Review

Männer die auf Ziegen starren (Review)

5. 3. 2010, Batzman (Oliver Lysiak), 11 Kommentare

„Now more than ever, we need the Jedi.“

Originaltitel: Men Who Stare at Goats, The
Herstellungsland: USA 2009
Regie: Grant Heslov
Buch: Peter Straughan
Darsteller: Jeff Bridges, George Clooney, Kevin Spacey, Ewan McGregor, Robert Patrick, Stephen Lang

Durch Zufall stolpert der erfolglose Provinzreporter Bill Wilton (Ewan McGregor) im Irak über Lyn Cassidy (George Clooney), der behauptet teil einer streng geheimen Spezialeinheit der US-Armee gewesen zu sein, das sich in der Ausbildung sog. Jedi-Krieger verdingte. Kämpfer die nur mittels PSI-Kräften den Weltfrieden erstreiten sollten.

Durch Wände gehen, Ziegen durch Blicke töten, Hellsehen – nichts war für diese Supermänner unmöglich.
Das Projekt unter der Leitung des idealistischen Bill Django (Jeff Bridges) lief angeblich blendend, bis ein mißgünstiger Konkurrent (Kevin Spacey) Unfrieden in die Hippie-Soldaten-Truppe bringt.

Anfänglich skeptisch, gerät Bill immer tiefer in Lyns Bann und beginnt sich zu fragen, ob an der Geschichte nicht doch etwas dran sein könnte.

Regisseur Heslov hat sich hier eine feine, fast wahre Story rausgesucht, deren Prämisse direkt aus dem Lande WTF zu stammen scheint. Und es gelingt ihm auch, das Ganze mit leichtfüßigem Humor, Slapstick und sympathischen Darstellern zu erzählen, die alle froh zu sein scheinen noch einmal das alte Woodstock-Feeling durchleben zu dürfen. Natürlich ist Clooney als relaxter Jedi-Warrior von entwaffnendem Charme und auch Bridges und Spacey balancieren ihre Figuren gekannt am Rande der Karikatur.

Ins Schlingern gerät der Film immer dann, wenn er versucht aktuelle Themen aufzugreifen und „wichtige Botschaften“ zu vermitteln, denn dann packt er ungeniert den moralischen Zeigefinger aus. Wenn Nebenfiguren vom schweren Kriegsschicksal erzählen und dabei die unbeschwerte Farce plötzlich zur bleischweren Moralfabel mutiert. Das fällt umso unangenehmer auf, da der Film an sich eher eine lose Skizzensammlung ist, als tatsächliche Geschichte. Die Rahmenhandlung holpert ebenso wie die Autos mit denen McGregor und Clooney durch die Wüste fahren und die zum Teil sehr komischen Flashback-Epsioden können sich nie so ganz entscheiden, ob sie die Eso-Auswüchse nun parodieren oder doch als exzentrische Ausläufer der Hippie-Bewegung verklären wollen. Wäre es nicht schön, wenn alle Soldaten nur debil grinsend und leicht bekifft herumsäßen und sich einredeten sie könnten mit Geisteskraft die Umwelt beeinflussen?

Der Film konzentriert sich sehr auf diese naiven Fragen und vergisst dabei ein wenig den satirischen Fokus. Natürlich ist das im Einzelfall extrem komisch und das drogenfreudige Ende macht durchaus Spaß, aber letztlich fehlt der echte Biss, die klare Linie und die Aussage über allgemeine Hippie-Verklärung und WTF-Späße hinaus. Gerettet wird das Ganze durch die Chemie zwischen Clooney und McGregor, den oft trockenen Witz und die schiere, rehäugige Liebenswürdigkeit mit der diese Eso-Soldaten karikiert werden.

Das am Ende dann doch nur Fluff im Kopf zurückbleibt und es dem ganzen an der Bösartigkeit mangelt die zum Beispiel der Richard Gere Film „The Hunting Party“ besaß, der ebenfalls auf einem wahren Fall beruht, ist dann allerdings doch etwas schade. Denn ein brillanter Film mit einem so großartigen Titel wäre noch besser gewesen, als ein lediglich unterhaltsamer.

  • McFly 5. 3. 2010 an 1:38

    War auch ebend drin und weiß nicht richtig was ich von dem Film halten soll. Die Story war eher öde, aber die Anekdoten über die New Earth Army dagegen echt witzig. So mittelmäßig würd ich sagen.

