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Hochhäusler über Schauspiel, das „Kino als dialektische Maschine“ und Geschichten

16. 9. 2011, Jet Strajker, 6 Kommentare

Der zumeist der Berliner Schule (nach wie vor ein unschöner Sammelbegriff) zugeordnete Christoph Hochhäusler, Regisseur von „Falscher Bekenner“ und „Unter dir die Stadt“ sowie Gründer und Mitherausgeber der Filmzeitschrift Revolver, sinniert im neuesten Beitrag seines Parallel-Film-Blogs über das deutsche Kino, Produktionsbedingungen und die Art Filme, die er sich wünscht drehen zu können. Lesens- und wie immer diskussionswert.

Ich sehne mich nach einem Kino, das weniger Zeit und Kraft auf Dekoration und Routine verwendet) und sich auch nicht damit aufhält, „alles” anders zu machen („ein ganzer Film in einer Einstellung”). […] Ich bin auf der Suche nach einem Kino der Liebe, das sich wirklich für den Menschen interessiert. Ein Kino, das ohne auteuristischen Stolz von Moment zu Moment geht, „kunstlos”. Ein Kino auch, das seine filmischen Mittel nicht versteckt, sie so verwendet wie einen Zeigefinger, den man auf die Lippen legt (jetzt leise sein) oder auf die Wunde („Do ist mir we.”).

Der ganze Text: hier.

  • Silent Rocco 16. 9. 2011 an 3:05

    Immerhin macht er sich ernsthaft Gedanken. Und seine Leidenschaft und sein Forscherdrang zum Medium werden dadurch (und in anderen Artikeln, die noch quergelesen habe) schon spürbar. Aber schlussendlich zählt: Als Schaffender spricht man am deutlichsten durch seine Werke. Ich bin gespannt, was da noch kommt.

  • Habib - Sexbombe 16. 9. 2011 an 11:35

    „Ein Kino, das ohne auteuristischen Stolz von Moment zu Moment geht, “kunstlos”.“

    Na, dann soll er dat man machen und nicht drüber labern. Was ich von ihm kenne („unter dir die Stadt“) ist nämlich faules Arthouse Geschwurbel für satte Feuilletonisten.

  • stb247 17. 9. 2011 an 23:15

    Ist ja eine nette Idee, aber wenn jemand so distanziert schreibt und zu Floskeln wie „Das Kino als dialektische Maschine sozusagen“greift, dann fragte ich mich, wo und wie er denn die schauspielerischen und inszenatorischen Defizite beheben will. Denn da schwingt soviel Kopf mit, dass ich an sein Herz gar nicht komme. Und letztlich glaube ich das dann doch rauszulesen… auch er sucht Filme, die da treffen, wo es am wirksamsten ist: Ins Herz.

    Vielleicht sollte er mehr Emotion studieren und weniger Satzbau.

  • Dr.Strangelove 18. 9. 2011 an 11:49

    Die Situation in Deutschland ist einfach scheiße. Und wird immer beschissener. Fernsehen geht, trotz Neo und Co. immer weniger Risiken ein. Kleines Fernsehspiel verkommt zu einem Wettberwerb wo ALLE mitmachen durften. (Web 2.0) und letztens liefen dann so Filme mit Herrn Tutorial und anderen Youtube Gesichtern bei „Kleines Fernsehspiel“. Kotz.
    ZDF will halt Jung sein. Aber die sollen nicht DIESEN Sendeplatz opfern. Früher durften Regisseure da jeweils drei Filme drehen. Sich also drei mal ausprobieren. Natürlich muss man da auch erst mal reinkommen.

    Und ich kenne einige wo man sagen könnte: hmmm. die sind jetzt so gut, die könnten eigentlich auch mal einen Tatort drehen. Aber die haben eigentlich mit Krimi gar nichts am Hut.
    Aber es gibt eben nur Krimi, Traumschiff bei ARD, ZDF, und die Privaten drehen eben Liebesschmonzetten und Klamauk. Oder auch mal Drama wie „Die Brücke“ oder „Der Fall Marco W.“ Über Serien will ich gar nicht reden.

    Es geht einfach zu wenig nach vorne. Und wenn ich sehe welche Kurzfilme so gefördert werden… oder was so auf Festivals läuft. urggg.
    Natürlich gibt es tolle Produktionen von X-Filme oder so. Aber ach. Das ganze System ist so schlecht…
    dann lieber Geld sparen, nur am Wochenende drehen, ohne Förderung, auf DSLR. Man wird quasi zum Hobbyfilmer. aber Arranofsky, Nolan und Co. haben genau so angefangen. Es gibt mehrere Wege zum Film. Auch in Deutschland. Hans Weingartner zum Beispiel. Mit den neuen DSLR Kameras kann man wunderbar Filme wie „Das Weisse Rauschen“ filmen… die dann nicht mehr nach DV aussehen… sondern eben Hochwertiger. Aber mit dem gleichen Budget!

    Ich glaube die Not muss noch größer werden. Und dann gibt es vielleicht ein zweites Dogma95. Im Grunde werden die Möglichkeiten für Filmemacher von Jahr zu Jahr besser… was die Technik angeht. Nicht was die Situation angeht. (Weniger Förderung, Kulturgelder wurden in den letzten Jahr eh dratisch gestrichen).

  • pipapop 24. 9. 2011 an 16:03

    „Und ich kenne einige wo man sagen könnte: hmmm. die sind jetzt so gut, die könnten eigentlich auch mal einen Tatort drehen.“

    Aber Tatort ist doch das eigentliche Übel in Deutschland. Die Drehbücher sind selten stimmig, die wenigen guten Schauspieler verkümmern in den klischeebeladenen Dialogen und die Technik ist – wenn sie denn mal dem deutschen TV-Look entfliehen will – dann eben am skandinavischem Film angelehnt. Eigentlich nicht anders als der andere Krimirotz, ich versteh nach wie vor nicht, wieso das bei deutschen Kritikern und Publikum als „wertvoll“ gilt.

  • stb247 24. 9. 2011 an 23:55

    @#5
    Ich schließe mich dem an. Der „Tatort“ hält das deutsche Fernsehen (und zum Teil auch Kino) seit 20 Jahren klein. Er ist das Krebsgeschwür, das vom Patienten schöngeredet wird, weil es aussieht wie ein dritter Arm und nicht wie ein ausgewachsener Tumor.

    Is aber kein Arm – is ein Tumor!