Review

Drei (Review)

27. 12. 2010, Nilz N Burger, 26 Kommentare

„-Wollen wir nicht auch mal zu dir gehen?
-Geht nicht, da ist noch jemand…“

Originaltitel: 3
Herstellungsland: Deutschland 2010
Regie und Buch: Tom Tykwer
Darsteller: Sophie Rois, Devid Striesow, Sebastian Schipper, Annedore Kleist, Angela Winkler, Alexander Hörbe

Hanna und Simon sind sein knapp 20 Jahren ein Paar. In dieser Zeit steht man viel gemeinsam durch, vieles ist selbstverständlich geworden. Man lebt einen Alltag zusammen, was eben nicht etwas schrecklich langweiliges ist, sondern im Gegenteil auch sehr gut funktionieren kann, wenn man weiß um was es einem geht. Zumindest glauben das die Beiden. Und so leben sie: Rücksicht auf den Partner nehmen, aber auch das eigene Leben leben. Es wirkt wie die Idealbesetzung. Bis plötzlich Simons Mutter stirbt. Und alles anfängt irgendwie anders zu werden. Simon sieht alles anders, vor allem seine eigene, bis zur Notoperation noch vor seiner Dauerfreundin geheim gehaltene Hodenkrebs-Erkrankung. Eines Abends nützt es ihm nichts mehr, die Anrufe seines Urologen wegzudrücken. Er muss sofort operiert werden. Zur gleichen Zeit beginnt seine Freundin Hanna einen Kollegen, Adam, besser kennenzulernen. Sie hat schon hitzige, berufliche Debatten mit ihm führen müssen und ist ihm einige Male mehr oder weniger zufällig über den Weg gelaufen. Heute lernen sie sich besser kennen. Es ist ein ruhiger Tag, sie haben beide nichts zu tun, also machen sie das Beste draus. Da Hanna ihr Handy zu Hause vergessen hat, bekommt sie die dringenden Anrufe von Simon auch nicht mit, der es noch ein letztes Mal direkt vom OP-Tisch versucht. Und an diesem Abend lässt sich Hanna von Adam verführen.

Die Operation hat etwas mit Simon gemacht. Hanna ist jetzt immer bei ihm und passt auf ihn auf. Simon überdenkt sein Leben. Nicht so radikal in dem Sinne, das er alles ändern wollen würde, aber man merkt ihm an das er nach etwas anderem sucht. Er weiß nur nicht, was es ist. Es könnte der plötzliche Kinderwunsch sein, der in Hanna aufkommt. Es könnte die Ehe sein, die Simon seiner Freundin am 20. Jahrestag vorschlägt. Als er aber beim schwimmen gehen eine sehr „besondere“ Begegnung mit Adam hat, weiß er was es ist. Nur das die Situation jetzt noch vertrackter wird, ohne das einer der Beteiligten wirklich weiß, wie vertrackt. Denn Hannas Affäre zu Adam weitet sich aus, so wie auch Simons Affäre mit Adam immer ernster wird. Und Adam ahnt nicht, das die beiden sich überhaupt kennen…

Puh. Es ist gar nicht so einfach die Handlung von Tom Tykwers neuen Film zu beschreiben, ohne zu viel zu spoilern. Und auch in diesem Text werden sicherlich auch einige Dinge erwähnt werden müssen, die viele vielleicht vorher nicht wissen wollen. Denen empfehle ich dringend jetzt nicht mehr weiterzulesen und wünsche viel Spaß bei diesem beeindruckenden Film! Allen anderen, die jetzt noch dabei sind, kann ich versuchen zu erklären was ich da heute gesehen habe, auch wenn es mir nicht leicht fallen wird. Fangen wir aber erstmal mit den, einfacheren, Äusserlichkeiten an:

Tykwer hat ein unglaublich gutes Händchen für Besetzung, das muss man schon sagen. Sophie Rois als Hanna (Wieso heissen solche Rollen in solchen Filmen eigentlich IMMER Hanna? Oder kommt das nur mir so vor?) ist absolut fantastisch: Sie füllt die Rolle komplett und unglaublich glaubwürdig aus. Und sie wird die ganze Zeit als tolle, sexy und aufregende Frau inszeniert, die sie ja auch in Wirklichkeit ist, aber hier merkt man eben, das der Regisseur das genauso sah. Rois ist ja keine klassische Schönheit, sondern eigentlich irgendwie schräg. In diesem Film, auf der Leinwand habe ich mich aber sofort wieder in sie hineinverliebt.

