Review

I Love You Phillip Morris (Review)

28. 4. 2010, Jet Strajker, 25 Kommentare

The Conman who wouldn’t go straight.

Originaltitel: I Love You Phillip Morris
Herstellungsland: USA/F 2009
Regie: Glenn Ficarra, John Requa
Darsteller: Jim Carrey, Ewan McGregor, Leslie Mann, Rodrigo Santoro, Jessica Heap, Marc Macaulay, David Jensen, Dameon Clarke, Antoni Corone, Griff Furst
Jet Strajker
Batzman

Eine wahre Geschichte, zumindest so weit es das Kino zulässt: Steven Russell (Jim Carrey) ist der All-American-Dad, er hat einen guten Job, eine Frau, ein Kind und auch ein schönes Haus. Das alles hakt dieser Film jedoch schon mit der Titelsequenz ab, um dem sorgenfreien Leben des Steven Russell zügig ein Ende zu bereiten. Mit einem Autounfall – man denke an John Waters’ „A Dirty Shame“ – kommt dem Lebemann eine einschneidende Erkenntnis: Er ist schwul. Und damit nicht gemacht für sonntägliche Kirchengänge und kuscheligen Ehe-Sex. Jetzt sehen wir Steven ganz schnell ganz anders: In neuesten Designer-Klamotten und mit markigen Kerlen an seiner Seite. Das ist der Moment, an dem viele Besucher die Sneak Previews hierzulande auch angesichts durchaus etwas expliziterer Szenen schlagartig verließen. So kann man es zumindest immer wieder vernehmen.

Weil der Lebenswandel jedoch seine kostspieligen Schattenseiten hat, entschließt sich Steven zu eher unkonventionellen Methoden der Geldbeschaffung. Um sich und seinem neuen Freund finanziellen Wohlstand zu garantieren, betrügt er Versicherungen – und landet damit zügig im Gefängnis. Dort lernt er Phillip Morris (Ewan McGregor) kennen und lieben, und dort beginnt der Film seine eigentliche (Liebes)Geschichte zu erzählen. Was Steven hingegen an Lügen, Diebstählen und Trickbetrügereien auffährt, um diese Liebe halten und in die Freiheit verlagern zu können, das sprengt jeglichen Rahmen.

„I Love You Phillip Morris“, der trotz seines irreführenden Titels nichts mit dem gleichnamigen Zigarettenhersteller gemein hat, ist eine klassische Betrügerkomödie. Nicht so raffiniert und stilsicher wie Steven Spielbergs sehr ähnlicher „Catch Me If You Can“, aber gewiss doppelbödiger. Denn die beiden Regisseure Glenn Ficarra und John Requa erzählen keineswegs eine gewöhnliche Gaunergeschichte, die lediglich die Konvention des klassischen Liebespaares gegen eine schwule Beziehung eintauschen würde. Sondern der, wenn man ihn so nennen will, Geschlechterbruch ist hier als gezielte Provokation zu verstehen und damit ursächlich für die mutigste und cleverste Hollywoodkomödie seit Jahren.

Denn der Film greift nicht das langbärtige Komödienklischee auf, das für gewöhnlich allen queeren Mainstream-Comedys in irgendeiner Variation zur Massentauglichkeit verhilft. Nämlich das der Versicherung, alles von normativen Gesellschaftsbildern abweichende sei letztlich nur Mittel zum Zweck oder schlichte Behauptung – und damit ungefährlich. So schlüpfte Robin Williams einst als „Mrs. Doubtfire“ in Fummel, um wieder seinen Kindern nahe sein zu können. Transsexualität genügte hier als Joke, so lange sich dahinter kein Ernst zu verbergen drohte und die einzige wirklich schwule Figur als tuntiger Visagist auftrat. In „I Now Pronounce You Chuck & Larry“ wiederum spielten Adam Sandler und Kevin James ein schwules Pärchen wider Willen, das nur wegen Pensionsvorteilen eine Lebensgemeinschaft bildete. Am Ende führen sie den CSD in New York an (es bedarf schließlich heterosexueller Initiative, um homosexuelle Rechte einzuklagen) und der Film meint ein Plädoyer für Schwule einzustimmen – doch küssen wollen sich die Männer hier trotzdem auf keinen Fall.

