Review

Kurzreviews: Rango, Der Plan (Review)

13. 3. 2011, Batzman (Oliver Lysiak), 14 Kommentare

Zwei aktuelle Starts der Woche im Halblang-Review: Rango +++ Der Plan

Rango – USA 2011

-„They say they are Thespians..!“
-„Thesbians? But that’s illegal in seven states!“

Eine frustrierte Echse mit Schauspielambitionen (Johnny Depp), die bisher als Haustier gelebt hat, strandet versehentlich in der Wüste nahe Las Vegas. In der Tier-Stadt Dirt erfindet er sich als Revolvergeld Rango neu und wird prompt zum Sheriff gemacht – doch damit fangen seine Probleme erst an.

Wunderschön und in einem sehr eigenen Stil animiert, der sich deutlich von Pixar, Dreamworks oder BlueSky unterscheidet, erzählt Rango eine sehr klassische Western-Story, die sich an ein deutlich erwachsenes Publikum wendet.

Die nicht sonderlich originelle Story, die im wesentlichen „Three Amigos“, „Galaxy Quest“ und „Chinatown“ paraphrasiert, funktioniert vor allem als Hommage an den klassischen Spaghetti- und grittigen Spätwestern – jedes Moment wirkt vertraut, denn Rango bedient sich nicht nur beim Namen bei Corbucci und bei den Fistful-Referenzen bei Leone, sondern auch in der liebevollen Detailfreude mit der er abstossende und eklige Charaktere entwirft (von denen eine Echse mit einem Pfeil durch den Kopf wahrscheinlich die irritierenste ist).

In wohltuendem 2D inszeniert, verlässt sich Regisseur Gore Verbinski neben den Bildern ganz auf die exzellente Voice-Cast, die neben Johnny Depp und Ned Beatty (der nach „Toy Story 3“ hier seine zweite Rolle als animierter Schurke spricht) bis in kleine Nebenrollen fantastisch anzuhören ist und viel Western-Atmosphäre vermittelt. Kleine One-Liner wechseln sich ab mit Pathos und Klamauk – oft kommt es mehr drauf an wie ein Satz gesagt wird, als auf die tatsächlichen Worte.

Dafür das es ihr erster reiner CGI-Film ist, haben sich die oft so gelangweilt wirkenden Trickser von ILM diesmal wirklich reingehängt und erschaffen fantastische Bilder, die an der Grenze zwischen Photorealismus und Cartoon liegen.

Was zu kurz kommt, ist dabei leider die tatsächliche Charakterentwicklung die sich leider komplett in Klischees und Variation von Standard-Situationen flüchtet und die – trotz einiger hektischer und nur bedingt mitreissender Actionszenen – relativ spannungsarme Story. Zwar wird nicht wenig gestorben in Rango und die Beiläufigkeit mit der die Hauptfiguren den Tod anderer hinnehmen überrascht dann doch, aber wirkliches Mitfiebern fällt schwer. Zu oft wird eine Szene die einen spannenden Ansatz hat (das erste Duell, die Outnumbered-Situation bei den Outlaws), dann eher durch Slapstick-Action statt eine wirklich gewitzte Auflösung überwunden. Und ganz ehrlich: So detailreich Rango, sein blasses Love-Interest Beans und die anderen Figuren auch animiert sind – sie bleiben trotz allem irgendwie komische Echsenviecher – die nicht eben große emotionale Anteilnahme provozieren. Man mag sie irgendwie, aber sie halten doch auch auf Distanz – was der Einsatz der Eulen-Mariacchi-Band, der als griechischer Chorus die Geschichte postmodern kommentiert noch verstärkt.

So begrüßenswert es ist, das auf kulleräugige Niedlichkeit bewusst verzichtet wird, so seltsam unhomogen bleibt Rangos Welt in ihrer Konstruktion in der Tiere Westernfiguren aber auch Haustiere sind und die menschliche Welt gleichzeitig existiert. Das knirscht erzählerisch fast so sehr wie die Prämisse von Cars – auch wenn Rango um ein vielfaches unterhaltsamer und spassiger ist. Was die Werbekampagne angeht, so ist es schade, dass hier ein wesentlich surrealerer und originellerer Film versprochen wurde, als es die klassische Westernstory letztlich erfüllen kann. Wer auf surreale Momente und ein bißchen mehr Depp-Fear-and-Loathing-Feeling erwartet dürfte wohl enttäuscht werden, dann bis auf eine kurze Fieberphantasie gleich zu beginn, bleibt Rango ebenso erdverbunden wie Tru Grit.