Ihr Partner Sebastian Schipper, der den Simon spielt, ist für mich ebenfalls eine der besten Besetzungen, die ich jemals in einem deutschen Film gesehen habe. Der spielt die ganze Zeit so Brüche, die man dem aber sofort abkauft. Irgendwie so kaputt, aber trotzdem mit beiden Beinen im Leben stehend. Der sieht auch super aus, hat etwas leicht verschmitztes, aber nie plattes. Spielt seine Figur sehr plastisch, sehr weg von der Leinwand. Sogar wenn er mit seiner Mutter als Engel spricht, zweifelt man keinen Augenblick an dem, was man sieht. Ich gestehe, Schipper vorher nicht wirklich wahrgenommen zu haben, für mich persönlich also eine kleine Entdeckung.

Devid Striesow, der den Adam spielt, hatte die schwierigste, vielleicht auch undankbarste Rolle in dem Hauptdarsteller-Trio. Er muss Verführer und Verführter zugleich sein. Muss in entscheidenden Momenten eiskalt zuschlagen, um daraufhin gleich wieder sensibler Zuhörer oder interessierter Wochenend-Vater zu sein. Und Wissenschaftler. Und viel-zu-vielbeschäftigter Mensch, der keine Ruhe findet. Daran scheitert Striesow manchmal, es bleibt ihm gar nichts anderes übrig. Dafür ist die Figur zu vollgestopft. Und vielleicht wollte Tykwer auch genau das: Eine undarstellbare Figur entwerfen. Sehen, wie weit man gehen kann. Immerhin, Striesow macht im Gros der Zeit einen guten Job. Und scheint die Herausforderung, die Adam zu spielen nunmal ist, gerne anzunehmen.

NIcht nur das Cast stimmt: Das Tempo des Films, der Schnitt, die unbemühten Stil/Material-Wechsel, die nicht mehr die Hektik eines „Lola rennt“ haben oder vermitteln, sondern die eher durch den Film gleiten – all das ist nicht nur Eye Candy, sondern alles dient immer der Geschichte und treibt die Handlung voran. Und dann sitz ich im Kino und überlege, wer in Deutschland im Moment noch auf diese Art zu erzählen im Stande ist und mir fällt niemand ein. Vielleicht noch, ansatzweise, Oskar Röhler, aber sonst: Tykwer ist ziemlich allein auf weiter Flur. Einer der wenigen, wirklichen deutschen Autorenfilmer. Und vor allem einer der „komplettesten“. Die Leichtigkeit der Inszenierung, die Selbstsicherheit, die er in seinen Filmen mittlerweile an den Tag legt, ist beeindruckend und hilft sehr, sich sofort auf alles einzulassen. Und genau das macht auch die besondere Magie von „Drei“ aus.

