Review

Kurzreviews: The Kids are alright, Rock it!, Catfish, Robin Hood (Review)

16. 11. 2010, Batzman (Oliver Lysiak), 15 Kommentare

So, nachdem ich aus dem Urlaub zurück bin und mich vom US-Trip etwas erholt habe, wird es mal wieder Zeit für ein paar Kurzreviews der Filme, die ich in letzter Zeit gesehen und nachgeholt habe.

Heute dabei: The Kids are alright +++ Rammbock +++ Rock it! +++ Catfish +++ Robin Hood

The Kids are alright – USA 2010

Das lesbische Frauenpärchen Nic und Jules (großartig: Annette Benning und Julian Moore) lebt das scheinbare Familienglück. Das zerbröckelt jedoch, als ihre Kinder Kontakt zu ihrem biologischen Vater aufnehmen und der Samenspender (Mark Ruffalo) das Leben aller Beteiligten gründlich auf den Kopf stellt.

Es sind mehr die Darsteller als die Story, die dem Film seine Qualitäten geben. Denn genau genommen ist die Geschichte dann doch etwas vorhersehbar und verläuft so, wie man es auch erwarten würde. Dem wieder mal übereifrigen Trailer sei es gedankt, dass der Film leider gar keine Überraschungen mehr bereit hält.

Dank der insgesamt leichtfüssigen Inszenierung und der durch die Bank guten Schauspieler, macht es aber dennoch Spaß zuzusehen, wie sich diese seltsame Dreiecksbeziehung entwickelt… auch wenn am Ende etwas zu fest auf den Tränendrüsen herumgehopst wird und der Film insgesamt nicht ganz so mutig und ungezwungen bleibt, wie es die erste Viertelstunde vermuten ließe… Dennoch sehenswert.

Rock it! – Deutschland 2010

Junges Mädchen das neu an das Musik-Internat Amadeus kommt muss sich entscheiden zwischen ihrer Liebe zur „Rockmusik“ und dem klassischen Lernen…

Das Grauen… das Grauen. Ich mag Musicals wirklich und fand selbst den ersten HSM-Film noch erträglich, aber dieser Versuch ein modernes Musical in Deutschland zu drehen ist 100% in die Hose gegangen.
Es ist nicht nur ein krampfiger Abklatsch der HSM und Camp Rock-Filme die der Disney-Channel produziert, es ist ein übler, verklemmt-biederer Rückschritt in die 60er Jahre. Gegen Rock It wirken selbst „Die Lümmel von der letzten Bank“ noch modern und gewagt.

Alle jungen Schauspieler sind durch die (letzte) Bank furchtbar und wirken tatsächlich wie die erste Probe beim Schülertheater. Die Songs von Tobias Kuhn (der schon für das Ochsenknecht-Vehikel Sommer tätig war) sind miserabeler Weichspülfluff der jedes „Wir rocken ab!“ im Text zum unfreiwilligen Brüller werden lässt und passen kein Stück zur Handlung und Choreographie. Das Prinzip das im Musical die Story in den Songs erzählt wird und die Songs die Handlung weiterbringen anstatt zu unterbrechen, haben die Macher so gar nicht kapiert.

Aus 1000 geklauten Versatzstücken wird ein schreckliches Mischmasch zusammengekocht, das man nur angucken kann wie einen spektakulären Autounfall: Mann fasst es nicht und kann deswegen nicht wegschauen. Das die Macher es wagen im Jahr 2010 eine so spiessige Story mit so unlustigen Witzen und so katatstrophal dummen Dialogen abzuliefern ist wahrlich atemberauben. Wie Kollege Nilzenburger richtig meinte: Die Choreographien sehen nach Seniorengymnastik aus und lassen jedes Timing oder Spaß vermissen – und killen damit genau die Leichtigkeit die ein Musical braucht um die Mischung aus Story und Songs zum Fliegen zu bringen.

Ich wollte dem Film wirklich eine Chance geben, aber er hat wirklich nichts das ihn rettet. Es macht eher wütend, dass er nebenher noch talentierte Comedians wie Petra Nadolny, Dieter Landuris oder Oliver Korritke mit scheusslichen Rollen beleidigt.

Catfish – USA 2010

Dokumentarfilm über einen jungen Fotografen aus New York, der sich auf Facebook mit einer Familie anfreundet, deren jüngste Tochter seine Bilder in Gemälden umsetzt. Als er beschliesst die Familie zu besuchen erlebt er allerdings eine Überraschung…

Wer schon den einen oder anderen Film über Fern- und Internetbekanntschaften gesehen hat, sei dies nun der Spielfilm The Night Listener oder die Doku TallHotBlond, der wird über die Auflösung des Films kaum überrascht sein.

Was nicht bedeutet, das die Geschichte nicht gefangen nimmt, denn die Macher schaffen es ein authentisches Gefühl für die Figuren zu transportieren und Schritt für Schritt die Auflösung zu präsentieren… wobei sie sich trotz voyeuristischer Anwandlungen immer bemühen die gezeigten Personen menschlich erscheinen zu lassen, mit allen Fehlern und Macken. Keine Offenbarung, aber eine spannende Doku zum Thema Netzidentität.

Robin Hood – USA 2010

Die Geschichte wie aus aus Robin Longbow (Russel Crowe) der Volksheld Robin Hood wurde…

Dafür das ich Russel Crowe wirklich nicht mag und Ridley Scotts Filme seit Thelma und Louise ziemlich lahm fand, bot dieser Robin Hood doch solide Unterhaltung – was wohl auch daran liegt, dass der Film die Legende dann doch ernster nimmt und nicht krampfhaft versucht aus der Story eine moderne Neudeutung zu machen, wie Sherlock Holmes oder der neue Bond, die mit dem eigentlichen Kern der legendären Figuren wenig zu tun haben. Robin Hood ist auch hier Robin Hood, ein wenig dreckiger, aber dennoch eine klassische Figur. Kein umwerfend origineller Film, aber solide Unterhaltung.

