Review

Die Muppets (Review)

19. 1. 2012, Batzman (Oliver Lysiak), 14 Kommentare

„Haven’t you seen our first movie? We drive!“

Originaltitel: The Muppets
Herstellungsland: USA 2011
Regie: James Bobin
Buch: Jason Segel & Nicholas Stoller
Darsteller: Kermit, Miss Piggy, Fozzy, Rowlf, Walter, Jason Segel, Amy Adams, The Animal, Scooter, Gonzo, Chris Cooper

Die beste Zeit liegt lange hinter ihnen. Die Muppets sind vergessen und in alle Winde zerstreut. Ihr altes Theater soll an den reichen Geschäftsmann Tex Richman (Chris Cooper) verkauft werden, der darunter nach Öl bohren will. Doch die beiden Muppet-Fans Walter (Walter) und sein Bruder (Jason Segel) sowie dessen Freundin (Amy Adams) alarmieren Kermit um die alte Gang nochmal zusammenzutrommeln und ein Muppet-Spendenspecial zu produzieren, damit das Theater gerettet werden kann.

Was habe ich mich auf diesen Film gefreut. Ich liebe die Muppets seit ich die erste Folge irgendwann Anfang der 80er Jahre im ZDF gesehen habe (oder vielleicht sogar schon seit Peter Alexander sie in einer seiner Shows zu Gast hatte, die ich als kleines Kind immer bei meiner Oma geguckt habe). Die Muppets sind klasse und das nicht nur aus nostalgischen Gründen: Sie sind quintessential Puppets (auch wenn man sie nie als Puppen bezeichnen sollte) – sie waren der Beweis dass es nur geniale Pupeteers braucht um auch ohne große Special Effects lebendige, liebenswerte, witzige und skurrile Charaktere zu kreieren. Im Gegensatz zu blöden Bauchredner-Puppen, Kasperletheater oder den üblichen steifen Figuren die das Kinderprogramm bevölkerten waren die Muppets immer lebendig. Sie waren eben nie Puppen, sie waren People. Ohne sie gäbe es weder die Feebles von Peter Jackson noch die geniale Avenue Q-Show (bei der übrigens etliche Henson-Pupeteers mitwirkten). Kermit, Piggy, Waldorf und Stattler, Sweetums, Schweine im Weltall und der schwedische Koch sind Teil meiner Kindheits-DNA und wie ich bei neuerlicher Sichtung der alten Shows und Filme im vergangenen Frühjahr feststellte: Ich liebe sie noch immer.

Das konnten selbst die schlechten Filme wie Muppets from Space, The Muppet Wizard of Oz, die eher mässig witzige Neuauflage Muppet Tonight oder die öligen TV-Weihnachts-Specials nicht ändern. Denn die Handlung des Films ist nicht so weit von der Realität entfernt, für über 10 Jahre waren die Muppets nicht mehr wirklich präsent oder gar wirklich relevant. Zum Glück haben sie sich langsam wieder emporgearbeitet, zuerst mit kleinen Nischen-Produktionen für diverse Websites, dann mit einem eigenen YouTube-Kanal für den sie originäre Videos wie das wunderbare Bohemian Rhapsody produzierten und nicht zuletzt mit der wirklich gelungenen Parodie-Werbekampagne die dem neuen Film vorausging, den dutzenden Auftritten in TV-Shows die eines deutlich machten: Sie sind wieder da!

Und wenn dies auch manchen als PR-Overkill vorkommen mag, so ist es doch bitter notwendig, denn dort in der Welt lebt eine ganze Generation von Kids die nicht wirklich wissen wie großartig die Muppets sind und die sich wahrscheinlich fragen warum ein alter Furz wie ich sich so darüber freut, wenn er eine Sockenpuppe mit Pingpong-Ball-Augen interviewen darf.

Das hat Gründe, denn Jason Segel und Regisseur James Bobin haben es wirklich geschafft eine absolut gelungenen Film abzuliefern, aus dem gerade Muppet-Fans mit einem dicken Grinsen herauskommen werden und „Lifes a happy song“ vor sich hinsummen werden. Hatte ich nach den ersten Informationen noch gefürchtet das Ganze könnte eine Star-Vehikel werden in dem die Muppets als Sidekicks für das Liebespaar Segel/Adams fungieren darf, stellte sich das nach wenigen Minuten als unbegründet heraus. The Muppets ist ein lupenreiner Muppet-Film, in dem die menschlichen Figuren bestenfalls Nebenrollen und Cameo-Auftritte haben.