Das alles sind Komödien, die in ihrem Humorverständnis von Gleichberechtigung träumen, aber Homophobie nur nähren. Ihr Erfolg war einer rein heterosexuellen Perspektive und damit komfortabler Publikumssicherheit geschuldet. „I Love You Phillip Morris“ nun spinnt eine wirkliche und umweglose Liebesgeschichte zwischen Männern. Hier spielen zwei heterosexuelle Hollywoodstars zwei homosexuelle Typen, die nur ihrer Liebe wegen ein Paar sind. Schwulsein ist hier gar so selbstverständlich, dass sich der Film nicht nur den Verzicht auf böswillige Klischees leisten, sondern auch ganz einfach hauptsächliche eine tradierte Gaunergeschichte erzählen kann. In deren Mittelpunkt eben nicht Frau und Mann, sondern Mann und Mann stehen. So einfach ist das, und leider doch so bemerkenswert. Deshalb kann man Ficarras und Requas Film als einfachen Betrügerspaß abwatschen, in dem die Protagonisten eben lediglich schwul seien. Oder als gewagten und überaus geglückten Versuch, aus Hollywoods üblichen Genreannäherungen an queere Comedy-Stoffe auszubrechen.

Batzman meint:

Der Film ist zweifellos eine über weite Teile schwungvolle, gutgelaunte und in der unkrampfigen Darstellung der Schwulen-Beziehung auch mutige Komödie, zumindest im Kontext eines Mainstreamfilms, der auch über die schwule Zielgruppe hinaus Zuschauer erreichen möchte. Ich habe eh einen Faible für das Con-Genre, ob nun in Klassikern wie “Der Clou”, “Der tolle Mr. Flim-Flam” oder neueren Werken a la “Catch me if you can” oder der genialen BBC-Serie “Hustle”. Und gerade in der Disziplin vermag der Film auch am meisten zu überzeugen. Carrey ist schon ziemlich großartig als Hochstapler und Trickbetrüger, der auf den Füssen denkt und sich mit schierer Chuzpe und Improvisationstalent immer wieder aus scheinbar aussichtslosen Situationen herausmanövriert. Das ein Großteil der Cons zumindest so ähnlich tatsächlich passiert sind, gibt dem ganzen Film eine besondere Würze.

Carrey springt mühelos zwischen den Situationen hin und her und stellt eine gerissene Form von übersteigertem Selbstbewusstsein zur Schau, die dem echten Steve wohl zur Ehre gereicht (der auf Anfrage meinte, er bleibe nur so lange im Knast, bis das Buch dass über ihn geschrieben werde fertig sei). Und auch die egoistische, durchaus oberflächliche Szene-Schwuppe kann Carrey gut geben – seine Beziehung zu seinem ersten Kerl erscheint stimmig und glaubhaft.

Schwieriger wird das Ganze in dem Moment, als sich die große Love-Story entwickelt. Das Drehbuch trifft hier weniger Schuld, denn es nimmt sich viel Zeit und hat auch durchaus viele niedliche Einfälle, wenn es das langsame, ungelenke Kennenlernen zwischen dem mädchenhaft, naiv-schüchternen Phillip Morris und dem extrem-forschen Steven Russel zeigt. Rein objektiv mangelt es nicht an Beziehungsszenen, ob nun in hübschen Montagen oder in den Skizzen ihres Ehelebens. Woran es mangelt ist die Chemie zwischen den Hauptdarstellern. So gern ich es auch möchte und so gern ich den Film als Ganzes mag: Carrey und der in breitem Texasdialekt die Unschuld vom Land spielende McGregor lassen leider so gar keine echten Gefühle aufkommen. Sobald es emotionaler wird und sie sich ihre Liebe von Angesicht zu Angesicht gestehen, wenn sie miteinander herummachen, dann wirkt es nicht wie echte Zärtlichkeit oder Geilheit sondern wie zwei Schauspieler die sorgsam einstudierte Choreographien durchgehen.