Für ältere Westernfans eine glatte Empfehlung, für Animationsfans auch. Für Depp-Fans zumindest solides Futter, das für das The Tourist-Debakel entschädigen dürfte.

Der Plan (The Adjustment Bureau) – USA 2010

„It’s above my pay grade. „

Ein aufstrebender Politiker (Matt Damon), der gerade seinen ersten Skandal überstanden hat, entdeckt das eine geheimnisvolle, mit übersinnlichen Kräften ausgestattete Organisation sein Leben beeinflusst und mit aller Macht verhindern will, dass er die Frau seiner Träume (Emily Blunt) wiedertrifft.

Trotz des unbestreitbaren Talents das in die Umsetzung von „The Adjustment Bureau“ geflossen ist, bleibt er doch ein Film der aus seiner Prämisse erschreckend wenig macht. Inspiriert von einer Philipp K. Dick Kurzgeschichte, geht es wie immer bei dem Autor um Identität und Fremdbestimmung in einer bedrohlich erscheinenden Welt. Graue Männer ziehen mal wieder hinter den Kulissen die Fäden und haben den Plan, an den Matt Damon sich gefälligst halten soll.

*Some Spoilers ahead*

Keine sehr originelle High-Concept-Prämisse, für jeden der schonmal Twilight Zone gesehen hat, aber durchaus eine die Spannung verspricht. Was der Film leider nur bedingt einlöst, denn er ist zum einen extrem umständlich und langsam erzählt und braucht ewig um die dann doch recht simple Konstruktion des „Adjustment Bureaus“ zu erklären (in einer sehr plakativen Basil-Exposition-Szene) und macht dann nicht viel mehr damit.

Vielleicht bin ich ein zynischer, unromantischer Bastard, aber die „Liebe auf den ersten Blick“-Prämisse, die der einzige Antrieb für die Story ist, sind mir dann doch etwas zu wenig. Das Setup führt einen Politiker ein, impliziert weitreichende Folgen und doch ist alles worum es letztlich geht die simple „Follow your Heart / Free Willy“-Botschaft, das Damon nie den Glauben an die eine wahre Hollywood-Liebe aufgibt, die schliesslich sogar „The Powers that be“ umstimmen. Was dem ganzen nicht unwesentlich an Drive nimmt, wenn die Gegner die gesamte Zeit eigentlich als ganze okay Typen rüberkommen, die etwas angeödet eben ihren Job machen. Wenn schon die Antagonisten nicht die Energie aufbringen, sich wirklich anzustrengen, nimmt auch die Dringlichkeit ab mit der ich die Flucht eines Protagonisten begleite.

Natürlich ist das ganz putzig gespielt und die Türchen auf, Türchen zu-Nummer hat auch ihren Reiz, genau wie die unhektische, altmodische Inszenierung, die bewusstes Gegenstück zum hibbeligen Blockbuster-Kino ist – aber dennoch ließ mich der Film mit dem unbefriedigenden Gefühl zurück, ein schönes Konzept sehr unmutig und auf Nummer Sicher abgearbeitet und die Grundidee und ihre Konsequenzen verraten zu haben. Bei Momo und Brazil stand hinter der Auflehnung immer noch ein direkte Auseinandersetzung mit dem System – hier endet alles mit versöhnlicher Wohlfühlnachdenklichkeit, die unangenehm spirituell eingefärbt ist.

Schön gedreht, nett gespielt, aber letztlich verschenkte Chance, die für knapp 100min Spielzeit eindeutig zuwenig Story bietet.

PS: Wer den Trailer gesehen hat, kann sich den Film im Grunde sparen.

  • Lino 14. 3. 2011 an 0:11

    Hätte „Der Plan“ noch nichtmal 3 Sterne gegeben. Fand den Film selten dämlich. Von dem „Oh mein Gott, sie haben allmächtige Antagonisten reingebaut“ *facepalm* mal ganz abgesehen: Es ist noch nichtmal eine „Follow Your Heart“-Geschichte, da zwischendurch recht offen gesagt wird, dass ihre Liebe einfach nur aus einer älteren Version des Plans stammt. Oder aus mehreren. Whatever. Was am Ende bleibt ist:
    1. Sie haben die ganze Zeit das Schicksal der Welt aufs Spiel gesetzt für eine Liebe, die ihnen (vielleicht) von Anfang an nur vom Bureau in den Kopf gesetzt wurde.
    2. Der Plan, der da mit allen Mitteln verteidigt wird, kann sich also mehr oder weniger jederzeit ändern und bedeutet damit im Endeffekt auch so gut wie nichts.
    Kurz: Alle laufen irgendetwas hinterher, was unterm Strich eh nichts wert ist. Und ich traue den Machern leider nicht zu, dass diese „Entwertung aller Werte“ gewollt war.

