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Human Centipede 2 banned in the UK und eine Frage zu Zensur

8. 6. 2011, Renington Steele, 66 Kommentare

Das British Board Of Film Classification hat Aufführungen von „Human Centipede“ in England verboten und eigentlich ist die Story eher langweilig, wenn es eben nicht „Human Centipede“ wäre, ein Film, dessen erster Teil einem schon alleine von der Idee her den Magen umdrehte. Der Film stellte sich dann (abgesehen von der Idee) als eher harmlos heraus, der zweite Teil scheint aber einige Grenzen des schlechten Geschmacks zu überschreiten und genau wie Twitch interessiert mich folgende Frage:

Gibt es ein Recht auf das Anschauen einer Szene, in der eine Frau von einem Mann anal vergewaltigt wird, der sich Stacheldraht um den Penis gewickelt hat?

Ich tendiere in Zensurfragen generell zur Freiheit, bin hier aber von meiner früheren Haltung „Kunst darf grundsätzlich und immer alles zeigen“ mittlerweile etwas abgerückt und tendiere in diesem Fall eher zu einem Schulterzucken. Die komplette Begründung BBFC nach dem Klick.

„The first film dealt with a mad doctor who sews together three kidnapped people in order to produce the ‚human centipede’of the title. Although the concept of the film was undoubtedly tasteless and disgusting it was a relatively traditional and conventional horror film and the Board concluded that it was not in breach of our Guidelines at ’18‘. This new work, The Human Centipede II (Full Sequence), tells the story of a man who becomes sexually obsessed with a DVD recording of the first film and who imagines putting the ‚centipede‘ idea into practice. Unlike the first film, the sequel presents graphic images of sexual violence, forced defecation, and mutilation, and the viewer is invited to witness events from the perspective of the protagonist. Whereas in the first film the ‚centipede‘ idea is presented as a revolting medical experiment, with the focus on whether the victims will be able to escape, this sequel presents the ‚centipede‘ idea as the object of the protagonist’s depraved sexual fantasy.

The principal focus of The Human Centipede II (Full Sequence) is the sexual arousal of the central character at both the idea and the spectacle of the total degradation, humiliation, mutilation, torture, and murder of his naked victims. Examples of this include a scene early in the film in which he masturbates whilst he watches a DVD of the original Human Centipede film, with sandpaper wrapped around his penis, and a sequence later in the film in which he becomes aroused at the sight of the members of the ‚centipede‘ being forced to defecate into one another’s mouths, culminating in sight of the man wrapping barbed wire around his penis and raping the woman at the rear of the ‚centipede‘. There is little attempt to portray any of the victims in the film as anything other than objects to be brutalised, degraded and mutilated for the amusement and arousal of the central character, as well as for the pleasure of the audience. There is a strong focus throughout on the link between sexual arousal and sexual violence and a clear association between pain, perversity and sexual pleasure. It is the Board’s conclusion that the explicit presentation of the central character’s obsessive sexually violent fantasies is in breach of its Classification Guidelines and poses a real, as opposed to a fanciful, risk that harm is likely to be caused to potential viewers.

David Cooke, Director of the BBFC said: „It is the Board’s carefully considered view that to issue a certificate to this work, even if confined to adults, would be inconsistent with the Board’s Guidelines, would risk potential harm within the terms of the VRA, and would be unacceptable to the public.

„The Board also seeks to avoid classifying material that may be in breach of the Obscene Publications Acts 1959 and 1964 (OPA) or any other relevant legislation. The OPA prohibits the publication of works that have a tendency to deprave or corrupt a significant proportion of those likely to see them. In order to avoid classifying potentially obscene material, the Board engages in regular discussions with the relevant enforcement agencies, including the CPS, the police, and the Ministry of Justice. It is the Board’s view that there is a genuine risk that this video work, The Human Centipede II (Full Sequence), may be considered obscene within the terms of the OPA, for the reasons given above.“

  • zackbumm 8. 6. 2011 an 8:53

    wenn man so menschenverachtende szenen dreht, sollte man als regisseur bessere gründe haben, als das publikum mal wieder zum kotzen bringen zu wollen. ist mit A Serbian Film genauso. am besten ignorieren.

  • Thomas 8. 6. 2011 an 9:00

    Ich finde dieses Tabubrechen-nur-um-des-Tabubrechens-Willen einfach nur lächerlich. Manche Filmemacher haben aber sonst leider nichts drauf, so dass man sich auf sowas spezialisieren muss. *hust* von Trier *hust*…

  • Renington Steele 8. 6. 2011 an 9:08

    Naja, Von Trier hinkt als Vergleich da schon gewaltig”¦ da findet die Gewalt ja nicht um der Gewalt willen statt”¦

  • Karou 8. 6. 2011 an 9:20

    Hmm,
    meistens interessieren mich so Sachen einfach nicht und es soll schauen wer es will. Aber das man einfach alles machen kann was man will solange man kurz vorher Schreit „Das ist Kunst!!!!“ ist mMn unsinn.

  • creamneuron 8. 6. 2011 an 9:25

    Ich finde schon lange (ungefähr seit es mit Hostel losging), das dieses ganze sog. Genre „Folterporno“ nicht nur überflüssig ist, sondern arg bedenklich. Ich hab früher sehr gerne Splatter geschaut – heute nicht mehr, aber hab kein Problem damit. Aber irgendwann ist eine Grenze überschritten worden, vielleicht ging es auch schon mit SAW los?
    Es ist einfach nur noch krank und abartig, und die Vorstellung, dass jemand so etwas erdenkt lässt mich schon wundern. Aber wenn jemand so etwas noch in Filmform scheissen muss, dann sollte man den Drehbuchauthor/Regisseur/Whoever mal ganz dringend genauer untersuchen.
    Man kann einfach nicht bestreiten, dass FIlme, besonders (seufz) gewaltverherrlichende FIlme, abstumnpfen. Und die Tatsache, dass eine Altersbeschränkung nicht mehr als ein Witz oder sogar noch Werbung sind – sprich: Das sich jüngere Menschen so etwas ansehen, und dann diese Filme zur Abstumpfung der jungen Leute beitragen, da wundere ich mich dann auch irgendwann über nichts mehr. In Teilen der Welt wird gefoltert und vergewaltigt, weil der Krieg es „anbietet“, und menschen die dort leben, leben wirklich in einer ganz grossen scheisse, und woanders geilen sich Menschen daran auf, so etwas fiktiv anzusehen.
    Und ich gehe sogar soweit, dass solche FIlme früher oder später, wenn auch nur im Einzelfall, die Kreativität von kranken Menschen erst wecken oder anregen. Wer kann denn mit sicherheit sagen, wie rum es sich verhält? Sind solche Filme aus dem Boden gesprungen, weil es immer mehr solcher Dinge passieren, oder umgekehrt?

    Was ich bei Natural Born Killers noch lächerlich fand (Die Diskussion, ob sich Jugendliche von dem FIlm inspirieren liessen und jemanden töteten, nur um zu sehen wie das ist) – gerät hier in meinen Augen zu einem echten Problem.

    Ich war eine Zeit neugierig, mich selber zu schocken, auszutesten wo meine Grenze ist. Die ist schon lange gefunden, und ich will so einen kranken scheiss einfach nicht sehen. Alleine die Vorstellung, dass es so etwas gibt, will ich eigentlich nicht.

    ir ist klar, dass es nicht so einfach ist, „Meinungsfreiheit“, Freiheit des Ausdrucks, Zensur, etc…. Aber heutzutage, man denke an Computerspiele, VR, etc, kann man einfach nicht mehr klar unterscheiden zwischen einem realen Geschehen, einem nachgespielten, einem völlig fiktiven Computergenerierten. Die Grenzen verschwimmen und es macht plötzlich keinen grossen Unterschied mehr ob man etwas reales in den Nachrichten sieht, oder fiktiv in einem Film. Neben der Tatsache, dass es in der realen Welt passiert, passiert es in den Köpfen des Zuschauers. Und zwar egal ob fiktiv oder real angeregt.
    Und wenn sogar eine Zielgruppe dafür entsteht, wenn Menschen den Wunsch nach so etwas haben, sich als „Fans“ davon bezeichnen, darüber lachen können und es mit „ist doch nur ein Film“ abtun, dann läuft da was gewaltig falsch.

    Man muss nicht jede Freiheit die man hypothetisch für sich in Anspruch nehmen DÜRFTE, auch zwingend nur deswegen auch ausreizen. Es sollte Grenzen geben, die von Vernunft und Ethik gezogen werden, und nicht vom Gesetz. Alle schreien immer danach, dass man gerne als mündiger Mensch behandelt werden möchte, dann soll man sich auch erstmal dementsprechend verhalten. Und das heisst eben: Nicht immer alles was man darf, muss man auch. Wahre Mündigkeit entsteht nicht daraus, dass man darauf besteht, was man bitte dürfe, sondern daraus, dass man auch mal auf etwas verzichten kann, obwohl man es eigentlich dürfte.

  • genervt 8. 6. 2011 an 9:50

    pornos sind keine kunst und gewaltpornos auch nicht. wer gucken will, wie weit er gehen kann, stößt eben hier an die grenze. und das ist gut so.

  • Frybird 8. 6. 2011 an 9:51

    Leute sollten sich so einen schlecht getarnten Fetisch-Dreck nicht ansehen.

    Aber sie sie sollten auch nicht mit Verboten dran gehindert werden.

    Ein „sinnvolles Verbot“ ist immer eine Hintertür zu weniger Freiheit und mehr Bullshit.
    Daher sollte es am Ende immer dem Endverbraucher, oder wenigstens den Kinos, Verleihern und Shops, frei sein was sie sehen/anbieten wollen und was nicht.

  • creamneuron 8. 6. 2011 an 9:55

    **Nachtrag

    Meiner Meinung nach gibt es verschiedene Begründungen, warum man So einen Film, resp. Horrorfilme generell, überhaupt schaut. Einer ist, und der trifft hauptsächlich auf jüngere Menschen zu (im zweifelsfall ist mit „jünger“ nicht das biologische Alter, sondern die Entwicklung gemeint) :
    Competition. Man schaut einen Film um hinterher sagen zu können: „Seht her, ich hab xY geguckt, und hab dabei
    a. gelacht
    b. nicht gekotzt
    c. etc

    In diesem Fall wäre es wichtig, den Film nicht einfach zu gucken, sondern ihn entweder gemeinsam zu gucken oder aber sich hinterher mit anderen darüber auszutauschen. „toughness“ messen. Und da liegt schon der Hund begraben, denn wer meint, dass DAS irgendeinen Wert hat, das damit irgendeine Aussage über einen selber gemacht werden kann, die in irgendeiner Art und Weise von Wert für sich und die Gesellschaft ist, der hat in meinen Augen eh noch einiges zu lernen auf dem Weg zum „Er-wachsen“ werden, mündig werden.