Ich muss mich sehr wundern über die deutschen Feuilletons, seit dem Kinostart von „Drei“, denn alles was ich da, zugegeben am Rande, mitbekommen habe, waren interessierte Diskussionen darüber, ob das Modell in Tykwers FIlm nicht eigentlich der „richtige“ Weg sei. Liebe frei zu leben, ungebunden an Personen oder Geschlechter. Polyamorie, eben das Gegenteil von Monogamie, scheint im Moment sowieso ein sehr großes Thema zu sein, das man an allen Ecken und Enden hört. Als wenn DAS die Antwort auf sämtliche Beziehungsprobleme sei. Dabei wundert mich die eigentliche Diskussion gar nicht so sehr, wie die Tatsache, das ich das Gefühl habe hier wurde ein Film deutlich zu ernst genommen. Denn wenn man mich fragen würden, was „Drei“ für eine Geschichte sei, würde ich vermutlich als Erstes sagen: „Ein Märchen.“ So empfand ich das Gesehene. Erst alles ein bisschen komisch, dann irgendwann vollkommen unrealistisch. Also so Liebes-Fantasie-Utopie-unrealistisch. Die „Zufälle“ sind doch alle einwenig zu zufällig und passend im richtigen Moment, als das ich noch von einem realistischen Setting ausgehen könnte. Warum sollte ich also das Handeln der Figuren überhaupt noch für realistisch halten? Klar, in sich, im System des Films agieren sie noch schlüssig, aber das hat mit einer gelebten Wirklichkeit vor meiner Haustür nicht mehr viel gemein. Warum sollte also ausgerechnet das Beziehungskonstrukt des Films der harten Wirklichkeit stand halten? Und warum sollte Tykwer das wollen? Die Geschichte ist keine Vision, ist keine „How to…“-Anleitung. Sie ist der alte Versuch, den schon Goethe unternommen hat (in „Stella“), sich eine funktionierende Dreier-Beziehung vorzustellen und alles um sie herum zu ihrem gelingen zu arrangieren, sprich: eine unrealistische Welt zeichnen, in der so etwas möglich ist.

Ich möchte das dem Film ausdrücklich nicht vorwerfen. Er macht alles richtig, versucht alles um zu zeigen: Seht her, ich bin nicht echt! Ich bin sogar eigentlich eine Komödie! Aber im Eifer des Gefechts wird das manch einer übersehen haben. „Drei“ hat mich noch lange Zeit recht puzzled zurückgelassen. Nicht weil ich mir unsicher über die Botschaft gewesen wäre, oder die Geschichte an meinen Grundfesten resp. meinen Moralvorstellungen gerüttelt hätte. All das war es nicht, was mich so rätseln liess. Es fand eher auf einer fiesen Meta-Ebene statt: Ich musste darüber nachdenken, warum ich so sehr über den Film nachdenken musste. So etwas mag ich, das gefällt mir. Eine ähnliche Anziehung haben auch ein paar (wenige) alte Fassbinder-Filme auf mich (ja, vor allem die „Komödien“ von ihm, allen voran „Faustrecht der Freiheit“). Das kann ich dann nicht einordnen. Und das ist erstmal ein gutes Zeichen. Verwirrung. Schön, das ein Film das noch hinkriegt.

Übrigens: Ich kann ihm nicht die volle Punktzahl geben. Einerseits wegen dem Problem von Striesow und seiner Rolle, andererseits weil ich auch bei aller Begeisterung zugeben muss, das dem Film im letzten Drittel ein wenig die Puste ausgeht (bevor er sich dann am Ende wieder fängt). Eine Zeit lang plätschert alles so ein bisschen und man weiß gar nicht genau, wo es denn jetzt eigentlich so genau hin soll. Da hätte etwas Entschlossenheit (und das alte Drehbuch-Mantra „Kill your Darlings“) sicher gut getan. Ist aber locker zu verkraften. Sehr solide 3,5 Sterne mit einer Tendenz eher in Richtung 4 Sterne statt 3.

  • caliban 27. 12. 2010 an 18:32

    Schon komisch. Ich fand den richtig, richtig schlecht.
    Ich hab mich richtiggehend gewunden.
    Vielleicht bin ich da einfach das falsche Publikum für.
    Nur bei dem Thema Sophie Rois bin ich voll auf Deiner Seite: Sie ist umwerfend.