Was verwundert, denn beide sind gute Schauspieler und haben dies auch schon oft genug bewiesen. Carrey ist spätestens seit dem Mondmann über jeden Zweifel erhaben, dass er schwierige Charaktere und große emotionale Momente glaubhaft bewältigen kann und bei McGregor gab es darüber nie Zweifel. Und doch funkt es nicht zwischen den beiden. McGregors Morris st nicht das Yang das Carreys aufgedrehtes, hyperintelligentes Ying ergänzt, er bleibt ein blasses Puttchen-Brammel, bei dem man sich immer fragt, warum sich Steven sofort in ihn verliebt. Und Carreys Mimik, die für seine Con-Man-Szenen so gut passt, ist hier einfach nicht ernsthaft genug. Die Gefühle wirken hohl und das schadet dem Film, der uns glauben machen will, dass die Liebe zu Phillip das Einzige ist, was an Steven real ist. Da helfen auch Tränen und brüchige Stimmen nichts – dieses Pärchen ist im Zusammenspiel leider nicht gerade ein Glücksgriff. Nicht umsonst sind die emotional glaubhaftesten Szenen die, in denen sie getrennt sind.

Wenn Phillip seine Angst überwindet und hinaus in den Hof läuft um dem abfahrenden Steven nachzusehen, dann berührt das schon, genauso wie sein tränenrühriges Telefonat mit dem vermeintlich sterbenden Steven. Doch sobald beide direkt miteinander spielen, wird es unglaubwürdig.

Das der Film trotzdem als Ganzes funktioniert liegt daran, das die Liebesgeschichte eben letztlich doch der McGuffin ist und nicht der Kern. Wie “Catch me if you can” geht es letztlich um den Conman selbst, darum was es mit einem Menschen macht, wenn Scharade und Betrug zu seinem Lebensstil werden und wieviel echte Person übrig bleibt, wenn alle falschen Identitäten gefallen sind.

Das ist gut und unbedingt sehenswert. Hätte aber – wie es Sebastian in seinem lesenswerten Review ähnlich schreibt – noch viel mehr Potential gehabt.

  • Mirea 28. 4. 2010 an 23:13

    Ich bin schon sehr gespannt! Zeit wirds ja für so einen Film (Wobei es mir unwirklich scheint, dass es sowas noch nie gab – unglaublich, wie rückständig die Welt noch ist…)

  • Lino 28. 4. 2010 an 23:35

    Vielen Dank für diese Kritik! Ich war in der Sneak und Zeuge sowohl der zuerst aufkommenden Ekellaute als auch der daraufhin nach und nach den Saal verlassenden „echten Kerle“. Ich war wirklich schockiert. Der Film ist wirklich unterhaltsam, gut gemacht und hat auch sehr schöne Momente. Im Zweifel ist er außerdem der perfekte Test, wie weit man in Sachen „Homophobie abbauen“ bei sich selbst gekommen ist. Es könnte und sollte mehr solcher Filme geben!

  • DerTim 29. 4. 2010 an 0:04

    Ich habe „I love you Philip Morris“ hier in UK vor ein paar Wochen gesehen und habe leider ein ziemlich großes Probleme mit dem Film: den Schluß.

    ***SPOILER***
    Ich finde, daß dieser aus dem liebenswürdigen Gauner Steven Russell ein unerträgliches Arschloch macht. Seinen Tod auf diese Art und Weise vorzutäuschen ist unglaublich geschmacklos und macht es für mich unmöglich Steven noch zu mögen, oder Mitleid mit ihm zu haben.

