Review

Justin Bieber – Never Say Never (Review)

8. 3. 2011, Jet Strajker, 53 Kommentare

Find Out What’s Possible If You Never Give Up.

Originaltitel: Justin Bieber: Never Say Never
Herstellungsland: USA 2011
Regie: Jon Chu
Darsteller: Justin Bieber, Scooter Braun, Pattie Mallette, Boys II Men, Miley Cyrus, Sean Kingston, Ludacris, Jaden Smith, Snoop Dogg, Usher Raymond, Bruce Dale, Ryan Good

Mit 17 Jahren ist Justin Bieber der weltweit populärste Teenie-Star. Sein Bekanntheitsgrad geht weit über seine jugendlichen Fans und deren in Mitleidenschaft geratene Eltern hinaus. Der US-Präsident lud Bieber ins Weiße Haus ein, Ellen DeGeneres holt ihn jede zweite Woche auf die Couch ihrer Erfolgsshow und John Waters schmückt sich mit dem Schmusebübchen auf Photos. Zu seinen Freunden zählen Usher, Ludacris, Snoop Dogg oder Rihanna, selbst ein deutsches 68er-Urgestein wie Rainer Langhans hat schon von dem kanadischen Kinderstar mit der Wuschelfrisur Notiz genommen. Bieber singt von erster Liebe und Herzschmerz, seine Alben und Singles haben sich millionenfach verkauft und diverse Download-Rekorde gebrochen, bis auf den Grammy stehen bereits alle wichtigen Musikpreise in seiner Vitrine. Wenn der Junge sich die Haare abschneidet, füllt das die Neuigkeiten selbst noch der hiesigen Feuilletons, und auch die bei jedem kollektiven Teenphänomen vorprogrammierte virtuelle Gegenbewegung scheint seine Popularität nur noch anzuheizen.

Mit 12 präsentierte Justin Bieber seine Wohnzimmervideos bei YouTube, mit 16 spielte er im ausverkauften Madison Square Garden in New York vor 20 000 kreischenden Fans. Er ist das jugendliche Aushängeschild der Web-2.0-Generation, sein Erfolg wäre undenkbar ohne Social Networking. Und hinter dem Medienphänomen verbirgt sich auch eine geradezu märchenhafte Cinderella-Story, die findige Musikproduzenten jetzt nach der bereits erschienenen Autobiographie auch noch einmal in 3D erzählen, im Film zum eigenen Hype. Die allzu frische Karriere des Sängers wird darin auf dem vorzeitigen Höhepunkt des so genannten Bieber-Fiebers als Erfolgsgeschichte zwischen Erbauungsduktus, Aufsteigerfantasie und medialem Größenwahn zum Teenage Dream stilisiert. Du kannst es schaffen, du musst daran glauben, du darfst niemals nie sagen. Die Message ist klar und unverstellt, ihr Protagonist ein niedlicher und talentierter Sunny Boy aus der Nachbarschaft.

Hinter der moralischen Vermittlung und ihrer Dramaturgie stehen Marketing-Experten, Plattenbosse, Manager, Gesangstrainer, Choreographen, Kostümbildner und Familie, die das Phänomen entsprechend ausstatten. Sie alle kommen zu Wort in „Never Say Never“, eine Maschinerie gibt sich transparent: Der wahr gewordene Traum eines singenden Knirpses spricht schließlich für sich. Man soll glauben, Justin Bieber sei kein Produkt. Er habe Musik von klein auf an gemacht, viel gesungen, viel Gitarre gespielt und leidenschaftlich getrommelt. Millionenfach angeklickte YouTube-Videos des milchgesichtigen Teenager-Schwarms belegen das, dazwischen montiert der Film eher ungelenk inszenierte Ausschnitte eines „ganz normalen“ Jungen, der auch als Superstar noch sein Zimmer aufräumen muss, bevor er mit seinen Freunden Basketball spielen darf.

Und dann geht es immer wieder zurück auf die Bühne, wo Bieber mit allerlei visuellen Bonbons seine formatierten Popsongs performt. Das kann man tatsächlich irgendwie glaubwürdig finden – so auf seine Art, als geschliffener Diamant, als nicht gemachtes, sondern erarbeitetes Popphänomen, (v)erklärt der Film die Bieber-Hysterie zumindest effektiv und unterhaltsam. Bei aller Rätselhaftigkeit und Ablehnung, die Justin Bieber und in erster Linie seine Vermarktung provozieren mögen, kann ein Vergleich differenzierend wirken: In die finale Bühnenshow im Madison Square Garden haben sich auch Kinderstarkollegen wie Jaden Smith oder Miley Cyrus verirrt, die offenbar ein bisschen teilhaben wollen am Bieber-Fieber. Im Gegensatz zu ihnen und Konsorten ist der 17jährige Kanadier kein Casting-Resultat, kein Disney-Produkt und kein Sohn berühmter Eltern.

Zwar vertritt auch Bieber das anständige Bild eines adoleszenten, aber keimfreien, eines auf Teenie-Sexsymbol gebürsteten und doch ganz braven Jungen, vereint also die branchenüblichen Widersprüche in sich. Aber glücklicherweise kolportieren die Bieber-Macher keine Enthaltsamkeitsideologie und reaktionäre Sexualmoral wie die Jonas Brothers oder Hannah Montana. Sie vermitteln nicht den Eindruck, einen unschuldigen Jungen zum Teenie-Star gedrillt, sondern vielleicht einem bereits ausgeprägten Talent zum Erfolg verholfen zu haben. Das kann nicht mehr als Spekulation sein, aber Justin Bieber hat sich bisher eine gewisse Natürlichkeit bewahrt. Er ist unter all den geformten Americana-Kids der Musik- und Fernsehmaschinerien nicht nur der erfolgreichste, sondern auch der ungefährlichste. Eine Versicherung, damit vor dem ganz großen Absturz bewahrt zu werden, ist das aber natürlich auch nicht.

  • Bert 8. 3. 2011 an 4:42

    o.O Und wie war jetzt der Film?

  • Jet Strajker 8. 3. 2011 an 4:51

    Da es sich hierbei mehr um einen Konzertfilm handelt, der mit YouTube-Videos und Interviews geschmückt wurde, also ganz auf Justin Bieber zugeschnitten ist, beschäftigt sich der Text auch mehr mit ihm als mit dem „Film“. Der Rest erschließt sich, wenn man die Filmfreunde regelmäßig liest.

    Ansonsten wie immer bei mir: Ich schreibe keine „Kamera-war-so-Und-Schauspieler-waren-so-und-so-Und-Story-hatte-dies-und-Regie-hatte-das“-Reviews. Man muss auch mal ein bisschen zwischen den Zeilen lesen.

  • Marko 8. 3. 2011 an 7:35

    Schöne Review! Wer in der Lage ist, zwischen den Zeilen zu lesen, findet genügend Infos über den Film. Da gebe ich Jet Strajker Recht.
    Anschauen werde ich mir den Film dennoch nicht (außer man kann wirklich aufgrund des 3D-Effekts fast Justins Frisur fühlen, dann überlege ich es mir noch einmal).