    P.S.: In dem Momenten, wo es um Zwischenmenschliches ging, gab es einige ziemliche coole Dialoge. Ging aber leider in dem ganzen „Der da oben“ (Oho! Er hat nicht Gott gesagt! Wie weltoffen und geheimnisvoll!) unter…

  • Global Pension Plan – GPP » Kurzreviews: Rango, Der Plan (Review) | Die Fünf Filmfreunde 14. 3. 2011 an 5:32

    […] den Originalbeitrag weiterlesen: Kurzreviews: Rango, Der Plan (Review) | Die Fünf Filmfreunde Medien zum Thema   Medien by […]

  • Andre 14. 3. 2011 an 6:51

    Kleine Anmerkung: Bezieht sich der Name Rango nicht eher auf Corbucci („Django“)?

  • Dr. Strangelove 14. 3. 2011 an 10:18

    „Wunderschön und in einem sehr eigenen Stil animiert, der sich deutlich von Pixar, Dreamworks oder BlueSky unterscheidet“

    ähm? nö. (vielleicht hätte man auch einfach das „sehr2 und „deutlich“ weglassen können.)

  • appetizingly 14. 3. 2011 an 14:52

    @3
    Ähm? Doch. Wieso sollte man „sehr“ und „deutlich“ weglassen, wenn es nun einmal so ist?

    Schönes Rango Review!

  • Batzman (Oliver Lysiak) 14. 3. 2011 an 16:30

    @Andre

    Du hast natürlich recht, ich habs ergänzt. :)

    @Strangelove

    Ich find den Film optisch sehr gelungen und würde Rango weder mit Pixar, Dreamworks noch der Ice-Age-Schmiede verwechseln vom Look her. Alles ist viel detaillierter und weniger karikiert als bei den bekannten CGI-Filmen.

  • med 15. 3. 2011 an 19:53

    Stimme dem Review zu Rango großteils zu, wobei ich es geschafft habe ohne Erwartungen reinzugehen, da Kinobesuch recht spontan war. Dabei wurde man recht kalt von dem Anfang erwischt und wusste nicht gleich wusste was man davon halten soll. Der Film war anders, aber gut anders :) . Wenn ich mir das so überlege waren es die vielen Kleinigkeiten die wider Erwartung geschehen sind. Die Situationen und das Verhalten der Charaktere waren anders als erwartet. Schwer zu beschreiben. Im Großen ist es eine Standard-Westernhandlung, im Detail permanente mini-Überaschungen. Erfrischend.

  • ChliiTierChnübler 19. 3. 2011 an 19:45

    Küssen rettet einem also. All you need is love – tätätätätäää. Auch ich hatte mir mehr erhofft und bin erstaunt, dass ich heute schon 2x gleicher Meinung bin mit den Herren hier. Kommt selten genug vor. Glaub ich zumindest.

  • ChliiTierChnübler 19. 3. 2011 an 19:45

    Ach ja: Bezog sich auf „Der Plan“ – Schlusskampfkussszene.

  • Novalis 21. 3. 2011 an 23:44

    Die leicht nasale außerirdisch irre und doch auch spießige Originalstimme von Johnny Depp ist grandios. Am Anfang trägt man das gedankliche Gesicht von Jack Sparrow und des Mad Hatters mit sich, doch die fühlbare Atmosphäre und die stimmige Geschichte sind anziehend und lassen den Promi hinter der Stimme vergessen. Selten trotz Klimatechnik im Kino so geschwitzt.

  • lelith 22. 3. 2011 an 10:41

    hm.. ja rango. ich muss gestehen ich war enttäuscht. den spruch „man hat nur eine kugel“ haben sie, meiner meinung nach, leider auch beim film zu wörtlich genommen. das ganze gag pulver wurde am anfang verschossen (was bin ich gelegen bei der anfangszene im lokal) danach kam dann irgendwie nur noch gähnende langeweile auf. ich hab zwischendrin beim film immer wieder auf die uhr gesehen und gehofft es möge doch bald vorbei sein.

    auf der haben seite steht allerdings: absolutes eyecandy, KEIN 3d, einige sehr gute gags, johnny depp <3

    leider reicht das wirklich nicht um einen die gefühlte ewigkeit über hinweg zu retten.