  • genervt 28. 12. 2010 an 0:50

    Heiliger Muttertod und Hodenkrebs, kann man nicht mal eine Geschichte erzählen, ohne mit der großen Dramakeule die Glaubwürdigkeit zurechtzupügeln? Muß man für „Liebe frei zu leben“ erst ein schwerfälliges Konstrukt als Rechtfertigung schaffen, kann das nicht einfach mal so passieren, wie das einfach mal so passiert? Achso, er hatte Hodenkrebs, na dann. Und muß über den Tod der Mutter hinwegkommen, na das entschuldigt einiges. Zwanzig Jahre Ehe sind ja schließlich kein Pappenstiel, da muß man einiges dagegensetzen. Da haben WIR aber nochmal Glück gehabt. Feigling. Und dann muß es gleich ein anderer Mann sein. Einfach eine Frau reicht da nicht mehr. Was hat er jetzt eigentlich für eine Botschaft? Die reißt er doch mit dem ganzen Quatsch gleich wieder hinten ein. Wie mich dieser Kunstmist ankotzt! (Tschuldigung)

  • Silent Rocco 28. 12. 2010 an 1:56

    Wuäääää.
    Komme grad mit Freundin aus dem Kino. Was für ein Mist! Von der ersten wirklich tollen Minute bis zur letzten unendlich lächerlichen geht es konsequent bergab. Der Plot ist absolut dünn und wird durch das Streifen aktueller Themen absolut künstlich und unglaubwürdig aufgeblasen. Tykwer wird alt und macht auf aufgeklärten Jugendlichen, der wohl kurz vorm Film ein paar Bücher zuviel gelesen hat und sich nun unbedingt noch einmal mitteilen möchte. Als zum Schluss alle 3 kuscheln, hat das ganze Kino gelacht und das Marienhoftreiben (der schwule Model-Sidekick war der Knüller in Sachen Klischee) mit ultrabraver (bis auf die Hoden, huihui) Kindergarteninszenierung hatte endlich ein Ende. Und knappe 2 Stunden fühlten sich wie 3 an. Und da schließt sich der Kreis.

  • Nilz N Burger 28. 12. 2010 an 4:55

    @rocco: stimmt, der hipster-schwule war wirklich ein klischee, aber ich fand das okee, weil, wie oben geschrieben, der film sich ja sowieso von der wirklichkeit verabschiedet hat (ich sag nur „ölbohren im mauerpark“..:)). ich versteh auch was du dem vorwirfst. ja, der hat eine soapigkeit, aber ist das nicht ein wesenszug von den meisten romantischen komödien?
    stimmt aber, den „schocker“ mit den hoden hätte er sich locker sparen können. fand ich auch nicht so prickelnd.

    bin aber mal gespannt ob hier noch jemand kommt, dem der film gefallen hat…:)

  • Gerrit 28. 12. 2010 an 9:42

    Das scheint mir ein extrem polarisierender Film zu sein. So ähnlich wie „Die Superbullen“ mit Tom Gerhardt

  • Nilz N Burger 28. 12. 2010 an 10:48

    @binding: schon rein chronologisch ist die OP von ihm schon ein auslöser. natürlich macht sie ihn nicht schwul, aber sie verändert seinen blick auf die dinge. und zwar nicht weil es eine hoden-op war, sondern weil es um krebs ging. genau die krankheit, an der seine mutter gerade erst gestorben ist. insofern löst das so ein carpe-diem-ding in simon aus infolgedessen er sich „auf einen mann einlässt“. so wollte ich das eher verstanden haben.
    allerdings, das sollte man vielleicht tatsäschlich nochmal genauer erörtern, spielt der hoden als symbol ja auch eine größere rolle, denn es geht ja auch sehr stark um männlichkeits-bilder, bzw. wahrnehmung in dem film…

  • Binding 28. 12. 2010 an 10:40

    Hier nochmal das, was ich bereits beim Trailer geschrieben hatte: Schauspielerisch, kamera- und soundtrack-technisch ist der Film allererste Sahne. Und nach der ersten Hälfte wollte ich mich eigentlich auch nur noch per Dauerschleifen-Wiederholung ständig neu in Sophie Rois verlieben. Es ist ein typischer Tykwer mit allen Vor- und Nachteilen. Wenn man Tykwer nicht mag, wird man´s allerdings wohl hassen. Ich fand ihn ziemlich klasse. Allerdings stecken zuviele Themen drin (Tykwer übertreibt´s teilweise rundumschlagmäßig mit biotechnisch-philosophischen Schicksalsspielchen), und in manchen Momenten ist sogar Fremdschämen angesagt (zum Beispiel erscheint die tote Mutter dem Sohn einmal kurz als Engel). Aber im Endeffekt – wie immer bei Tykwer – fraglos interessanter als fast alles, was aus deutschen Landen sonst noch so kommt.