    Dann gibt es wahrscheinlich die Zielgruppe, die wirklich davon erregt wird. Für die sind Folterpornos, Splatter und Exploitation letzendlich nichts anderes als Pornographie. Finde ich persönlich bedenklich, sobald es in DIESE Richtung geht.

    Und wenn ich ehrlich bin, ausser diesen beiden Beispielen, fällt mir ncihts mehr ein. Alles was mir noch einfällt, kann ich irgendwie über Umwege bei Punkt 1 unterbringen. (Kunst? Arty Farty….ICH hab ein viel abgefahreneres Kunstverständniss als DU, weil für mich auch DAS Kunst ist…..) Egal was, letztendlich fällt es für mich alles unter „Competition“, wenn es nicht zur persönlichen Befriedigung dient.

    und Competition mag an sich nicht verkehrt sein. Aber so?

  • Fluffy Bunny 8. 6. 2011 an 11:16

    Ich sehe das ein wenig wie Fry…
    Human Centipede war schon eine Art Legende, bevor irgendjemand den ganzen Film gesehen hat. Ein typischer Internet-Hype eben.
    Der Film war dann dermaßen schlecht, daß Heute kein Schwein mehr darüber redet – also hat sich das Problem von ganz allein gelöst. Ich habe ihn gesehen und für völlig nutzlosen Müll erachtet. Muss aber auch dazu sagen, daß mich an „Härte“ in einem Film seit Martyrs nur weniges beeindrucken konnte.

    Ich bin recht oft auf Filmbörsen unterwegs und treffe dort zwangsläufig auf diese typischen „Low-Level Horrorfans“ (mit Low-Level meine ich geistig!), die sich Dialoge liefern wie: „Ey, hast du gesehen „Ich piss auf dein Blut 7″ da wo der Typ dem Anderen so krass mit dem Taschenmesser durch den Hoden ins linke Auge und dann voll dem Arm so abreisst und den so damit tothaut?“ – „Nee geil, hab isch auf uncutter BluRay aus Afghanistan, voll geil ey!“ Natürlich gibt es solche Leute, klar. Aber ich behaupte, daß diese keine sog. gesellschaftliche Gefahr darstellen und am liebsten daheim schön Schlockfilmchen kucken, wenn sie nicht gerade an der Trinkhalle anstehen – aber selbst denen sind solche Filme am Ende des Tages wohl zu langweilig.

    Generell bin ich egen ein jegliches Verbot oder Zendur. Mir liegt sehr viel daran, meine Filme und Bücher komplett zu erhalten und das vor Allem auch in der Form, wie sie vom Macher ersonnen wurden. Verbote schüren nicht nur die Nachfrage (die immer bedient werden kann) sie dienen auch der Legendenbildung. Ohne ein Verbot, versehen mit einer JK-Spio Freigabe o.ä. ist der Film binnen drei Monaten total uninteressant, wird auf DVD mehr oder weniger verramscht und bald nicht mehr wahrgenommen. Qualität setzt sich eben doch meistens durch… soweit meine Erfahrng.

  • rettich 8. 6. 2011 an 11:26

    Szene, in der eine Frau von einem Mann anal vergewaltigt wird, der sich Stacheldraht um den Penis gewickelt hat?

    das ist doch schon lächerlich genug um es einfach zu ignorieren zu können.

    und über zensur zu diskutieren braucht man doch wohl wirklich nicht!

  • Schwarzmaler 8. 6. 2011 an 11:28

    Jetzt weiß ich immerhin, wo South Park sich bedient hat. Kam mir schon irgendwie krank vor, die Idee mit Apple.

  • Dr.Strangelove 8. 6. 2011 an 11:38

    Stachdraht und Analsex, hmmm. In den SAW Filmen sieht man schlimmeres, oder? In bezug auf Gewalt. Gewalt und Sex ist dann natürlich wieder unendlich BÖSE und muss verboten werden?!

    Ich sehe eher eine Gefahr das Filme wie „Soldat James Ryan“ aus Kriegsbildern eine art Porno machen. Unterhaltung eben. Das man abgerissene Arme und Beine dennoch ‚cool abfilmt‘. Das macht Hollywood seid Jahren. Und das Pentagon arbeitet ja auch eng mit Hollywood zusammen. das ist viel perverser.

    Selbst wenn Human Centipede ein totaler Müll Film ist… so bin ich für die Freiheit der Bilder.

    Ich will einfach nur sagen das „Hardcore“ nicht unbedingt etwas mit zeigen oder nicht zeigen zu tun hat. Die Werbeindustrie, Hollywood, Soaps, usw… richten viel mehr Schaden an als als irgend ein „Krasses Bild“. EIn krasses Bild ist einfach nur ein krasses Bild. Es gibt genügen Bilder die gezeigt werden dürfen… derden Botschaft aber viel schlimmer ist… weil sie einfach scheiße inszeniert wurde.
    Beispiel: „Pulp Fiction“ … Gewalt als was cooles. Aber so was von. Mit Sicherheit schlimmer als Analsex mit Stacheldraht in Großaufnahme. imho.

  • Frybird 8. 6. 2011 an 11:46

    @Dr. Strangelove:

    Naja, Vergewaltigung ist immer eine Streitfrage im Bezug auf wie „böse“ das ist.
    Auch wenn es oberflächlich verdrehte Logik zu sein scheint, einvernehmlicher Stacheldraht Sex und Stacheldraht Vergewaltigung macht für die meisten Leute einen M A S S I V E N Unterschied

    Das kann man glaube ich nicht in die „Alle hassen Sex“ Schublade stecken.

  • Mein Senf 8. 6. 2011 an 11:51

    Interessanter Start in den Tag. Ein generelles Verbot halte ich zwar für übertrieben, aber nachvollziehbar.

    Gehen wir zunächst einfach mal davon aus, dass es sich bei „The Human Centipede II“ um Kunst handelt. Auch da gibt es ja bestimmt unterschiedliche Ansichten. Mein Beitrag geht nur zu Beginn auf das Thema „Was ist Kunst ?“ ein, um darauf aufbauend die Frage „Was darf Kunst?“ zu behandeln.

    Folgt man beispielsweise Sigmund Freud, der Kunst als Möglichkeit ansah, den Trieb der Libido auf nicht-sexuelle Weise zu sublimieren – so ist „The Human Centipede II“ zwar ohne Frage Kunst, aber erscheint per se in einem eher fragwürdigen Licht. Aber nunja…Sigmund Freud ist eben”¦Sigmund Freud.

    Kunst ist auf persönlicher Ebene der kreative Ausdruck menschlicher Emotionen, Bedürfnisse oder Überzeugungen. Spätestens mit dem Entstehen von Gesellschaften kam der Kunst aber auch eine Kommentarfunktion zu: Kommentare auf gesellschaftliche Standards oder Anregungen für Veränderungsprozesse.

    Ein Stilelement dabei ist die „Grenzüberschreitung“. Wo es Gesellschaften gibt, existieren (geographische, moralische, ethische) Grenzen: Wo Grenzen sind, gibt es Menschen, die diese Grenzen ausloten, überschreiten oder verändern wollen.

    „Grenze“ ist somit einer der zentralen Begriffe, der auch in Zusammenhang mit gesellschaftlicher Kunst durchaus Sinn macht. Und „Grenze“ muss für Kunst selbstverständlich auch bedeuten, diese auszuloten und zu überschreiten. Ist es daher nicht absurd mit dem Verbot des zweiten Teils eine „Grenze für Grenzüberschreitungen“ einzuführen?

    Ja und Nein, denn künstlerische Grenzüberschreitung machen nur dann Sinn, wenn Ihnen eine Kommentarfunktion zukommt. Die hat nicht einmal „The Human Centipede Part I“ erfüllt. Schon in Teil ging es Tom Six im Grunde genommen ja nur darum, einen menschlichen Tausendfüssler zu zeigen. Der Film war somit nichts weiter als eine selbstzweckhafte und eskapatische Gewaltfantasie, eingebettet in ein dünnes Geschichtchen, das aufgrund seines Designs ein fadenscheiniges Interesse an den Opfern vortäuschte. In der Fortsetzungslogik scheint Teil 2 nun endgültig die Maske fallenzulassen und präsentiert den Zuschauer ungeniert seine sexuelle Komponente und macht dazu unter anderem das Monster zur Hauptperson. Das mag konsequent sein, aufgrund der offen zur Schau gestellten Selbstzweckhaftigkeit der gezeigten Tabubrüche künstlerisch weitgehend wertlos und gesellschaftlich damit nur bedingt akzeptabel.

    Die Aufgabe einer Gesellschaft besteht darin, ihre selbstdefinierten Grenze zu schützen und auch die Bürger vor sich selbst zu schützen. Das gilt auch für “The Human Centipede” Jeder, der jetzt rhetorisch fragt: „Glauben die, ich binde mir Stacheldraht um den Schwanz und vergewaltige einen selbstgebauten menschlichen Tausendfühler, nachdem ich mir den Film angesehen habe?“ denkt verkürzt.

    Gesellschaftliche Grenzen muss man im Einzelnen nicht teilen, im Gegenteil, es kann sogar eine gewisse Befriedigung verschaffen, sie infrage zu stellen. Gleichzeitig sollte man sich vergegenwärtigen und akzeptieren, dass ein Gesellschaftskonzept niemals 100prozentig zum Einzelnen passen wird. Nimmt man politische Parteien, die es sich zur Aufgabe machen innerhalb einer Gesellschaft die Meinungen einer bestimmten Gruppe abzubilden, so wird schon dort niemand behaupten, dass er 100prozentig mit ihren Programm konform gehen wird. Es geht nicht darum, gesellschaftliche Grenzen im Detail zu akzeptieren, sondern im Ganzen zu respektieren.

