DVD Review

Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte (Review)

6. 5. 2010, Renington Steele, 3 Kommentare

This is capitalism. A system of taking and giving… mostly taking.

Originaltitel: Capitalism: A Love Story
Herstellungsland: USA 209
Regie: Michael Moore
Buch: Michael Moore
Darsteller: Michael Moore

Michael Moore kehrt zurück zu seinen Wurzeln. Nach Ausflügen zur Waffenlobby (Bowling for Columbine), Terrorismus (Fahrenheit 9/11), Gesundheitswesen (Sicko) und den Wahlkampf (Slacker Uprising) widmet er sich nun wieder seinem ureigentlichen Thema: Kapitalismus und Arbeiterbewegung. Themen, die er bereits wunderbar genau 30 Jahre zuvor in „Roger & Me“ in kleinerem Rahmen rund um die Geschehnisse in seiner Heimatstadt Flint, Michigan verhandelt hat und die er nun auf das gesamte politische und gesellschaftliche System ausweitet. Und er hat mit „Capitalism: A Love Story“ sein Opus Magnum geschaffen, seine Generalabrechnung mit einem System, das in der Theorie Wohlstand für alle schaffen soll, das in der Realität aber an der menschlichen Gier scheitert.

Daher der Titel: Moore mag den Kapitalismus, sehr sogar und der Film richtet sich nicht gegen ihn, sondern gegen die Menschen, die den Kapitalismus in der Form, wie er (in den Vereinigten Staaten) „installiert“ ist, ausnutzen, um ihre Ziele durchzusetzen: MORE MONEY!

Moore zeichnet in seinem Film ein Bild des vor allem ausbeuterischen Kapitalismus, das dem kleinen Mann keine Chance lässt, den Mächtigen an den richtigen Stellen alle Türen öffnet und einigen Parasiten großen Reichtum bietet. Ihm wird an dieser Stelle immer wieder vorgeworfen, zu simplifizieren, Fakten wegzulassen oder ohne ihren Kontext darzustellen. Das ist korrekt, als Beispiel seien hier nur die Lebensversicherungen genannt, die Wallmart im Falle des Todes ihrer Angestellten einen schönen Profit garantierten. Diese Lebensversicherungen wurden im Jahr 2000 komplett aufgelöst, was der Film im Abspann versteckt (was den Fakt allerdings auch nicht unwahrer macht und was ebenfalls nicht heisst, dass dies in anderen Firmen nicht weiterhin geschieht).

Freilich vereinfacht Moore, selbstverständlich emotionalisiert er und sein Film ist reinste Polemik – den Film selbst macht all das nicht schlechter, denn Moore macht Filme mit dokumentarischen Stilmitteln und einer politischen Agenda, Moore hat ein Anliegen und um das zu erreichen, sind ihm die journalistische Sorgfaltspflichten ziemlich egal – was okay ist, denn das grobe, große Bild, das Moore vom Kapitalismus zeichnet, ist aus seiner Sichtweise (die sich an nicht wenigen Stellen mit meiner deckt) durchaus korrekt.

An dieser Stelle sollten wir kurz über die Ausflüge des Films in religiöse Gefilde reden. Ich bin kein religiöser Mensch und ich kritisiere das Konzept Religion und ihre Strukturen, wo es nur geht. Deshalb wäre mir die recht ausgedehnte Heranziehung der Meinung Vertreter des Klerus zum Thema auch sauer aufgestoßen, wenn ich nicht schon vorher gewusst hätte, dass die Kirche dem Kapitalismus eher feindlich gegenüber steht und das nicht aus religiösen, sondern aus humanistischen Gründen. Darüber hinaus halte ich diese Stelle für einen von Moores Taschenspielertricks, um den amerikanischen Bible-Belt einzufangen. Geht okay, ein Geschmäckle bleibt.

Natürlich hätte das Thema „Abrechnung mit dem Kapitalismus“ eine tiefgreifende, inhaltlich genau analysierende Dokumentation verdient, das allerdings ist nicht der Fehler dieses Films, der trotz seines sperrigen Themas großartig unterhält und die Kritik mit Spaß an der Sache vermittelt, immer mit Moores schelmischen Grinsen in Hintergrund. Und wenn er damit nur ein paar Leute für das Thema gewinnt, die sich nach diesem Film möglicherweise seinen Erstling „Roger & Me“ und danach ein Buch von Noam Chomsky kaufen, dann hat Moore sein Anliegen erreicht und dann kann ich auch mit der restlichen Kritik an der Figur Michael Moore prima leben.

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(Youtube Direkt$)

  • Michael 7. 5. 2010 an 8:33

    Die Welt am Arsch, bzw. hier gar nicht so am Arsch wie man denkt und trotzdem nichts interessantes zu wählen.

  • simon 10. 5. 2010 an 9:07

    „Moore mag den Kapitalismus, sehr sogar und der Film richtet sich nicht gegen ihn, sondern gegen die Menschen, die den Kapitalismus in der Form, wie er (in den Vereinigten Staaten) “installiert” ist, ausnutzen, um ihre Ziele durchzusetzen: MORE MONEY!“

    Das ist gerade das Problem das ich mit Moore habe (ohne den Film schon gesehen zu haben).
    Personifizierte Kritik an den „gierigen Bänkern“, die die Krise verursacht haben, übersieht zwangsläufig die systematischen Probleme die es nunmal gibt.

  • GunGrave 8. 6. 2010 an 14:28

    … schöner Film – gut gemacht … 3 Sterne.