    @ Nilz: Von Schipper – der ja eigentlich Regisseur ist („Absolute Giganten“, yeah!!!) war ich übrigens auch total beeindruckt. Dass die Hoden-Operation ihn „schwul macht“, würde ich allerdings nicht so sehen – das wäre ja in der Tat ziemlich daneben. Es ist eher die Suche nach dem Sinn des Lebens und in diesem Zusammenhang das Selbsteingeständnis, verdrängte Neigungen einfach mal auszuleben, bevor es zu spät ist. Die OP ist einer von mehreren Auslösern, die aber allerhöchstens symbolisch was mit Männlichkeit zu tun hat und doch wohl eher dem Themenkomplex Sterben/Tod zuzuordnen ist. Wenn ich allerdings an das Ende des Films mit den beiden unterschiedlichen Babys denke, könnte ein Hoden vielleicht doch wieder einen handlungsrelevanten Sinn ergeben (wobei es aus medizinischer Sicht natürlich Quatsch ist).

  • Ufomuschi 28. 12. 2010 an 17:22

    „Es ist ein typischer Tykwer mit allen Vor- und Nachteilen.“

    Liest sich auch sonst so. Werd ich mit nicht antun. Mochte noch keinen Tykwer-Film. Ich denke der Mann wäre beim Fersehen besser aufgehoben, da passen seine Filme eher hin.

  • Binding 28. 12. 2010 an 18:29

    @ Ufomuschi: Wie meinen? Also wenn es in Deutschland einen Regisseur gibt, der kinomäßig dreht und denkt, dann ja wohl Tykwer!!! Und gerade „Drei“ ist wieder mal ein perfektes Beispiel dafür. Ich würde mir solche „Problemfilme“ jedenfalls nicht ansehen, wenn sie nicht von cineastisch geprägten Leuten wie Tykwer kämen – denn nur so hält man das aus, wenn man sich dabei nicht zu Tode langweilen will (womit ich literarisch-theaterhafte Inszenierungen meine, in denen nur geredet wird und visuelle Kargheit herrscht).

    @ Nilz: Okay, wir meinen dasselbe.

  • DraMaticK 29. 12. 2010 an 0:18

    Ich fand‘ den Film auch gut (Ausnahme: Engel-Szene). Für mich war eher auch nicht soapig, sondern hatte im Gegenteil emotionale Wucht. Und, und da gebe ich Nils Recht, er lässt einen nicht satt zurück. Klar, werden viele Probleme aufgeworfen, das war aber auch Tykwers Intention. Das SpOn Interview ist zum Verständnis sehr hilfreich http://www.spiegel.de/kultur/kino/drei-regisseur-tom-tykwer-letztlich-ist-monogamie-widernatuerlich-a-735277.html

  • Henner 29. 12. 2010 an 1:58

    „Ich fand´ den Film auch gut (Ausnahme: Engel-Szene).“

    Haha, danke für die Klammerbemerkung! Die Szene war in der Tat grausig!
    Ansonsten hat mir der Film auch ziemlich gefallen, auch wenn er wirklich arg harmoniesuchend war:
    Am Ende wollte man doch nur kuscheln! :)

  • Nilz N Burger 29. 12. 2010 an 2:58

    ist so lustig, das alle so ein problem mit der engel-szene hatten..:) ich fand die ja ehrlich gesagt ganz süß. die war ja nie ehrlich gemeint als „erscheinung“, sondern ich hab die ein bisschen so verstanden, das simon das auch etwa lächerlich fand, aber sich drauf einliess um sich nochmal zu verabschieden…wisst ihr was ich meine?