    Ich hätte kein Problem damit gehabt, wenn der Film vor diesem Twist endet, im Gegenteil: ich hätte darin eine Paralle zu dem Tod seines Ex-Freundes gesehen, dessen letzte Worte er dann Philip mit auf dem Weg gibt. Dieses Ende hätte der bis dahin RomCom zwar ein Drama-Schluß verpasst, aber ein Happy End hat der Film so oder so nicht.

    Was mich zum nächsten Punkt bringt: trotz aller begrüßenswerten durchweg positiven Darstellung von Homosexualität unter Vermeidung der schlimmste Klischees gibt es kein Ende, in dem die beiden zusammen sein können. Dieses wäre zwar auch ein Klischee gewesen, aber normalerweise erwartet man das von so einem Film, oder nicht? Dadurch wird meiner Meinung nach das Gesamtbild „Homosexualität ist nicht schlimm, sondern ganz normal“ doch etwas getrübt. Warum dürfen Schwule am Ende nicht glücklich sein und fröhlich knutschend in die Kamera winken?
    **** SPOILER ENDE***

    Desweiteren fand ich Ewan McGregors Figur Philip Morris leider sehr blaß. Er diente nur als (zugegebenermaßen leckeres) Eyecandy und Plotdevice und wurde weit unter Wert verkauft.

    Bis auf die letzten 15 Minuten habe ich den Film sehr genossen, aber das Ende war leider furchtbar. 3 Sterne von mir.

  • nurah-Bielefeld 29. 4. 2010 an 1:52

    hab ihn gesehen!!!!

    finde den SCHWUL!

  • Björn 29. 4. 2010 an 2:05

    @DerTim
    Der Film beruht auf wahren Begebenheiten, und da dann das größte Schwindelkunststück wegzulassen um die Sympathien für den Charakter zu erhalten wäre wohl unpassend gewesen.

  • DerTim 29. 4. 2010 an 3:51

    @Björn
    Sonst kümmert sich Hollywood auch einen Scheißdreck um so was. Davon abgesehen hat mittlerweile jeder zweite Film einen „beruht auf wahren Begebenheiten“-Stempel, um ihn interessanter zu machen – das nehme ich schon lange nicht mehr ernst.

  • lemabu 29. 4. 2010 an 8:22

    Oh weh oh weh – wenn mal jemand richtig Kopfschmerzen haben will: Bei YoutTube den Trailer suchen, Kommentare lesen.

    „were not scared of it we just dont wana be within 100 miles of it – if you wana play with eachothers butt holes thats fine in my book – im not here to say ur wrong or right – just i was raised better. but dont go puttin it where me or where my kids can see it and ill treat you like everyone else“

  • Renington Steele 29. 4. 2010 an 8:24

    @lemabu: >were not scared of it we just dont wana be within 100 miles of it

    Ist genau der gleiche Mechanismus, mit dem Nazis auch immer behaupten: “Ich bin ja nicht rechts, aber”¦”

    Muss man mal was zu machen, also nicht hier, aber”¦ ;)

  • floham 29. 4. 2010 an 10:13

    Nach dem ersten Ansehen des Trailers scheint mir allerdings doch das eine oder andere „Klischee“ da hineingeraten zu sein – offensichtlich findet er mit dem Coming-out nicht nur zu einer besseren Sexualität: Den Sinn fürs allgemeine Schöne inkl. Mode gibts gleich mit dazu. Es genügt scheinbar nicht, dass man einen Mann liebt – man muss auch direkt im Tuntenfummel durch den Knast rennen und das Kantinenessen verfeinern.
    Da schien mir „Brokeback Mountain“ die glaubwürdigere, klischeefreiere Liebesgeschichte zu sein – unabhängig vom „inspired by real events“. War allerdings auch keine Komödie. Spontan fiele mir dann auch noch „in&out“ ein…

  • DerTim 29. 4. 2010 an 11:19

    Ich finde man darf den Trailer nicht überbewerten, das einzige Klischee, das der Trailer (und der Film) vielleicht bedient ist der, daß jeder hochkonservative Mann ein „closet homosexual“ ist und das sehe ich eher als ein legtitimes Mittel der Satire.