    Wer grundsätzlich „Kunst darf alles- Scheiß-Zensur“ fordert, der macht es sich ein wenig sehr leicht. Solche Maximalforderungen sind natürlich in gewisser Weise sexy und suggerieren eine klare Position. Wenn sie aber tatsächlich ernst gemeint sind und nicht in erster Linie der eigenen Profilschärfung dienen, sind sie Ausdruck einer verkürzten Denkweise zum Sujet und einem Mangel an gesellschaftlicher Verantwortung.

    Ich bin da Renington Steeles Position nahe: Das hat das auch mit der persönlichen Entwicklung zu tun. Früher habe ich mich unter mehr oder weniger fadenscheinigen Vorwänden („Der Cut verstümmelt die Handlung total“) fürchterlich über JEEEEDE Art von Zensur aufgeregt. In Wahrheit wollte ich neben einer pubertären Lust an vermeintlicher Grenzüberschreitung, mich damit aber auch gesellschaftlich als radikal und damit aufregend positionieren. Zweifellos ein wichtiger Abschnitt der persönlichen Entwicklung aber eben auch nur ein Abschnitt.

    Kunst hat immer eine gesellschaftliche Verantwortung und der ist Tom Six eben nicht nachgekommen. Über ein Verbot darf er sich also nicht wundern. Ich kann es jedenfalls nachvollziehen. Als in englischer Sprache gefilmter Euro-Schocker geht ihm mit dem Verbot in Groß-Britannien natürlich ein riesiger Markt flöten, trotzdem wird er die Diskussion um sein Filmchen wohl eher wohlwollend zur Kenntnis nehmen.

  • Hans 8. 6. 2011 an 11:55

    Ist doch eh wieder nur unlogischer Schwachsinn, genau wie Human Centipede I. Falls sich wirklich ein Typ Stacheldraht ums Genital wickeln würde, würde er sich damit selbst genauso wehtun wie seinem Opfer.

    Die Szene mit der „Penisfalle“ in der Mumu in Storm Warning war genauso bescheuert.

  • Renington Steele 8. 6. 2011 an 12:30

    .

  • Dr.Strangelove 8. 6. 2011 an 12:31

    @Frybird: In SAW sind die Folterszenen sicherlich auch nicht einvernehmlich. Mir geht es nicht darum ob es gewollt oder ungewollt ist. Es darf gerne alles ‚ungewollt‘ sein.

    Ich wollte nur andeuten das bei Gewalt (ohne Sex) schon fast alles gezeigt wurde. Und es da relativ wenig Probleme gibt. Kommt aber Sex mit ins Spiel flippen alle sofort aus.

    Zu „Mein Senf“: ähm. Was? Kunst hat immer eine gesellschaftliche Verantwort? Das ist absolut lächerlich. Wer stellt den solche Regeln auf? Ich denke eher das ALLES eine gesellschaftliche Verantwortung hat.
    Eminem wollte sich doch immer rausreden.. das er eben kein Vorbild sei. Und auch gar nicht den Anspruch hegt ein Vorbild zu sein. Das kann er ja behaupten. Aber wenn man Millionen Alben verkauft kann man nicht einfach sagen: Ich trage keine Verantwortung für das was da nun passieren.
    Eigentlich ist es unerheblich ob eine Person zusieht, oder eine Million.
    Und du redest so viel über Kunst. Was spielt es denn für eine Rolle ob das nun Kunst ist, oder nicht? In meinen Augen gar keine. Nachrichten zeigen ja auch keine echten Leichen in Großaufnahme obwohl es diese Bilder ganz sicher gibt. Wie schon erwähnt hat Hollywood das töten, morden als „coole Sache inszeniert“. Da spritzt Blut in Zeitlupe. Haneke hat mit „Funny Games“ einen ganz guten Film dazu gemacht.

    Welchen Schaden würde es denn bei einem erwachsenen Menschen anrichten wenn er Stacheldraht-Anal-Sex sieht (gewollt oder ungewollt). Ich würde mir so denken.Tolle Effekte, aber totaler Bullshit. Im schlimmsten Fall hätte ich Albträume.
    (Bestimmt gibt es leute die tramatisiert werden. Es gibt aber Leute die von total harmlosen Sachen tramatisiert werden… deswegen ist es sehr schwirig da irgendwo eine Grenze zu ziehen)

    Meiner Meinung nach bewirken ‚heftigere Bilder‘ nicht unbedingt heftigere Auswirkungen auf den Betrachter, oder gar einer ganzen Gesellschaft.
    Das ist doch ähnlich wie mit den Brüsten. Wenn man in Europa aufwächst, oder im Nudisten-Camp wird man als Erwachsener wahrscheinlich viel entspannter mit Nippel und Brüsten umgehen…
    und in den USA, wo Fraunnippel verborgen werden müssen… da ist man als Erwachsener so auf Titten und Nippel fixiert (weil das ganze Leben lang Frauen als so „rein“ dargstellt wurden.)

    Verhüllte Bilder (USA, aber auch Iran und Co.) können genauso (oder sogar größeren) Schaden anrichten als Bilder auf denen mehr zu sehen ist.

    Erinnert sich wer an „Two Girls One Cup“. Das schaut man sich an… muss fast kotzen und das wars dann aber auch. Danach verändert sich das Leben nicht. Da wird kein Schalter im Hirn umgelegt wo man dann denkt: Oh, ab heute stehe ich auf Kacka-Spiele.

    In Atichrist sah man eine Beschneidung. So viel schlimmer kann Analsex mit Stacheldraht nun auch nicht sein. Und glaube mal nicht das da ein echter Arsch für herhalten musste. Das sind alles Spezial Effekts. In „Cubes“ werden Menschen auch zerteilt. … halt eben ohne die Sex Komponente. Wenn man dem Sexding mal absieht… haben wir alle im Kino schon viel schlimmere Dinge gesehen. Freiheit der Bilder! (auch wenn mir manchmal zum kotzen ist.)

  • Tino 8. 6. 2011 an 12:46

    Tja, schlechte Werbung ist eben auch Werbung. Eine Zensur weckt hier einfach den Bedarf an einem Film, der ansonsten unter dem Radar durchgerutscht wäre.

    Das Beste, was dem Film und dem Regisseur passieren konnte!

  • lesen dildet 8. 6. 2011 an 13:19

    @Creamneuron:
    gut auf den Punkt gebracht!
    Deine Comments würde ich mir irgendwo als Blog-Post oder zeitungs-Kollumne wünschen!

  • aZrael 8. 6. 2011 an 13:38

    Huhu,

    dann möchte ich meine Gedanken zum Thema auch mal loswerden:
    @5: Nein, es ist NICHT erwiesen, dass Bilder den Menschen abstumpfen bzw. seine Gefühle und seine Empathie verrohen lassen. Richtig ist, dass ein Gewöhnungeffekt GEGENÜBER DEN BILDERN einsetzt. Nicht gegenüber der Realität. Sprich: Wenn ich mir 10 Folgen Tagesschau anschaue, wobei jedesmal zerfetzte Soldaten aus Afghanistan gezeigt werden, werde ich bei Folge 11 definitiv nicht mehr im gleichen Maße emotional aufgewählt reagieren, wie ich es bei Folge 1 tat.

    Es ist immernoch eine äußerst fragwürdige Sache, wie fiktive Gewalt in ihrer Darstellung auf den Konsumenten wirkt und was sie kurz- und langfristig dabei auslöst. Hierzu gibt es einen Haufen unterschiedlicher Theorien und nur leider verflixt wenige verlässliche d.h. nicht durch Drittmittel gesteuerte Studien. Wir Medienwissenschaftler schlagen uns damit bald 50 Jahre schon herum.

    Dann: Man darf manches nicht zeigen, weil es kranke Menschen erst auf die Idee bringt? Ehm. Ja klar. Das ist die gleiche Argumentationsweise wie „The Devil made me do it!“. Wer den Impuls zur Gewalt unter Ausschaltung seiner Steuerungsfähigkeit schon in sich trägt, wird das ausleben. Egal, auf welche Art und Weise. Da braucht es keine Gewaltpornographie, vielleicht kommt er durch eine Werbung für Abflussfrei auf die Idee, jemandem Rohrfrei einzutrichtern. Man weiss es halt nicht, was einen schon labilen Menschen zum austicken bringt. Deswegen „bedenkliche“ Bilder und Ideen zu verbieten, halte ich definitiv für den falschen Weg!

    Nun: Kunst muss immer Gesellschaftskritisch bzw. die Gesellschaft kommentierend sein. Halte ich für Unsinn. Bereits in den 1850ern feierte eine Gattung, welche eine Ästhetik des Schreckens und der Gewalt ihr eigen nannte, große Erfolge. Nannte sich Decadence (Baudellaire, Malamare etc.). Und später führte die Bewegung der „art pour le art“, also der Kunst um der Kunst willen dieses fort.
    Gewalt und ihre drastische Darstellung ist immer schon Thema einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema gewesen. Man kann natürlich durchaus einwenden, dass Centipede wenig künstlerische Größe bei dem Thema beweisst und vor allem eben Einnahmen generieren will.

    Aber eine generelle Zensur lehne ich dennoch ab, auch, wenn dabei vielleicht Menschen mit Bildern in Berührung kommen, welche nicht für sie geeignet sind. Das ist dann der Preis der Freiheit.

    Und zum Thema Kunst vs. Zensur: Man lese doch mal Bitte die Begründung im „Josephine Mutzenbacher“-Urteil nach, nennt sich praktische Konkordanz: https://de.wikipedia.org/wiki/Mutzenbacher-Entscheidung

    Herzliche Grüße aus Karlsruhe,
    aZrael

  • Niniel 8. 6. 2011 an 14:00

    guter kommentar (17) von dr strangelove! sehe ich genau so.

    menschen werden nicht durch filme oder bilder krank sondern durch reale erfahrungen mit ihrem umfeld in ihrem leben.

  • Schwarzmaler 8. 6. 2011 an 14:48

    Aber bitte argumentiert nicht mit dem Wort Kunst. Es ist schon oft mißbraucht worden, aber das hier ist einfach nur Schund.

  • Cabuflé 8. 6. 2011 an 15:05

    „Gibt es ein Recht auf das Anschauen einer Szene, in der eine Frau von einem Mann anal vergewaltigt wird, der sich Stacheldraht um den Penis gewickelt hat?“

    Ja! Es gibt ein Recht ALLES zu tun, womit man niemandem (außer möglicherweise sich selbst) schadet! Gleiches gilt (u.a.) für Drogenkonsum, riskante Sportarten oder sexuelle Praktiken. Ende der Durchsage!