  • kuchenkinder 8. 3. 2011 an 7:22

    wie war denn der 3d effekt?

    konnte man fast justins frisur befühlen? weil wenn ja geh ich rein…

  • Rocksteady 8. 3. 2011 an 7:57

    Er hat Bieber-Fieber gesagt, gnihihihi….

  • Silent Rocco 8. 3. 2011 an 8:27

    Endlich hat das Bieber-Kapitel ein Ende.

  • Kameni 8. 3. 2011 an 11:26

    Was stimmt denn an dem Film nicht, dass es nur zu 3/5 reicht?

  • mein Senf 8. 3. 2011 an 11:52

    Scooter spielt auch mit – ich bin dabei.

  • MRJ 8. 3. 2011 an 13:25

    Die ganzen Posts in der Vergangenheit waren also ernst gemeint, oh mein Gott…,mir fällt nix mehr ein jetzt.

  • Silencer 8. 3. 2011 an 13:51

    Auf jeden Fall hat Bieber Jet mehr gefallen als Avatar…OMFG!

  • Doughnut 8. 3. 2011 an 14:13

    Zielgruppe: kleine hysterische Mädchen.
    Ist der Film zielgruppengerecht und erfüllt er das, was die kleinen hysterischen Mädchen sich davon versprechen? Jet meint, ja. Weiß zwar auch nicht, wie genau er das beurteilen kann, aber traun wir ihm so viel Einfühlungsvermögen einfach mal zu. ;-)

    und an alle, die keine kleinen hysterischen Mädchen sind: Was interessiert euch das Ganze überhaupt? …
    Und was mach ich eigentlich hier? Oh Mann.
    *Kopf gegen die Wand schlag*

  • Deschi 8. 3. 2011 an 14:31

    Schön finde ich an der Review, dass sie fast durchweg einen objektiven Eindruck hinterlässt. Weder eine Fanboy-Haltung noch ein übertriebenes kritisch-intellektuelles Rumgewühle nach irgendwelchen Aspekten, die man für einen Verriss nutzen könnte, scheinen hier durch. Das ganze wird angenehm „von oben herab“ betrachtet…. und damit soll nicht Hochnäsigkeit gemeint sein, sondern eine durchaus angebrachte Überblickshaltung.
    Das kann man an dieser Stelle übrigens auch auf eine allgemeinere Ebene ausdehnen bzgl. der Art wie man wirkungsvoll Kritik formuliert: Fans, die einen Personenkult betreiben (sei es nun rund um einen Popstar, Regisseur, Autor etc.) kann solche eine Schreibe wieder eine gewisse mögliche gesunde Distanz aufzeigen. Auf der anderen Seite werden Leute, die sich auf ein Phänomen, eine Stilrichtung oder eine Person von vornherein nicht Einlassen wollen, weil sie ideologisch, geschmacklich oder moralisch festgelegt sind, auch mal wieder daran erinnert, dass er wirksamere Wege gibt etwas zu kritisieren. Nämlich sich dem vermeindlichen Objekt der Abneigung tatsächlich aussetzen und nicht nur unreflektiert und ohne den Ansatz einer Analyse in der Luft zerreißen.

  • GreatCthulhu 8. 3. 2011 an 14:54

    Mag sein, dass die Review „objektiv“ verfasst ist. Angesichts der Tatsache, welche Filme in diesen Web-Breiten der 5F aber stellenweise zerbasht, wegen angeblicher ach so reaktionärer oder homophober Inhalte auf unbotmässige, äußerst subjektive Weise sinnfrei niedergemacht werden – und dabei Wertungen jenseits eines Sterns einfahren – frage ich mich aber, wie man für so ein sinnfreies Kunstprodukt (Hier negativ beleumdet) einer reinen Gelddruck-Industrie 3(!!!!) – wait for it – Punkte vergeben kann.
    Unfassbar. Das ganze ist nichts als ein ACT, nicht um Menschen zu unterhalten, nicht um ihnen eine einmalige Zeit zu schenken oder sie zum Nachdenken anzuregen, sondern um einige weitere Individuen noch reicher zu machen, als sie es bereits sind. Punktum.
    Ich verstehe nicht, Jet, wie Du Dich guten Gewissens zum Erfüllungsgehilfen eines solchen Apparates machen kannst – wo Du & Deine Eidgenossen (So ich Dir hier Unrecht tue, bitte korrigiere mich) doch auch sonst keine Gelegenheit auslassen, „Massenprodukte“ wie Transformers oder anderen Bay-output, sowie Marvel-Verfilmungen unreflektiert zu zerbashen…

  • Dr. Strangelove 8. 3. 2011 an 14:55

    Ich finde es irgendwie gut das hierzulande „solche Dinge“ nicht mehr funktionieren. Take That, Backstreet Boys… das war als die Bravo noch fetten Umsatz machte. Die Zeiten sind vorbei. Und dank Internets (Web 2.0 … was ein Wort.. also youtube und so) ist doch die Vielfalt sehr viel größer geworden. Allein deshalb halte ich so Phänomene für eher unwahrscheinlich. Also in der heutigen Zeit. Wo es eben mehr gibt als Fernsehen und Print Medien. In den USA scheint das eben irgendwie zu funktionieren. Aber „dank Youtube?“ … hmm neee… glaube ich nicht.

  • Jet Strajker 8. 3. 2011 an 15:46

    @Marko:

    Der 3D-Effekt hält sich fernab der Konzertszenen in Grenzen bzw. ist eigentlich nicht vorhanden. Es gibt allerdings einige besonders ausgestellt inszenierte Momente, in denen es sehr zur Geltung kommt (tatsächlich auch in einer Bieber-schüttelt-sein-Haar-in-Zeitlupe-Sequenz). Die Konzertszenen haben relativ schönes 3D zu bieten.

    @Kameni:

    3 Sterne heißt bei mir „gut“ bzw. „okay“. Das ist definitiv ausreichend für einen reinen Werbefilm.

    @Silencer:

    Ich habe auf meinem Blog nach der Zweitsichtung von AVATAR ein revidierendes Posting verfasst, denn ich mochte ihn nun vielmehr. Mittlerweile habe ich ihn weitere zwei Mal geschaut und bin nun bei klaren 3 1/2 Sternen (7/10), finde AVATAR also besser als NEVER SAY NEVER. :)

    @Deschi:

    Ganz vielen Dank, genau das hatte ich versucht!

  • JMK 8. 3. 2011 an 15:47

    Mein Gott Jeff, ja du schreibst keine so und so Review und manchmal sind die auch einfach für die Tonne. Zeilenlesen hin oder her.

  • JMK 8. 3. 2011 an 15:47

    Jet, nicht Jeff

  • Jet Strajker 8. 3. 2011 an 15:52

    Verstehe ich nicht. Irgendwie etwas unpräzise ausgedrückt, mein lieber alter Blog-Kollege.