    Ich finde den Film super, nur die letzte Viertelstunde ist grausam.

  • I love you Phillip Morris « medium – wenn schon n3rd, dann richtig! 29. 4. 2010 an 11:27

    […] Kritik von Jet bei den 5 Filmfreunden lässt hoffen: Denn der Film greift nicht das langbärtige Komödienklischee auf, das für […]

  • Frybird 29. 4. 2010 an 12:41

    Ich weiß nur eins:

    Wenn ich mir die fürchterlichen Filmplakate ansehe, wird mir vermittelt, das alle Homosexuellen grinsende Zombies mit Plastiküberzug sind.

    Wer lässt solche Designs durchgehen??

  • buzz 29. 4. 2010 an 13:21

    Hey Renington Godwin´s law grüßt dich :P

    Zur Diskussion:
    Gleichberechtigung ist eben nicht einfach zu verstehen. Ich hab nichts gegen Schwule solange sie mir nicht auf die Nerven gehen :P Das meine ich gleichberechtigt mit den Machospinnern etc. Sobald jemand seine Sexualität im Leben über alles stellt (hetero oder homo) finde ich das komisch. Durch die mangelnde Anerkennung der Homosexualität drückt sich diese leider allzu oft in „Lebensgefühl“ etc. aus. Ich verstehe nicht, warum man sich „komisch“ verhalten muss, weil man homosexuell ist. Wenn ich im Gegensatz zu „tuntigem“ Verhalten nur noch markige Machosprüche in tiefer Tonart von mir geben, Lederjacken tragen und ständig Frauen anmachen würde, wäre das genauso komisch. Leider ist die Homo-Szene häufig darauf ausgelegt sich abzugrenzen und gleichförmig zu verhalten. Im Gegensatz dazu habe ich aber viele schwule/lesbische Bekannte, denen man das nicht zwingend anmerken würde.

  • The Director 29. 4. 2010 an 14:25

    Ich seh mir den Film an, denn ich mag Ewan McGregor und liebe Jim Carrey. Bin ich jetzt schwul?

  • Lenox 29. 4. 2010 an 16:18

    Hab den Film gerade gesehen und fand ihn eher mäßig. Jim Carrey spielt zwar mal wieder überragend und die Gaunerstücke sind wirklich unterhaltend gespielt aber mehr ist an dem Film auch nicht dran. McGregors Rolle ist eher schwach dargestellt, ich mag ihn als Schauspieler sehr aber hier konnte er nicht überzeugen.
    Streckenweise war mir der Film einfach zu langweilig, was für mich das schlimmste ist was beim schauen passieren kann.

    Als Komödie finde ich es insgesammt durchschnittlich und was die Thematik der Homososexualität betrifft, naja da schaue ich mir lieber nochmal Brokeback Mountain an, den fand ich ausgezeichnet.

  • Maurice 30. 4. 2010 an 1:06

    Wurde uns nicht noch ein Review von Batzman versprochen? :D

  • Salvador Jungfleisch 30. 4. 2010 an 15:47

    Einer der schlechtesten Filme, die ich jemals gesehen habe. Wirklich.
    Meine Problem: Er inszeniert Homosexualität als Provokation. Ich glaube nicht, dass das nötig ist und meiner Ansicht nach sind Filme wie Brokeback Mountain viel weiter, weil die Homosexualität da wirklich selbstverständlich ist und keine glitzernde Abweichung von der Norm. Und von wegen „keine Klischees“! Der Film kotzt einem die Klischees nur so in den Kragen! „Es ist verdammt teuer, schwul zu sein.“ – was für ein Müll! Als ob die sexuelle Ausrichtung IRGENDetwas mit den Konsummustern zutun hätte (hat floham schon ganz richtig erkannt).
    Der Film will Homosexualität darstellen, in dem er (schwule) Männer als sensible Wesen darstellt, die „auch mal Gefühle zeigen können“. Mal ganz abgesehen davon, dass auch die Fähigkeit, Gefühle zu zeigen nicht von der Sexualität abhängt, beschränken sich diese Gefühle auf nerviges Jim-Carrey-Grinsen, Heulszenen und pseudoromantische Dialoge, die in ihrer Profanität und Stumpfheit kaum zu übertreffen sind. Der Film strotz vor Muhaha-Gags, die jeden Versuch ein „Sensibles Thema“ anzusprechen zunichte machen und teilweise so beschäment schlecht waren, dass man sich nur noch abweden konnte. Und was mich am meisten ankotzt ist, dass ich im Bekanntenkreis sofort der Homophobie bezichtigt werde, wenn ich den Film kritisiere!