    Wie schön wäre es, wenn die Gesellschaft endlich aufhören würde, Zeit und Ressourcen damit zu verschwenden, erwachsene Menschen „vor sich selbst zu schützen“.

  • genervt 8. 6. 2011 an 15:19

    wenn schon einer mit „kunst“ kommt, sollte man sich auch den „künstlerischen“ kopf und seine idee hinter dem meisterwerk ansehen.
    gucken wir mal.

    karriere tom six:
    -erste Erfahrungen in den Medien bei Endemol
    -einer der kreativen Köpfe hinter der Reality-Show Big Brother
    – drei Filme in niederländischer Sprache (Gay in Amsterdam, Honeyz, I love Dries)

    und was sagt der künstler selbst über seinen film?

    „It began all with a very sick joke that I made with friends. When watching television or something and there was a child molester or something I’d say, „Oh they should stitch his mouth to the ass of a very, very fat truck driver, as punishment.“ And everyone said this was a horrible idea, and of course it is a very horrible idea, and I thought that would make a great basic idea for a horror film. „

  • Habib 8. 6. 2011 an 15:20

    Diese Fragestellung ist eine Beleidigung an den menschlichen Verstand. Aus folgenden Gründen:

    Darf der Staat “seinen” Bürgern vorschreiben was sie gut/schlecht zu finden haben, darf er ihnen vorschreiben was für Bücher sie lesen/welche Filme sie gucken?
    Eindeutige Antwort: NEIN.
    Wer etwas Anderes behauptet, ist schlicht nicht in der Lage über seinen eigenen Horizont hinauszudenken, hat aus der Geschichte nichts gelernt und lehnt die Gesellschaft, wie wir sie als lebenswert erachten, ab. Punkt.

    Die Frage ist zutiefst subjektiv. Jeder Mensch ist ein Individuum und wenn wir mal von den oft herbeigeredeten “Lämmern” absehen, setzt jedes Individuum für sich EIGENE Grenzen. Das ist auch gut so.

    Hier, auf einem Film Blog, fängt die Grenze für nicht wenige dort an, wo ein HORRORfilm (bitte mal die genaue Definition nachschlagen), die individuelle Geschmacksgrenze überschreitet.
    Bei Anderen Leuten fangen die Grenzen evtl. ganz wo anders an.
    In einem US Bundesstaat wurde neulich ein Gesetz verabschiedet, dass es verbietet, Homosexualität vor der 8 Klasse in der Schule zu thematisieren.
    In Bayern wurde RAUCHERkneipen per se ein Riegel vorgeschoben, obwohl kein Nichtraucher dazu gezwungen ist, diese zu betreten.
    In manchen Ländern werden Filme verboten, die Magie und Hexerei thematisieren.

    “Aber das kann man doch nicht vergleiche!!11” mag jetzt der Ein oder Andere schreien. Kann man eben doch. Alles das Selbe, lediglich die Grenze ist eine Andere.

    Man kann sowas gerne diskutieren. Forderungen nach staatlicher Repression sind jedoch hirnverbrand. Viel mehr könnte man folgende Fragen stellen:

    “Muss” sowas unbedingt gedreht werden? Uralte Diskussion.

    “Muss” sowas unbedingt veröffentlicht werden? Kann ein Label nicht auch mal sagen: Sowas veröffentlichen wir nicht (Letzteres war bei Serbian Film der Fall)? Kann ein Produzent nicht mal sagen: Sowas produziere ich nicht?

    Im Endeffekt wird es aber darauf hinauslaufen, dass sich immer ein Produzent findet, der hier das große Geld wittert. Das es immer ein Label gibt, dass meint damit Kasse machen zu kennen. Wobei wir wieder bei den individuell gezogenen Grenzen wären.

    Jede Menge Geschreibsel. Man könnte es auch provokativ zusammenfassen:
    Wer ein Problem damit hat, dass man in unserer Gesellschaft selbst entscheiden kann, wo man die Grenzen des guten Geschmacks/der Moral zieht – der kann gerne in irgendein Regime auswandern, wo der Staat solche Sachen regelt.
    Dann aber nicht wundern, wenn solche Verbote plötzlich die eigene Lebenswelt tangieren, Google nicht mehr aufrufbar ist oder man für die Äußerung seiner individuellen Gedanken in den Knast wandert.

  • genervt 8. 6. 2011 an 15:25

    @23
    die ganzen amokläufe hatten irgendwann einen ursprung, eine blaupause, die im fernsehen gezeigt wurde und an der sich seitdem die täter orientieren. nur weil man selbst anderen nicht schadet, wenn man so einen mist schaut oder produziert, heißt das nicht, daß andere es nicht tun.

  • Dr.Strangelove 8. 6. 2011 an 15:26

    @Kommentar: 20 (aZrael) 100% Zustimmung von mir!

  • TopF 8. 6. 2011 an 15:30

    @ creamneuron
    du hast vollkommen rechtaber ein punkt fehlt noch … durch solche filme ist das splattergenre vernichtet worden, jüngstes beispiel ist scream 4. leute verlassen den film vorzeitig weil er ihnen zu langweilig ist…scream und langweilig… bizarr

  • Dr.Strangelove 8. 6. 2011 an 15:34

    @25: Du glaubst das der Urspung eines Amoklaufs an einem Fernsehbild liegen könnte? *kopfschüttel*
    Und nur weil es Menschen gibt die von Bildern schaden nehmen. (das sei dahingestellt, ob das auch wirklich stimmt… oder generell bei solchen Menschen generell eine Informationsstörung vorliegt) … vorderst du was? .. ein Verbot diverse Bilder? Du denkst einfach nicht zu ende. Du schreibst nur. Einigen Menschen könnten diverse Bilder schaden. Und weiter?

  • burns 8. 6. 2011 an 16:20

    Ich habe persönlich ein riesiges Problem damit, dass ein Vorgang wie eine Vergewaltigung als billiger Schockmoment in einem schlechten „Unterhaltungsfilm“ eingesetzt wird.
    Mir stellt sich die Frage nach „Wer darf was schauen“ gar nicht.
    Bei mir ist da vorher schon Schluss.

    Und wenn ich dran denke, dass dieser Film vermutlich aus irgendwelchen Quellen auch Förderungen bekommt….
    Ach.

  • Mein Senf 8. 6. 2011 an 16:21

    @Cabuflè
    Nochmals. Vor gaaaaaaaanz langer Zeit haben Menschen erkannt, dass es Sinn macht Zeit und Ressourcen darauf zu verschwenden, erwachsene Menschen ”vor sich selbst zu schützen”, ihre persönliche Freiheit zu Gunsten von mehr Sicherheit einzuschränken. Das nennt man „Staat“ oder „Gesellschaft“. Irgendwann wird der Augenblick kommen, an dem auch du denn Sinn erkennst. Tschuldigung die Ausdrucksweise, aber solche extremen Fundamentalansichten sind einfach nur ziemlich kurzsichtig, das ganze dann aber noch auf Drogenkonsum auszuweiten einfach nur dämlich.

    @Strangelove:
    Der Kunstansatz wurde durch Renington Steel (ganz oben) vorgegeben. Wenn du nun sagst, dass nicht nur Kunst, sondern schlicht ALLES eine gesellschaftliche Verantwortung hat, dann schließt das Kunst allerdings zwangsläufig mit ein. Nett übrigens, dass du ausgerechnet Eminem als Gegenbeispiel aufführst, der als Musiker natürlich ebenso Kunst produziert.

    @Azrael: Ich bin verwirrt. Erst schreibst du, dass Medienwissenschaftler (wie du) schon seit 50 Jahren keine befriedigenden Antwort auf die Frage finden wie fiktive Gewalt in ihrer Darstellung auf den Konsumenten wirkt. Direkt im Anschluss positionierst du dich dann ohne weitere Begründung dann auf der Seite der Abstreiter. Hast du sowas wie den Stein der Weisen gefunden?

    @genervt:
    Danke für dieses aufschlussreiche Zitat. Das bestätigt dann ja meine vermutete Intention des Films.

  • hyper 8. 6. 2011 an 16:22

    @kommentar 25 (habib)

    danke!
    das ist das einzig vernünftige was ich zu dem thema bis jetzt gehört habe!
    ich stimme dir vollkommen zu. alles kann- nichts muss, das trifft doch auf die meisten solcher streitereien (ich möchte noch nichtmal disskusionen sagen) zu.
    für den einen ist es kunst,für den nächsten porno,für den übernächsten ein großer spaß…
    wer will und hat das bitte zu beurteilen?
    wie kann man, egal auf welcher seite man steht, wirklich nicht merken dass man mal wieder sich selber als maßstab ansetzt?
    ist mir doch wurscht zu was sich mein nachbar einen runterholt, solange ich in meinen 4 wänden auch machen kann was ich möchte.
    und ob ich danach rausgehe und meinen nachbarn mit stacheldraht vergewaltige? ich glaub nicht.
    gleicher mist wie bei videospielen, etc….
    jedem das seine.
    kommt doch bitte mal darauf klar, dass nicht alle menschen gleich sind!

  • burns 8. 6. 2011 an 16:48

    @hyper: Nein.

  • burns 8. 6. 2011 an 16:56

    Na gut, ich erkläre es noch:
    In dem Moment, in dem wir aufhören, darüber zu diskutieren, was (zum Beispiel) Kunst (oder generell „man“) darf oder nicht darf und uns – so wie Dir – alles egal ist, was nicht unsere eigenen vier Wände betrifft, sind wir bei der Negation jedweder Verantwortung angelangt.
    Snuff-Video-Drehs, Erweiterung des Kunstbegriffs bis zum Füllen von Scheiße in den Mund von Hauskatzen – alles kein Problem, solange es nicht bei mir zuhause passiert.
    Das ist eine höchst seltsame neue Form des Biedermeier, die es Dir sehr leicht macht, dass Dir einfach irgendwie alles irgendwie relativ wurscht sein kann.
    Weil ja persönliche Freiheit und so.