  • JMK 8. 3. 2011 an 17:26

    Die Argumentation, man wisse doch wie der Hase läuft, wenn man 5FF öfter besuche mag richtig sein, bringt mir aber als Leser dieses einen Artikels nichts. Auch wenn es nur um Justin Bieber geht. Die inhaltliche Auseinanderetzung kommt hier zumindest zu kurz, bei Dir im Blog gehst du weniger auf die persönliche, filmabseitige Ebene. Nicht, dass diese nicht auch funktionieren würde (–> Bushido) Vielleicht muss es auch so sein.
    (no pun intendend)

  • lukipuki 8. 3. 2011 an 17:45

    Ich glaube dieses Review können wir nur richtig einschätzen, wenn die anderen Filmfreunde auch noch ein Urteil dazu anfertigen :D
    Wäre das der richtige Film, um mal 5 Meinungen zu einem Film hier lesen zu können ? *Trollface*

  • buzz 8. 3. 2011 an 17:48

    Man hat irgendwie den Eindruck, dass du einfach nur deinen Gefallen an Justin Bieber mit der Kritik erklären wolltest. Mit einer Filmkritik hat das Ganze einfach mal überhaupt nichts zu tun. Eher Werbung. Bieber ist entgegen deiner Darstellung oben genausoein Kunstprodukt wie Hannah Monatana und Konsorten. Nur, dass er nicht gecastet wurde, sondern die Produzenten sich den Youtube-Fame mit ins Boot holen wollten.
    So ein „Bieber-Fieber“ entsteht nicht aus der Qualität seiner Musik sondern rein aus dem Hype an sich. Den unterstützt ihr nun bavourös und gebt damit noch mehr Wasser auf die laufenden Marketingräder. Gratulation.
    Mal ein Hinweis zu seiner musikalischen Qualifikation:
    http://www.laut.de/Justin-Bieber/My-Worlds-%28Album%29

  • Hitmanski 8. 3. 2011 an 19:51

    @Vorredner:
    Reviews von Laut.de verraten meist mehr über die Inkompetenz der dortigen Redaktion, als über die besprochenen Platten; zumal deren Credo offensichtlich sowieso darin besteht, alles was nur im entferntesten nach Chartkompatibilität klingt, mit Niedrigstwertungen zu versehen…

    @topic
    Ich finde den Film – fernab des Phänomens Bieber – in Hinblick auf seine 3D-Nutzung relativ konsequent: Dadurch dass er die dritte Dimension nahezu nur in den Konzertsequenzen ausspielt, während er außerhalb der Arenen und Stadien offensichtlich keinerlei Interesse an der Nutzung dieser Technik zeigt, erklärt er sie selbst zu einer Art Happening – das ist letzlich ehrlicher, als all die Macher der Convert-Blockbuster, die die Plastizität zur angeblich nötigen Entwicklung des Mediums deklarieren.

    Fernab davon ist mir diese aufgesetzte Skepsis gegenüber Bieber fremd. Natürlich ist er ein Produkt seiner Umwelt, ein Musterbeispiel für American Dream – aber das ist alles business as usual, nichts was der Rede wert wäre. Popmusik hat (wie nahezu alle anderen Bereiche der Popkultur auch) – von Stones bis hin zu Madonna – stets von konstruierten Mechanismen und der damit verbundenen Inszenierung für bestimmte Zielgruppen gezehrt; dass alles läuft in Zeiten von web 2.0 sicherlich schneller, aber im grunde doch nach alter Routiene ab.
    Verwunderlich außerdem, dass stets Jünglinge – eben Bieber, Tokio Hotel, Twilight – den Hass des WWW auf sich ziehen, während man über Lolita-Konstruktionen im Stile einer Britney Spears oder derer Epigonen selten Negatives zu lesen bekommt, obwohl deren Inszenierung mindestens genauso abgekartet erscheinen müsste…

  • Hitmanski 8. 3. 2011 an 22:13

    Ah, ich weiß schon, warum ich diese Antwortenthreads hier liebe…

    Musiker sollte man an ihrer musikalischen Qualität messen – „sollte“, ein utopischer Konjunktiv.
    Das Popbusiness ließ sich noch nie wirklich vom verkauften Image seiner Figuren trennen, gerade Leute wie die Stones oder eben Madonna haben – trotz ihrer unbestrittenen musikalischen Fähigkeiten – ihre Erfolge auch immer einer Imagination zu verdanken, dem Vorleben eines way of life, den sie ebenso geprägt, wie auch selbst verinnerlicht haben. Insofern sind sie nicht weniger Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes und dessen Ikone, als es ein Phänomen wie Justin Bieber für die heutige Internet-U20-Generation ist.

    Natürlich ist Bieber Kommerz, natürlich sind die Charts Kommerz, aber das war diese Art von Musik und ihre Interpreten seit jeher, auch als es noch „Hitparade“ hieß…

  • Hitmanski 8. 3. 2011 an 22:17

    Habe in besagtem Laut-Review jetzt übrigens zwar viel Häme und schlechte Schreibe, aber wenig über die angeblich darin vorkommenden Fachkompetenzen oder gar eine Auseinandersetzung mit der Platte gefunden. Kurios, dass du dieses Schmarrn lobst, obigen Review aber vorwirfst, nichts zum Film zu erzählen :P

  • buzz 8. 3. 2011 an 21:27

    @hitmanski
    Musiker misst man eben immernoch an ihrer Musik. Sofern man damit überhaupt etwas anfangen kann. Nach dem Vergleich von Bieber mit den Stones und Madonna sprech ich dir mal jegliche Ahnung von Musik und den damit verbundenen Marketingstrategien ab. Auch die Kritik bei laut.de hast du anscheinend entweder nicht gelesen bzw. nicht verstanden. Gute Seite, gute Kritiken, viel Fachkompetenz. Wie sollst du das allerdings auch einordnen…

  • Hitmanski 9. 3. 2011 an 0:57

    @ Strangelove
    Was ich laut vorwerfe ist ja in aller erster Linie mein Eindruck (den ich durch das Durchforsten der Jahreslisten von ihnen und denen der Charts sicherlich belegen könnte, aber dazu bin ich zu faul), dass das oben verlinkte Bieber-Review für ein Musikmagazin, dass ganz anders als ein solcher Blog, Allgemeingültigkeit und objektive Professionalität für sich beansprucht, einfach erschreckend schlecht ist, und nahezu keinerlei Auseinandersetzung mit der Platte stattfindet, ist hingegen eine Tatsache, die jeder mit einem Klick überprüfen kann.

    Klar finde ich den Vergleich zu Bieber legitim, weil ich diese Verklärung von etablierten Künstlern ebenso albern finde, wie das Gebashe von solchen Medienerscheinungen – die Stones haben ebenso wie Madonna wohl seit über zehn Jahren kein Album mehr veröffentlicht, dass künstlerisch besonders herausragend wäre (bei Zweiterer darf man fragen, ob sie überhaupt jemals etwas zu Stande gebracht hat, das fernab ihrer Inszenierung Bestand hätte); sie leben nur noch vom Image, nicht mehr von der Qualität.

    Ich mag die Charts als Berieselungsmucke ja, stehe Bieber relativ neutral gegenüber – und gerade deshalb ärgert es mich, wenn du solche Ausgeburten einer noch viel mehr zum Himmel stinkenden Doppelmoral wie Britney Spears als „andere Liga“ bezeichnest. Ist es nicht; Bieber ist nicht besser, aber gewiss auch nicht schlechter als all die anderen Popsternchen der letzten Dekaden.