    Der Film ist kein bisschen emanzipatorischer als Gurken im Glas. So.

  • Gerrit 30. 4. 2010 an 16:42

    Kann es sein, dass der Film hier einen klitzkleinen Schwulen-Bonus erhalten hat? So wie ich die Kritik verstanden habe, ist „Chuck and Larry“ also eine Art „Blind Side“ in Bezug auf das Schwulsein. Diese ganze Argumentation: „Filme, in denen der Unterdrücker dem Unterdrückten aus seiner Unterdrückung hilft, sind scheinheilig“ ging mir das letzte Mal schon aufn Sack. Sie zeugt eigentlich in erster Linie nur von einer entlarvenden radikale Borniertheit dieser Menschen, die den Unterdrückern keinen Änderungswillen zugestehen wollen.

    Überhaupt: Dass das Thema Schwulsein den Mainstreammarkt noch nicht erreicht hat, möchte ich mal stark bezweifeln. Beweis: Die Fernsehserie „Dawsons Creek“ hat Schwulsein schon vor ca. 11 Jahren wie selbstverständlich in ihre geschichten rund um das Erwachsenwerden integriert.

  • Irreversibel 1. 5. 2010 an 13:21

    Natürlich gib es heute auch in TV-Mainstreamformaten Homosexualität, trotzdem kommt es nur sehr selten dazu, dass dabei z.B. intensive Küsse oder gar Sex zwischen Männern ähnlich selbstverständlich sind wie zwischen Heteros. Eben weil da von vielen einfach gestrickten bzw. ressentimentbeladenenen Herrn immer noch mit Ekel reagiert wird.

    Abgesehen von Nischenprodukten wie „Queer as folk“ habe ich bisher lediglich in der Serie „Six Feet Under“ einen wirklich gleichberechtigten Umgang mit Homosexualität in TV-Serien gesehen. Und bei Mainstreamfilmen sieht das imo auch nicht viel besser aus (Brokeback Mountain, klar, aber sonst?).

  • Batzman 1. 5. 2010 an 21:35

    @Buzz @Floham @Lenox @Salvador

    Sich an dem Satz wie „Schwulsein ist teuer“ hochzuziehen ist doch ein bißchen albern. Und zu den Klischees: Genausoviele wie der Film bedient (und ja es gibt Schwule die extrovertiert und effiminiert sind – auch wenn die Leute damit ihre Probleme haben) genauso viele unterminiert er doch auch. Denn die meiste Zeit geht Carrey überall problemlos als Hetero durch und ist in seiner bossigen Art sehr viel mehr Butch als überdrehte Tunte – und selbst der eher schwuppige McGregor bricht sein Weibchenklischee doch sehr nett wenn er meint „enough romance, lets fuck“. Mag ja sein, dass einige Schwule den unsichtbaren, nicht vom hetero zu unterscheidenen Homo lieber mögen und es als Kompliment auffassen, wenn ihnen jemand sagt „Was, du bist schwul? Das hätte ich nie von dir gedacht!“ – aber das berichtigt sie nicht das von allen zu verlangen oder zu glauben, das sie damit die besseren Schwulen sind. Und was Heteros angeht die sich über Schwuppen mokieren „denen man es ansieht“ – die können mir eh mal den Schritt shampoonieren.