Segel ist – und das nimmt man ihm absolut ab, wenn man sieht mit welch diebischer Freude er in Interwies mit seinem Co-Star Walter herumblödelt – ein Muppet-Fan dem viel daran lag der Muppet-Show und den ersten Filmen Respekt zu erweisen und gleichzeitig eine Geschichte zu erzählen, die die Muppets dort abholt wo sie heute sind. Sie in den mittelpunkt zurücken anstatt ein weiteres Mal eine klassische Story mit Muppets zu besetzen, wie das bei Wizard of Oz und Treasure Island der Fall war.

Natürlich ist die Handlung im Grunde nicht sehr originell und bedient sich großzügig bei Blues Brothers und ähnlichen Streifen (ein frühes Poster hatte sogar den Spruch „We’re getting the band back together“) doch das ist ganze so selbstironisch, liebenswert und augenzwinkernd umgesetzt, dass der Weg tatsächlich wichtiger ist als das Ziel. Für Fans ist es eine wahre Freude zu sehen, wieviele Referenzen es an die alte Show und besonders den ersten Film gibt, auch wenn dieser im Direktvergleich tatsächlich immer noch etwas gewaltiger wirkt, was Aufwand und Scope angeht. Ohne neue Zuschauer vor den Kopf zu stossen, werden dutzende kleine Anspielungen auf Muppet-Standards und frührere Ereignisse eingebaut, zusammen mit kleinen Seitenhieben auf die zynischeren, moderneren Epigonen, die in Form der Moopets die dunkle Gegenseite der Muppets darstellen. Denn so schön zynischer Witz und abgeklärter Sarkasmus auch oft sind, die herzliche Naivität und Offenheit, der kindliche Anarchismus der Muppets ist es der letztlich anrührt und sie als vollwertige Charaktere glaubhaft macht.

Das der Film die Muppets selbst auf ein Podest stellt kann man natürlich kritisieren, genau wie die im Grunde eher überflüssige und kaum ausgearbeitete Figur von Amy Adams mit der weder Drehbuch noch Regie wirklich viel anzufangen weiß und deren dramaturgischer Bogen mehr als einmal ziemlich holpert. Und auch dass ein sehr mutiger Gag im Finale (SPOILER SPOILER SPOILER *************) nämlich dass der Telethon nichtmal annähernd genug Geld eingebracht hat und die Muppets tatsächlich nochmal ganz unten anfangen müssen (SPOILER SPOILER SPOILER ENDE **********) dann um des Happy-End-Finales mal eben für null und nichtig erklärt wird und sich doch alle Probleme in Wohlgefallen auflösen: Natürlich ist das ein bißchen schade. Aber dann im Grunde auch nicht so wichtig, wenn man mit einem fröhlichen MahNaMahNa aus dem Kino entlassen wird.

Ist der Film genauso gut wie The Muppet Movie? Vielleicht nicht. Ist es der beste Muppet-Film seit „A Muppet Christmas Carol“ – ganz eindeutig. Der „Flight of the Conchords“-Regisseur Bobins inszeniert nicht immer in großen Kinobildern, aber fängt viele Details ein und hat ein sehr sicheres Händchen für Gags und Timing und die schwungvollen und wirklich eingängigen Songs von Flight of the Conchords-Mitglied Bret McKenzie treffen genau den richtigen Ton zwischen warmherzigen Spaß und ironischer Verspieltheit. Sie fügen sich nahtlos ein in die recycelten Klassiker wie Rainbow Connection, die im Film ebenfalls zitiert werden und helfen in ihrer optischen Umsetzung die Story des Films zu bereichern. Ob Kermit alleine durch seine runtergekommene Villa streift und über die alten Freunde sinniert oder sich Jason Segel singend fragt ob er ein Mensch oder ein Muppet ist – die Musik bereichert den Film ohne ihn auszubremsen.

Als kleine Beckmesserei könnte ich erwähnen, dass Piggy etwas sehr zahm geworden ist und sich Kermit etwas zu willig wieder an den Hals wirft, aber vielleicht ist die alte Sau auch im Laufe der Jahre nur etwas altersmilde geworden (wobei sie in einigen Internetvideos immer noch zeigt, dass sie ordentlich zuschlagen kann). Das die Menschen sich, egal wie berühmt sie sind, als Stichwortgeber und dekorative Sidegags begnügen müssen und Zack Galifianakis ein wenig verschwendet wirklich, während sich Selina Gomez überraschend treffend selbst verarscht (Ich bin nur hier weil mein Agent mir das gesagt hat) – auch das gehört zu einem Muppet-Film. Nicht umsonst war in Teil 1 Schwergewicht Orson Wells in einer Minirolle zu sehen und auch diesmal sind die Stars eher Fan-Support als wirklich wichtig. Wichtig ist nur eines: Das Muppet-Gefühl stimmt. Dieser Film ist im besten Sinne altmodisch und versucht nie sich beim modernen Kino anzubiedern, er setzt darauf dass Kermit und Co. auch heute noch ihre Muppet-Magic entfalten und das Publikum verzaubern können. Ohne CGI-Overkill, Fäkalwitze und all die anderen Standards heutiger Erfolgsfilme. Und genau deswegen ist er auch so sympathisch.