  • Jet Strajker 9. 3. 2011 an 0:07

    Word, Hitmanski. Und zwar sowas von.

  • Dr. Strangelove 9. 3. 2011 an 0:27

    @Hitmanski: Mal eben der laut.de Redaktion vorwerfen das sie generell Chartmusik scheiße findet… ist schon krass. Und dann auf der anderen Seite sagen das Madonna, Stones und Co… ja trotz guter Musik auch immer über ohr ‚Immage‘ ihre Musik verkaufen. Und aus diesem Grund findest du dann deinen Vergleich zu Bieber legitim? Bieber ist wie Hanna Montana oder so. Egal ob die Disney sind oder nicht.
    Aber Lady Gaga, Timberlake, selbst Britney Spears sind noch mal eine ganz andere Liga. Ich hasse Bieber… seine Musik ist einfach nur scheiße. Und unterstelle mir bitte nicht das ich alle Chartmukke kacke finde. Ich fand „Durch den Monsun“ von Tokyo Hotel ziemlich gut. Das war einfach gut. Mir egal ob die jetzt nur noch schlechte Songs schreiben und mehr Geld verdienen in dem sie Bettwäsche und Tassen verkaufen.

    grrr. Aber es ist das gleiche wie wenn man Pixar einfach nur scheiße findet. Schon ist man der Arthouse Freak… der generell alles hasst was aus Hollywood kommt. Und zu dumm ist mal sein Hirn auszuschalten… und die Unterhaltung zu genießen.
    Mich kotzt dieses schwarz-weiß denken an. Und das auf beiden Seiten!

  • hammerhenning 9. 3. 2011 an 0:35

    Buzz schrieb bezüglich laut.de: „Gute Seite, gute Kritiken, viel Fachkompetenz.“

    Vielen vielen Dank dafür. Hab wirklich selten so gelacht. Gerade bezüglich Hip Hop kannst du die Kritiken in die Tonne hauen! Die Musik ist da absolute Nebensache. Wenns hochkommt vlt. ein paar Zitate aus nem Song die völlig aus dem Kontext herausgezogen super geeignet sind das Album schlecht zu reden. Da sind sogar die Kritiken vom Vice Magazin besser! Die sind im Gegensatz zu laut.de nämlich wirklich witzig! Ich meine jeder kann ja lesen was ich möchte.

    Nee nee Buzz ich glaube Dir fehlt die nötige Kompetenz um mit Hitman vernünftig zu diskutieren…

  • hammerhenning 9. 3. 2011 an 0:47

    Ich meine natürlich jeder kann lesen was ER möchte. Hab vergessen Korrekturlesen zu lassen. Kommt nicht wieder vor.
    @ strangelove: Du sagst einerseits Tokio Hotels „Durch den Monsun“ war einfach gut, im nächsten Atemzug aber dass Dir das schwarz-weiß denken auf den Sack geht. Ist das nicht genau die gleiche schwarz-weiß Malerei. Das ist einfach gut. Das ist einfach schlecht. Gleiche Scheisse anders verpackt!

  • Jet Strajker 9. 3. 2011 an 1:42

    @Dr. Strangelove:

    „Bieber ist wie Hanna Montana oder so. Egal ob die Disney sind oder nicht.
    Aber Lady Gaga, Timberlake, selbst Britney Spears sind noch mal eine ganz andere Liga.“

    Timberlake und Spears wurden bekannt durch den Disney Club auf dem Disney Channel. Wo genau ist da die andere Liga? Reine geschmäcklerische Behauptung deinerseits.

  • Dr. Strangelove 9. 3. 2011 an 3:25

    @Jet: grmpf. Hatte ich total vergessen. Aber meine Aussage sollte man eigentlich entnehmen das es ziemlich wurscht ist udn man eben nicht kategorisieren sollte wie „Chartmusik“ (Weil Lady Gaga ist eine verdammt gute Musikerin. Schaut euch die Live Videos auf Youtube an) oder eben „Disney Club“ Timberlake ist auch verdammt gut. Bieber packe ich also nicht in den Disney Club.. sondern dann eher in den Hanna Montana Club … den ich mal eben so Erfinde. Musikalisch ist das einfach nur grausam. Da ist „bye bye bye“ von den N’Sync ein richtig guter Song. Verglichen mit „Baby Baby baby“ von Bieber. Vielleicht wird ja aus Bieber auch noch mal ein richtig guter Musiker. Aber dann sollte er aufhören über seine Haare zu twittern. Wenn man eh schon so extrem vermarktet wird… und ein gewisse Größe erreicht hat… dann muss man doch nicht jeden Scheiß mitmachen.
    Bill von TokyHotel weicht in Interviews ja Fragen über bescheuerte Bettwäsche einfach aus. So als existiert das gar nicht. okay. Auch scheiße. Aber Bieber findet das ja alles voll super.
    Um Musik geht es jedenfalls nicht großartig. Und mir ist es auch fucking scheiß egal ob sich andere R’nB Stars an ihn schmiegen. Oder dieser „ach so tolle Schwule Filmregisseur“. Fuck that. Irgendwie sind alle auf Kuschelkurs. Madonna hat ja auch mit Britney geküsst… und nen Song aufgenommen. Aber Britney war schon immer mehr so „mittelgut“ und Madonna hat es definitiv geschadet. Hat zwar noch gute Songs… aber ihre Video… wo sie das „grumping“ so ausgeschlachtet hat. Oder den „Western Look“. das war peinlich. Aber Musik = Top.
    Biebers Musik ist halt echt scheiße. Das ist Fakt. Und das liegt nicht an Disney, oder Charts, oder das er ein Teeny ist, oder an Boyband.. oder oder oder. Darf es alles sein. Aber die Musik selbst ist ganz großer Mist. Ganz subjektiv. (wobei das irgendwelche Musikleute bestimmt auch Objektiv belegen können das „Schnuffel“ und „Crazy Frog“ bessere Songs sind als „Baby Baby Baby“ . Da bin ich mir sicher.) Wenn er wenigstens gute Musik machen würde wäre mir das ganze drum herum ziemlich egal. Aber so ist es der Typ einfach nur zum kotzen.

  • Dr. Strangelove 9. 3. 2011 an 3:30

    Hammerhennin:

    „@ strangelove: Du sagst einerseits Tokio Hotels ”Durch den Monsun” war einfach gut, im nächsten Atemzug aber dass Dir das schwarz-weiß denken auf den Sack geht. Ist das nicht genau die gleiche schwarz-weiß Malerei. “

    und wieso ist das jetzt schwarz-weiß Denken? Ich hasse Tokyo Hotel Bettwäsche… und wenn die Typen den Mund aufmachen könnte ich kotzen. Aber ein paar ihrer Songs vom ersten Album sind sehr gut. Ich hab‘ „Durch den Monsun“ echt gerne gehört. Aber damals als Tokyo Hotel bekannt wurden gab es nur „HATER“ oder „Teeny Fans“. Da gab es nichts dazwischen… Bieber bleibt scheiße. Sein Image und seine Musik. Ich hätte aber kein Problem seine Musik gut zu finden…. selbst wenn er im Disny Club wäre, in den Charts, Bettwäsche verkauft, Haare verkauft, was. auch immer. Wenn seine Musik gut wäre… wär es okay.