    Ich bin auch nicht dafür, staatlich alles regeln zu lassen. Das ist falsch, keine Frage.
    Dennoch hat der Staat de facto (nicht, weil ich es mir ausdenke) eine Fürsorgepflicht. Hätte er die nicht, hätten wir auch keine Polizei, kein Versicherungsnetz, etcetcetc., weil sich der Staat ja gefälligst in nichts einzumischen hat.
    Das hier darüber diskutiert wird, ist doch eine völlig gesunde Angelegenheit und die Gründe, die von verschiedenen Seiten genannt werden, sind doch durchaus nachzuvollziehen.

    Was ich nicht nachvollziehen kann und will, ist Deine Absage an jegliche Verantwortung des Einzelnen dafür, was in der gesellschaft, in der er lebt, vor sich geht.

  • creamneuron 8. 6. 2011 an 17:16

    Ich bin mir nicht sicher – und weiss dass es nciht erwiesen ist – dass es „kranke Menschen“ gibt, die sich inspirieren lassen von Filmen. ich bin mir aber sicher (und das gehört dann zu dem Punkt „Competition“) Dass besonders unter Jugendlichen Filme und fiktive Figuren als roemodells dienen. Es kommt nicht von ungefähr, dass es T-shirts mit Filmtiteln/Motiven/Charakteren gibt, dass an sich Tatoos derart macht, Seinen Kleidungsstiel daran anpasst, etc. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht vom Fach bin. Aber ich denke nicht, dass ich da ganz falsch liege.
    Insofern gehe ich auch davon aus, und sehe das oft genug an Beispielen im realen Leben, dass auch Inhalte von Filmen einen Nachahmeffekt bei einigen hervorrufen. Um mal ein ganz plakatives Beispiel zu bringen, welches auch oft im falschen Zusamenhang als Negativbeispiel benutzt wurde: die berühmten „Matrixmäntel“. Und ich will garnicht auf Columbine hinaus. Filme machen Trends und üben Einfluss aufs reale Leben. Daraus kann ich nicht ableiten, dass auch kriminelle Handlungen oder andere Abartigkeiten auf diese Weise ins reale Leben rutschen – aber ausschliessen auch nicht. Und den einen oder anderen mit einer x-beiebigen Dispostion zu irgendeiner psychischen neigung, die man als krank bezeichnen würde, gibt es überall.

    Was ich nicht hören kann ist, „Der Film wird ab 18 kommen und jeder der ihn sich anschaut weiss worauf er sich einlässt. Also wird niemand so etwas sehen, wen er es nicht wollte.“ Genau das ist doch das Problem. Es wird immer sehr viele geben, die sich das ansehen, auch wenn sie es eigentlich nciht wollen. Und vielleicht nicht verkraften. Aber sie tun es trotzdem, um mitzuziehen, um nicht die „Pussy mit dem flauen Magen“ zu sein.

    Ich bin mir bewusst, dass ich wahrscheinlich ziemlich spiessig klinge, das erschrickt mich selber oft bei solchen Themen. =)

    Wenn in einem Film etwas geschieht, geschieht das meistens in einem Kontext. Da wird keiner einfach so mit dem Hammer die Kniescheibe eines anderen zerschlagen (naja…vielleicht auch doch) , sondern meist als Handlung, die eine Haltung ausdrücken soll. Dem einen reicht es, wenn er von einem Fremden beleidigt wird, ihm eine zu ballern, aber wenn immer mehr durch z.B. Filme das Zerrbild entsteht, dass „richtig harte Kerle“ zum hammer oder zur Axt greifen, wenn ihnen einer dumm kommt, dann hat das einen Effekt.
    Ich solllte nochmal betonen, dass ich davon rede, dass geistig nicht ausgereifte Personen solche Filme gucken, und NICHT ein erwachsener, gesunder, gefestigter Mensch. Das halte ich für ein Problem, und das kann an nicht verhindern.

    ich bin ja auch nicht strickt dafür, dann ein verbot auszusprechen. Zumal es nichts bringen wird, ausser noch mehr Reiz. Aber ich sehe das Aufkommen solcher FIlme als Symptom für eine kranke Gesellschaft. Und die Ursache dafür müsste man untersuchen.

    Ich finde einen Kommentar auf Twitch sehr bezeichnend:

    „VERY SERIOUS QUESTION: Why is the depiction of sex with a minor for entertainment considered obscene and the depiction of rape for the same purpose not? Does the fact that you’re violating an adult somehow make it less odious? Why do we accept rape fantasy instead of treating it as an equivalent to pedophilia or a hate crime, which is what it is?“

    Mir ist egal, ob bei den Dreharbeiten niemand Schaden nimmt, spätestens wenn der FIlm im Kino ist, wird er Schaden anrichten, und sei es dadurch, dass jemand der ähnliches erlebt hat damit konfrontiert wird.
    Ich finde die gestellte Frage sehr berechtigt und wichtig.

    Warum ist das Vergewaltigen eines Kindes – und sei es nur in einer gefakten Darstellung – derart verboten und geächtet, aber die Darstellung einer Vergewaltigung von erwachsenen Menschen wird quasi zu einem Kult stilisiert? Warum „darf“ man das eine, aber das andere nicht? Sicher sind Kinder besonders schützenswert, aber wenn man in die Richtung argumentiert: ab welchem Alter fällt denn dieser Schutz von einem Kind ab und es wird ok, wenn es (fiktiv) vergewaltigt wird? Sobald es volljährig wird?

    Das Splattergenre früher hatte einen wesentlichen Unterschied zu all dem Dreck heutzutage: Es war lustig.
    Auch wenn damals die Generation über mir absolut nicht verstand was daran lustig war. (vielleicht bin ich jetzt nur in der gleichen Situation? Aber dann muss ich nachträglich den älteren Generationen von damals zu Teilen doch recht geben und zugeben, dass ich damals falsch argumentiert habe)

    Ich finde es einfach erschreckend genug, dass Menschen auf solche Ideen kommen.
    Und dass andere den Wunsch verspüren, Dinge, auf die sie selber nicht mehr mit ihrer eigenen kranken Fantasie kommen, sich in FIlmen solcher Art zu holen etnzieht sich komplett meinem Verständniss und meiner Akzeptanz.

    Ich denke es ist ein menschlich-natürliches merkmal, dass man nach Perfektion strebt. ich würde eigentlich gerne in einer Welt leben, in der solche Dinge nicht geschehen. ich bin nicht naiv genug um nicht zu glauben, dass mir dieser Wunsch nicht erfüllt wird, also möchte ich wenigstens, dass es nicht noch künstlich, virtuell geschieht. Wozu? Wer hat den Wunsch sowas zu sehen? Was wird damit befriedigt? Welcher Wunsch erfüllt? („Wo ist der Wert?“)
    manchmal denke ich, Leute die sich so etwas ausdenken oder sich daran erfreuen, denen sollte sowas mal passieren. Mal sehen ob diejenigen danach noch den gleichen „Kunstgeschmack“ haben. Oder ob sich ein Wunsch nach weniger Gewalt, Unterdrückung, Folter und Quälerei einstellt.

    Oder ist die Tatsache, dass solche Auswüchse wie diese Filme vorhanden sind ein Zeichen dafür, dass es uns noch zu gut geht? Werden zu wenig Menschen auf der Welt vergewaltigt und gefoltert?

  • Dr.Strangelove 8. 6. 2011 an 18:00

    „Why do we accept rape fantasy instead of treating it as an equivalent to pedophilia or a hate crime, which is what it is?”

    Rape Fantasy sollte man absolut ausleben dürfen. Solche Phantasien haben Männer und Frauen. Natürlich ist es scheiße wenn jemand in echt vergewaltigt wurde. Damn. In Filmen wird auch gemordet… manchmal einfach nur so aus Spaß. (beispiel: SAW)

    Man wird immer iregndwelche Leute mit Bilder verletzen.
    Aebr Bilder sind wichtig. Und klar habe ich als Jugendlicher auch mit Waffen gespielt. Und als Erwachsener frage ich mich: Wieso eigentlich.
    Matrix ist übrigens auch ein schönes Beispiel „wie cool töten sein kann“.
    Die Gewalt wird aufgehübscht. Real ist „sterben“ aber nicht so geil.

    Und selbst wenn Kinder dann solche Mäntel kaufen. Es ist dennoch ein Unterschied sich nur Cool zu fühlen und mit Spielzeugwaffen zu hantieren.. und tatsächlich Leute abzuknallen. Und allein weil dann Leute mit Mäntel rumlaufen wäre es so bescheuert das alles zu verurteilen. Wenn was zu verurteilen ist.. dann „cooles töten“… da müssten aber dann quasi alle Hollywood Action Filme verboten werden.
    Und da gibt es sogar oft Handlung.
    Da ist mir echt ein Möchtegern Kunstfilm Rape Fantasy mit Stacheldraht lieber.

    Vielleicht sollte man an Schulen auch einfach mal das Fach „Mediensoziologie“ einführen. Und schon würde der Nachwuchs jeden Mitschüler aulachen der sich „Ab18“ Material reinzieht… weil sie gelernt haben das sich der Typ damit nur wichtig machen will. Der Konsument.. genauso wie der Filmemacher.

  • genervt 8. 6. 2011 an 18:15

    „@25: Du glaubst das der Urspung eines Amoklaufs an einem Fernsehbild liegen könnte? *kopfschüttel*
    Und nur weil es Menschen gibt die von Bildern schaden nehmen…vorderst du was? .. ein Verbot diverse Bilder? Einigen Menschen könnten diverse Bilder schaden. Und weiter?“

    mein kommentar bezog sich auf die aussage: „alles muß erlaubt sein, solange es niemandem schadet.“
    da gehe ich aber nur von mir aus. natürlich beeinflussen fernsehbilder das verhalten von menschen. wieder und wieder gezeigt, bieten sie handlungsmuster, die übernommen werden. ich behaupte auch, daß sogar „harmlose“ sachen wie gzsz, werbung und bunte zeitschriften das (gesprächs)verhalten vom menschen beeinflussen. unser gehirn ist ja kein abgeschottetes system, sondern verabeitet ständig einflüsse von außen. deshalb verhält sich ein urwaldindianer auch anders als ein „zivilisierter“ amerikaner.
    und weiter? na ganz einfach. wenn die menschen anfangen, zu denken und zu hinterfragen, den bilderstrom der verblödung mal abschalten, dann regelt sich das ganz von allein. aufklärung ist das große zauberwort. dann würde man vielleicht gar nicht mehr auf die idee kommen, so einen blödsinn zu gucken oder zu produzieren. aber daß das nicht passiert, dafür sorgen dann schon rtl und leute wie tom six und eine gesellschaft, die das völlig normal findet.

