser süffige Sänger mit der abgeschabten Gitarre, der alternde Country-Star mit der rauen Schale und dem weichen Kern. Würde er mit dieser Rolle nicht den Oscar nach 40 eindrucksvollen Jahren im Filmgeschäft nun endlich sicher in der Tasche haben, man müsste ein weiteres Mal ernsthaft beklagen, warum einer der brillantesten, subtilsten, wandlungsfähigsten, charismatischsten, meistunterschätzten amerikanischen Schauspieler noch immer als so etwas wie ein Geheimtipp gehandelt wird. Bridges hat viele ikonische Figuren interpretiert oder ganz gewöhnliche zu Ikonen hochgespielt – Bad Blake nun ist mit Sicherheit eine von ihnen. Es ist sein Film, jede Minute, jede Einstellung. „Crazy Heart“ ist ganz auf Bridges zugeschnitten. Aber, und das ist einer der wesentlichen Unterschiede zum durchaus vergleichbaren „The Wrestler“, er spielt lediglich eine Rolle, er evoziert keine autobiographischen Verbindungen und stellt auch keine Nähe zu ihnen her. Es ist kein Comeback-Film und auch kein Aufmerksammachen auf einen der größten lebenden Schauspieler, es ist nur eine Rolle, die präzise, glaubhaft und authentisch erscheint.

„Crazy Heart“ kann es sich mit seinem überragenden Hauptdarsteller deshalb leisten, ein konventionell erzählter, überschaubarer und mitunter durchaus Klischee beladener Film zu sein. Vielleicht muss er das sogar, um Raum für Bridges zu schaffen. Die Geschichte nämlich, nun ja, man hat sie schon einige Male erzählt bekommen, am Ähnlichsten noch in „Tender Mercies“ mit Robert Duvall, der hier wohl nicht zufällig als Produzent und Nebendarsteller fungiert. Es ist das einfach gehaltene, gradlinige, klassische Konzept eines heruntergewirtschafteten Mannes, der sich durch die Kraft einer Frau wieder aufrappelt. Maggie Gyllenhaal spielt diese Frau, eine lokale Journalistin, die sich in den deutlich älteren Sänger verliebt. Der enorme Altersunterschied gehört ebenso wie die mitunter etwas sehr komprimierte Läuterung des Alkoholikers Blake zu den weniger plausibleren Elementen im Drehbuch des Regiedebütanten Scott Cooper, der ansonsten einen soliden Job macht und sich immerhin das Vertrauen eines erfahrenen Altstars wie Bridges zu erarbeiten wusste.

Es bleibt ein Film, der sein Herz am rechten Fleck, der wirklich so etwas wie eine Seele hat. Der mit Gyllenhaal und besonders Colin Farrell als ungleich erfolgreicherem Countrysänger auch in den Nebenrollen wunderbar besetzt ist. Und der mit herzzerreißenden Songs aus der Feder von Stephen Bruton und T-Bone Burnett eine leidenschaftliche Qualität besitzt. Das hier ist Musik, die in Verbindung mit den Bildern des Films nichts vorgibt, sondern wirklich zu wissen scheint, was ihre wehmütigen Texte und sanften Gitarrenklänge behaupten.

Der Beweis:


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  • Marcus 3. 3. 2010 an 12:48

    Ach …. ich freu mich auf den Film!

  • Dax 3. 3. 2010 an 13:22

    „Jeff Bridges ist Bad Blake“

    Also Jeff Bridges ist in erster Linie der Dude, Mann!

  • Ced 3. 3. 2010 an 13:28

    Danke!!! Endlich mal ein tolles Review OHNE Spoiler… Sowas geht nämlich tatsächlich auch. Und man kann sich auch wirklich noch auf den Film freuen. A+

  • killknopf 3. 3. 2010 an 16:56

    Interessant, dass an dieser Stelle mal die Clichéebeladene Handlung und die große Vorhersehbarkeit runtergespielt werden, weil da jemand eine gute schauspielerische Leistung abliefert. Mit gut meine ich: Bad Blake ist der Dude in traurig, was schwer zu spielen ist, aber für jemaden wie Jeff Bridges dann eben wieder doch nicht so. Ihm dafür tolles Schauspiel zu attestieren zeigt in erster Linie, wie wohl man sich bei dieser Art Filmcharakter fühlt.

    Ich glaube, das war der Film in erster Linie für mich: Ein Wohlfühlfilm, für den man sich nachher nicht vorwerfen lassen muss, auf Kitsch zu stehen. ‚Cause it’s got Jeff Bridges in it.

  • Irreversibel 3. 3. 2010 an 20:11

    @Ced:
    Full Ack!

  • Kinostart: Männer die auf Ziegen starren, Crazy Heart, Alice im Wunderland, .. | Streifen, Colin, Woche, Farrell | Serien-Load.de 4. 3. 2010 an 9:32

    […] von den Fuenf (Sechs) Freunden des Filmes hat eine Review zu Crazy Heart geschrieben .. Es bleibt ein Film, der sein Herz am rechten Fleck, der wirklich so etwas wie eine […]

  • Cathrin 5. 3. 2010 an 10:50

    Jepp! Ich mochte den auch!

  • dlb 7. 3. 2010 an 22:08

    Wohlfühlfilm! Das ist das Wort!

    Kann den Soundtrack zum Film übrigens nur empfehlen, auch wenn das sonst nicht direkt meine Schiene ist. Bridges‘ Songs sind einfach lässig und cool und kommen ohne den Film und in voller länger super lässig rüber!

  • GunGrave 8. 3. 2010 an 13:56

    … liest sich gut – kommt noch dran!

  • Oscar-Nachlese 2010 | Die Fünf Filmfreunde 8. 3. 2010 an 17:41

    […] (darunter Molly Ringwold und Anthony Michael Hall). Und Jeff Bridges wurde in der “Crazy Heart”-Nominierungsrede von seinem einstigen Co-Star Michelle Pfeiffer anmoderiert, was sehr bewegend und […]

  • peppone 10. 3. 2010 an 3:25

    Wohlfühlfilm? Also ich hab nur bis zum Ende durchgehalten ‚cause it’s got Jeff Bridges in it.
    Der Flim ist ungefähr so unterhaltsam und überraschend wie Kaffeetrinken mit der Verwandtschaft – alles tausend mal erlebt.

  • Mario 22. 3. 2010 an 15:40

    hat jemand von euch eine Ahnung ob es den Song „The Weary Kind“ auch irgendwo von Colin Farrell zum download oder kauf gibt? Fand seine Stimme am Ende nämlich wirklich gut aber auf dem Soundtrack ist diese Version ja nicht drauf…

  • Vic 20. 10. 2010 an 14:35

    Habe den Film vor knapp 2 Wochen gesehen. Er hat mich so bewegt, dass ich die halbe Nacht nicht richtig schlafen konnte. Ich musste immer an das Schicksal des einsamen Bad Blakes denken…großartige Leistung von Bridges. Er macht sich die Rolle wirklich zu eigen. Auch die Liebesgeschichte wirkt sehr authentisch. Ich bin kein Ami und weiß daher nicht inwieweit die Story einem Klischee entspricht. Ich glaube Klischees machen nun mal einen großen Teil der Realität aus.
    Ein wunderbarer Film. Kann ich nur jedem ans Herz legen.

  • Crazy Heart | Metatrash 22. 10. 2010 an 13:29

    […] überlege ich mir grade kurz, was ich bald im Kino sehen will, schon stolpere ich über diesen Film bei den […]