  • proton 9. 3. 2011 an 6:45

    Erwachsene Männer streiten sich um die musikalischen Qualitäten eines Teenie-Stars. Unglaublich. Vergleiche zwischen „Spears“, „Stones“ und „Bieber“. Das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Letztendlich geht es doch um einen Film hier, oder ? Wobei ich „Film“ nicht so unkommentiert stehen lassen möchte. Auch ohne diese … Bilder auf Zelluloid … ganz gesehen zu haben, muss ich sagen: Das ist kein Film. Das ist eine Reportage auf Film-Ebene gestreckt. Und (meiner persönlichen Ansicht nach) das schnelle Geld-Rauspressen bevor der Bieber uninteressant wird oder in den Stimmbruch kommt. Machen wir uns nichts vor: In 2 Jahren redet keine Sau mehr von dem. Ob nun musikalisch gut oder schlecht: Der „Film“ bleibt was er ist: Melken der Cash-Cow. Und damit (für mich) ein schlechter Film.

  • Hitmanski 9. 3. 2011 an 11:37

    Dass dreht sich hier alles im Kreis, bin raus.

  • lukipuki 9. 3. 2011 an 17:54

    Wow!
    Justin Bieber mit den Rolling Stones zu vergleichen finde ich schon ganz schön heftig. Klar ist beides in irgendeiner Form „Popmusik“, jedoch haben Bieber/Spears/Chartmusik-der-letzten-15Jahre diesen Begriff erst so richtig beschmutzt. Popmusik ist das, was der Masse gefällt, was generell ja nichts schlechtes ist. Ja sogar Jimi Hendrix hat damals „Popmusik“ gemacht. Jedoch gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen heute und damals. Früher waren die Musiker noch mit irgendeinem Talent gesegnet. Und auch, wenn das Image, welches diese Popstars miteinhergebracht haben (Die Stones mit Sex, Drugs and Rock’n’Roll) Essentieller Bestandteil des Ganzen war – es ging von den Menschen selbst aus. Damals waren die Musiker noch souverän gegenüber ihrem Image. Die Menschen waren gute Musiker und haben ihre Songs selbst gespielt. Sie haben ihr Image zu großen Teilen selbst erfunden.
    Justin Bieber ist doch (wie beim Rest der heutigen Retorten-Stars) nur noch das Gesicht einer ansonsten weitgehend autark ablaufenden und kalkulierten Medienkampagne. Oder glaubt hier jemand, dass Bieber a) seine Songs selbst schreibt b) seine Klamotten selbst wählt oder c) irgendeinen Einfluss auf seine Erscheinung in den Medien hat ? Ich wette nichtmal seine Frisur hat er selbst bestimmt.
    Es hätte genausogut jemand anders im Mittelpunkt dieses Films stehen können – auch in 3D und mit glitzernder SloMo-Frisur (Obwohl ich finde, dass die „Haare-in-SloMo“-Einstellung nur mit Frauen erlaubt sein sollte).
    Das traurige heutzutage finde ich, dass nichtmal mehr oberflächlich die Musik in den Mittelpunkt gestellt wird. Der Mittelpunkt des Hype ist ein kleiner armer Junge, der als Galleonsfigur dieser Star-Kampagne am Ende von allen für alles verantwortlich gemacht wird, worauf sein Name steht und auf das er doch kaum Einfluss hatte. Insofern „Don’t Hate the Player, Hate the Game“.
    „The Game“ ist heute nämlich eine riesige Scheisse, die immer mehr Scheisse produziert und damit unglaublich viel Geld macht. Das war nicht immer so – und ich kann es euch beweisen. Die Beatles haben genauso, wie Bieber tausende Mädchen zu hysterischen Schreikrämpfen verholfen und unglaublich viele Platten verkauft. Aber heute – 50 Jahre später – kann behaupten, dass die Beatles doch etwas großes und schönes hinterlassen haben. Unzählige kleine, schöne und vor allem originelle Songs, die von großem Talent zeugen.
    Heute geht es nur noch um Geld – warum?darum: https://www.sueddeutsche.de/kultur/geistiges-eigentum-in-der-musik-wie-ein-rudel-katzen-1.404012. Heute bestimmen die ultragroßenübermächtigen (in den 90er Jahren zusammenfusionierten) Medienkonzerne Warner/Universal/Bla alles, was wir hören und sehen. Wichtig sind nur noch die Aktienkurse. Desshalb sehen oder hören wir selten mal was originelles. Und gerade als Filmfreund sollte man so etwas eigentlich verabscheuen. Denn der Erfolg solcher kalkulierten Inszenierungen verdrängt immer weiter gewagte und kreative Künstler.
    (Klar gibt es eine gewisse Berechtigung für übertriebenen Glamour, die gezielte Erhöhung des normalen Lebens in Filmen und Musik. Davon leben Filme meistens! Jedoch ist die Form, die das ganze heute angenommen hat schrecklich und es gibt immer mehr Kollateralschaden in der Branche – Menschen, die versuchen noch „ehrliche Handarbeit“ zu machen, wie mal einen Film, der keine Fortsetzung eines sowieso bekannten Franchise ist.)

    Ich weiß nicht, inwiefern du mal gegen den 5ff-Leser-Strom schwimmen wolltest und über diesen Film geschrieben hast. Klar interessante Idee. Der Film ist bestimmt ganz interessant. Mit nem begabten Editor könnte man ihn vielleicht zu einer kritischen Dokumentation über die overkommerzialisierte Musikwelt umschneiden … .
    Aber hast du ernsthaft erwartet hier so ne Art Zielpublikum zu erreichen?
    Die Diskussion hier war natürlich vorprogrammiert – und macht mir jetzt schon mehr Spaß, als der Film es jemals könnte ;-)

  • picknicker 10. 3. 2011 an 1:16

    /B/ aber sowas von!

  • buzz 10. 3. 2011 an 9:14

    word!

  • Mathias 10. 3. 2011 an 11:33

    lukipuki, du sprichst Bieber also Talent ab, verkennst dabei aber völlig, dass der Start der Karriere von Bieber ja gerade nicht „von oben herab“ geplant war. Das war ein Kind, deren Mutter ihn mit 19 bekommen hat, alleinerziehend ist und von Gelegenheitsjobs gelebt hat, der seine Auftritte ins Netzt gestellt hat. Soweit so normal, machen sicher tausende andere auch. Aber dem seine Videos hatten ein paar Millionen klicks, also muss da irgendetwas sein, was die Leute anspricht. Klar, das muss nicht musikalisches Talent sein, vielleicht sieht er nur „süss“ aus. Ich wage aber mal stark zu bezweifeln, dass ein Großteil der weiblichen Fans zu Elvis‘ Konzerten gekommen sind, um ihn „Muss i denn zum Städtele hinaus“ https://www.youtube.com/watch?v=E9W6m_PhXq4 hinaus singen zu hören. Und nein, natürlich hatte Elvis unbestreitbare musikalische Qualitäten, aber eben nicht nur. Ich verstehe nicht, warum diese Kommerzialisierung etwas so negatives sein soll. Wie man sieht, ist der „Industrie“ doch der Inhalt relativ egal, benachteiligt also nicht Leute, die wirklich musikalische Talent haben. Wenn sich genügend Leute finden, die irgendetwas abseitiges gut finden, wird die Industrie da drauf springen, weil sich Geld verdienen lässt. Ob das jetzt Pop, Metal oder Gregorianische Gesänge sind.