  • hyper 8. 6. 2011 an 18:33

    der letzte kommentar: „Werden zu wenig Menschen auf der Welt vergewaltigt und gefoltert?“ ist btw der größte mist den ich je gehört habe.
    was heißt das? sollen nur noch niedliche und schöne dinge im kino gezeigt werden?
    oder darüber gabs letztens schon ne dis, wenn man eine vergewaltigung im film darstellt, sollte diese dann geschönt sein oder realistisch? (siehe irreversibel)
    darf/ sollte ich mir jetzt nurnoch als vergewaltigungsopfer irreversibel angucken?
    oder kann ich den film nur verstehen wenn mir ähnliches passiert ist?

    ich persönlich denke nicht!

    ich habe mir auch teil 1 angesehen und wir haben uns amüsiert.
    ich hab auch hostel und saw und und und gesehen.
    die frage ist doch:
    bin ich jetzt pervers?bin ich jetzt kindisch (am anfang wurde ja bemerkt man wäre nicht erwachsen wenn man solche filme ansieht)?bin ich jetzt dumm und abgestumpft?werde ich jetzt jemanden vergewaltigen?sollte ich jetzt vergewaltigt werden?

    mir ist schon klar, dass kinder/andere schwache menschen diesen film nicht sehen sollten und dass sicher auch niemand gezwungen werden darf so etwas anzusehen.
    ich bin lange über die 18 jahre hinaus und ich habe viele freunde die offen zugeben können nicht einmal geisterfilme (hui buh) ansehen zu können.
    also dieses argument man wolle nich als pussy gelten und würde sich aus diesem grund einen solchen film ansehen ist doch totaler quatsch.

    wie bereits erwähnt wurde muss man solche filme nicht produzieren.
    aber man kann (auch ohne den anspruch auf den titel „kunst“) und ja, es gibt leute die wollen den sehen (zb ich).
    ich halte mich für geistig gesund, erwachsen, nicht vergewaltigt und sozial.
    trotzdem habe ich herzhaft gelacht, als der verrückte deutsche professor seinen geliebten 3hund betrauert hat.

    sicherlich ist jetzt das bsp mit dem stacheldraht-schwengel etwas radikaler.
    aber hostel wurde auch nicht verboten, weil dargestellt wurde wie leute andere menschen kaufen wie vieh oder nutten, um sie dann genüsslich abzuschlachten.
    ich zumindest sehe da keinen unterschied zumal ich die hostel story auch noch für wahrscheinlicher halte…
    trotzdem ist mir nicht bekannt, dass aufgrund des films bereits eine solche lokalität eröffnet hätte.
    und ich wär jetzt auch nich scharf drauf mir das anzusehen, weil ich den film gesehen habe.

    ich fordere hier jetzt auch die schließung sämtlicher foltermuseen!

  • Dr.Strangelove 8. 6. 2011 an 18:58

    ^zustimm

  • Habib 8. 6. 2011 an 20:36

    „Als “Entartete Kunst” galten im NS-Regime alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die mit dem Kunstverständnis und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten nicht in Einklang zu bringen waren“

    Wer sich den Schuh anziehen möchte, nur zu.

  • JMK 9. 6. 2011 an 8:27

    Die Kommentare hier sind ja wieder mal unterste Schublade. Wer schon versucht einen Kunstbegriff zu definieren und dann noch abwertet hat den Schuss nicht gehört. Mit der Kunst ist wie mit der Satire. Sie darf alles, muss es aber nicht.

  • Marcoz 9. 6. 2011 an 13:02

    Dumme, sinnlose Diskussion. Weil per se nicht im Konsens lösbar. (Irgendwie lustig: Das alleine wirft schon ein gewisses Licht auf den ethischen Konsens unserer Gesellschaft.)

    Die Entscheidung muss jeder mündige (!) Mensch selber treffen. Ich habe meine getroffen, und es ist nur meine: Wer darin Kunst sieht soll es sich gerne ansehen, ich persönlich fand den ersten Teil weder künstlerisch noch inhaltlich irgendwie massgeblich und die harsche Gewaltdarstellung inszenatorisch nicht wirklich notwendig. Aber so ging es mir auch mit „A Serbian Film“, allen „SAW“-Teilen nach dem ersten und vielem mehr. In diesem Sinne: Freigabe und Selbstbestimmung.

    Das einzige was mich nur immer und immer wieder an solchen Diskussionen eklatant stört, ist die Art und Weise wie die meisten Kunst vorschieben wenn es eigentlich nur darum geht sich extreme Gewaltszenen und möglichst blutige Splatter-FX anzuschauen. Wenn einem das Spass macht, okay, aber dann bitte nicht immer mit der großen Kunstfahne herumwedeln.

  • Doughnut 9. 6. 2011 an 18:02

    Bin erst halb durch, aber schon man oberlol, was ihr alle schon so für kranken Scheiß gesehn habt. XD

    Finde, bis zur Mitte schreibt Dr. Strangelove mit das Sinnigste hier.
    Cool inszenierte oder beiläufige Gewalt in Mainstreamfilmen ist wirklich problematischer als so totale Grenzüberschreitungen mit deutlicher vorheriger Ankündigung wie bei SAW oder noch kränkerem Scheiß wie dem hier. „Erzwungene Darmentleerung“, iehhhh!!! Was für ein ekelerregender Fetisch! Aber andererseits auch total harmlos und eher zum sich drüber Lustigmachen geeignet als zum sich Sorgen.
    Die U-Bahn-Schläger aus Berlin würden sich sowas jedenfalls ganz sicher nicht anschaun und wenn, dann würden sie höchstens den Filmvorführer vermöbeln, weil er sie mit solchem Scheißdreck terrorisiert. ^^

    Damit wird die Zensurdebatte aber auch wieder unsinnig, denn Filme wie Pulp Fiction lass ich mir nicht verbieten, cool inszenierte Gewalt auch nicht. Man wird schließlich noch träumen dürfen, z.B. von einer Welt, in der man nicht immer so grenzenlos rücksichtslos sein muss und einfach mal abdrücken kann, wenn der Gegenüber einem auf den Sack geht. XD

  • Doughnut 9. 6. 2011 an 18:47

    „von einer Welt, in der man nicht immer so grenzenlos rücksichtslos sein muss“

    „grenzenlos rücksichtsvoll“ natürlich ^^

  • Doughnut 9. 6. 2011 an 18:51

    @ creamneuron:
    „Man muss nicht jede Freiheit die man hypothetisch für sich in Anspruch nehmen DÜRFTE, auch zwingend nur deswegen auch ausreizen. Es sollte Grenzen geben, die von Vernunft und Ethik gezogen werden, und nicht vom Gesetz. Alle schreien immer danach, dass man gerne als mündiger Mensch behandelt werden möchte, dann soll man sich auch erstmal dementsprechend verhalten. Und das heisst eben: Nicht immer alles was man darf, muss man auch. Wahre Mündigkeit entsteht nicht daraus, dass man darauf besteht, was man bitte dürfe, sondern daraus, dass man auch mal auf etwas verzichten kann, obwohl man es eigentlich dürfte.“

    Womit du natürlich Recht hast … aber auch völlig konträr zu deiner Position die totale Zensurfreiheit forderst. ;-)
    Denn wie soll man denn bitte auf etwas verzichten, das einem schon vorenthalten wurde?

  • finefin 9. 6. 2011 an 19:20

    Habe schon viele Filme gesehen von denen ich nachher dachte:
    *Börrp* – hätt nich sein müssen. — Irréversible war so einer. Der hat mich ne Woche lang verfolgt. Den Serben-Film hab ich gleich unter „never“ abgeheftet. Saw und Hostel? Nääh, kein Interesse.

    Ich kann die Begeisterung für Torture-Porn nicht nachvollziehen. Aber Filme quasi aus dem Affekt heraus verbieten, weil sie einem nicht ins Weltbild passen? Sinnlos. Besonders zu Zeiten des Internet.

    Ich möchte aber mal an den Exploitation-Film der 60er & 70er erinnern, so neu ist der Sex/Gewalt-Porn nämlich nicht. Mal „Cannibal Holocaust“ gesehen?

    Man kann sogar noch weiter zurück gehen. Ans Ende des 19. Jahrhunderts, wo im Pariser „Grand Guignol“ Splatter-Theater aufgeführt wurde.

    Hey, man kann sogar *noch* weiter zurück. In der Bibel gehts teilweise echt ab! Und auch in der griechischen Mythologie gibts einige äußerst verstörende Geschichten. Sex mit Tieren, von Adlern ausgefressene Lebern…

    Nunja. Ich hole wohl etwas weit aus. Wollte damit nur sagen, dass Allmachtsphantasien tief verwurzelt sind in der menschlichen Psyche und das in jeder Epoche der Schock als Stilmittel seinen Platz hatte.

  • Doughnut 9. 6. 2011 an 19:35

    Bei ner Szene, in der einer mit Stacheldraht um den Pimmel gewickelt eine Frau anal vergewaltigt, würd ich btw beinahe schon wieder lachen, jedenfalls find ich das, wenn ich es mir vorstelle, dermaßen absurd, dass ich jedesmal anfange zu grinsen, wenn ich versuche, mit so nen Schwachsinn vorzustellen.
    „Monty Python meets Jackass“ oder was? XD

    Filme sind übrigens (wie auch andere hier schon schrieben) auch mit dazu da, Phantasien auszuleben, die man real NIE ausleben würde, nicht weil man als „gesunder“ Mensch so etwas „ethisch“ nicht vertreten könnte, sondern weil man einfach kein mieses Arschloch sein will und anderen Menschen in der Realität das mit dem Ausleben solcher Phantasien verbundene Maß an Leid nicht zufügen möchte.
    Figuren im Film sind aber nicht real, also kann man z.B. die mit Vergewaltigungen verbundenen Allmachtsphantasien da sehr wohl ausleben, schadet ja keinem.
    Ob jemand so etwas braucht, ist ganz allein sein Bier, genau wie es z.B. jedem selbst überlassen ist, ob er Pornos gucken will. Wir sind nun mal auch bloß Tiere und das romantisierende Menschenbild des 18. und 19. Jh ist nun mal völliger Käse, seht es ein.