  • DerTim 5. 3. 2010 an 9:04

    Ich habe ihn schon letztes Jahr hier in UK gesehen und mich sehr amüsiert; teilweise hat mich Goats sogar an meinen Lieblingsfilm Dr.Strangelove erinnert.
    Die von Dir kritisierten Moralkeulen habe ich nicht als so schlimm empfunden und ich reagiere normalerweise sehr allergisch, wenn es zu plump und bedeutungsschwanger zugeht. Was Goats fehlt, um in der komplett gleichen Liga zuspielen ist einfach die Bösartigkeit.
    Sehr positiv fand ich, daß es keine künstlich angeflanschte Liebesgeschichte gab und es war mal sehr schön Kevin Spacey in einer Arschlochrolle zu sehen; überhaupt fand ich, dass man den Darstellern den Spaß an ihren Rollen angesehenhat. Ich würde dem Film noch einen halben Stern mehr geben als Du. Der Film wird kein Klassiker, gehört aber zu der Sorte, die man immer gut angucken kann ohne sich zu langweilen.

  • slowcar 5. 3. 2010 an 10:00

    Ich fand den Film ziemlich lahm. Am Anfang einige lustige Ideen, danach hat man nur noch aufs Ende gewartet.
    Und Kevin Spacey in einer Arschlochrolle? Ich fand seinen Charakter kaum herausgearbeitet, eigentlich haben die doch nur sein Gesicht gefilmt…

  • Paul_Baeumer 5. 3. 2010 an 23:24

    Kann dem Batz erstaunlicherweise mal wieder nur zustimmen…

    …und auch meinem Kumpel, der ebenfalls mit im Kino war: Ganz nett, aber für das Eintrittsgeld etwas wenig.

    Wäre ich am Dienstag gegangen sähe die Sache wahrscheinlich anders aus. :-/

  • clair 6. 3. 2010 an 0:49

    waaaas hatte ich für einen spaß! großer film.

  • KodyMonstah 7. 3. 2010 an 1:39

    Jap, kurzweilig unterhaltsam, es fehlte jedoch an Biss und an einem Spannungsbogen. Das Ende war dann einfach da, ohne dass es vorher einen spürbaren Höhepunkt gegeben hätte.

  • Irreversibel 7. 3. 2010 an 2:23

    Hmmm, also ich habe mich köstlich amüsiert. Nicht mehr aber auch nicht weniger und das finde ich gar nicht mal so wenig.

  • bale 8. 3. 2010 an 12:56

    yo, war auch eher entäuscht! clooney spielt nahe am komplett delirium mcgregor versucht es immer wieder irgendwie rauszureissen scheitert aber leider öfter als erwartet..

    ein paar nette gags reichen einfach nicht, besonders das absolut höhepunktlose ende war eine katastrophe. man sitzt einfach da und sagt sich “ das wars jetzt – mehr war nicht drin?“

    und um ehrlich zu sein wenn ich an clooney witzig im irak denke fällt mir als erstes „three kings“ ein. und dagegen wirkt tmwsag wie brüno oder borat.

  • GunGrave 8. 3. 2010 an 14:27

    … herrlich abgedreht – hat ganz dolle viel Spaß gemacht den zu schauen!

  • Leto 12. 3. 2010 an 14:56

    Auch wenn der Film damit thematisch nur am Rande zu tun hat, finde ich die beste, respektloseste und komischste US-Army-Verarsche aller Zeiten immer noch „Immer Ärger mit Sergant Bilko“ (1996) mit Steve Martin. Sehe ich mir bei jeder Wiederholung im TV an :-)
    Obwohl natürlich viel vom Drehbuch abhängt, so merkt man doch einem Schauspieler häufig an, ob er für komödiantische Rollen geeignet ist oder nicht. Manche glauben einfach, weil sie zur „Top-Hollywood-Liga“ gehören (wie Clooney oder Brad Pitt) sie könnten ALLES spielen. Ich konnte über Clooney in einer „Komödie“ noch NIE lachen, sorry. Der Mann ist für dieses Genre meiner Ansicht nach einfach ungeeignet. Bei Kevin Spacey und Jeff Bridges verhält sich das anders, trotz kann man das nur mässig komische Ergebnis damit vielleicht auch erklären.

  • Ciprian David 20. 3. 2010 an 22:53

    Mit einem so programmatischen Titel lässt der Film nicht allzu viele Erwartungen im Bereich des Ernsten zu.
    Ich schließe ich DerTim an in seiner Einschätzung der Moralpersspektive, die schließlich doch bei Ansätzen blieb, den Urkomischen viel mehr Raum lassend.
    Auf unsere Seite haben wir auch eine Rezension dazu.