    Der Film hat seine Fehler – die ich oben auch angeführt habe, aber feige ist er in seiner Darstellung von Schwulen garantiert nicht. Da find ich Brokeback Mountain wesentlich ärgerlicher und unmutiger – weil er das hohe Lied auf die Normalität singt. Es ist keine Leistung nen Homo zu akzeptieren, der sich genau wie ein Hetero benimmt und bei allem furchtsam die Fresse hält um nur nicht aufzufallen.

  • buzz 2. 5. 2010 an 18:06

    Naja die „Leistung“ beginnt wohl in der Akzeptanz der Normalität. Einen kinderliebenden Oberpfaffen kann ich sehr schwer akzeptieren. Aber wäre das denn tatsächlich auch eine Leistung abgesehen von der Selbstüberwindung? Wie schon jemand schrieb, sollte aber in solchen Themen nicht jegliche Kritik mit der Holzhammermethode mundtot gemacht werden. Damit macht man es sich zu einfach. Abgesehen von den Passagen zum Film ist dein Post in meinen Augen ziemlicher Quark, zeigt aber die Emotionalisierung bei diesem Thema.
    So long buzz

  • I Love You Phillip Morris #Trailer | Komödie, Streifen, Aspekt, Begebenheiten | Sohneinesschwaben.de 2. 5. 2010 an 23:58

    […] I Love You Phillip Morris ist der neue Film mit Ewan McGregor und Jim Carrey. Alleine der Namen wegen, sollte man also schon erwägen sich den Film anzuschauen. Der Film selber ist sowas wie ´ne irre Komödie. Irre – nicht weil Homosexuelle die Hauptaktuere sind, sondern weil die Story auf einer wahren Begebenheit beruht. Und ich denke auch, dass ist der Aspekt warum der Streifen manchmal nur phasenweise lustig ist. Über die meiste Zeit ziehen sich die “wahren Begebenheiten” so in die Länge. Aber würd mal sagen – ein Streifen, den man gerne sehen kann, der auch unterhält – aber wer die Komödie seines Lebens erwartet, ist fehl im Kino. […]

  • Salvador Jungfleisch 5. 5. 2010 an 23:42

    @ Batzmann
    Das war vielleicht missverständlich ausgedrückt: ich ziehe mich nicht an dem einen Satz hoch, vielmehr sollte er ein Beispiel darstellen. Mein Problem ist nicht, dass sich schwule Männer schwul verhalten, sondern, dass ein Mann sein kompletten Habitus von Jetzt auf Gleich ändert, nur weil er feststellt, dass er auf Männer steht.

  • Hans 6. 5. 2010 an 0:02

    @ Batzmann

    Ich glaube den richtigen Homophoben ist es egal wie sich ein Homosexueller benimmt, sie hassen ihn trotzdem. Es ist bei einer großen Anzahl von Menschen (beispielsweisen in Teilen bei sehr religiös konservativen Amerikanern) eben schon eine Leistung, wenn sie wenigstens sich „normal benehmende“ Homosexuelle akzeptieren könnten. Ich behaupte jetzt aber einfach mal dass (gefühlte und nicht belegte) 80% der Weltbevölkerung noch nicht einmal dazu in der Lage sind.