  • Doughnut 9. 6. 2011 an 19:49

    Ach ja, damit oute ich mich btw als Anhänger eines sehr radikalen Freiheitsbegriffs, sprich, mir geht es am Allerwertesten vorbei, ob solche Machwerke irgendwen negativ beeinflussen. Das ist sein Problem, damit muss er fertig werden, nicht ich. Mich interessiert es erst, wenn er deswegen gefährlich für mich und andere wird, und dann bin ich wiederum Anhänger drakonischer Strafen und ghettoweiter Zwangssterilisationen. ^^
    Ne, Scherz, aber irgendwie muss man solche Affen, die sich so leicht von so etwas Banalem wie Filmen oder Spielen zu Gewaltausbrüchen hinreißen lassen, doch an der Fortpflanzung hindern, die bringen ja das gesamte Menschengeschlecht in Verruf…

  • creamneuron 9. 6. 2011 an 20:03

    @#38

    Bitte nicht aus dem Kontext reissen. Die ganze Aussage war:

    „Oder ist die Tatsache, dass solche Auswüchse wie diese Filme vorhanden sind ein Zeichen dafür, dass es uns noch zu gut geht? Werden zu wenig Menschen auf der Welt vergewaltigt und gefoltert?“

    und das bezog sich auf die vorhergehenden Sätze.

    Was ich damit behaupten wollte, bzw. als Theorie aufstellen wollte, war das Menschen die solche Dinge selber erlebt haben, selten ein Bedürfnis danach haben, es sich in Filmen anzuschauen. und meine provokative Bemerkung, dass solche Menschen so etwas mal am eigenen leib erleben sollten, und dann wollen wir mal sehen, ob sie danach immer noch eine Befriedigung in solchen Dingen finden. Da ich davon ausgehe, dass dem nicht so sein wird, habe ich geschlussfolgert, dass es „uns“, den menschen insg. anscheinend viel zu gut geht.

    das war provokativ. Aber nicht unwahr. Auf jedenfall nicht, wenn ich mit „uns“ UNS hier meine, die hier lesen und schreiben können, Menschen der reichen Wohlstandsgesellschaft der Welt.

  • creamneuron 9. 6. 2011 an 20:15

    @#38 ps.
    „ich bin lange über die 18 jahre hinaus und ich habe viele freunde die offen zugeben können nicht einmal geisterfilme (hui buh) ansehen zu können.
    also dieses argument man wolle nich als pussy gelten und würde sich aus diesem grund einen solchen film ansehen ist doch totaler quatsch.“

    Ist es das? Du sagst selber, du bist lange über 18. Da mag es quatsch sein. Aber – und ich will hier keinesfalls veralllgemeinern – bei bestimmten Gruppen Jugendlicher ist das sicher kein Quatsch.
    und auf den Rest geh ich jetzt nicht ein, das war so auch nicht meine Aussage. Weder das jemand der so etwas sieht, so etwas erleben soll, noch jemand der es erlebt hat, nicht sehen darf, etc….

    Um es nochmal kurz und knapp auf den Punkt zu bringen: ich halte es da ganz nach Crowley. „Do what thou wilt shall be the whole of the Law“.
    Und jetzt wollen wir mal sehen wie der einzelne diesen Satz überhaupt versteht. Der springende Punkt ist „was man will“ – und nicht „wie man lustig ist“. Ein gesunder Wille muss erstmal entstehen, damit man dieses Motto leben kann. Und dazu gehört eben, dass ich nicht alles will, nur weil ich es kann. Es darf Freiheiten und Möglichkeiten geben, die ich nicht wollen will. Insofern bin ich natürlich nicht für ein Verbot. Aber ich wünschte mir, dass niemand ein Interesse an sowas hätte. Und um noch provokanter zu werden (ohne dabei persönlich sein zu wollen):
    Jeder, der ein Interesse an sowas hat, hat meiner Meinung nach das Potential noch „gesünder“ zu werden. ;)

  • creamneuron 9. 6. 2011 an 20:28

    @#43
    „Damit wird die Zensurdebatte aber auch wieder unsinnig, denn Filme wie Pulp Fiction lass ich mir nicht verbieten, cool inszenierte Gewalt auch nicht. Man wird schließlich noch träumen dürfen, z.B. von einer Welt, in der man nicht immer so grenzenlos rücksichtslos sein muss und einfach mal abdrücken kann, wenn der Gegenüber einem auf den Sack geht. XD“

    „Cool inszenierte Gewalt“?
    „Wenn einem der Gegenüber „auf den Sack geht“ und man (im Traum) am liebsten mal abdrücken würde…..

    Erklär doch mal was „Cool“ inszenierte Gewalt ist bitte. Und versuch doch dabei mal, nicht den Eindruck eines pubertierenden 16-jährigen zu machen.

    Omg, ich lass hier so den Spiesser raushängen. =D

  • creamneuron 9. 6. 2011 an 20:39

    Nochmal an Doughnut:
    „…Womit du natürlich Recht hast ”¦ aber auch völlig konträr zu deiner Position die totale Zensurfreiheit forderst. ;-)
    Denn wie soll man denn bitte auf etwas verzichten, das einem schon vorenthalten wurde?“

    Was habe ich den vorenthalten wollen?
    Aber man kann durchaus auf etwas verzichten, was man sowieso nicht haben könnte. Da kommt es auf die innere Einstellung an, die eigene gedankliche Entscheidung. Zum Beispiel kann ich diesen Sommer bewusst darauf verzichten Urlaub in der Karibik zu machen. Auch wenn ich die Möglichkeit so oder so nicht gehabt hätte. Ich glaube ungefähr das meintest du? Ansonsten weiss ich grad nicht, was du mit vorenthalten meinst.

    Und um genau zu sein, WÜRDE ich eine totale Zensurfreiheit – nur dann – fordern, wenn ich die „gesamte“ Gesellschaft (oder einen mathematisch eindeutig relevanten Teil davon) als mündig betrachten würde. Tu ich aber nicht, da dazu eben auch Minderjährige gehören. Und darum macht es schon Sinn, Regeln zum Schutz einiger aufzustellen. Auch wenn das kosmetisch natürlich ein hässlicher Fleck ist, wenn man doch eigentlich „die totale Zensurfreiheit“ fordert. Aber das tu ich eben auch nur in einem hypothetischen, idealen Modell.

  • Doughnut 9. 6. 2011 an 20:46

    „Omg, ich lass hier so den Spiesser raushängen. =D“

    Stimmt, tust du. Und weißt du auch, wieso? Weil du eben wirklich ein ganz entsetzlich langweiliger Spießer bist, ganz einfach. ^^
    Und damit erlischt auch schon jegliches Interesse meinerseits, hier weiter mit dir rumzustreiten, schon weil wir uns eh nie irgendwo in der Mitte treffen werden.

    Mit „cool inszenierter Gewalt“ meine ich Filme wie Matrix und die Tarantino-Streifen. Das Wort cool wiederum ist inzwischen so altbekannt und beinahe wieder uncool, dass ich nicht denke, es weiter erläutern zu müssen.

    Was deinen Eindruck von mir angeht, drauf gesch*****. Wenigstens komme ich nicht rüber wie ein typischer CSU-Wähler. ;-)

  • Doughnut 9. 6. 2011 an 20:49

    FSK und Zensurfreiheit für Erwachsene (solange niemand zu schaden kommt natürlich) haben nicht das geringste miteinander zu tun, du machst dich mit dem Beitrag noch lächerlicher als sowieso schon.

  • Doughnut 9. 6. 2011 an 21:04

    „Aber man kann durchaus auf etwas verzichten, was man sowieso nicht haben könnte. Da kommt es auf die innere Einstellung an, die eigene gedankliche Entscheidung. Zum Beispiel kann ich diesen Sommer bewusst darauf verzichten Urlaub in der Karibik zu machen. Auch wenn ich die Möglichkeit so oder so nicht gehabt hätte. Ich glaube ungefähr das meintest du? Ansonsten weiss ich grad nicht, was du mit vorenthalten meinst.“

    Aber lustig ist er schon irgendwo. Ich hab jedenfalls herzhaft lachen können beim Lesen dieser Passage, danke dafür.

  • creamneuron 9. 6. 2011 an 21:08

    ***
    „Figuren im Film sind aber nicht real, also kann man z.B. die mit Vergewaltigungen verbundenen Allmachtsphantasien da sehr wohl ausleben, schadet ja keinem.“

    Na ich behaupte mal, als psychiatrischer Laie, die Wahrscheinlichkeit dass du damit DIR schadest, besteht schon. Denn z.B. wird nicht jede Zwangsneurose durch Ausleben derer besser. Auch wenn das einige behaupten würden, glaube ich das nicht. Womit ich auch nicht dafür plädiere, so etwas schlicht zu unterdrücken, aber es bieten sich da sicherlich noch reichlich andere Behandlungsweisen an. =)

  • Doughnut 10. 6. 2011 an 1:03

    Und wo genau liest du Nase raus, dass ich solche Phantasien hätte?

    Hat mal bitte einer ne Knarre?
    Danke.
    *Durchlad und creamneurons wertloses Hirn an die Wand spritz*

    Hach tat das gut. :)

  • Mathias 10. 6. 2011 an 2:09

    Ihr seid ja lustig.
    Staatliche Zensur ist im Internetzeitalter sowieso nur mehr nichts als ein verzweifelter, aber nun mal sinnloser Versuch des Gesetzgebers, sein letztes bisschen Macht auf diesem Bereich auszuspielen. Letztendlich wird der Film aber durchs Internet geistern und jeder – auch ein Brite – mit ein bisschen Technologiekenntnis und Interesse wird ihn sich ansehen können. Und das ist auch gut so.

  • Binding 10. 6. 2011 an 19:43

    Was eigentlich grundsätzlich gar nicht geht, ist, bestimmte Szenen isoliert vom Film, zu dem sie gehören, zu betrachten. Und vor allem auch überhaupt schon darüber zu debattieren, bevor man sie gesehen hat. Es kommt nämlich sehr darauf an, wie die Szene inszeniert ist und welche Funktion sie innerhalb der Filmhandlung hat. Ohne dieses Wissen ist kein FUNDIERTES Urteil über solch eine Szene möglich, denn es kann dabei höchstens nur um persönliche Einstellungen zu Kunst und Zensur sowie persönliche (Geschmacks-)Grenzen gehen. Wenn die Szene zum Beispiel eine handlungsrelevante Funktion erfüllt, sollte sie eine Berechtigung haben dürfen. Und bei der konkreten Art der Inszenierung muss gefragt werden: Wie explizit sieht man den Vorgang – wird er etwa nur angedeutet oder spielt er sich sogar eher erst im Kopf der Zuschauer ab? Was will der Regisseur damit bewirken (also: Wie kommt’s rüber)? Wie brutal bzw. blutig bzw. grausam wirkt die Szene (Vorsicht Falle: Das ist bei jedem anders!). Man sieht schon: Es ist nicht so einfach.