  • Mildmanneredmaniac 29. 12. 2010 an 10:30

    Ist „drei“ nicht laut Tykwer sein Versuch einer „Beziehungskomödie“? Komödien übertreiben doch generell, deswegen hat mich der Mama-Engel, die Dreier-Konstellation, haben mich all die Zufälle wenig gestört. Ich hab jedenfalls viel gelacht, vielleicht nicht immer an den richtigen Stellen. Und konnte auch so viel von dem Film mitnehmen. War also toll.

  • evilnerd 30. 12. 2010 an 11:21

    Schipper bleib bei Deinen Leisten. Der Bub hat echt Talent im Regie Stuhl.
    „Absolute Giganten“ finde ich auch nach 1000 Jahren noch immer sensationell.

    Tykwer übertreibt in seinen Filmen immer so unglaublich.
    Fands so „geht so“.

  • Nilz N Burger 30. 12. 2010 an 18:23

    @caliban: das ist aber eine sehr böse lesart. sie ist ja keine kastration, sie ist ja „nur“ eine halbierung der potenz, das wird ja oft genug gesagt und angedeutet und so. deswegen ist es ja eher so, wenn man weiterhin mit der ganz groben kelle interpretieren wollen würde, das er (auch!!!) schwul wird, weil er alle chancen nutzen und ausprobieren will, da er nur noch halbe „power“ hat. aber, das finde ich wichtig zu sagen, wir sehen ja einen tykwer film, der hat und fordert schon ein intellektuelles mindestmass vom zuschauer. insofern ist es müssig ihr extra „falsch“ resp. „grobporig“ zu intrpretieren, weil es ihm weder gerecht wird, noch seine aussage ist. und die menschen, die sich in den film verirren und DAS daraus mitnehmen würden, die haben, glaube ich, noch ganz andere probleme…;)

  • Nilz N Burger 30. 12. 2010 an 18:26

    wie gesagt: bei der op ist natürlich der hoden ein faktum, aber deutlich wichtiger ist doch das es sich um krebs handelt. und zwar einen der fast immer „problemlos“ geheilt werden kann (ich glaube die erfolgschancen bei hodenkrebs sind sehr hoch…), das war wichtig für die figur. einerseits der krebs (mutter), andererseits die ziemlich sichere heilung (carpe diem). das spielt wohl die ungemein größere rolle.

  • caliban 30. 12. 2010 an 17:57

    @ Binding @ Nilz: Das ging mir allerdings auch so. Mein erster Gedanke im Film war : Hodenkrebs-OP entspricht symbolischen Kastration.
    Folglich: wenn man in dieser Denke bleibt, dann wird der kastrierte Mann schwul – seine Männlichkeit ist ja weg.
    Klar ist das ein klitzekleinesbisschen überinterpretiert, aber ein schaler Geschmack blieb bei mir trotzdem.

  • Nilz N Burger 31. 12. 2010 an 0:52

    oh mann, caliban, das war doch nicht auf dich bezogen! ganz und gar nicht! du hast doch anders argumentiert…jetzt willst du aber wirklich falsch lesen…

  • caliban 31. 12. 2010 an 0:50

    Also, ich glaube, in dem Moment, in dem „mir“ „andere Probleme“ unterstellt werden, ist die Diskussion dann auch für mich beendet.

  • caliban 31. 12. 2010 an 1:26

    dein Wort in Gottes Gehörgang.

    Jedenfalls: Man muss nicht aus dem vollen schöpfen und den Kastrationsvergleich komplett bemühen.
    Die Argumentation, man müsse ihn anders interpretieren, da Tykwer-Film, der jenes Mindestmaß an Intellektualität vorraussetzt: Das lasse ich so nicht gelten. Immerhin erschlägt er uns in dem Film ja mit hyperaufgeladenen Symbolen (Hey – allein der Name Adam Born (!) – ein Stammzellenforscher (!) in einer komplett leeren Wohnung (!), der allen (!) denkbaren Hobbies nachgeht).