Seht euch den Film an. Und dann holt euch die DVDs mit dem alten Muppet-Movie und die Shows. Und denkt dran: Life’s a happy song…

  • Andy 19. 1. 2012 an 1:49

    Amen.

  • pommesgabel 19. 1. 2012 an 9:34

    Gibbet ein paar Sterne?

  • DocBobo 19. 1. 2012 an 9:43

    Ich mochte schon als Kind nicht die Muppets, und auch jetzt werde ich mir diese kaum anschauen!

  • Turtle 19. 1. 2012 an 10:02

    Ich hatte ja schon schwer gehofft, dass der Film lustig wird, da Jason Segel so oft sehr ueberzeugend rueber gebracht hat, wie sehr er die Muppets liebt. Und wenn man sich Dracula’s Lament aus Forgetting Sarah Marshall anschaut/anhört, dann weiss man auch, dass er genau richtig ist fuer diesen Film.
    Mich hätte auch sonst schon keine 10 Pferde davon abgehalten diesen Film zu schauen, aber nun freue ich mich gleich doppelt. Netterweise läuft er bei uns im Kino auch in der OV, auf die Synchronstimme von J. Segel habe ich naemlich keine Lust.

  • Gnislew 19. 1. 2012 an 11:14

    „Das hat Gründe, denn Jason Segel und Regisseur James Bobin haben es wirklich geschafft eine absolut gelungenen Film abzuliefern, aus dem gerade Muppet-Fans mit einem dicken Grinsen herauskommen werden und ”Lifes a happy song” vor sich hinsummen werden.“ – Wie recht du damit hast. Nach der PV ging mir das Lied schon nicht mehr aus dem Ohr! Seitdem vergeht nicht ein Tag, an dem mir die Melodie nicht durch den Kopf schwirrt und mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Die Muppets sind zurück! Und wie!

  • Fluffy Bunny 19. 1. 2012 an 12:11

    Kaum gibt’s keine Sterne, werden sie vermisst… gibt es welche wird gemault.

    Internet rockt! Echt jetzt!

  • Hans 19. 1. 2012 an 12:16

    @Fluffy Bunny
    Vielleicht gibt es ja nicht nur den einen Typ „Internet-Nutzer“ sondern verschiedene Persönlichkeiten mit verschiedenen Ansichten und Meinungen ;-) ?

  • Fluffy Bunny 19. 1. 2012 an 13:31

    Wäre möglich… die „anderen“ trifft man aber nur sehr selten. Der eine bist wohl Du, der andere wohnt meines Wissens nach in Norwegen. ;-)

  • Patrick Zorn 19. 1. 2012 an 15:32

    Ich habe die Muppets als Kind geliebt. Aber den Film hier….no, das ist nicht drin. Das ist irgendwie wie „Joogy Bär“, den habe ich als Zeichentrickfigur auch gerne geschaut, den Film wollte ich mir nie antun. Ich war schon bei den Schlümpfen mehr als enttäuscht und habe ihn nur gesehen, um meine Neugier zu stillen.

  • Rudi Ratlos 20. 1. 2012 an 11:46

    Schönes Review, Film wird nächsten Dienstag geschaut – ick freu mir :D

  • Verena 20. 1. 2012 an 12:45

    MUPPETS! <3

    Schau ihn mir heute Abend an :)

  • Hans 21. 1. 2012 an 16:37

    Grossartiger Film! Nichts für Machos, Coole und Schlechtmenschen, aber der Rest dürfte sich sehr gut unterhalten fühlen. Life IS a happy song.

  • jp 24. 1. 2012 an 1:10
  • Matty 25. 1. 2012 an 1:04

    Heute auch gesehen. Klasse Film. Am besten hat mir der Moopet „Wocka Wocka“ gefallen! ;)

    Das ist genau das Gegenteil von aktuellen Komödien. Genau wie Batzman geschrieben hat. Sympathisch, unterhaltsam, humorvoll. Kein dümmlicher Fäkalhumor und kein CGI. Empfehlenswert.