  • florian 11. 6. 2011 an 12:46

    Ich bin schon fasziniert, wie bei diesen Diskussionen über Freiheit und Sicherheit und die Frage, was Kunst/Satire darf/kann/soll/muss immer der wichtigste Punkt vergessen wird:

    Kunst ist zuallerst immer mal eins: Nicht real. es ist, wie der Name schon sagt, eben künstlich. Kunst. Also entweder ohne Bezug zur Realität oder ein Abbild (!) der Realität – übrigens gerne auch mal verzerrt um einzelne Aspekte besonders deutlich zu machen, die sonst eben nicht deutlich werden.

    Ich finde daher, man kann ein Bild/story/film über alles machen (ja, auch Stacheldraht-Vergewaltigungen) – aber wenn man das in der Realität macht (auch bei der Produktion, übrigens), gibts Haue!

    Wenn mein Nachbar in seinen eigenen vier Wänden Folterpornos schaut. Mir egal. Wenn er in den eigenen vier Wänden foltert: Fall für Staat, Polizei, Zivilcourage etc.

    Die Forderung nach Freiheit in der Kunst bedeutet eben nicht die Abkehr von gesellschaftlicher Verantwortung für das, was wir real tun.

    Nebenbei glaube ich, dass (psychische wie physische) Gewalt in der künstlerischen Darstellung in den meisten Fällen eher den entgegengesetzten Effekt hat. Also nicht: Geil, wie der seine Freundin vergewaltigt, das mach ich heute abend auch, sondern eher: hmm, so schnell ist eine Grenze überschritten, die seiner Freundin nicht gefällt – da pass ich in Zukunft eher auf.

  • Fettschürze 12. 6. 2011 an 12:44

    Die Diskussion hier ist wirklich auf erschreckend niedrigem Niveau. Da JMK das Problem in der 41 bereits perfekt auf den Punkt gebracht hat zitiere ich einfach noch einmal seinen Post:

    „Die Kommentare hier sind ja wieder mal unterste Schublade. Wer schon versucht einen Kunstbegriff zu definieren und dann noch abwertet hat den Schuss nicht gehört. Mit der Kunst ist wie mit der Satire. Sie darf alles, muss es aber nicht.“

  • Doughnut 12. 6. 2011 an 23:13

    @ 60:
    „Wenn mein Nachbar in seinen eigenen vier Wänden Folterpornos schaut. Mir egal. Wenn er in den eigenen vier Wänden foltert: Fall für Staat, Polizei, Zivilcourage etc.“

    Etwas kurzsichtig. Falls beim Drehen dieser Folterpornos wirklich jemand gefoltert wurde, dann geht dich das sehr wohl etwas an. Dann ist das ein Fall für den Staatsanwalt und dein Nachbar gehört ordentlich bestraft.
    Der Grund ist hoffentlich klar, Nachfrage schafft in dem Fall Angebot, sprich nur dank solcher Perverslinge wie deines Nachbarn werden am Ende überhaupt Leute für solche Filme gefoltert.

    Wenn es alles nur gestellt ist, geb ich dir hingegen Recht.

  • aZrael 15. 6. 2011 an 20:44

    Jetzt würde ich mich auch gerne nochmals in die Diskussion einschalten (war ein paar Tage außerhalb von Wlan und PC, da auf dem WGT).

    Ja, wir Medientheoretiker streiten uns schon sehr lange über die Frage, wie virtuelle Gewalt auf den Rezipienten wirkt. Und je nach dem, welchem Lager man angehört, gibt es dazu viele verschiedenen Haltungen und Meinungen- und auch einige, welche vor allem ohne Fundierung von wertkonservativen Menschen als Instrument ihrer Ansichten verwendet werden.

    Es besteht aber inzwischen ein breiter Konsens innerhalb der forschenden Gemeinschaft, dass der Genuss von bestimmten Bildern nur für die Wirkung der Bilder als solches abstumpft.
    Es aber immernoch ein deutlicher Unterschied ist, ob ich etwas medial vermittelt bekomme oder in der Realität erlebe. Und selbst dann würde ich auch wiederum abstumpfen, wenn ich mit dem Ereignis in der Realität mehrfach in Kontakt geraten würde.

    Das ist eine natürliche menschliche Reaktion: Wiederholt auftretende Reize sorge für ein vermindertes neuronales Aktionspotential.

    Und dass man solche Filme nicht machen sollte, weil es uns noch zu gut geht: sorry, diese Argumentation kann ich nicht nachvollziehen. Filme werden ja nicht aus einer reinen „Ich will jetzt meine Phantasien ausleben können“-Haltung gedreht- und auch nicht geschaut!

    Was hier vielmehr greift, ist die sogenannte Angstlust. Etwas, dass wir etwa auch triggern, wenn wir auf der Kirmes in die Geisterbahn gehen. Bereits Kant hat hierzu das Schöne und das Erhabene voneinander geschieden. Und es ist eben für diese Angstlust wichtig, dass man sich dieser in einem geschützten (in diesem Fall eben fiktiv-virtuellen) Rahmen aussetzt.

    Man kann es also als „krank“ in einem sehr subjektiven Falle ansehen, dass es Menschen gibt, welche diese Art von Filmen konsumieren. Aber es ist – sorry – menschlich. Und das hat nichts mit den Zuständen der Gesellschaft, der Verrohung der Menschen, den bösen Massenmedien oder sonstigen Schmuh zu tun, den die Gutmenschen gerne zitieren. Sondern einfach mit unserem Wesen als Menschen. Ist vielleicht nicht schön- ist aber so.

    Schwierig wird es eben nur, wenn die Regel- und Kontrollmechanismen wegfallen. Wenn ich eben durch medial vermittelte Bilder und eben nur alleine durch sie einen Wertekanon aufbaue. Wenn ich eben mit dem Fernseher etwa alleingelassen bin und das gesehen nicht mehr einsortieren kann. Dann kann es u.U. dazu führen, dass mediale Gewalt / Werbung / Seifenopern Handlungsrahmen oder Schemata vermitteln.

    Aber: diese funktionieren nicht in der Realität. Handlungsschemata werden in der Entwicklung immer wieder neu aufgebaut, geprüft und verworfen. Wenn man nicht ein völliger Soziopath ist, der unbeeinträchtigt durch seine Mitmenschen lebt, sondern hat man immer wieder ein mächtiges Korrektiv für seine Handlungen: das individuelle soziale Umfeld. Denn das „bestraft“ und sanktioniert ganz von alleine Handlungen, welche nicht mit dessen Werte und Ansichten vereinbar sind. Auch das ist eine zutiefst menschliche Sache.

    Insofern: Ja, ich würde meine Kinder auch Filme sehen lassen, welche ich a) selbst ablehne und b) u.U. noch nicht für ihre Altersstufe frei gegeben sind, wenn sie selbst in ihrer individuellen Entwicklung dafür bereit wären- aber ich würde mit ihnen auch über das sprechen, was sie da sehen.

    Und wenn es eine anale Vergewaltigung mit Stacheldraht wäre, würde ich auch über diese Bilder mit ihnen sprechen und versuchen zu verstehen, ob und wie sie dieses einordnen. Und dass ein solches Bild jeden Betrachter verstört, liegt nunmal in der Natur der Sache. Würde es mich auch, selbst, wo ich ein paar Jahre Erfahrungen mit Filmen und deren Wirkung habe (Salo ist jedesmal wieder eine Tortur für mich und dennoch erkenne ich dessen künstlerischen Wert).

    “Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.”

    In diesem Sinne,
    aZrael

  • Zoe 20. 6. 2011 an 16:39

    Will man da ernsthaft von Trier mit Tom Six vergleichen?
    Während der erste Film von Six noch nur wiederlich war, wird der zweite einfach schon laut dieser Beschreibung sicherlich noch schlimmer und ein verpackter Fetisch Porno mit Splatter Elementen. Wohingegen von Trier, mit Antichrist, einen wahnsinnig guten Film geschaffen hat, der auf Kipp zwischen Wahnsinn und Horror steht, dabei aber auch dramatische Elemente einbaut.
    Das ist doch definitiv stilvoller und nicht zu vergleichen, auch wenn ich verstehen kann das von Trier bei vielen auch hart an die Grenze stößt.

  • lmh 14. 8. 2011 an 20:04

    A Serbian Film – mit 4 Minuten Kürzung kein Problem, aber THC 2 verboten? Inwiefern ist denn Kinderschändung unter Drogeneinfluss, sowie die Vergewaltigung von Neugeborenen weniger grausam als oben genanntes Material? Das scheint schon wieder so einer dieser „tja, dann machen dir da jetzt mal ’nen Skandal draus“-Fälle zu sein, bei dem letzendlich nur einer profitiert, und zwar Tom Sixth, für dessen Film hierbei nämlich schön Werbung und gemacht wird. Wer’s sich anschauen will, findet schon einen Weg – und so war es bisher immer, dank dem Internet. Und die, die meinen dass der Film absolut grausam ist, müssen ihn sich ja nicht angucken. Punkt.

  • lmh 14. 8. 2011 an 20:05

    A Serbian Film – mit 4 Minuten Kürzung kein Problem, aber THC 2 verboten? Inwiefern ist denn Kinderschändung unter Drogeneinfluss, sowie die Vergewaltigung von Neugeborenen weniger grausam als oben genanntes Material? Das scheint schon wieder so einer dieser „tja, dann machen dir da jetzt mal ’nen Skandal draus“-Fälle zu sein, bei dem letzendlich nur einer profitiert, und zwar Tom Six, für dessen Film hierbei nämlich schön Werbung und gemacht wird. Wer’s sich anschauen will, findet schon einen Weg – und so war es bisher immer, dank dem Internet. Und die, die meinen dass der Film absolut grausam ist, müssen ihn sich ja nicht angucken. Punkt.