    Dann darf imho auch die besagte OP symbolisch interpretiert werden.
    Das Argument mit dem „Jetzt erst recht ausprobieren“ finde ich tatsächlich überzeugend.
    Allerdings eher hier in der Diskussion – im Film ging es mir anders.
    Auf mich wirkte es dort eher wie der oben beschriebene Prozess.

  • burns 1. 1. 2011 an 13:16

    Ich habe den Film nicht gesehen, finde aber die Schreibe der Review sehr sehr hervorragend.
    Klasse, Nilz.
    Ich finde zwar, dass wir mit Leuten wie Dresen und Petzold noch weitere hervorragende Leute am Start haben – an denen ich gerade das nicht Groß-Kinoige mag – und auch den Tykwer mochte ich sonst nicht so.
    Aber die Review mag ich sehr.

  • Peggy 1. 1. 2011 an 13:51

    @Binding

    „literarisch-theaterhafte Inszenierungen“
    … ja, da wird dann in der Tat viel gesprochen oder sogar geredet :-)

  • Binding 1. 1. 2011 an 15:13

    @ Peggy: Ich weiß jetzt nicht, was Du mir genau sagen willst. Aber wenn eine Inszenierung nur darin besteht, sprechende Leute abzufilmen, dann hat das im Kino eigentlich nichts verloren, denn es könnte quasi genausogut auf einer Theaterbühne stattfinden. Ich habe den Terminus extra bemüht, um solche cineastisch uninspirierten Sachen von filmischen und visuell interessanten Werken abzugrenzen.

  • Nilz N Burger 11. 1. 2011 an 17:05

    das ist meiner meinung nach eine ehr abenteurliche interpretation (vor allem der part von adam als symbol für einen repromediziner…??), aber andererseits: ist doch toll, wenn der film auch solch eine lesart zulässt. ich muss ihr ja nicht folgen…;)

  • profemo 11. 1. 2011 an 16:36

    Schade das sich die meisten der Leute von dem was sie vordergründig zu sehen glauben ablenken lassen. Denkt doch mal über eine andere intepreationsebene nach. zB. das sie als paar kinder bekommen und die frage: in wie weit der repromediziner der ihnen dazu verhilft nicht auch (ein) vater der kinder ist. das finde ich wird darüber simbolisiert das Adam die beiden wieder zusammenbring (siehe erhöhte sexualität auch bei ihnen) und am ende das gemeinsame produkt der kind(er) steht. dazu kommt der closeup der die dreier szene in einer petrischale enden lässt.

    ich bin kein kulturwissenschaftler aber eine „carpe-diem“ erweckungsgeschichte erscheint mir als beschreibung doch zu flach.

  • ryudo 12. 1. 2011 an 15:58

    bezüglich der Kastrationsszene:
    es ist ziemlich offensichtlich zu sehen das Simon in seiner Mitte-Hipster-Agentur Schwulenpornos guckt bis die Kollegin draufblickt, ebenso seine elegante Art ein Kondom nach dem Sex mit Hanna zu füllen deutet zumindest darauf hin, dass er auch vor der Kastration etwas bi- bzw. schwul war. Bei der Kastration selbst konnte ich nur wegsehen, verstehe aber nicht, wieso jeder denkt das wäre der Ausgangspunkt Simons sexueller Umorientierung.
    Die Engelszene finde ich übrigens super und wurde vermutlich nur eingebaut, damit sich das Feuilleton drüber aufregen kann.
    Generell hat mir z.B. an dem Film alles gefallen, was z.B. drüben bei Filmstarts negativ angeführt wurde, ich wollte den Film ursprünglich schon wegen dem Poster nicht sehen, weil mir die Figuren da schon unsymphatisch war. Zum erstenmal waren mir Prenzlberger Kreative symphatisch und auch das mit den Ölbohren fand ich so herrlich absurd, es ist einerseits irreal, aber andererseits sehr realistisch wenn man den Berliner Kunstbetrieb sieht. 6 Daumen hoch!!