    Zum zweiten Teil deines Posts: Woher willst du wissen, ob Bieber nicht auch in Zukunft noch Erfolg hat. Klar, mit den Beatles/Stones/Elvis zu vergleichen, dürfte leicht hochgegriffen sein, aber schau dir z.B. Take That an. Zusammengecastet 1990, das ist jetzt 20 Jahre her. Herr Williams dürfte wohl einer der besten Entertainer unserer Zeit sein, und Herr Barlow wird von der Kritik abgefeiert ob seines Songwriting. Ist es unwahrscheinlich, dass Bieber lang anhaltenden Erfolg haben wird. Sicherlich, aber das trifft wohl auf 99% aller Bands zu, und war auch schon immer so. Das 1-Hit-Wonder ist keine Erfindung der bösen Industrie der 2000’er.

  • buzz 10. 3. 2011 an 14:09

    Der unangenehme Nebeneffekt dieser Kommerzialisierung ist, dass der Inhalt egal wird, solange man die Schale gut verkaufen kann. Dadurch werden eben „Musiker“ die bei dsds gecastet wurde regelmäßig Platz 1 in den Charts und verkaufen unmengen. Die Musiker hingegen, die qualitativ hochwertige Musik machen, aber nicht diese Marketingmacht hinter sich gehen im dem ganzen Musikgeschwemme unter. Das gleiche Phänomen wie bei Guttenberg in der Politik…
    Und mal ehrlich, die musikalischen Qualitäten aus dem fame bei youtube abzuleiten ist doch auch mehr als zweifelhaft…

  • lukipuki 10. 3. 2011 an 15:15

    @Matthias.

    Ja ich glaube, das das hier eine sehr große Diskussion werden kann. Ich würde sie nämlich zwangsläufig über die Entwicklung des Musikbusiness der letzten 20 Jahre führen wollen. Können wir gerne machen – würde mir vielleicht selbst auch helfen, mal die ganzen Überzeugungen, die ich habe ordentlich zu einer leicht vermittelbaren Form anzuordnen.

    Ganz generell ist mein Argument „Kommerzialisierung ist scheisse“ natürlich immer geeignet, mich in ein „rotes“ Licht zu stellen. „Alles sollte frei sein usw“. Ich habe mich jetzt schon sehr lange damit beschäftigt – die Veränderung der Art, wie Menschen Musik hören – um sagen zu können, dass heute hauptsächlich schlechtere Musik gehört wird, und dass daran die bedingungslose Kommerzialisierung des ganzen schuld ist. Warum? Das würde ich gerne erklären.

    Ich habe oben einen Artikel verlinkt. Wer den nicht lesen will – ich fasse mal die wichtigen Punkte zusammen:
    1991 wurde in den USA ein System eingeführt, um über Plattenverkäufe die Musikcharts zu bestimmen. Vorher wurden einfach viele Radio-DJs gefragt, was gerade angesagt und „in“ ist. Ein Album an der Spitze der Charts war also plötzlich eines, dass sich am besten verkaufte. Vorher war das Album an der Spitze der Charts, das von den meisten DJs gespielt wurde – also irgendwie auch nach Kritikermeinung das beste war (Wobei ein Radio-DJ meiner Meinung nach der bessere Musikkritiker ist, als jemand, der für irgendwelche Magazine arbeitet.).
    Es gab also plötzlich nur noch eine Definition von „Erfolg“: Plattenverkäufe. Vorher hätte man sich immer streiten können – Erfolg = Qualität der Musik, Bekanntheitsgrad des Künstlers, Originalität der Musik. Jetzt aber gab es nur noch eine Definition von Erfolg : $.
    Das ganze System hat sich umgedreht. Die Charts bestimmten von nun an, welche Lieder im Radio gespielt wurden.
    Die andere Sache sind die immer größeren immer weniger werdenden Musikfirmen. Früher waren das kleine Labels, mit einer Hand von Künstlern. Der Chef kannte die Künstler oft persönlich, und hatte deshalb auch ein persönliches Verhältnis zum Künstler UND vor allem zur Musik.
    Wie viele Künstler verwaltet SonyBMG heute? Der vertraglich an den Konzern gebundene Künstler ist nur noch Investitionsmasse des Konzerns. Da wird gesagt, „Hey, ihr seid grade erfolgreich, nehmt mal ein 2tes Album auf“. Wenn der Band gerade ein bisschen die Ideen ausgegangen sind, ist das egal – da gibt es genügend Produzenten, die das wieder geradebiegen. Ob das Album jetzt wirklich sooo großartig ist ist egal. Mit ordentlich PR kann man das hinbiegen. Das Phänomen, dass auf großen Werbetafeln in Städten für Alben geworben wird ist erst ein paar Jahre alt – früher gab es sowas nicht.
    Jetzt komme ich so langsam zu einer anderen Entwicklung: Audioqualität.
    Heutzutage ist die Aufnahmetechnik besser den jeh und die Audioqualität typischer Popmusik schlechter den jeh. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
    Der hauptgrund ist, dass sich kommerziell erfolgreiche Alben gegenseitig übertönen wollen. Die empfundene Lautstärke ist zum beispiel beim neuen Justin Bieber Song viel größer ,als bei einem alten Lied von Bob Dylan. Um so eine Lautheit zu erreichen müssen jedoch starke Kompromisse gemacht werden. Die Dynamik wird auf quasi Null Reduziert. (Dynamik ist der Unterschied zwischen Laut und Leise). Der Typische Musikhörer (der Musikhörer, der über kommerziellen Erfolg entscheidet) trifft seine Meinung zu einem Song (bzw Album!) heut nach ungefähr 30 Sekunden. Wenn also das Lied nach 30 Sekunden noch nicht ordentlich rockt/knallt/brazzt, ist der Erfolg eher unwahrscheinlich. Wenn ein Album also lauter ist, dann ist der erfolg meistens wahrscheinlicher.
    Wer sich dafür interessiert, kann hier (http://www.dr.loudness-war.info/) mal die DR-Werte (Dynamic Range) von neuen und alten Alben nachprüfen. Vergleicht mal Michael Jacksons „Thriller“ von 1982 (NICHT das Remasterte!) mit einem heutigen Chartbreaker. Ich schlage mal folgendes vor: RHCP, Muse, Killers, Lady Gaga.
    Das ganze nennt man Loudness War https://www.youtube.com/watch?v=3Gmex_4hreQ Tolles Video!
    Heutige Alben werden von den Mastering Ingenieuren aufs derbste vergewaltigt um auch mit dem minderwertigsten Audiogeräten noch irgendwie knackig anhören. Räumlichkeit, und detailreichtum in klängen – ja dass man Musik wirklich „fühlt“ (was für eine alberne romantische Vorstellung) geht dabei wollkommen verloren.
    Zurück zur Kommerzialisierung geht’s mit dieser Frage: Warum mischen Mastering Ingenieure (,die ja am besten wissen müssten, was guter Klang bedeutet und warum das wichtig ist) heutige Alben so schlecht ab?
    Heutige Mastering Studios sind outgesourced. Früher waren sie fester Bestandteil der Labels. Heute sind es einzelne Unternehmen, die in Konkurrenz zueinander stehen. Oft wird an mehrere Master Studios der gleiche Mix ein und desselben Albums geschickt. Genommen und bezahlt wird am Ende aber nur eines. Wenn man also also Mastering Studio überleben will, dann muss man besser Mastern als die anderen.
    „Besser“ heißt heute aber leider „lauter“ – denn das komplette Album wird heute nicht mehr angehört, bevor entschieden wird, ob das veröffentlicht wird. Da wird kurz überprüft, ob das „rockt“ und dann gibts ein ja oder ein nein. Als Mastering Studio ist man also seine eigenen Prinzipien zu vergessen und den Mix an die Wand zu fahren, um Geld zu machen.
    Audioqualität von Popmusik ist heute beschissen und man kann sich kaum ein Album mal komplett anhören, ohne dass einem die Ohren ermüden.