  • hanna 9. 5. 2010 an 0:44

    Mir hat der Film echt gefallen. Amüsant, romantisch, sogar dramatisch und oft überraschend unvorhersehbar. Das fand ich erfrischend. Und trotz der grellen Ausschmückung bestimmter Elemente fand ich ihn viel weniger extrem und klischeebeladen, als ich es (vom Trailer her) erwartet hatte. Zumindest empfand ich das Klischee als komödiantisches Stilmittel und nicht als Diskriminierung. Sieht man mal von den deutschen Synchronsprechern ab, die mir viel zu übertrieben agieren und den Film dadurch manchmal sehr ins Lächerliche ziehen. Das Original fand ich weitaus besser, es behandelt seine Themen subtiler, Ewan McGregor wirkt dort weitaus realistischer. Er ist ein sehr vielseitiger Schauspieler, der mir in seinen Rollen sehr viel mehr Normalität und Menschlichkeit vermittelt als irgendjemand sonst. Dieses unforcierte und überzeugende Spiel mögen andere langweilig finden, ich bin immer wieder sehr beeindruckt. Zugegeben, ich bin ETWAS voreingenommen, allein weil McGregor in dem Streifen präsent ist. Nun, Jim Carrey ist halt immer mehr Jim Carrey, aber er passt trotzdem sehr gut in die Rolle und vermittelt durchaus Ernsthaftigkeit und Tiefe, eben auf die Jim-Carrey-Art. Ich denke, das ist einfach seine Persönlichkeit, so und nicht anders zu spielen.

    Das “ Conman-Thema“ steht im Film voll im Mittelpunkt, aber KANN sich in gewissem Maß sicher nur aus dem Fakt entwickeln, dass sich Phillip und Steven im Knast kennenlernen und verlieben. Denn dort baut sich ihre ganze Beziehung auf. Schwul waren beide schon vorher, da ist es irgendwie klar, dass man jetzt keine Hetero-Geschichte mehr draus stricken kann und dass es, wenn beide in einer Zelle wohnen, zu Liebeszenen kommt. Ist für mich alles logisch und muss eigentlich nicht groß diskutiert werden. Und trotzdem bleibt Homosexualität ein weiter tabuisiertes Thema in der Gesellschaft, was schlimm ist. (Wurde der Film deshalb als FSK ab 16 eingeordnet? Das fände ich lächerlich: guckt doch mal, wie viele blutige Gewaltfilme schon für Jüngere erhältlich sind, da wäre so eine Liebes-Tragikkömodie doch weitaus harmloser.)
    Und schließlich kenne ich genug Leute, die sich diese paar Szenen nicht freiwillig angucken würden, nur weil sie Homosexualität darstellen! Und es ist schlimm, dass ich Skrupel hätte mit solchen Leuten genau wegen dieser ablehnenden Haltung in diesen Film zu gehen und mir dafür lieber tolerante Kinobegleiter aussuche (ist das ein Egoproblem oder mag ich mir einfach das Filmerlebnis nicht durch unangebrachte Kommentare zerstören lassen ?).

    Ganz ungeachtet der Sexualität der Protagonisten, ist es für mich IMMER sehenswerter, wenn Emotionen bei einer solchen „Gaunergeschichte“ eine Rolle spielen: Würde Stevens Benehmen nur zur persönlichen Bereicherung beitragen, fände ich den Film schrecklich langweilig. Erst die Liebesgeschichten scheinen seinen Betrügereien Sinn zu geben, machen ihn sympathisch. Dass der Film dabei das Problem des „Immer mehr wollens“ trotzdem nicht aus den Augen lässt, wirkt dem Schenkelklopfen und der „Überzuckerung“ in angenehmem Maß entgegen (wenn man sich fragt: wozu macht er weiter, er hat doch alles, was er will? Ist der Mann doch irgendwie nur hohl?). Das macht die Story für mich schon wieder tiefsinniger. Auch ein Ende, dass etwas unbefriedigend ausgeht und wahrheitsgemäß nicht im Happy-End-Kitsch versinkt, ist für mich noch immer Zeichen von Anspruch, weil es den Zuschauer zum Nachdenken bringt. Ob das von den Filmemachern beabsichtigt ist, sei dahingestellt. Ja irgendwie ist der Film schon so interessant, weil er so schlecht einzuordnen ist, dadurch sehr polarisiert und für die Interpretation viel Spielraum lässt . Aber allein die Diskussion zeigt den Bedarf an solchem Stoff, meine ich.

    Insgesamt aber war es einfach ein Film mit vielen guten Momenten, deswegen mag ich ihn sehr gern.