  • Doughnut 26. 3. 2011 an 15:31

    Hab selten in letzter Zeit einen Film so genossen wie Rango, ehrlich.
    Die in jeder Szene spürbare uneingeschränkte Liebe zum Westerngenre und die wortgewaltigen Dialoge machen dann sogar die altbackene Story mit der Echsen-Identitätskrise wett, zumal der Film in vielen Szenen dermaßen vor Ideen sprüht, dass es eine helle Freue ist.
    Außerdem wird dieser Selbstfindungstrip gar nicht mal so dumm dargestellt und der unvermeidlichen Selbstmitleidsphase nach dem Zusammenbruch von Rangos Lügengebäudes wird zeitlich zum Glück wenig Raum gegeben. Und wie er sie dann überwindet, sprich, durch wen und in welcher Aufmachung der Geist des wilden Westens dargestellt wird, ist einer der schönsten Gags im Film und eine ehrliche Verbeugung vor einem ganz Großen (ok, sollte klar sein, wen ich meine, oder? ^^).

    Großes Lob verdient außerdem der phantastische Soundtrack von Hans Zimmer (Carter Burwell und Ennio Morricone lassen grüßen), die schräge, für westliche Animationsfilme völlig untypische Gestaltung der Figuren, die sehr gelungenen Animationen und Tricks sowie die Tatsache, dass der Film sehr klar nicht an kleine Kinder, die knuffige sprechende Plüschtiere erwarten, sondern an Erwachsene gerichtet ist.

    zur Kritik mit der fehlenden Homogenität der Westernwelt von Dirt und der Menschenwelt von Las Vegas nur einen Steinwurf entfernt:
    Scheiß drauf! Man kann sich aber auch wirklich mit unwichtigen Nebensächlichkeiten befassen, mein lieber Scholli. ^^
    Die gelungene Übersetzung aller nur denkbarer Westernklischees und Genrecharaktere auf Kleingetier (auf die Idee, die aus vielen Western bekannte ständig Nachwuchs produzierende Sippe zerlumpter Hillbillie-Gauner auf Maulwürfe zu übertragen, muss man erst mal kommen!) ist so ziemlich das Originellste und Kreativste, was mir seit langem untergekommen ist. Davor zieh ich einfach mal ohne jede noch so kleine Kritik meinen Hut. Einfach genial, Punkt. :-)

    Außerdem, WTF ist falsch an gelungenem Slapstick?
    Und zu:
    „So detailreich Rango, sein blasses Love-Interest Beans und die anderen Figuren auch animiert sind – sie bleiben trotz allem irgendwie komische Echsenviecher – die nicht eben große emotionale Anteilnahme provozieren.“
    Sry, aber das ist Bullshit. Gerade, dass das nicht die üblichen Nullachtfünfzehn-Figuren sind, macht sie mir sympathisch. Und zu viel Sympathie ist auch gar nicht notwendig oder gewollt, schließlich soll das ja auch kein knuddliger Ach-wie-süüüüüüß!!!-Kinderanimationsfilm sein, sondern ein dreckiger Spaghettiwestern mit Cartoonfiguren. Denke mal, man sollte sich vorher im Klaren sein, was man von einem Genre erwarten darf, bevor man anfängt, rumzukritteln.

    Sprich:
    Ignoriert einfach die deutschen Kritiker, zumindest einen Teil von ihnen. Lest lieber die Reviews der amerikanischen, viele von denen suchen nich immer zwanghaft nach dem Haar in der Suppe, sondern können auch mal einfach ganz uneitel zugeben, wenn die Suppe schmeckt. ^^

  • Binding 29. 3. 2011 an 0:24

    Was so was von gar nicht ging in „Der Plan“ waren die magischen Hüte! Wie dämlich ist das denn?! Ich konnte den Film danach nur noch als Genre-Parodie bzw. Komödie wahrnehmen. Außerdem lief die Handlung letztlich auf denselben Shit hinaus wie bei der religiös verkitschten Horrorgurke „Legion“, wo sich auch am Ende alles nur als Test von Gott herausstellt. Ich habe selten einen Film mit so viel Kopfschütteln verlassen.

  • glacios 7. 7. 2011 an 3:43

    Juhu endlich wieder eine Rezension, die nicht auf prahlerisches Phrasengewichse der Marke Jet Straijker daherkommt, sondern genau das macht weswegen ich diese Seite eigentlich so liebe.
    Sehr sehr gute Rezension zu Rango, der ich mal wieder 100% zustimmen kann.
    Besonders hat mir bei dem Film die Optik gefallen, nicht immer dies cartoonigen Figuren, sondern mal realistischeres Design. GuterFilm trotz unspektakulärer Story!

  • Jet Strajker 7. 7. 2011 an 4:42

    Süß.

    Hatte mich schon gefragt, wann meine MP-Fanschar hier endlich aufschlägt.