    Aber das ist ja auch nicht mehr wichtig. Der heutige Musikhörer setzt sich nicht mehr aufs Sofa und lauscht der Musik. Heute hört man sich das über den Aldi-15€-inklusive-schrottige-Ohrstöpsel an – die Musik muss sich heute gegen Straßenlärm durchsetzen können. Die Audioqualität wurde an dieses Hörverhalten angepasst.

    Ich möchte desshalb mal verschiedene Musikhör-typen unterscheiden.
    – passionierte Musikhörer.
    Früher (70er, 80er) war er der, der viel(!) Geld gespart hat, um sich einen Plattenspieler, einen Verstärker und 2 Lautsprecher kaufte, um dann etwa 20 (Dm = Euro mit Inflation) Pro Schallplatte bezahlte. Musik wurde zuhause angehört und war dann primäre Beschäftigung. Merkmale: Tiefgründige Beschäftigung mit der Musik meistens, Lyrics kennt man fast auswendig. Identifikation mit der Stereoanlage. Technische Daten der Lautsprecher kennt man auswendig :D ;-) )
    heute: kleine belächelte hoffnungslos nostalgische Randgruppe, die keine Ahnung hat, was gute Musik ist, weil sie immer nur alte langweilige unbekannte Sachen hört und immer doof rummeckert über neue Musik.
    Diese Gruppe hat den Profit der Musikindustrie gemacht. Wer „Erfolg haben wollte“ musste diese Gruppe überzeugen.

    – gelegenheits-Hörer.
    früher: Hört Musik im Radio beim Autofahren.
    heute: Auch noch unterwegs im Walkman und am PC neben anderen Beschäftigungen.
    Diese Gruppe kauft nur gelegentlich ein Album.
    – früher war diese Gruppe nicht so relevant, weil sie klein war. Heute ist diese Gruppe gigantisch und die fast ausschließliche Einnahmequelle der Industrie. Merkmale: hat das letzte Mal aufm Festival einen richtigen schwarzen Tiefbass gehört ;-).

    Niemand von uns ist einfach NUR die eine oder die andere Kategorie. (die Merkmale sind nicht ganz ernst gemeint :) ). Aber seid mal ehrlich, wer seid ihr?
    Das Problem ist, dass die meiste Chart/Radiomusik für dieses eher oberflächliche Hören gemacht wurde. Damit kann man mehr Geld verdienen.
    Jedoch ist die Art, wie wir uns mit Musik beschäftigen auch ein Resultat von der Musik, die wir hören. Ein Teufelskreis. Die Musik wird „flacher“ (es gibt bei genauerer Beschäftigung mit der Musik weniger zu entdecken) und dadurch verringert sich die Aufmerksamkeit, die wird uns mit Musik allgemein beschäftigen. Heute verfliegt der „Zauber“ eines neuen Pop-Albums oft nach einer Woche intensiven Hörens, während die Magie on „Wish You Were Here“ (Pink Floyd) immernoch bei jedem Anhören zum Leben erwacht.
    Weil heute schneller Profit so wichtig ist, ist gerade in der Musik der Schein wichtiger als das Sein geworden. Desshalb bestehen heutige Produkte dieser Industrie fast nur noch aus Schein. Dahinter hat sich eine gigantische PR-Maschinerie entwickelt, die dafür da ist, ein eigentlich minderwertiges Produkt zu verkaufen und schmackhaft zu machen. Und Ja, ein bisschen Glamour muss sein – aber es darf nie das einzige Argument sein. Wenn ihr euch Michael Jackson nehmt – der war auch eine große Inszenierung. Ich hab ihn nie gemocht oder angehört, weil mich diese Kampagne immer abgeschreckt hat. In den letzten Monaten habe ich mal angefangen mir seine Musik anzuhören und – BOAH!!!. Das rockt! und pumpt und nimmt einen mit und überascht! So etwas habe ich seid Jahren nicht mehr aus dem Radio gehört. Und der Klang der alten CDs (aus den 80ern) ist fantastisch – springt aus den Boxen heraus und direkt ins Herz (with totally bypassing the brain). DAS ist ECHTE Musik. SO mag ich glamouröse Inszenierungen – wenn sie sich um etwas gutes drehen.

    Keiner der heutigen Chart-„Musiker“ hätte SOLCH einen „Erfolg“ ($$$), wenn es nicht zu jedem neuen Lied ein glitzerndes Video gäbe. (Auch Lady Gaga nicht!) .Die Musik ist nebensache geworden.

    ach gott ich kann nicht mehr. hab auch langsam keine Zeit mehr.
    vllt schreib ich das mal weiter… puhh

  • Colonel Trautman 10. 3. 2011 an 15:15

    „Wenn der Junge sich die Haare abschneidet, füllt das die Neuigkeiten selbst noch der hiesigen Feuilletons“

    Was nicht wirklich für die entsprechenden Blätter spricht (falls es diese wirklich gibt, ich habe bisher jedenfalls keinen Feuilleton-Artikel über die Frisur dieses Jungens gelesen).

    Biebers Musik ist mir völlig egal und sich hier darüber zu streiten ist mMn auch…naja…sagen wir mal grenzwertig und erinnert etwas an den Pausenhof der 10. Klasse. Der vorliegende Film hat mit der Qualität der Musik Biebers auch wenig zu tun, sondern ich sehe ihn vielmehr als Dokumentation einer neuen Form von Erfolgsstory. Insofern finde ich es auch okay, das der Film hier besprochen wird aber ich hätte mir dann schon etwas präzisere Infos/Wertungen zur Machart bzw. Struktur gewünscht (und nein, damit meine ich nicht „Kamera war so, XYZ war so….“).