  • Batzman (Oliver Lysiak) 16. 11. 2010 an 3:31

    @Florenz

    Der Film. Die Serie fand ich gut, nachdem sie mal in die Gänge gekommen war…

  • Florenz 16. 11. 2010 an 3:25

    Sherlock Holmes der miese Film von Guy Ritchie oder Sherlock Holmes die unglaublich gute Serie von Steven Moffat?

  • Lino 16. 11. 2010 an 4:45

    Zu Rock It!: Wirklich schade, wie viel Geld hier mal wieder verschwendet wurde. Weiß echt nicht, warum es so unmöglich zu sein scheint, einfach mal etwas neues in Deutschland zu probieren und nicht irgendwas solange weichzuspülen, bis sich alle Beteiligten sicher sind, dass sich gar keiner mehr dran stören kann…

    Zum Rest: Catfish hatte ich aus den Augen verloren – Danke!

  • Peter 16. 11. 2010 an 10:56

    Catfish und Robin Hood ohne Sternewertung, Absicht?

    Ansonsten schöne Reviews, Rants wie zu Rock It lesen sich irgendwie immer am schönsten und könnten noch länger sein ;-)

  • Andrea 16. 11. 2010 an 10:19

    Ich habe mir am Wochenende Robin Hood angesehen, hatte eigentlich nichts dolles erwartet und war angenehm überrascht. Solide Unterhaltung trifft es eigentlich ziemlich genau.

  • latze 16. 11. 2010 an 11:42

    Oliver Korittke als Comedian zu bezeichnen ist ziemlich nahe an einer Beleidigung.

  • Batzman (Oliver Lysiak) 16. 11. 2010 an 13:24

    @Peter

    Nein nur vergessen ;) Ist nachgeholt.

    @latze

    Okay, dann als Schauspieler der sich normalerweise auch auf komische Rollen versteht, wie er oft genug bewiesen hat.

  • Moep 16. 11. 2010 an 17:43

    Robin Hood & solide? Vll. wenn man den Kopf ausschaltet und den Film als Popcorn Kino „genießt“…
    Für den Film, der Robin Hood „historisch korrekt“ porträtieren wollte, wars dann doch sehr dümmlich.
    Vielleicht liegts aber auch einfach daran, dass ich großer Fan von Bernard Cornwells historischen Romanen bin, der hat z.B. die Artus Sage sehr spannend uminterpretiert. Da seh ich bei dieser Robin Hood Verfilmung nur jede Menge verschenktes Potential…

  • Binding 16. 11. 2010 an 20:46

    Ja, ich hätte die ursprüngliche Idee, alles aus der Perspektive des Sheriffs von Nottingham (den Russell Crowe zuerst spielen sollte) zu zeigen, auch interessanter gefunden. Ich konnte dem Film übrigens kaum was abgewinnen. Ich fand nur die Pfeil-Szene am Ende am Strand genial.

  • Batzman (Oliver Lysiak) 16. 11. 2010 an 22:20

    @Moep

    Naja ich mag die Klischee-Figur von Robin Hood – historische korrekte realistische Rangehensweisen interessieren mich Null. Weder bei Bond, noch bei Holmes… insofern war ich froh einen konventionellen Robin Hood-Film gesehen zu haben. Die Variante aus der Perspektive vom Sheriff hätte ich hingegen spannend gefunden… erinnerte mich irgendwie an die Serie Maid Marian and her merry man

  • toasted 16. 11. 2010 an 23:25

    Ich fand Robin Hood damals im Kino eigentlich recht angenehm zu schauen, nix großartiges, aber die Interpretation hatte etwas. Bis ich mir den D-Day im Mittelalter anschauen musste. Das hat mir dann irgendwie den bisher soliden Eindruck vom Film genommen. Fremdschämen ftw.

  • Thies 18. 11. 2010 an 1:26

    Nur mal so leicht Off-topic: Hatte bisher noch keiner von euch Lust sich „RED“ anzusehen, oder warum gibt es hier noch kein Review? Wäre schade, denn dann entginge euch eine sehr hübsch gemachte Action-Komödie.

  • Binding 19. 11. 2010 an 12:18

    Ich frage mich auch schon, wo die Rezis zu „R.E.D.“, „Wir sind die Nacht“, „Jackass 3D“, „Stichtag“, „Somewhere“, „Unstoppable“ und „Die kommenden Tage“ eigentlich alle bleiben! Geht Ihr eigentlich nicht mehr ins Kino???

  • projekt2501 19. 12. 2010 an 5:13

    Solide Unterhaltung, ja, aber der Russel geht mir immer mehr auf den Sack je mehr Filme er macht. Wird immer selbstgefälliger und genießt sich sichtlich in der Rolle des Besserwissers und Besserkönners und Brummbärgutmenschen. Der inszeniert sich seit geraumer Zeit selbst, deswegen dreht er wahrscheinlich so gern mit Ridley, der voll in ihn verliebt ist, und Russel macht dann denn Brummigen und Ridley den Entzückten und dann fühlen sich alle geil.

  • Thaniell 29. 1. 2011 an 14:44

    Bei Robin Hood passte das Zusammenspiel der Charaktere hervorragend, wunderbarer „Fantasyfilm“ mit einer bunten Gefährtengruppe – nur die Story… hörte gerade da auf wo es interessant wurde…