  • lukipuki 10. 3. 2011 an 15:30

    noch was:
    normalerweise fühlen sich viele Menschen persönlich angegriffen, wenn man ihnen erzählt, dass diese „großen“ Alben schlechte Audioqualität haben. Denn man hat die Alben gehört und geil gefunden. Nehmt das nicht so eng.
    Musik ist nicht gleich Klangqualität. Die Musik ist oft immernoch gut, jedoch wäre sie nicht so aufgefallen, wenn sie nicht so laut wäre.

  • Mathias 10. 3. 2011 an 16:53

    Zum ersten Teil: Du hast sicher auch die Kommentare unter dem verlinkten SZ-Artikel gelesen. Nämlich, dass das alte System ein Eliten-basiertes war. Wenn die Leute wie blöd Peter Maffay gekauft haben, das dem Plattenhändler aber nicht gefiel, hat er damals halt einfach was anderes gemeldet, was ihm besser in den Kram passte.

    Das gleiche Argument taucht bei dir später ja noch mal auf. Echter Musikfreund ist natürlich nur, wer eine Anlage für mehrere tausend DM/€ zu hause stehen hat und theoretische Betrachtungen über den Dynamikumfang anstellt. Der Pöbel, der Musik mit seinen 10€-Kopfhörern hört, hat per definitionem keine Ahnung.

    Ich brauche aber gar keinen DJ, der mir sagt, welche Musik ich gutfinden soll. Das kann ich nämlich gerade noch selber beurteilen. Und glaub mir, die Bieber Fans können dir jede Textzeile rückwärts vorbeten, weil sie das Album tausende Male gehört haben, sich also durchaus intensiv damit beschäftigt haben. Auch muss für mich ein Lied nicht zwingend eine bedeutsame Message rüberbringen, um gut zu sein. Die laut.de-Redakteure sehen das anders und vergeben z.B. weniger Sterne, wenn eine Punkband nur noch übers vögeln singt, anstatt Konsumkritik zu üben.

    Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin auch kein Freund massiver Kommerzialisierung (Konzerttickets für 80€ bis 160€, lol). Die Zeiten von früher kommen aber nicht wieder, du wirst keinen Fan davon überzeugen können, die CD nicht zu kaufen, weil der Dynamikumfang scheisse ist (und es würde mich wundern, wenn z.B. ein Led Zeppelin Fan damals eine Platte nicht gekauft hätte, weil die schlecht gemixt geworden wäre).

    Ich habe aber kein Problem damit, das zu ignorieren, auch im Film-Bereich.
    Wenn mich Transformers nicht anspricht, gehe ich einfach nicht ins Kino, bei Bieber genauso. Was man tatsächlich machen kann ist, die konkreten Schwächen aufzuzeigen (gerne auch so Meta-mäßig: Die Jonas Brothers sind scheiße, weil sie eine verquere Sexualmoral vertreten). Da hilft mir zumindest aber so allgemeines Bashing wie „Der ist ja nur ein talentfreies Kommerzprodukt“ oder „Bay sucks!!!“ wenig weiter. Nur weil Bay 200mio für einen Film verbrät, ist das doch nicht der Grund, dass Hollywood keine kritischen, innovativen Stoffe verfilmt. Im Gegenteil, es werden ja immer mehr Filme produziert (http://the-numbers.com/movies/index.php#YearIndex).

    Bist du ja auch drauf eingegangen, dass heute die Aufmerksamkeitspanne gesunken ist, da würde ich auch zustimmen. Das hat aber nichts mit der Qualität des Angebots zu tun, sondern dass es einfach viel mehr alternativen gibt. Die Leute in Deutschland sind in den 50ern durchschnittlich ungefähr 50mal im Jahr ins Kino gegangen, weil sie kein Fernsehen zu Hause hatten. Heute kommt noch Internet, Handy und was weis ich noch alles dazu. Ob jetzt „Massenproduktion“ die Antwort darauf ist weis ich auch nicht, aber ich finde es anmaßend, zu sagen, dass generell kein Wert auf Qualität gelegt wird, weil die Leute ja auch Schrott kaufen.

  • Lothar 11. 3. 2011 an 19:59

    Klar, Black Swan kriegt 2 1/2 Sterne und der Justin-Bieber-Film kriegt 3. Da kann man echt nur noch lachen!

  • Jet Strajker 12. 3. 2011 an 2:44

    Ja, lustig.

    Leider aber hat BLACK SWAN sogar nur 1 1/2 Sterne bekommen.

    Hihi.

  • buzz 12. 3. 2011 an 19:56

    Ja „die adoleszent-prätentiöse Aronofsky-Brille“. Sowas kann dir hier natürlich nicht passieren. War das Hihi am Ende eher in einem irren Tonfall gemeint?

  • Jet Strajker 12. 3. 2011 an 20:10

    Irre as irre can.

  • proton 14. 3. 2011 an 10:33

    Danke Lukipuki für Deine Ausführungen unter Eintrag #41. Lange nicht mehr so etwas differenziertes und gut formuliertes / durchdachtes gelesen. Hut ab.

  • Doughnut 17. 3. 2011 an 19:56

    Immer wieder geil, wie selektiv Leute nur Dinge loben, die ihre Meinung bestätigen, proton.
    lukipukis Pamphlet mag ja ne Menge Substanz haben, aber differenziert ist was anderes. ;-)
    Drum danke für die Entgegnung, Mathias, ich seh es zwar irgendwo auch wie lukipuki, dass Musiker heute mit ideenreicher und anspruchsvoller Musik viel zu selten auch finanziell erfolgreich sind, also mit mehr als den immergleichen Versatzstücken aus dem jeweiligen Genre oder wie bei Bieber sogar mit völlig hirntotem, einfallslosem Casting-Zombie-Tralala (scheiß drauf, ob der bei youtube entdeckt wurde, schon da hat er offenbar nichts weiter gemacht, als billig Songs gecastet).
    Aber im Gegensatz zu ihm nehm ich durchaus wahr, dass es immer noch mindestens ebensoviele gute Musiker gibt wie früher, man muss nur etwas suchen und solche Sachen wie den nervigen Casting-Betrieb und oft sogar die ganzen höheren Chartpositionen völlig ausblenden. Damit wird aber auch lukipukis ganze Kritik hinfällig, denn der Masse vorschreiben zu wollen, dass sie gefälligst dieselben Sachen zu hören hat, damit der Untergang des Abendlandes abgewendet wird, ist elitär und ziemlich albern.

  • Doughnut 17. 3. 2011 an 19:59

    „schon da hat er offenbar nichts weiter gemacht, als billig Songs gecastet“
    -> Sry, Blackout, meinte natürlich gecovert ^^

  • Sockenschuss 16. 4. 2011 an 5:39

    Mit was für einem Fachwissen über Justin Bieber hier manche glänzen, ist ja schon leicht verdächtig. ;)

    Ich kenne nicht ein Lied von dem Kerl und bin froh darüber. Dachte das wird ein lustiger Verriss beim Anklicken, aber das war wohl nichts. Das einzig witzige sind die 3 Sterne.

  • Sarge 21. 4. 2011 an 11:36

    Ich finds geil, wenn die Kommentare zu nem Review länger sind, als der ursprüngliche Artikel. ^^